Das Aus für den Kapstadt-Käfer

7. Juli 2009, 21:16 Uhr

Optisch von vorgestern, aber ein robustes, klassenloses Auto - 2010 wird der Verkauf des Golf 1 eingestellt. Die Südafrikaner trauern dem Citi Golf schon jetzt hinterher. Und obwohl der Wagen bereits mit einem Reifen im Grab steht, tragen die Südafrikaner noch Rouge auf.

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Citigolf, Südafrika, Golf 1, Kapstadt, Volkswagen

2010 wird eines der längsten Kapitel in der Volkswagen-Geschichte abgeschlossen©

Im Schauraum des VW-Autohauses Barons Culemborg in Kapstadt bietet sich ein ungewöhnliches Bild: Links steht der neue Golf GTI. Rechts daneben, mit einer riesigen roten Schleife umwickelt, parkt ein Auto, das eigentlich mehr als drei Jahrzehnte alt und dennoch nagelneu ist. "Der Citi Golf", sagt die Verkäuferin des Autohauses und schaut den kantigen weißen Kleinwagen mit einem liebevollen Lächeln an, "den verkaufen wir immer noch wie verrückt. Wir können uns gar nicht richtig vorstellen, dass es ihn bald nicht mehr geben soll."

Noch bis 2010 soll der Citi Golf in Südafrika verkauft werden, dann wird eines der längsten Kapitel in der Volkswagen-Geschichte abgeschlossen. Ungefähr 65 Prozent der Citigolf-Teile entsprechen laut Auskunft von VW im Prinzip noch der ersten Golf-Generation. "Alt" kann modern sein. Viele Citil-Golf-Besitzer möbeln ihren Wagen mit kräftigen Lacken oder Felgen auf. Wirklich gepflegte Exemplare sind auf den Straßen am Kap die Ausnahme – den meisten Citigölfen sieht man die vielen Schmarren und Beulen als Zeugnis des automobilen Überlebenskampfs deutlich an.

Einen echten Ersatz für den Dauerbrenner hat VW in Südafrika noch nicht. Das einzige in der Größe vergleichbare Modell ist der Polo, der auch in einer Stufenheck-Version angeboten wird. Der Basis-Polo kostet aber deutlich mehr als der teuerste Citi Golf. Mit dem City-Golf hat VW etwas im Programm wie Renault in Europa mit dem Dacia Logan. Ein einfaches Modell zu einem konkurrenzlos günstigen Preis. In Südafrika genießt der City Golf den Ruf unkaputtbar zu sein. Die Technik ist im Vergleich zu aktuellen VW-Modellen simpel. Reparaturen kann jeder Mechaniker durchführen, es muss keine teure Spezialwerkstatt aufgesucht werden.

Obwohl der Citi Golf schon mit einem Reifen im Grab steht, tragen die Südafrikaner noch Rouge auf. Aktuelles Sondermodell ist der "Citi Billabong", ein jugendlich angehauchter Wagen im Surfer-Stil mit schicken 15-Zoll-Alufelgen, Sportsitzen und einem MP3-fähigen CD-Radio. Dazu gibt es einen Fahrer-Airbag und ein Set aus Accessoires: Strand-Handtuch, Sonnenbrille, Schlüsselring und Laptop-Tasche. Optisch unterscheidet sich der aktuelle Citi Golf nur durch eine geänderte Front und neue Rückleuchten vom Golf "Mk 1" - so hieß die erste Generation des Wolfsburger Dauerbrenners in Südafrika. Bis Mai 2009 wurden fast 360.000 Citigölfe montiert.

Unter der Haube sitzt heute ein 1,4-Liter Motor mit 75 oder 84 PS. Der Citigolf beschleunigt in rund 11 Sekunden auf 100 Km/h und schafft immerhin 170 Sachen. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,6 Litern pro 100 Kilometer. Eine kleine Rakete ist der Citi Golf, wenn der 1,6-Liter Motor mit 100 PS an Bord ist – damit ist der Kapstadt-Käfer fast so stark wie der erste Golf GTI. Die Preise des Afrika-Golf starten bei ungefähr 7600 Euro für das Basismodell TenaCiti, das teuerste Modell kostet umgerechnet etwa 10.200 Euro. Im Vergleich zum aktuellen Golf ist das nicht viel. Im Vergleich zu einem aktuellen Billigwagen wie dem Dacia Sandero ist der Uralt-Golf aber auch kein Schnäppchen.

Der Kapstadt-Käfer ist nicht nur bei ehrlichen Käufern, sondern auch bei Langfingern begehrt. Einige Autovermietungen haben den Wagen wegen der Diebe aus ihrem Angebot gestrichen. Der Ur-Golf wurde dann durch einen Hyundai Atos ersetzt. Auch billig, aber offenbar lange nicht so begehrt. Sebastian Viehmann, PressInform

 
 
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KOMMENTARE (8 von 8)
 
FlyingDutchman (08.07.2009, 20:35 Uhr)
Ist es nicht komisch?
Da hat Volkswagen, zumindest für manche Märkte, so eine Art Logan im Programm - und dann wird er platt gemacht.
Naja, an den Verkaufszahlen wird man es messen können.
Eisenbaer (08.07.2009, 19:06 Uhr)
Tja, irgendwann einmal....
...ist auch das beste Herstellungswerkzeug verschlissen und eine Neuanschaffung macht keinen Sinn mehr, wenn allein nur noch eine Baureihe damit produziert werden kann. Denn das Risiko, dass in fünf oder zehn Jahren der Markt für den fast musealen Citigolf doch noch einbricht ist jederzeit gegeben. Und wenn dann mehr als tausend Tonnen Werkzeug plötzlich nur noch Schrottwert besitzen, dann steht VW mit einer Scheiß-Kosten-Nutzen-Bilanz vor seinen Aktionären.

Nein, dann doch lieber aussteigen, wenn man durch die alten, abgenutzten Herstellungswerkzeuge dazu gezwungen wird. Zwar mit einer Träne im Knopfloch aber auch mit der Perspektive weiterhin so wirtschaftlich produzieren zu können, dass sich die Leute die Autos auch leisten können.
Benkku (08.07.2009, 10:58 Uhr)
Ein typischer Fall von Vergewaltigung des Kunden.
"Optisch von vorgestern" ist 1000x besser als "optisch von übermorgen", wo es um simple Technik, Robustheit, Reparaturfreundlichkeit sowie um einen erschwinglichen Preis geht. Niemand hat etwas davon, wenn er überflüssigen Schnickschnack teuer bezahlen muß. Jemand, der Wert auf Simpelheit legt, kommt sich von den immer mehr gleichgeschalteten, marktbeherrschenden Herstellern vergewaltigt vor. Die VW-Maßnahme in Südafrika deutet eindeutig darauf hin, daß deren sogenannten Hightechnik-Produkte angesichts zu erwartendem stückzahlenmäßigem Verkaufsrückgang dermaßen überteuert sein müssen, daß damit trotzdem höhere Gewinne erzielt werden können.
.
P.S. Ich könnte ihnen hier ein Lied über "optisch von heute" gegenüber "optisch von vorgestern" am Beispiel VOLVO singen, aber dann wird's ja wohl schnell gelöscht werden.
confused (08.07.2009, 09:28 Uhr)
voll die verarschung
bessergesagt, ganz toll wieder die Raffgier zu sehen, bei uns jammern sie das der Autokauf rückläufig ist, da sie hier nur überteuerte Hightechschlitten verkaufen, anstelle mal zu sagen wir verkaufen den auch in D-Land, als VOLKSWAGEN - aber nein muss ja Hightech drin stecken, Geld gerafft werden, den Einser Golf würde ich direkt kaufen im gegensatz das ich alle anderen Schei..e fand und niemals fahren würde...
acitapple (07.07.2009, 22:40 Uhr)
oder besser noch golf 2
den könnten sie ja als nachfolger anbieten. hab letztens gelesen, dass noch mehr 2er als 3 zugelassen sind in deutschland. die sind echt unkaputtbar !!!
spamonmass (07.07.2009, 22:01 Uhr)
ich hab gelesen,
dass er angeblich aufgrund mangelnder sicherheitstechnik ausm programm genommen werden soll.
find ich schade, denn ich glaube nicht, dass vw einen vernünftigen ersatz für den südafrikanischen markt bieten kann. das hat zur folge, dass sich die leute keinen vw, sondern zb einen hyundai atos kaufen.
der gewinn geht also an wen anders, und nicht an einen deutschen konzern.
oberharz1980 (07.07.2009, 21:52 Uhr)
Schade,
dass es den nicht bei uns gibt. Der wäre bestimmt auch ein Renner.
butcher99 (07.07.2009, 21:34 Uhr)
und läuft und läuft und läuft
sowas darf man doch nicht weiterbauen, oder liebe Manager wachwerden Quality pays for itself
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