Lifestyle mit dem Billigheimer

28. Dezember 2009, 16:41 Uhr

Mit dem Yeti hat Skoda seinen ersten SUV auf den Markt gebracht: Ein kleines Spaßmobil, voll geländegängig, zum Kampfpreis von unter 18.000 Euro. Bleibt die Frage, ob man der sonst immer so grundvernünftigen VW-Tochter die Lifestyle-Ambitionen abnimmt. Von Björn Erichsen

Skoda Yeti, SUV, Geländewagen, VW, Tiguan, Allrad

Skoda gönnt sich einen ordentlichen Schuss Emotion und bringt mit dem Yeti seinen ersten SUV auf den Markt©

Der Yeti nimmt den Berg im Sturm. Mühelos donnert der 1,5-Tonner den steilen Waldweg hinauf, trotzt Schlaglöchern, Morast und Schnee mit fein dosiertem Krafteinsatz. Es zerrt im Lenkrad und rummst auch mal, doch nichts bremst den Boliden bei seinem Gipfelsturm. "Gonna wild", fast wie der Song im Werbefilmchen, nur dass das hier nicht die kanadischen Wälder sondern die Hintergschwendt-Schmidalm im bayrischen Chiemgau ist. Bei der Abfahrt heißt es Fuß vom Gas, mit aktivierter "Hill Descent Controll" schaukelt der Yeti elektronisch gebremst zu Tale. Nur ein paar Wanderer am Wegesrand reiben sich die Augen, als wäre ihnen soeben Reinhold Messner erschienen: Ist das möglich, kann das sein? So viel automobile Lebensfreude ausgerechnet in einem Skoda?

Wer bei dem Autobauer aus dem tschechischen Mladá Boleslav noch irgendwie an Ostblock denkt, hat keine Ahnung: Als Teil des Volkswagen-Konzerns hat sich das Unternehmen längst zum Global Player und zur erfolgreichsten Importmarke in Deutschland gemausert. Baureihen wie Fabia oder Octavia gelten als grundsolide, gut verarbeitet und vor allem günstig, "VW-Technik zum Schnäppchenpreis", die eher kühle Rechner als heißblütige Schwärmer anspricht. Nun aber gönnt sich Skoda einen ordentlichen Schuss Emotion und bringt mit dem Yeti seinen ersten SUV auf den Markt: Einen kompakten Geländewagen, mit 4x4 und Antischlupf, dazu noch mit dem Namen eines Fabelwesens.

Zur Testfahrt hat Skoda ins kleine Dörfchen Aschau am Chiemsee geladen, genauer gesagt in die "berge", eine ehemals verfallene Jugendherbere, die der Möbel-Designer Nils Holger Moorman zu einem reichlich ungewöhnlichen Gästehaus umgebaut hat: Knarrende Fichtenböden, grob verputztes Mauerwerk, statt einer Rezeption nur der lapidare Hinweis: „Sie werden ihren Weg schon finden." Tun tatsächlich alle Gäste und staunen dann über die sparsam, aber stilecht mit Moormann-Kreationen eingerichteten Zimmer, die Namen wie "Bergbude" oder "Sommerloch" tragen. "Natürlich gehört ein Yeti in die Berge", scherzt Christoph Ludewig, Leiter Motor- und Wirtschaftspresse bei Skoda, zur Begrüßung und findet auch gleich Parallelen zwischen Fahrzeug und der preisgekrönten Herberge: "Ursprüngliches Wesen, ein klares und funktionales Design und absolut alltagstauglich."

Gesundgeschrumpft

"Wen will man denn damit beeindrucken?", fragt dagegen die junge Kollegin von der Frauenzeitschrift bei ihrer ersten Annäherung an den Yeti. Und tut damit diesem kleinen Kasten mit Kulleraugen wirklich Unrecht: Er ist mit seinen 4,33 Metern gerade zehn Zentimeter länger als ein Golf, hat aber ein schroffes Steilheck und markig ausgestellte Radhäuser. Mit kurzen Überhängen, Unterfahrschutz und 18 Zentimeter Bodenfreiheit eindeutig ein Off-Roader. Jedoch nicht der nächste, zornige Rückspiegelschreck: Die schnörkellose Front mit dem braven Lächeln und den beiden hoch angebrachten Scheinwerfern, findet jedenfalls auch die skeptische Kollegin dann wieder "eigentlich ganz sympathisch."

Dem Vorwurf, eine rücksichtslose Umwelt-Sau zu sein, müssen sich Yeti-Fahrer mit dem kompakten SUV ebenfalls nicht aussetzen: "Downsizing", also Gesundschrumpfen, sei das Gebot der Stunde, meinen die Skoda-Techniker und verweisen stolz auf den 1,2 Liter Motor. Der bringt es - allerdings rein frontgetrieben - dank moderner TSI-Technik auf immerhin 105 PS, aber nur geringe Emissionswerte und einen Verbrauch von 6,6 Litern. Wer Allrad und ein bisschen mehr Durchzug möchte, verbraucht mehr und muss für einen der vier anderen Motoren - ein weiterer Benziner, drei Diesel mit bis zu 170 PS - auch ein paar tausend Euro mehr drauflegen, als den Einstiegspreis von 17.990 Euro.

Sparsames, geräumiges Fahrzeug

Am Nachmittag steht eine Einkaufstour in Aschau auf dem Programm: Um Zutaten für das Abendessen zu besorgen lotst der eigens engagierte Sterne-Koch Frank Buchholz die kleine Yeti-Karawane zu ortsansässigen Händlern, die auch gleich mal erzählen, wie sie am Chiemsee fischen, pflanzen oder Wein verkaufen. Viel ausprobieren lässt sich da nicht, immerhin erweist sich der Yeti auf den engen Straßen und Parkplätzen als äußerst wendig und hält auch auf der Landstraße souverän die Spur, selbst wenn man in der Kurve mal fester aufs Gas tritt. Vier Personen passen bequem in den geräumigen Innenraum. Insgesamt ist der Yeti eher komfortabel als sportlich abgestimmt, schließlich werden besonders wilde Jungs mit hohem Testosteronspiegel und Himalaya-Ambition ohnehin nicht zum engeren Käuferkreis zählen.

Bei der Zielgruppe möchte man sich bei Skoda aber nicht so gerne festlegen: "Förster, Jäger oder Architekten, die ja häufiger mal auf Baustellen müssen", meint Ludewig auf Nachfrage. "Natürlich auch Familien, die dann bei einem Ausflug auch mal runter von der Straße können." Menschen mit einem gewissen Platzbedarf könnte man noch hinzufügen, denn das Innenraumkonzept des kleinen Yeti ist wirklich clever: Die hinteren Sitze lassen sich einzeln rausnehmen oder verschieben, so dass Wahlweise noch mehr Beinfreiheit oder mit 1760 Litern Stauraum auf dem Niveau eines Kleintransporters entsteht. Eine ambitionierte Hockey-Mom bekommt da das komplette Equipment ihrer Kids ebenso mühelos unter, wie Küchenchef Buchholz seine Einkäufe für drei Dutzend Leute.

Einen vorzüglichen Kalbsrücken in Salzkruste später bleibt am Abend in der kaminbeheizten "Großen Stube" der "berge" Zeit für ein Fazit: Mit dem Skoda-SUV kann man sich sehen lassen, das ist keine Frage. Bei aller Lifestyle-Offensive ist sich die Marke aber treu geblieben und hat mit dem Yeti ein sparsames, geräumiges Fahrzeug geschaffen, das sich durchaus auf Augenhöhe mit dem Tiguan befindet. Für viele potenzielle Käufer dürfte sich die Sache damit allein auf eine altbekannte Rechenaufgabe reduzieren: Der Einstiegspreis des Yeti liegt über 8000 Euro unterhalb des Tiguan, auch geländetauglich, mit stärkerem Motor und ein paar Extras lassen sich noch mehr als 1000 Euro sparen. Viel Geld, nur um zu verhindern, dass auf dem Kühlergrill ein Skoda-Logo prangt.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
talkingkraut (29.12.2009, 11:51 Uhr)
Thema gut umgesetzt
Solche SUVs haben ja konstruktionsbedingte Nachteile, als da sind hoher Schwerpunkt, großer Luftwiderstand aufgrund der großen Stirnfläche und eines ungünstigen Luftwiderstandbeiwertes, der sich aus der kastenartigen Form des Hecks ergibt. Wenn mir jemand sagt, er sitze in einem solchen Fahrzeug höher und könne deswegen das Verkehrsgeschehen besser überblicken, dann kann ich dem nur raten, das Autofahren ganz bleiben zu lassen. Außerdem haben solche Fahrzeuge tote Winkel, das heißt, beim Rückwärtsfahren ist ein großer Bereich nicht einsehbar. Ein weiteres Problem ist die Fußgängersicherheit bei einer frontalen Kollision.

Dennoch haben SUVs ihre Berechtigung. Wenn mir zum Beispiel Skoda sagt, dass dieses Fahrzeug eine hohe Zuladung erlaubt und dass bei Herausnahme der Rücksitze eine ebene Ladefläche entsteht, könnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, es zu fahren. Von der Formgebung finde ich, dass Skoda das Thema kleiner SUV gut umgesetzt hat.

Vans haben ja oftmals abartig große Frontscheiben, mit einer die Funktion der Scheibe beeinträchtigenden Neigung und das Sichtfeld einschränkenden A-Säulen, da ist die Form des SUVs vorzuziehen. Die Frontscheibe sollte eher in Richtung senkrecht gestellter Sichtluke gehen, als in Richtung vorgebauter Wintergarten wie bei vielen Vans. Wenn man sich gerade Frontscheiben der Vans aus Produktion jenseits des Rheins anschaut, muss man sich fragen, wie man da noch bei widrigen Wetterverhältnissen die Funktionsfähigkeit der Frontscheibe aufrechterhalten möchte.

Die im Vergleich zum Van höhere Gürtellinie des SUVs erlaubt den Einbau kleinerer Frontscheiben und das ist gut. Erinnert sei hier an die erste Ausgabe des Fiat Multipla, dem die Italiener einen Wulst unterhalb der Frontscheibe spendierten, um eine funktionsgerechte Frontscheibe zu erzielen. Von der Formgebung fand das wenig Beifall, aber dadurch wurde immerhin die niedrige Gürtellinie im Bereich der Frontscheibe zugunsten der Funktionstauglichkeit der Frontscheibe angehoben, allerdings ganz gewiss nicht zur Freude der Fertigungstechniker.
zappuser (28.12.2009, 22:54 Uhr)
Also ich finde ja 18.000 Euro nicht gerade billig,
da muß der kleine Mann ganz schön lange schuften, bis er die übrig hat. Außerdem ist es ein kleines Auto, geländegängig ist es auch nicht ohne Allrad, und mit ein paar Extras schnell über 25.000. Nun frage ich mich, wie Herr Erichsen dazu kommt, uns den unterjubeln zu wollen.
Albinez (28.12.2009, 19:50 Uhr)
Kampfpreis 18.000 Euro?
Mhh, um mir diesen Billigheimer zu gönnen, müsste ich mich, Single aus der Mittelschicht, mit nicht gerade einem Hunger-Einkommen, für ca. 8 Jahre mittelhoch verschulden, um danach Eigentümer eines Wagens zu sein, der danach wahrscheinlich nur noch für die nächste "Abwrackprämie" fällig ist.

Mich würde mal interessieren, wer sich heutzutage noch einen Neuwagen leisten kann, bzw. es gestemmt bekommt, diesen auch bar zu bezahlen? Oder wird davon ausgegangen, dass jeder zu einem Leben auf Pump bereit ist bzw. überhaupt die Möglichkeit dazu hat?

PS: fahre einen Nissan Bj. 90 mit 150000 km auf der Uhr, und hoffe, dass er es nochmal genau so lange schafft!
gesox (28.12.2009, 19:17 Uhr)
6,6 Liter sind "sparsam"?
Für einen großen SUV vielleicht, für einen solchen Wagen ist das immer noch völlig inakzeptabel. Da kann das Marketing uns sonstwas erzählen, es ist viel zu viel.
Marsmann (28.12.2009, 18:50 Uhr)
"Billigheimer" für wen?
Ich bin eigentlich nicht so empfindlich,aber wenn in dieser Zeitung ein Auto für 15.000 Euro als Billigheimer klassifiziert wird, wenn den satten Schmierfinken nichts besseres dazu einfällt, was sollen wir Würstchen, denen ein solches Auto ein brauchbarer Kompromiss zu sein scheint, denn davon halten. Sind die Käufer dann die Billigheinis, nahe dem "Bodensatz", das war auch so ein schönes Wort?! Übrigens,wer kauft eigentlich diese Billigheimer- Zeitung? Es gibt wesentlich bessere! Ein paar gute Journalisten (Herr Jörges & Co.) mögen verzeihen.
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