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Der Killer-SUV

Die dicken Geländebrummer liegen in den USA wie Blei im Verkaufsregal. Aber auf Allrad will der Amerikaner nicht verzichten, also legt der Schrumpf-Offroader SX4 ungeheuer zu. stern.de hat sich den knuffigen Wadenbeißer mal vorgenommen.

Von Helmut Werb

Es gibt sie noch, die kleinen, netten Überraschungen. Während die vermeintlich Großen im amerikanischen Autogeschäft zweistellige Prozentverluste im letzten Quartal vermelden mussten, mischt ein veritabler Zwergnase den US-Automarkt auf. Okay, okay, es ist nicht gerade ein Sturmlauf, aber Suzuki, einstmals allein bekannt für flotte Zweiräder, scheint mit seinem SX4 Crossover im Land der unbegrenzten Ernüchterungen einen Hit gelandet zu haben. Geradezu unglaubliche 162 Prozent Zuwachs - in Worten: einhundertzweiundsechzig Prozent - verzeichnete der japanische Wadenbeißer im Vergleich zum letzten Jahr, und verhalf dem Hersteller Suzuki damit zu einem gesamten Verkaufsplus von 158 Prozent, Zahlen, die selbst erfolgverwöhnten deutschen Produzenten Tränen in die Augen jagen dürften, und das in der glorreichen Vergangenheit. Zugegeben: Die absoluten Zahlen sind nicht unbedingt sooo glamourös - Suzuki verkaufte im Jahr 2008 bislang 23.250 Autos, das schafft Auto-Riese General Motors an einem Vormittag. In Oregon. Aber immerhin, die cleveren und gut designten Suzukis verschaffen sich neben Respekt auch noch gut brauchbaren Ellbogenraum im extrem hart umkämpften Markt.

Und das ist sicherlich nicht unverdient. Der SX4 zum Beispiel, ein knuffeliger Vierradler mit den Ausmaßen eines in der Wäsche eingegangenen Minis, geht für rund 15.000 US-Dollar an den Mann, oder die Frau. Eine etwas bessere Ausstattung erfordert einen weiteren Tausender. Doch immerhin: ein wahrhafter Kampfpreis, verglichen mit dem, was der amerikanische Markt selbst in diesen mageren Zeiten für so wenig Kohle anbietet. Der SX4 hat ausreichend Platz für vier ausgewachsene Lebewesen - vom Labrador bis hin zu Onkel Fred und seinem Klapprad. Und kippt man die Rücksitze um, passt sogar das Klippan-Sofa von Ikea rein, in der kurzen Version.

Chassis beweist Viagra-Festigkeit

Der Motor ist kein Brüller, der Zweiliter Vier-Zylinder hat trotz der offiziellen 143 PS mit dem serienmäßigen Allradantrieb schon arg zu schaffen, wenn's mal über die Hundertdreißig geht, aber für durchweg flotten Vortrieb reicht es allemal. In Deutschland wird der SX4 seltsamerweise mit einem 1,6 Liter Vierer angeboten, in den USA hingegen ist der 1,9 Liter Diesel nicht verfügbar. Soll einer die Welt verstehen. Dafür liegt der Kleine wie das sprichwörtliche Brett, der Vierradantrieb hält das fahrende Überraschungsei sicher in der Spur. Und er fährt dank angenehm direkter Lenkung genau dahin, wohin er gezielt wurde. Das Chassis beweist Viagra-Festigkeit, kurz, der SX4 ist mehr als anständig verarbeitet und erlaubt dem sparsamen Familienvater mehr als adäquaten Spaß beim Rumkurven auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums, solange Mutti noch beim Shoppen ist.

Wo gegeizt wurde, wird klar, wenn man sich hinters Lenkrad klemmt. Beschränkter Charme von grauem Plastik so weit das Auge reicht. Immerhin sind die Instrumente ausgezeichnet ablesbar. Die Sitze sind zwar bequem und geben bei hektischem Kurvenfahren mehr als ausreichend Halt, aber sie sehen aus, als hätten die Interior-Designer den "Essex" aus dem Katalog für synthetische Hilfsmittel aller Art möbliert. Dafür gibt es in der frech "Sport" genannten US-Version mit Kofferraum (die Mär hält sich immer hartnäckig, dass Amis keine "hatchbacks" kaufen, was dazu führt, dass an jedes ansatzweise fortschrittliche Design ein stupider Kofferbehälter geklebt wird) eine passables Navi gratis mit dazu. Der Benzinverbrauch liegt bei schamhaft optimistischen achteinhalb Litern, was sicherlich auf den Vierradantrieb zurückzuführen ist. Der Euro-Diesel dürfte hier die notwendige Erleichterung bieten.

Amis kaufen trotz Auto-Krise

Betrachtet man den SX4 als Gesamtkunstwerk, überraschen die Suzuki-Zuwachsraten nicht sonderlich. Es scheint, dass die amerikanischen Autokäufer sich sehr wohl ein neues Auto zulegen, Auto-Krise hin oder her. Nur sind sie eben wählerisch geworden und kaufen, wenn schon, dann was Gscheites.

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