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Drei Jahrzehnte Golfsport

Vor 30 Jahren präsentierte VW den GTI und seither hat sich viel getan. Aus dem GTI von einst wurde der Golf R32. Ein Golf für alle, die es gerne sportlicher mögen.

Das waren noch Zeiten. Der kantige Alltags-Golf sollte Mitte der 70er Jahre einen Trainingsanzug bekommen. Auch ohne die drei Streifen saß der dann eng und war in den Trendfarben rot, weiß und schwarz schon von weitem zu erkennen. Schwarze Kunststoffradläufe, breitere Reifen und die größere Frontlippe sollten für mehr Überholimage sorgen. Doch das kam erst später mit dem legendären Doppelscheinwerfergrill. Platt aber wahr: Der Golf GTI von einst war der Porsche des kleinen Mannes.

Die nächste Generation

Zuerst 81 kW/110 PS stark und rund 185 km/h schnell. Bis heute sind die Motorvarianten, Tuningkits und Umbauversuche an den Golf-GTI-Versionen ungezählt. Vor 30 Jahren war es noch einfach einen Sportwagen im Biedermann-Kostüm zu kreieren. Der Sport-Golf unserer Zeit ist eigentlich gar nicht mehr der GTI sondern eher der R32. Denn er ist der VW, der zeigt, was mit einem Golf der fünften Generation heute möglich ist.

Bereits vom Vorgängermodell Golf IV gab es einen R32 - auch der schon mit einem bulligen Ruf. Die zweite Motorsportgeneration hat nun nochmals deutlich draufgesattelt - besonders bei Fahrwerk und Kraftentfaltung. Statt der 147 kW/200 PS des Standard-Golf-GTI hat der 32er 184 kW/250 PS und einen 3,2 Liter großen Sechszylinder zu bieten.

Bis weit in die 90er Jahre wäre ein langhubiger Sechszylinder in einem Volkswagen namens Golf undenkbar gewesen. Doch, wo ein Phaeton möglich war, sollte ein V6-Golf nicht scheitern. Den Rallye-Golf hielten in den 80er Jahren ja auch viele für ein Hirngespinst. Bis er wie ein Derwisch vorbeifegte.

Wünsche werden wahr

Der derzeit sportlichste Golf ist ein Hightech-Mobil - weit mehr noch als der GTI. Motorleistung und Drehmoment sind längst in Sphären entschwunden, in denen ein Frontantrieb an seine Grenzen stößt. Darauf hat man in Wolfsburg reagiert: Der Golf R32 zerrt nicht nervig an der Vorderachse, sondern verteilt seine Kraft standesgemäß auf alle vier Räder. So sieht das Konzept der Zukunft aus. Das kostet mehr als einen Zentner Zusatzgewicht - sorgt aber für Fahrspaß, Sicherheit. Und das entsprechende Image.

Gleiches gilt für das Getriebe. Der alte Golf GTI ließ sich in den 70er Jahren mit einem für damalige Verhältnisse durchaus präzisen Fünfganggetriebe schalten. Beim R32 wurden die fünf manuellen angesichts beängstigender Drehmomentkurven und erhofft niedriger Verbräuche von einer Sechsgang-Box ersetzt.

Auf Wunsch geht es beim R32 gar noch ein Stück weiter: Das Doppelkupplungsgetriebe DSG ist als Nabel zwischen Motor und Fahrbahn derzeit das Maß aller Dinge. Den Komfort einer Automatik kombiniert es mit den Vorteilen einer Handschaltung - damals noch ein Wunschtraum. Der Fahrer eines Allrad-Golf muss auch im Grenzbereich nicht mehr tun, als beide Hände fest am Lenkrad zu halten und die Sinne beisammen haben. Geschaltet wird automatisch - wenn gewünscht auch besonders forsch im Sportmodus. Wer greift da noch zu den manuellen Lenkradpaddeln?

Spaß und Leistung halten sich die Waage

Die Fahrleistungen von Ur-GTI und dem R32 der Neuzeit könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch jeder für sich setzt(e) auf Autobahnen und Landstraßen Maßstäbe, ärgert(e) die Fahrer von Luxuslimousinen zur Weißglut. War beim alten GTI in den dunklen Instrumentenhöhlen auf der Tachoanzeige zwischen 190 und 200 km/h Schluss, so dreht der R32 da noch einmal so richtig auf. Lässig ziehen 200er- und 230er-Marke vorbei. Bei einem längeren Vollgasstück sieht man schließlich die die Nadel auf der 270 zittern. Offiziell ist bei 250 km/h Schluss.

Doch nicht mit dem Fahrspaß. Der Allradantrieb lässt einem alle Möglichkeiten und sorgt ganz nebenbei für jede Menge Sicherheitsreserven. Mit durchgetretenem rechten Pedal wird auf der Autobahnauffahrt beschleunigt.

Eindrucksvoll wie satt der Sechszylinder hochdreht. Das Fahrwerk und Allradantrieb haben keinerlei Probleme, die Leistung auf den Boden zu bringen. Hier hatte der alte GTI mehr Tücken, fuhr auch in Kurven gerne einmal geradeaus. Dazu sorgte der mächtige Auftrieb an der Vorderachse für feuchte Hände beim Piloten.

Unterschiede in der Praxis

Die Unterschiede beim Kraftstoffkonsum sind zwischen den ungleichen Partnern unvermeidlich. Real verbrauchte ein 110 PS starker Golf GTI seinerzeit rund zehn Liter Super auf 100 Kilometer. Auch heute verspricht Volkswagen für seinen Vorzeige-Kompakten trotz 250 PS und sattem Drehmoment knapp zehn Liter auf gleicher Strecke. Im Praxistest war der Durst jedoch nicht unter 12,5 Liter pro 100 km zu bringen. Angesicht von sechs Zylindern, Allradantrieb, DSG und 1,5 Tonnen Gewicht jedoch nach wie vor ein ordentlicher Wert.

Doch der Fahrer eines Golf R32 spürt das Übergewicht in vielen Fahrsituationen. Früher wog ein GTI deutlich unter einer Tonne. Ein ausgewachsener Edel-R32 bringt leicht und locker 1,5 Tonnen auf die Waage. Das sorgt nicht nur auf dem Wedelparcours für Trägheit. Dafür gibt es mit elektrischen Ledersitzen, Xenonlicht, Klimaautomatik, DVD-Navigation und einer atemberaubenden Sportauspuffanlage aber auch alles, was das Sportlerherz begehrt - wohlgemerkt: ab Werk.

Noch ein Unterschied zum Ur-Sportler: Den Gang zum Tuner kann man sich mittlerweile sparen. Dunkle Rückleuchten hat der R32 ja auch schon.

Bleibt noch der Preis

Ein Hightech-Geschoss wie der aktuelle VW Golf R32 kostet mindestens 32.200 Euro, Mit entsprechender Ausstattung steht der 40.000-Euro-Marke außer einem schlechten Gewissen nichts mehr im Wege. Dafür gab es früher GTIs für die halbe Mannschaft - in schwarz, weiß und rot.

Pressinform/PRESSINFORM

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