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So gut und billig ist der Ami-Passat

VW schickt in den USA den Passat an den Start. Dieses Mal ist es kein importierter Europa-Passat, sondern ein für den amerikanischen Geschmack entwickeltes Auto. Wir haben uns angesehen, wie viel Volkswagen es in den Staaten für 15.000 Euro gibt.

  Schicker Ami-VW: Der US-Passat würde auch den Deutschen gefallen

Schicker Ami-VW: Der US-Passat würde auch den Deutschen gefallen

Der VW Passat ist in Deutschland ein Bestseller – ob als Dienstwagen oder als Familienkombi. Seit wenigen Wochen steht auch ein echtes US-Modell beim Händler in den Staaten. Die Amerikaner erwarten mehr Auto für weniger Geld, opulente Ausstattungen und winzige Preise.

Mit dem europäischen Modell hat der Passat, der im VW Werk in Tuscaloosa produziert wird, nicht viel gemein: technisch – aber vor allem beim Preis. Los geht es bei 19.995 Dollar. Das sind umgerechnet gerade einmal 14.700 Euro. Dazu kommen noch die üppigen Händler-Rabatte und Sonderaktionen. In den USA sind die Preisangaben allerdings grundsätzlich ohne Steuern. Sie betragen beim Autokauf zwischen fünf und sieben Prozent.

Aber wieviel Volkswagen steckt eigentlich im Ami-Passat?

Motor

Hightech-Motoren mit Turboaufladung oder Direkteinspritzung wie in Europa üblich gibt es bei diesem Kampfpreis freilich nicht, stattdessen müssen sich die US-Kunden mit einem betagten 2,5-Liter-Triebwerk begnügen. Unbrauchbar ist der brummige Fünfzylinder mit 170 PS allerdings nicht. Die Leistung reicht für 190 km/h Spitze und 0 auf 100 km/h in unter neun Sekunden. Der Verbrauch im US-Modus liegt zwischen acht (Autobahn) und elf (Stadt) Litern auf 100 Kilometern. Kein Klasse-Wert, aber beim direkten Vergleich mit den europäischen Angaben sollte man vorsichtig sein. In Amerika wird - anders als in Europa - realtitätsnäher gemessen. Technische Schmankerl wie Doppelkupplung oder Allradantrieb gibt es für den US-Passat nicht. Eine Start-Stopp-Automatik oder regenerative Bremsen auch nicht. Beim Antrieb macht sich der Preisunterschied zum Europa-Kollegen deutlich bemerkbar.

Fahrwerk

Das Fahrverhalten des US-Passats ist tadellos. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt - so wie es die US-Kunden mögen. Die Lenkung ist eine Spur zu leichtgängig und die in Europa längst eingeführte elektrische Servounterstützung, sucht man hier ebenfalls vergeblich. Das gesamte Fahrverhalten wirkt dadurch etwas weicher, als man es von dem europäischen Modell gewohnt ist. Doch die leichtgängige Servolenkung und ein etwas dünnes Bremsgefühl dürften kaum jemanden stören - passionierte Sportpiloten sitzen selten in einem Passat. Ein gemütlicher Fahrer sollte zufrieden sein.

Innenraum

Überraschend ist die sehr ordentliche Verarbeitung. Billige Kunststoffe, wie man es in der US-Mittelklasse von zahlreichen Konkurrenten kennt, sucht man vergeblich. Die Überflächen sehen nicht nur wertig aus, sie fühlen sich auch so an. Zudem sind die Sitze – optional elektrisch verstell- und beheizbar – auf langen Touren eine echte Wohltat. Beim US-Passat kann sich zudem nicht nur die Karosserie sehen lassen. So gefällig wie das Außendesign ist auch das Interieur. Das Platzangebot ist Dank des 2,80 Meter langen Radstades vorbildlich und bietet reichlich Raum für vier Erwachsene. Und in den 453 Liter großen Laderaum passt jede Menge Gepäck für eine längere Reise. Eine Durchlade in der hinteren Mittelarmlehne und eine umklappbare Rückbank erweitern die Transportmöglichkeiten noch. Im Innenraum punktet das US-Modell im Vergleich zum deutschen Teuer-Passat.

  Ein Blick in das luxuriöse Spitzenmodell: auch in der SEL-Ausstattung kostet der US-Passat keine 20.000 Euro

Ein Blick in das luxuriöse Spitzenmodell: auch in der SEL-Ausstattung kostet der US-Passat keine 20.000 Euro

Der große Unterschied

Spannend wird der US-Passat, wenn man ein klein wenig tiefer in die Tasche greift. Kauftipp ist der 4,85 Meter lange VW Passat 2.5 SE mit Appearance Paket für 22.690 Dollar (ca. 16.700 Euro). Hier wird das altertümliche Fünfgang-Getriebe durch eine komfortable sechsstufige Getriebeautomatik ersetzt. Außerdem bietet er unter anderem sechs Airbags, 16-Zoll-Alufelgen, Getriebeautomatik, Klimaautomatik, Tempomat, Soundsystem und Bluetooth-Schnittstelle. Der Vergleich zu Deutschland: Im Gegensatz zum US-Modell kostet der VW Passat 1.8 Comfortline mit einem 160-PS-Motor 29.675 Euro. Dafür gibt eine bessere Sicherheitsausstattung, ein manuelles Sechsgang-Getriebe und einen Verbrauch von gerade knapp sieben Litern auf 100 Kilometern.

Fazit: Der moderne Motor und das aufwändige Fahrwerk im Europa-Passat sind eine feine Sache. Das US-Car hält aber mit größerem Innenraum und mehr Komfortfeatures dagegen - und mit 10.000 Euro Preisunterschied.

Import lohnt - leider - nicht

In den USA gibt es allerdings nicht das breite Paket von Extras und Fahrerassistenzsystemen. Sparsame Käufer machen um Extras wie Xenonlicht, Überholassistent und Einparkautomatik ohnehin einen Bogen. Sicherlich würde der Preiswert-Passat aus den USA in Europa große Chancen haben. Ein individueller Import lohnt sich für kühle Rechner allerdings kaum. Überführung, Umrüstung Zulassung und Importsteuren fressen den größten Teil des Preisvorteils bereits vor dem ersten Kilometer auf. Da der Passat ein echtes US-Modell ist, müssten im Laufe seines Autolebens außerdem viele Verschleiß- und Ersatzteil jeweils einzeln aus den USA beschafft werden.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

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