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15. November 2009, 17:41 Uhr

Deutschland hält an Kfz-Steuer fest

In den Niederlanden zahlen die Autofahrer künftig eine Kilometersteuer, in Deutschland wird sie sich wohl nicht durchsetzen. Während die Grünen das Modell befürwortet haben, hält die FDP es für nicht umsetzbar. Kritik entzündet sich in Holland auch an den Satelliten-Ortungsgeräten, die in alle Autos eingebaut werden sollen.

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Die Kilometersteuer in Holland soll dabei helfen, Staus und Abgase zu verringern© Oliver Lang/DDP

Hollands Autofahrer sollen künftig keine Kfz-Steuer mehr zahlen, sondern eine Kilometergebühr von zunächst durchschnittlich drei Cent. Hauptziel dieser von der Regierung in Den Haag beschlossenen Reform ist die Verringerung schädlicher Abgase sowie der täglichen Staus auf Hollands Straßen. Die Bundesregierung will dem niederländischen Modell nicht folgen.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums in Berlin sagte, das Modell sei eine Form von Pkw-Maut: "Und eine Pkw-Maut, egal in welcher Form, steht nicht auf der politischen Tagesordnung."

Die als "revolutionär" für den Umweltschutz gepriesene Reform löste in den Niederlanden umgehend einen heftigen Streit aus. Eine deutliche Mehrheit der Autofahrer lehne den Plan ab, berichtete die Zeitung "De Telegraaf". Mit der Umstellung auf das neue System soll ab 2012 nicht mehr der Besitz, sondern allein die Nutzung von Autos besteuert werden.

Heftigen Diskussion in Deutschland

Auch in Deutschland entbrannte eine heftige Diskussion über das Thema. Die FDP lehnte das Modell ab. Das System sei aufgrund der Anzahl der betroffenen Fahrzeuge und aufgrund der Größe Deutschlands nicht übertragbar, sagte der FDP-Obmann im Verkehrsausschuss, Patrick Döring, dem "Hamburger Abendblatt".

Die Grünen hatten zuvor Sympathie für eine Radikalreform der Kfz-Steuer nach dem Vorbild der Niederlande gezeigt. Das Modell gehe in die richtige Richtung, sagte Parteichef Cem Özdemir dem "Hamburger Abendblatt". "Wir brauchen bei der Besteuerung des Autoverkehrs eine klare ökologische Lenkungswirkung: Wer viel fährt und dabei mit einem Spritfresser viel CO2 ausstößt und das Klima belastet muss mehr zahlen als die, die mit emissionsarmen Autos wenig fahren."

Ferdinand Dudenhöffer, der Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, sagte, Deutschland solle sich an dem "fortschrittlichen Modell ein Beispiel nehmen". Im Vergleich dazu sei die deutsche Kfz-Steuer "ein Monster". Sie nehme keine Rücksicht auf die tatsächliche Straßennutzung. "Für ein Fahrzeug, das im Jahr 100 Kilometer fährt, bezahlt man in Deutschland den gleichen Steuerbetrag wie für das gleiche Auto, das 100.000 Kilometer fährt".

Gebühr richtet sich nach Wagenklasse und Tageszeit

Der von der niederländischen Regierung beschlossene Gesetzentwurf muss noch das Parlament passieren, in dem die Regierung eine Mehrheit von 80 zu 70 Mandaten hat. Nach dem Plan sollen Autofahrer für die monatlich zurückgelegte Wegstrecke zur Kasse gebeten werden, wobei die Gebühr pro Kilometer sich nach Wagenklasse, Motorisierung und Tageszeit richtet. Berechnet wird die Streckensteuer mit Hilfe eines satellitengestützten Ortungssystems. Der durchschnittliche Kilometerpreis soll bis 2018 auf 6,7 Cent steigen. Mit dem finanziellen Hebel will die Regierung erreichen, dass möglichst viele Autofahrer ihr Fahrzeug seltener benutzen und aufs Fahrrad sowie auf Busse und Bahnen umsteigen.

In einer Umfrage des "Telegraaf", an der sich rund 40.000 Leser beteiligten, lehnten 62 Prozent die Kilometer-Steuer ab. Als Hauptgrund erklärten Gegner der Reform, sie trauten Versprechungen der Regierungen nicht, wonach die weitaus meisten Autobesitzer nach dem neuen System keineswegs mehr Steuern bezahlen müssten als bisher. Nahezu sechs von zehn Fahrern würden sogar weniger Geld an den Fiskus überweisen müssen als bei der althergebrachten Kfz-Steuer, hatte die Regierung vorgerechnet.

Kritik an "Spionagekästen"

Zudem misstrauen viele den Satelliten-Ortungsgeräten, die künftig in alle Autos eingebaut werden sollen. Politiker der Opposition warfen der Regierung aus Christ- und Sozialdemokraten vor, mit diesen "Spionagekästen" gegen den Datenschutz zu verstoßen. Verkehrsminister Camiel Eurlings wies das zurück. Das System speichere allein die Zahl der gefahrenen Kilometer und keine Fahrtziele.

Die niederländische Regierung geht davon aus, dass die Belastung der Umwelt durch Kohlendioxid in Fahrzeugabgasen mit Hilfe der Kilometersteuer um zehn Prozent reduziert wird. Insgesamt werde die Zahl der gefahrenen Straßenkilometer um 15 Prozent abnehmen, da mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden. Zudem werde es weniger Unfälle und somit pro Jahr etwa sieben Prozent weniger Verkehrstote geben, erklärte der Verkehrsminister. Bis 2020 könne die Zahl der vor allem im Berufsverkehr oft zermürbenden Staus auf das Niveau von 1992 verringert werden.

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KOMMENTARE (10 von 19)
 
arniston (17.11.2009, 06:09 Uhr)
@endbenutzer, rechenbeispiel...
3 cent pro kilometer, beim trabbi nach 159 km und motorschaden keine weiteren kosten.
auch nicht schlecht..
dreissigvau (16.11.2009, 12:46 Uhr)
"revolutionär"
..ist es aber gerade nicht. Es ist nicht
revolutionär, den Bürgern immer mehr Geld
aus der Tasche zu ziehen. Dann lieber so wie bisher bei uns. Oder echt kostenneutral
KFZ.-Steuer/Maut gegenrechnen, damit
unsere Autobahnnutzer aus F/B/NL/I/E/PL/RUS/DK/S/N/A/CH/GB/KAZ/HR/ROM/HUN/CZ und was weiß ich noch
endlich dafür zahlen, das sie bei uns
mal 200 fahren dürfen.
Wir müssen im Ausland ja auch Eintritt
zahlen.
Also, her mit der Kohle........


endbenutzer (16.11.2009, 12:18 Uhr)
Ein Rechenbeispiel:
3 Cent pro Kilometer macht bei einer jährlichen Fahrleistung von 15000 km eine Summe von 450 Euro. Derzeitige Steuerberechnung: BMW 7er - 401 Euro Steuer pro Jahr. Skoda Fabia 1.2 Liter Hubraum - 74 Euro Steuer pro Jahr. Noch Fragen?
mr_s (16.11.2009, 10:49 Uhr)
nur wir bekommen das mal wieder nicht auf die Reihe
Alle um uns herum haben eine Maut für Autobahnen. Nur wenn die durch unser Land fahren um nach Österreich, Italien, Frankreich oder sonstwo hinzukommen zahlen unsere europäischen Nachbarn 0,nix.

Es wird Zeit das auch in D eine Maut eingeführt wird. An eine gerechtere Verteilung glaub ich auch nicht, aber man könnte zumindest den Staatshaushalt dann bequem auch über die Maut unserer im wahrsten Wortsinn "zahllosen" Transitgäste sanieren.
Mikeorganizer (16.11.2009, 08:49 Uhr)
ich höre hier immer .....
über die Mineralölsteuer abrechnen. Das mag ja für Deutsche vielleicht möglich sein aber darüber freuen sich die ganzen umliegen Länder, die Deutschland als Transitland nutzen. Da wird mal eben der 200 Liter LKW vor der Grenze vollgetankt und die gerade frisch reparierten Autobahnen wieder in Grund und Boden gefahren. Super Idee muss ich sagen der kleine Steuerzahler wirds ja schon richten.
HombreUno (16.11.2009, 02:25 Uhr)
Kroko,
dann muß ja jeder von uns acht geben, damit er nicht beVORzugt wird, schmunzel.

An die damalige Hysterie mit dem Waldsterben kann ich mich noch gut erinnern, wie die Hubschrauber den Wald kalkten, etc.. Danach dürfte es heute keinen Baum mehr geben. Dabei ist der Wald heute gesunder wie je zuvor, zumindest hier - hat mir die Tage noch ein Kollege von Ihnen erzählt.

Naja, dafür gibt es heute neue Weltuntergangsszenarien, jedem das seine.

Bei der Uhrzeit verschiebe ich allerdings die Hirnstürme, Gute Nacht.
Kroko (16.11.2009, 01:55 Uhr)
Hombre!
Die KM unabhängige Maut würde z.B. mich über Gebühr begünstigen. Ich weiß, daß mein Pickup 2-3L Diesel zuviel braucht. Akkzeptiere ich ---zahle ich.
keine Discussion.

Mit Maut führe ich wahrscheinlich mehr mit dem Teil rum, als nötig. Meines Erachtens der falsche Weg.

Der "Waldsterbepartei" wegen, --Sie meinen die Grünen----als Diplom Forstw. kann ich die mittlerweile nicht mehr für voll nehmen. Obwohl ich sie mal gewählt habe-------Natur geht anders----ganz anders.

Neuer Ansatz:Überlegen wir beide uns ein bislang ungenanntes Konzept.......Hirnsturmmäßig......könnte witzig sein, oder ...gut

MfG
Kroko
MMSterling (16.11.2009, 00:55 Uhr)
Wie blöd muß man sein...
...um allen Ernstes zu glauben, daß es hier um Umweltschutz geht? Die Sozialkassen sind leer, der Staat verschenkt Millarden an die Banken, und die nächsten Steuergeschenke sind schon geplant. Woher das Geld nehmen? Klar, vom dämlichst anzunehmenden Bürger - dem Autofahrer.

Wie oft soll ich die von meinen Steuern gebauten Strassen eigentlich noch bezahlen???
LaoLu (16.11.2009, 00:37 Uhr)
Am meisten begeistert mich wieder mal mein Cem!
Von den anderen erwarte ich ja nichts anderes.
Aber daß Cem Özdemir, den ich eigentlich für ein helles Kerlchen gehalten habe, ein System beklatscht,
das den Fahrer eines Hummer genauso hoch belastet wie den eines Polo 3.0
und das ein flächendeckendes Bewegungungsprofil aller Autofahrer ergibt (was selbstverständlich strengstens kontroliiert wird -lol)
das deprimiert mich zutiefst.
HombreUno (16.11.2009, 00:21 Uhr)
Kroko,
es stimmt, eine total "gerechte" Lösung gibt es wohl nicht. Auch ich kenne den Stein des Weisen nicht.

Eine Mineralölsteuererhöhung würde wie gesagt nur dem Schröder sein Freund Juncker jubeln lassen, natürlich auch die anderen Nachbarländer. Unterschätzen Sie das nur nicht, es geht um Milliarden von Steuergeldern und viele viele Arbeitsplätze. Dabei sind die paar Euro bei der Tankfüllung eher unrelevant, die Leute kaufen dann fast alles dort, von Zigaretten über Kaffee bis zum Mineralwasser (ohne Pfand). Ein noch größerer Unterschied beim Spritpreis erhöht natürlich den Einzugsradius.

Die niederländische Kilometersteuer halte ich auch nicht für praktikabel weil D. im Gegensatz zu NL ein Transitland ist. Der dt. Staat kann seine Bürger wohl schlecht überzeugen für jeden Kilometer zu bezahlen, wenn Ausländer kostenfrei fahren. Oder sollen unsere Nachbarn sich zuerst ein dt. GPS-Gerät einbauen, bevor sie die Grenze überfahren?

Am realistischsten erscheint mir noch die KM-unabhänige Maut. Dabei würden die Pendler auch nicht über das heutige Maß hinaus benachteilgt. Claro, die Waldsterbepartei wäre davon nicht begeistert.
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