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27. April 2010, 15:21 Uhr

Auftanken an der Steckdose

Dieser Prius fährt zunächst nur mit Strom und schnurrt am Sonntagmorgen um halb zehn durch Tokio. Der Benzinmotor wird nur bei Vollgas eingeschaltet oder wenn die Batterie leer ist.

Toyota Prius Plug-in, Hybrid, Prius, Strom, Elektrofahrzeug, Steckdose

Optisch gibt es kaum einen Unterschied zum Prius III© Hersteller/Press-Inform

Wo könnte ein Toyota Prius besser hinpassen als in die überfüllten Straßen der japanischen Megacity? Sonntagmorgens ist die Welt hier auch für Autofahrer noch in Ordnung. Der ebenso bunte wie nervenaufreibende Verkehr nimmt erst langsam zu. Der Prius, polarisierender Hybridpionier, ist seinen Kinderschuhen längst entwachsen. Mittlerweile steht die dritte Generation weltweit im Handel. Das wenig schmuckvolle Design ist geblieben, doch jetzt geht Toyota in die Vollen. Denn so wenig sich das hellblaue Testfahrzeug optisch von der aktuellen Generation aus dem Laden unterscheidet – es ist ein völlig anderes Auto. Denn die ersten Testflotten von Prius-Modellen mit Plug-in-Hybrid bevölkern die Straßen von Tokio, und kommen bald auf die Straßen von Europa und den USA.

Einmal an die Stromzapfsäule

Toyotas Plug-in-Hybrid basiert auf dem normalen Prius, verfügt jedoch zusätzlich über eine elektrische Lademöglichkeit am vorderen linken Kotflügel. Hier sitzt ein zweiter Tankeinfullstutzen, dem jedoch an der normalen Zapfsäule keinerlei Bedeutung zukommt. Dafür lässt sich der Plug-in-Prius per mitgeführtem Stromkabel an einer Ladestation mit Strom befüllen. "Hier in Tokio gibt es aktuell rund 100 solcher Stromzapfsäulen", erzählt Projektmanager Ryuzo Oshita, der in den Plug-in-Modellen bereits unzählige Kilometer zurückgelegt hat, "der Ladevorgang dauert je nach Spannungsversorgung zwischen 100 und knapp 200 Minuten." Wer zu seinem Prius kommt, zieht den Stromstecker ab, schließt die Abdeckung und startet den geräuschlosen Elektromotor per Knopfdruck. "Mit einem komplett vollen Akku hat der Plug-in-Prius eine Reichweite von exakt 23,4 Kilometern", ergänzt Hisashi Nakai, bei der Toyota Motor Corporation für die technische Entwicklung des Prius zuständig, "die reale Reichweite hängt natürlich von den äußeren Rahmenbedingungen ab."

Toyota Prius Plug-in, Hybrid, Prius, Strom, Elektrofahrzeug, Steckdose

Beim Prius kann man immer sehen, was die Motoren gerade machen© Hersteller/Press-Inform

Unterwegs Richtung Regierungsviertel von Tokio surrt der Plug-in-Prius sanft vor sich hin. Erst langsam nimmt an diesem Morgen der Verkehr zu. Als es kurz auf eine Beschleunigungsspur geht und der blaue Saubermann Vollgas bekommt, setzt der Verbrennungsmotor ein. Die Beschleunigung ist nicht dynamisch, doch so recht stört das in einer überfüllten Innenstadt wie Tokio niemand. Die Reichweitenanzeige des Akkus zeigt immerhin noch 17,6 Kilometer an, als sich der 98 PS starke Vierzylinder mit seinen 1,8 Litern Hubraum wieder dezent zurückzieht und dem Elektromotor die ganze Arbeit des Vortriebs überlässt. Der Elektromotor des Plug-ins leistet 60 KW / 80 PS und 207 Nm maximales Drehmoment. Die maximale Gesamtleistung ist auf 136 PS beschränkt. "Im Elektromodus liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 100 km/h", erläutert Ryuzo Oshita, "danach springt wie beim starken Beschleunigen der Verbrennungsmotor dazu. Dann liegt die Höchstgeschwindigkeit des Prius Plug-in bei 180 km/h."

0 auf 100 km/h schafft der Japaner gemütlichen 11,4 Sekunden. Gründe hierfür sind insbesondere das Leergewicht von über 1,5 Tonnen und das allzu träge, stufenlose Automatikgetriebe. Doch nicht nur um im Verkehr Richtung Kaiserpalast mitzuschwimmen ist die Leistung des neuen Prius mehr als ausreichend – auch hat der Verkehr mittlerweile deutlich zugenommen. Sanft rollt er an die nächste rote Ampel heran. Beim Umspringen auf grün ist der E-Motor ohne Verzögerung wieder präsent. Der Verbrauch, den Toyota für den Plug-In-Prius angibt, dürfte der Konkurrenz dann auch einige schlaflose Nächte bereiten: 2,6 Liter Super auf 100 Kilometer im europäischen Fahrzyklus sind eine Hausnummer. Macht einen CO2-Ausstoß von gerade einmal 59 Gramm/Kilometer. Ohne die Kosten der Stromerzeugung allerdings.

Toyota Prius Plug-in, Hybrid, Prius, Strom, Elektrofahrzeug, Steckdose

Das versteht jeder: Hier kommt der Stecker rein© Hersteller/Press-Inform

Zu kaufen ist der Toyota Prius Plug-in jedoch derzeit weder in Japan, noch in den USA oder Europa. "Hier bei uns in Tokio testen wir den Wagen derzeit mit Flottenkunden", berichtet Ryuzo Oshita, "gegen eine entsprechende Leasinggebühr. Es geht darum, Erfahrungen beim Betrieb der Plug-In-Technik zu sammeln." Doch nicht nur in Tokio und Umgebung können Behörden, Wirtschaftsverbände, Universitäten und Ministerien rund 230 Modelle des Zukunftshybriden testen. Weitere 150 Testmodelle kommen in den die USA, während in Straßburg derzeit eine Flotte von 100 Plug-In-Prius-Modellen installiert wird, die drei Jahre in einem Testlauf unterwegs sein soll. Hier soll es um Möglichkeiten von Ladung, Einsatzmöglichkeiten und Abrechungsmodellen gehen. Eine Handvoll von Fahrzeugen wird noch in diesem Jahr auch zu Alltagstests nach Deutschland kommen.

Stefan Grundhoff/Press-Inform
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
artbond (29.04.2010, 17:30 Uhr)
einfach mal bei
www.spritmonitor.de nach real verbräuchen vom Prius schauen! Da sieht man das die Verbräuche so bei 5 liter liegen, der Beste schafft jedoch knapp was über 3,5 Liter.
Der Verbrauch steckt halt im Gas und Bremsfuss es zeigt aber was möglich ist. Mit dem Plug-In sollte also ein Liter weniger drin sein, bei spritsparender Fahrweise.
DarkSpir (28.04.2010, 07:10 Uhr)
1,5 Tonnen
Oh Gott, mein P1 wiegt auch schon soviel. Alle Welt stößt sich am Gewicht des Prius. Zugegeben, fürs Anfahren ist das schon relevant, aber sobald die mal in Bewegung sind, ist der Kraftaufwand diese in Bewegung zu halten recht gering (Stichwort Masseträgheit). Wenn man das mit dem Anfahren richtig macht, erledigt das der Elektromotor mit Energie aus dem Akku. Wenn man dann später das mit dem Bremsen richtig macht, bekommt man viel von der in die Beschleunigung investierten Energie wieder als Strom in den Akku zurück. So what?
brigitteramsau (28.04.2010, 00:25 Uhr)
Mein US Bekannter behauptet mit seiner Batterie-Erweiterung im Prius...
...100 Meilen zu schaffen? Auch hier gilt wohl das Besitzer Maerchen erzaehlen, da wir dieses Verhalten durch Mitfahren als Schwindel entlarvten.

1.5 Tonnen muessen bewegt werden und die 2.6 Liter werden sich wohl als Luege herausstellen.
Mal abgesehen davon was die Dinger schon bei der Anschaffung kosten.
picatd95 (27.04.2010, 18:35 Uhr)
23,4km
..sind leider zu wenig. Für meinen Arbeitsweg bräuchte ich 35km am Tag.
Der Gedanke, wochentags rein elektrisch zu fahren und bei Bedarf jederzeit weiter fahren zu können, gefällt mir...aber wie gesagt, 23,4km sind zu wenig für mich.
DarkSpir (27.04.2010, 16:15 Uhr)
Angepasste Firmware?
Ich selbst kenn jetzt nur das Fahrverhalten des Prius I (fahre seit über einem Jahr selbst einen) und da gelingt es mir nur mit Übung auf bekannter Strecke permanent rein mit den Elektromotoren zu fahren. Kann also sein, dass das beim Prius III (der ja wohl für die Plugin-Variante die Ausgangsbasis zu sein scheint) leichter gelingt und man mehr Gas geben kann, ohne dass der Computer meint den Benziner brauchen zu müssen. Würde Sinn ergeben, schon beim Prius I liefern die Elektros ganz ordentlich kraft. Bei nassem oder eisglattem Wetter macht man da ohne Feingefühl im Fuß schnell den einen oder anderen Schlabbedreher beim Anfahren, wie man in Hessen so schön sagt.

Je nach Aussentemperatur komme ich im Stadtverkehr auf 4,8l/100km im Sommer bis hin zu 5,6l/100km im Winter. Wenn das Auto warm ist und ich länger in der Stadt hänge, sind 3l/100km auch locker drin. Mit der passenden Firmwareoption, die etwas mehr Beschleunigung (und damit mehr Stromverbrauch) zulassen würde, wäre da noch mehr drin. Letztendlich stellt das aber alles immer ein Kompromiss dar, da es den Standardfahrer mit dem einheitlichen Fahrverhalten so nicht gibt.

Das Getriebe (wenn man von einem Solchen reden darf) ist allerdings dynamisch genug gebaut, dass man hier als sachkundiger Fahrer theoretisch in der Lage wäre, den einen oder anderen Parameter für seine persönliche Fahrweise günstiger zu stellen und somit sicherlich auch noch im Bereich von schätzungsweise bis zu einem Liter optimieren zu können. Beim Prius I. Wie gesagt, ich kenne das Fahrverhalten vom Prius II und III nicht, kann gut sein, dass die Ingenieure von Toyota da schon weiter sind.
tobix (27.04.2010, 15:31 Uhr)
Was sagen mir die 2,6 Liter?
2,6 Liter Super, aber meist fährt man ja mit Strom in dem Testzyklus (würde ich zumindest erwarten).

Entsprechend sollte man auch den CO2-Ausstoß nicht basierend auf 2,6 Liter Benzin ausrechnen, der reale (mit deutschem Strommix) wäre interessanter.
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