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12. Juni 2008, 09:20 Uhr

Der heiße Schweiß der Sparsamkeit

Wer schlau fährt, verbraucht mit dem Fabia GreenLine nur 3,2 Liter auf 100 Kilometer. Aber das kostet Nerven und bringt wenig Spaß, musste man beim Spritspar-Rennen von Skoda in Salzburg herausfinden. Von Antje Helms

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Wer sich aus Schusseligkeit verfährt, hat vorher natürlich umsonst gespart© Heiko Mandl

Mir ist heiß! Die Haut klebt und das T-Shirt müsste längst ausgewechselt werden. Bei 68 Km/h auf der Landstraße könnte ich zwar lässig meinen Arm aus dem Fenster baumeln lassen und ein bisschen Luft schnappen: Aber das ist verboten! Also brüte ich weiter auf meinem Beifahrersitz bei gefühlten 40 Grad. Dem Kollegen links neben mir geht es an diesem vorletzten Maitag nicht anders: Schließlich herrscht afrikanisches Klima auf den Salzburger Landstraßen dank der Saharaluft, die die Berge in smogähnlichen Dunst hüllt.

Starr schaue ich auf den Getränkelaster vor unserer Nase. Der macht Blinkzeichen, ihn doch bitte zu überholen. Machen wir aber nicht. Denn wir brauchen ihn: Damit wir möglichst wenig Luftwiderstand haben. Damit wir in seinem Windschatten im Leerlauf dahinrollen können. Damit wir nicht auf die Tube drücken müssen. Damit wir nicht mehr Sprit verbrauchen.

Lieber ruckelig im Windschatten

Dann drücke ich doch die Fensterhebertaste: "Mach’s zu", zischt Johannes neben mir. Aber er meint’s nicht böse. Er will ja auch die beiden Karten für das EM-Spiel Deutschland gegen Österreich in Wien gewinnen, wie rund 30 weitere Teilnehmer, die sich alle bemühen, die 116 Kilometer als sparsamstes Zweier-Team zu meistern. Und das bedeutet eben: Fenster zu lassen, damit uns kein Luftwiderstand bremst; Klimaanlage auslassen, weil die Sprit verbraucht - mindestens einen halben Liter auf 100 Kilometer. Und wegen so ein bisschen Flüssigkeit wollen wir schließlich nicht verlieren! Vor allem aber bedeutet sparsam fahren: Erstens, den Motor mit niedrigen Drehzahlen zu quälen, also in hohen zu Gängen fahren. Zweitens, wo immer es möglich ist, rollen zu lassen. Drittens, nicht zu bremsen, oder nur ganz langsam und allmählich und vor allem nicht mithilfe des Motors, also nicht runterzuschalten.

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Weitere Spar-Features: Alufelgen, tiefer gelegte Karosserie, zehn Kilo Gewichtsreduzierung und Leichtlaufreifen© Heiko Mandl

Das Ergebnis: Der Turbodiesel mit 80 PS, mit dem die neue Ökovariante des Fabia ausgestattet ist, röhrt und rumpelt bei 1400 Umdrehungen im fünften Gang bei Tempo 68. Das ist normal für einen Dreizylinder mit Pumpe-Düse-Einspritzung. Doch 2000 Umdrehungen können wir uns nicht leisten: Die fühlen sich zwar rund an, kosten aber mehr Sprit. Also lieber ruckelig im Windschatten bleiben. Zumindest kommen wir da streckenweise auf 2,6 Liter im Verbrauch! Ein Leichtes also, die von Skoda angegebenen 4,1 Liter auf 100 Kilometer mit nur 109 Gramm CO2-Ausstoß zu toppen, oder?

Schluss mit dem Rumpeln

Unser Ehrgeiz währt jedoch nicht lange: Mein Kollege fährt zuhause einen Opel Speedster, ist schnittiges Fahren mit 143 PS gewöhnt und scheint langsam nicht nur vor Hitze zu kochen. Und auch ich mag nicht wie ein Sonntagsfahrer auf der Landstraße schleichen. Also werden wir nachlässig: Kurbeln die Fenster runter, überholen endlich den Getränkelaster und gönnen dem Fabia auch mal bei 80 den vierten Gang. Der Motor dankt es uns: Denn wie eine Dampflok vor sich hinzurumpeln, ist für ihn wie für uns eine Qual. Schade, dass er nicht mit einem leisen Common-Rail-Diesel ausgestattet ist, mit dem schon viele Kleinwagen glänzen. Aber dann wäre der Preis von 17.340 Euro nicht zu machen.

Die Landschaft zieht vorbei und auf 116 Kilometern vergessen wir hin und wieder, dass wir ein WM-Wochenende gewinnen wollen. Vielleicht auch deswegen, weil die Strecke ideal zum Probefahren ist: Fast nur Landstraße ohne Hindernisse wie Kreuzungen, Orte oder Ampeln. Hätten wir einen Fabia in rot mit weißem Dach, sozusagen als Mini-Cooper-Verschnitt, würden wir uns jetzt sommerlich-cool fühlen. Aber die silberne Variante verströmt eher praktisches Familienflair. Macht nichts. Weil der Fabia GreenLine so bequeme Sitze hat und bei der richtigen Drehzahl so richtig schön auf der Straße liegt, verpassen wir so manche Abfahrt: Kartenlesen fällt schwer, wenn man an eine wegweisende Stimme aus dem Bordcomputer gewöhnt ist! Also wenden, ach ja: langsam fahren - und trotzdem aufholen: Denn wir dürfen nicht mehr als zwei Stunden für die Strecke brauchen. Gibt es nämlich ein Stechen im Verbrauch, zählt die Zeit.

Abgekämpft am Ziel

Und die haben wir gar nicht mehr im Blick: Auf den letzten zehn Kilometern heize ich drauflos, überhole große und kleine Autos im Sauseschritt und pfeife auf Windschatten. Jetzt kann uns nur noch der GreenLine mit seinen Spar-Features herausboxen: Er rollt auf Alufelgen, und seine Karosserie liegt 14 Millimeter tiefer: Der Luftwiderstand ist deswegen minimal kleiner, das Gewicht zehn Kilo niedriger als bei der normalen Ausstattungsversion Ambiente. Auch der Rollwiderstand ist dank Leichtlaufreifen geringer. Das Wichtigste aber ist: Gänge drei bis fünf und die Gesamtübersetzung sind zusammen über 20 Prozent verlängert worden. Dadurch lässt sich einiges an Sprit sparen. Überholen im dritten aber sollte man sich gut überlegen oder lieber gleich den kurzen zweiten Gang einlegen! Der Übergang in den dritten ist dann allerdings holprig.

Abgekämpft, die Hände verkrampft am Steuer, presche ich auf unser Ziel, einem Gasthof inmitten von Wiesen und Feldern, zu. Mittlerweile haben wir uns dreimal verfahren und mindestens zehn Kilometer mehr auf der Uhr - und sind zu spät: Knapp zwei Minuten über der Zeit. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Litern - und damit um 0,4 Liter mehr als der glückliche Gewinner verbrannt hat, der erst vor vier Minuten eingetrudelt ist! "Sie sind wirklich eine schillernde Persönlichkeit", begrüßt mich der Skoda-Mann und mustert mein verschwitztes Gesicht. So eine Frechheit! "Und Ihr Auto?", frage ich zurück. "Na ja, wir haben es nicht neu erfunden. Aber sparsam ist es wirklich sehr." Stimmt. Und sollte der Dieselpreis wieder sinken, erst recht.

Technische Daten: Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage R3-Turbo, vorn quer
Hubraum 1422 cm3

Nockenwellenantrieb Zahnriemen

kW (PS) bei U/min 59 (80) bei 4000

Nm bei U/min 195 bei 2200

Höchstgeschwindigkeit 170 km/h

Beschleunigung 13,4 s

Verbrauch (Werksangabe) 4,1 l/100 km

Abgas/CO2 109 Gramm/km

Grundpreis 17.340 Euro
Ausstattung Serie: Airbags sechsfach, Außenspiegel elektrisch, Bordcomputer, CD-Radio mit acht Lautsprechern, ESP, Fahrersitz höheneinstellbar, Fensterheber vorn, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, Rücksitzbank geteilt klappbar, Tempomat. Extras: Metallic-Lack 360 Euro.

Von Antje Helms
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Eisenbaer (12.06.2008, 18:14 Uhr)
Und noch etwas, abseits der "Sparerei"
Was ist an nachfolgender Aussage klug?

"Vielleicht auch deswegen, weil die Strecke ideal zum Probefahren ist: Fast nur Landstraße ohne Hindernisse wie Kreuzungen, Orte oder Ampeln."

Wenn Frau Autorin sich im Laden ein Kleid aussuchen, dann ziehen Sie auch nur an und bleiben dann stocksteif mit angehaltenem Atem einfach nur so im Raum stehen, hm. Oder?

Also eine Probefahrt dient doch dazu das Auto kennen zulernen. Probefahrten sollten das ganze Repertoire umfassen, dass ein Auto unter die Räder bekommen kann. Und nichts ist schöner für´s Probefahren als eine schöne lange Stadtfahrt mit vielen Ampeln, Kreuzungen und ordentlich Schiebebetrieb zur Rushhour. Da lernt man den wahren Charakter eines Autos erst richtig kennen... ;-))
der_Kommentator_08 (10.06.2008, 22:36 Uhr)
was mich wundert...
ist die Aussage, dass beim Spritsparen partout nicht mit dem Motor gebremst werden soll. Heutzutage besitzt jedes Auto eine Schubabschaltung, die den Benzinverbrauch momentan auf Null reduziert und damit bei sinnvollem Einsatz einen spürbaren Minderverbrauch erwirkt. Warum also diese Aussage?
mamadou (10.06.2008, 20:03 Uhr)
Es geht doch!
Benzinpreis verdoppelt - die Hälfte brauchen und die Rechnung stimmt. Aber: mit wenig Verbrauch zu fahren will gelernt sein. Wir werden es alle lernen müssen. Punkt
Eisenbaer (10.06.2008, 19:10 Uhr)
An der falschen Stelle gespart?
Klimaanlage an, mit kühlem Kopf über das Land, hohe Gänge, weniger auf die Verbrauchsanzeige geschielt und mehr auf den Motor gehört, mit solchen Maßnahmen habe ich weiland mit meinem alten Golf III TDI mit 90 PS auf dem platten Land auch Verbräuche zwischen 3,5 und 3,9 Liter auf 100 km realisiert. Das ist eine halbe Ewigkeit her, und der Wagen war vordergründig so ganz und gar nicht auf geringen Verbrauch optimiert...

Aber so ist das halt: auch mit wenig Verbrauch zu fahren will gelernt sei. Es verlangt hohe Disziplin, einen kühlen Kopf und reichlich Übung. Mal kurz reinsetzen, einfach über die Landstraße zu schleichen und dann Sparwunder erwarten, so geht das nicht.
Atropos (10.06.2008, 19:07 Uhr)
Selbst Schuld...
Also wenn ich doch die Tickets gewinnen will, dann kann ich mich doch auch für 2 Stunden konzentrieren! Oder etwa nicht?
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