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28. April 2007, 07:34 Uhr

Ganz schön geizig

Der neue Sparmeister von Volkswagen heißt Passat Bluemotion und hatte auf dem Autosalon in Genf Premiere. Er soll bei Verbrauch und Abgas Tiefstwerte erzielen. Der stern testete ein Vorserienfahrzeug mit der Bluemotion-Technik im Alltag.

Natürlich auch als Variant, für den ökologischen Familienvater© Volkswagen

Der Öko-Passat unterscheidet sich optisch kaum vom Standardmodell. Nur das kleine Bluemotion-Emblem am Kühlergrill verrät ihn Prototyp mit roter Nummer auf stern-Testfahrt im Wolfsburger Umland. Den Bluemotion-Schriftzug trägt er nicht nur vorne, sondern auch am Kofferraumdeckel.

Volkswagen setzt voll auf Blau. Die Farbe des Himmels, die Reinheit und Natürlichkeit signalisiert, steht bei den Wolfsburgern für sauberes Fahren. "Bluemotion" heißt die Zauberformel. Seit Sommer letzten Jahres gibt es den Polo mit dieser Technik (80 PS, CO2-Emission: 102 g/km, Preis: 16.157 Euro). Ab Juni ist sie auch im Bestsellermodell Passat zu kaufen. Sie verspricht, einen halben Liter weniger Sprit auf 100 Kilometer zu verfeuern als die bislang sparsamste Version mit 5,7 Litern. Außerdem sollen mit dem Bluemotion-Passat nur 136 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft geblasen werden - 15 Gramm weniger als beim bisherigen Knauser-Passat.

Lieber Minister, lass den Phaeton stehen, steige in den Bluemotion© Volkswagen

Von den Leistungsdaten her werden Vollgasfreunde wohl eher eine lahme Familienkutsche vermuten und abwinken: Die 105 Diesel-PS wirken auf den ersten Blick mager. Der stern hat einen Prototypen der Öko-Variante Probe gefahren. Mit einem überraschenden Ergebnis: Bei Ampelstarts und Spurwechseln kommt der "blaue" Passat wider Erwarten flott voran; er wird auch nicht zum mobilen Verkehrshindernis für andere; ebenso auf der Autobahn, wo sogar Überholmanöver mit dem Wagen nicht an die oft minutenlangen Elefantenrennen der Lastwagen erinnern. Volkswagen gibt als EU-Norm-Verbrauch 5,1 Liter auf 100 Kilometer an. Erstaunlich für einen großen Fünfsitzer, der leer immerhin 1,4 Tonnen auf die Waage bringt und rund 600 Kilogramm zuladen kann. Doch diese Verbrauchsangabe ist eher theoretisch, weil unter Laborbedingungen auf dem Prüfstand ermittelt. Bei der stern-Stichprobe in der Praxis - Landstraße, Autobahn, Stadt - wurden durchschnittlich 5,7 Liter erreicht.

Ein guter Wert für ein Auto dieser Kategorie, derzeit sogar der beste für eine große Familienlimousine. Geschafft haben das die VW-Techniker ohne chemischen Zaubertrank im Tank (wie Mercedes) und ohne große Operationen am serienmäßigen 1,9-Liter-TDI-Motor. Stattdessen setzten sie auf eine geringere Leerlaufdrehzahl, verbesserte Aerodynamik, ein länger übersetztes Getriebe in den oberen Gängen und Leichtlaufreifen.

Und wenn Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im Kampf gegen den Klima-GAU auf sein Dienstwagen-Monster verzichten wollte, wäre der Passat Bluemotion eine Alternative. Nicht nur symbolisch.

Technische Daten Motor
Vierzylinder-Diesel mit 1,9 Liter Hubraum und 77 kW/105 PS
Fahrleistungen 0-100 km/h: 12,1 Sekunden
Spitze: 193 km/h
Verbrauch/Emission 5,1 Liter Diesel/100 km (EU-Norm)
stern-Praxisstichprobe: 5,7 Liter
CO2-Emission: 136 g/km (bei Normverbr.)
Abmessungen L/B/H: 4,76/1,82/1,47 Meter
Leergewicht: 1,4 Tonnen; Zuladung: 608 Kilo
Preis ab 27.000 Euro (geschätzt)

Paul Englert
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
reyna (28.04.2007, 22:15 Uhr)
Scheinlösungen
Mein Vorredner hat leider allzu recht. Was uns aktuell von der deutschen deutschen Automobilindustrie neben viel Gejammer präsentiert wird, sind Scheinlösungen. Beim Dieselmotor, der ohnehin ein "moderates" CO2-Verhalten zeigt, wird auf den Ausstoß von Stickoxiden von den Herstellern nicht hingewiesen, obwohl diese ebenfalls zu den Treibhausgasen gehören und direkt gesunheitsschädlich sind. Lässt sich der Klimawandel nicht aufhalten oder zumindest abmildern, wird es auch keine Profite mehr für die Autoindustrie geben.
RomanTicker (28.04.2007, 16:32 Uhr)
Vollkommen abgedreht
Autotester und Journalisten, die über FAhrzeuge schreiben, scheinen in einer eigenen Welt zu leben. Wie sonst erklärt es sich, dass sie bei einem Fahrzeug mit mehr als 100 PS erstaunt sind, dass es nicht langsam ist und dass man damit schneller überholen kann als mit einem LKW. Der PS Wahn nimmt immer seltsamere Folgen an und ist aus umweltpolitischer Sicht unverständlich, mit Verstand hat das ganze schon lange nichts mehr zu tun. Vor 20, 30 Jahren, als die Straßen noch deutlich leerer waren als heute, waren Autos deutlich leistungsschwächer als heute. Diese Bluemotion Fahrzeuge sind ein netter Versuch, aber aus ökologischer Sicht sind ganz andere Fahrzeuge und Techniken erforderlich, um wirklich umweltfreundlich zu fahren.
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