Blitzschlag in der Mittelklasse

22. März 2009, 08:00 Uhr

Der neue Opel Insignia macht eine gute Figur. Ob die Technik hält, was das Aussehen verspricht, hat der stern in einem Vergleich mit einem Ford Mondeo und einem Audi A6 getestet. Von Peter Weyer

Opel Insignia, Audi A6, Ford Mondeo, Vergleichstest, Limousine

Der Herausforderer mit dem Blitz-Signet im Kühler flankiert von zwei Platzhirschen: Ford Mondeo, Opel Insignia und Audi A6 (v.l.)©

Fahrer von süddeutschen Prestige-Limousinen blicken verdutzt der neuen Karosse hinterher. Europas führende Motorjournalisten kürten sie zum "Auto des Jahres 2009". Wegen lawinenartiger Bestelleingänge müssen die Arbeiter am Produktionsband etliche Sonderschichten fahren, damit die Lieferzeiten zumutbar bleiben. Nicht ungewöhnlich für ein neues Auto der beliebten Mittelklasse. Aber diesmal ist es ein Opel. Und deshalb eine Sensation.

Die heißt Insignia. Mit dem Viertürer meldet sich der von der tiefen Krise der amerikanischen Mutter GM bedrohte Rüsselsheimer Autobauer in der Bundesliga zurück. Mit einem Paukenschlag, der sogar längst enteilt geglaubte Konkurrenten aufschreckt. So etwas gelang Opel zuletzt vor rund 20 Jahren mit dem Calibra, einem Coupé. Was also ist dran an dem Neuling unter den Familienlimousinen? Der stern vergleicht ihn in einem Praxistest mit zwei seiner wichtigen Konkurrenten, den Zwei-Liter-Dieselversionen des Audi A6 und des Ford Mondeo (siehe Tabelle).

Schon bei der Karosserieform gibt es deutliche Unterschiede. Der Opel wirkt frisch, kantig und kompakt. Das tropfenförmige Dach fällt über den Rücksitzen in einem Bogen stark nach hinten ab und soll die Illusion eines Coupés herbeizaubern. Andererseits ist der Insignia trotz der aufgeblasenen Backen vorn stilistisch nicht so überzogen, dass die Gefahr besteht, er könnte schon bald altmodisch aussehen. Frisch und modern ja, aber nicht gewagt.

Reine Formsache

Anders der Ford Mondeo. Die Motorhaube ist durch kleine Längsstufen markant herausmodelliert und V-förmig abgesetzt, die Seitenlinien sind mit scharfen Knicken betont und optisch bis zur Heckkante gestreckt - so macht der Kölner einen fast repräsentativen Eindruck. Aber er ist eben auch weniger keck als der Opel, sondern steht eher für zeitlose Klassik. Allerdings stört dabei der wuchtige, wie ein aufgerissenes Haifischmaul wirkende Lufteinlass unterhalb des Stoßfängers.

Dagegen setzt Audi auf geschwungenes Blech und runde Linien. Nirgendwo ein scharfer Grat, alle Ecken eingeweicht. Dennoch kein Auto mit barocken Schnörkeln, sondern von Eleganz, mit Anklängen gutbürgerlicher Vorzeigesymbolik. Mit ihrer Formensprache haben die Ingolstädter inzwischen einen Designstil von Weltgeltung durchgesetzt, der auch bei den Kulturbeuteln des Zubehör-Shops zu finden ist.

Unterm Blech dagegen gibt es Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel rollen alle Vergleichskandidaten auf sehr spurstabilen und kultivierten Fahrwerken. Die wenigen feinen Unterschiede sind eher Geschmackssache und der jeweiligen Firmenphilosophie geschuldet als technisch bedingt. Opel will mit einer betont knackig-sportlichen Federung punkten, die im Extremfall aber den Bandscheiben zu schaffen macht. Umgekehrt bei Audi. Beim A6 wird auf sportliche Härte zugunsten eines spürbar sanfteren Abrollkomforts verzichtet. Ford geht den Weg des goldenen Kompromisses. Das Ergebnis ist nahezu perfekt. Die sportliche Gangart muss nicht mit Stößen im Kreuz erkauft werden, und der Komfort geht nicht zulasten von Sicherheit und Fahrbahnkontakt. Wer bei Fahrwerksqualität und Lenkpräzision unter den gehobenen Familienlimousinen vorn sein will, der muss den Mondeo schlagen.

Wer fährt auf Sparflamme?

Beim Spritkonsum jedoch ist der Ford zu packen, obwohl ein Praxisverbrauch von 7,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer schon ein Wert ist, für den sich kein Hersteller in dieser Klasse schämen muss. Zumal die 140 PS den Mondeo in weniger als zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und über 200 km/h Spitze möglich machen. Wer als Ford-Fan noch weniger an der Zapfsäule berappen will, kann die Geizversion ordern, die Econetic heißt. Die schluckt nach EU-Norm nur 5,2 Liter Diesel, ist allerdings mit 115 PS deutlich schwächer und weniger spritzig.

Die Konkurrenten des ungedrosselten Mondeo erreichen zwar nicht dessen Fahrleistungen, verbrennen dafür aber auch weniger Sprit. Der Insignia konsumiert 7,5 Liter Diesel, spart mit 0,2 Litern allerdings nicht mehr, als in ein Weinglas passt. Deutlich knauseriger dieselt der Audi A6 TDIe. Von ihm gibt es keine Sparversion, er ist schon eine. Das e steht für Eco, also verbrauchsoptimierte Technik unter der Haube. Der TDIe bietet fast identische Fahrleistungen wie der etwas kräftigere Mondeo - verbraucht aber im Alltag mit durchschnittlich 6,8 Litern auf 100 Kilometer fast einen Liter weniger.

In der Kostenbilanz geht dieser Vorteil leider unter, denn trotz der günstigen Spritrechnung ist der genügsame Audi pro Monat und Kilometer teurer als seine beiden Konkurrenten. Grund ist der happige Neuwagenpreis. Der liegt 7600 Euro (rund 25 Prozent) über dem des Mondeo. Für diese Differenz bietet Dacia eine nagelneue Fünf-Personen-Limousine.

Opel Insignia, Audi A6, Ford Mondeo, Vergleichstest, Limousine

Das Audi-Armaturenbrett (l.) zeigt sich kühl, stilistisch etwas brav ist das Cockpit des Mondeo. Im Insignia geht es deutlich moderner zu (r.)©

Andererseits führt das Öko-Konzept des Audi nicht zu Entzugserscheinungen beim Fahrspaß. Die Leistung (136 PS) reicht in der Praxis völlig aus. Zudem glänzt der Ingolstädter mit einer hohen Verarbeitungsqualität und einem überaus komfortablen Innenraum.

Das Innenraumdesign

Der könnte bei den Konkurrenten noch Feinschliff vertragen. Zwar verdienen Sitzqualität, Instrumentengestaltung und Bedienlogik im Insignia und im Mondeo ebenfalls Bestnoten, nicht aber die Kunststoffbeplankung. Anmutung nennen Designer das, was durch edel wirkende Materialien Wertigkeit ausstrahlen soll. Davon ist bei den Cockpitverkleidungen von Ford und Opel nichts zu spüren. Doch derlei Schnitzer schmälern kaum die überzeugenden Qualitäten der drei Limousinen. Einerseits liegen sie - außer im Preis - eng beisammen. Andererseits bleibt genug Spielraum für unterschiedliche Vorlieben:
•Der Opel Insignia ist erste Wahl für Kunden, die zeitgeistiges Design und frisches Blech suchen, dafür relativ knappen Kopf- und Knieraum für Hinterbänkler und ein rustikal-knorriges Motorgeräusch hinnehmen.
•Der Audi A6 spricht Fahrer an, die auf Vorzeigestatus und gediegene Behaglichkeit setzen, den hohen Kaufpreis verschmerzen können und mit Sportlichkeit wenig am Hut haben.
•Der Ford Mondeo ist maßgeschneidert für kostenbewusste Vernunfttypen, denen harmonischer Fahrkomfort wichtiger ist als modische Trends und lange Listen mit luxuriöser Sonderausstattung.

Opel Insignia, Audi A6, Ford Mondeo, Vergleichstest, Limousine

Der direkte Vergleich der drei Limousinen©

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 12/2009

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KOMMENTARE (10 von 16)
 
Silbador (23.03.2009, 21:41 Uhr)
Na, ich weiss nicht ...
ob das nicht doch ein Opel-Motor ist? Es handelt sich um einen Benziner ohne Turbo, im Vectra B quer und im Omega längs eingebaut.
Wie dem auch sei - mit den Benzinern habe ich persönlich auch noch kein Waterloo erlebt - mit dem Diesel allerdings schon.
Da es in Zukunft sowieso eine Klasse kleiner sein darf, würde ich im Moment zu einem Kia C´eed SW tendieren: 5 Jahre und 150000 km Garantie, da lernt man ein Auto kennen.
onkel.erwin (23.03.2009, 01:23 Uhr)
Der von Ihnen
gepriesene 2,5 V6 mit 170 PS war auch nicht von Opel, sondern von Isuzu, das erklärt die Zuverlässigkeit und Robustheit. Mit einem Garrett-Turbolader oben drauf, das relativierte die Sache wieder... Es macht halt doch einen Unterschied, ob eine Firma das Herzstück eines Autos vor Ort selbst baut wie Merc. oder BMW und die Sache damit rund und ausgewogen wird oder nach dem Baukastenprinzip ein Fahrzeug aus Teilen aus der ganzen Welt mehr oder minder zusammengebastelt wird. Natürlich besteht jedes Fahrzeug nur aus Stahl und Plastik, aber es kommt darauf an, was man daraus macht. Interessant nur, dass die Diskussion um das Für und Wider einer bestimmten Marke und deren Vergleichbarkeit mit der gleichen irrationalen Emotionalität geführt wird, mit der die Entscheidung beim Autokauf fällt: Prestige, Image, Mythos sind vorrangig gegenüber den praktischen Bedürfnissen und vorrangig gegenüber den individuellen Erfahrungen mit Einzelfällen, die auch nichts über die Markenqualität aussagen müssen. Wirklich aussagekräftig ist die Pannenstatistik des ADAC, und zum Insignia liegen noch keine Daten vor. Schlauer ist man erst hinterher. Wie absurd der Umgang mit dem Thema ist, sieht man daran: kein Mensch käme auf die Idee, ein anderes höherwertiges Wirtschaftsgut als ein Auto von ca. 50.000 € Wert nachts unbewacht auf die Strasse zu stellen, damit die Vögel darauf kacken.
Silbador (22.03.2009, 20:10 Uhr)
weder - noch
Weder handelt es sich beim 1.9 CDTI um einen OPC-Motor - noch bin ich der Fahrer, der einem kalten Motor Höchstleistungen abverlangt.
Opel hat Motoren gebaut, die absolut Spitze waren, ich denke da z.B. an den 2.5 V6, dieser Motor hatte meines Wissens keinerlei große Probleme und war trotz seiner ansprechenden Leistung von 170 PS auch noch sparsam. Auch die alten 2.0-Motoren waren absolut in Ordnung, von einigen Ölverlusten vielleicht einmal abgesehen. Leider hat Opel aus welchen Gründen auch immer, die stabilen, wenn auch leistungsarmen 2.2 Diesel-Motoren durch Fiat-Motoren (oder Alfa, wenn´s beliebt) ersetzt. Die sind zwar agiler aber die Langlebigkeit ist eben nicht gegeben. Gerade das war aber immer eine Opel-Stärke. Wenn´s läuft, macht das Auto ja auch Spaß, nur ist das, was mir und anderen passiert ist, kann so nicht in Ordnung sein. Opel hat zu Lasten der Kunden hier keine durchgängige Feldabhilfe durchgeführt, sowas kostet letztendlich Kundschaft. Da die gleiche Problematik nach Lopez schon einmal vorhanden war, kann ich nicht nachvollziehen, dass hier nicht anders reagiert wurde. ielleicht waren die Kassen schon leer und die entsprechenden Direktiven aus USA ließen nichts anderes zu.
Mein FOH hat zwar ein gutes Angebot zu einem Insignia gemacht - aber nach insgesamt 6 Opel-Fahrzeugen werde ich mich beim nächsten Fahrzeug dennoch für einen anderen Anbieter entscheiden.
Eisenbaer (22.03.2009, 18:20 Uhr)
@Silbador - Preis -
Der Preis ist bestimmt nicht alles, denn wenn es so wäre, dann wäre ein Ford die bessere Wahl, denn deren Konditionen sind für Großabnehmer noch interessanter ;-)) Und die OPC-Turbomotoren muss man wie alle Sportmotoren erst einmal warm fahren, bis das man deren Höchstleistung abfordern sollte. Und damit ist nicht deren Wassertemperatur gemeint, sondern die Öltemperatur muss stimmen. Tut man das nicht, muss man eben Lehrgeld zahlen, denn die Technik verzeiht keine Fehler.
Silbador (22.03.2009, 17:16 Uhr)
@JvH
Aha, von Alfa ist der Motor, nicht von Fiat.
Da sieht man´s mal wieder, man kann vom Dümmsten noch lernen.
Silbador (22.03.2009, 16:50 Uhr)
@Eisenbaer
Weil eben, wie schon beschrieben, der Preis stimmt. Wenn man dann noch die Sonderbedingungen des ADAC hat und innerhalb kurzer Zeit auf die entsprechende Kilometerleistung kommt, ist es ja kein Problem, dann zahlt Opel den Mist. Als Privatmensch mit 15-18000 km im Jahr hat man die A...karte und zahlt eben selbst.
Ich will keinem seinen Opel ausreden, bei den normalen Benzinern macht man sicher auch nichts falsch - nur bei Turbomotoren würde ich eben die Finger von Opel lassen und persönlich werde ich mir auch keinen Opel mehr kaufen. Bei über 20 Autos in mehr als 20 Jahren als Autofahrer musste ich bisher bei keinem Auto soviel Sonderkosten berappen.
JanvanHelsing (22.03.2009, 16:11 Uhr)
ach nö
was sie nicht sagen, der Motor ist von Fiat, sehen Sie da wissen sie wieder nur die Hälfte,es ist ein Alfa Motor und die Plattform des Vectra wurde auch von SAAB verwandt, wissen Sie Herr Silbador, ich weiss wovon und worüber ich kommentiere.
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Die Drallklappengeschichte ist ein alter Hut und sie hatten halt Pech, denn hätte ihre Werkstatt mal richtig hingeschaut,wäre das Problem im voraus gelöst worden, denn bei Fahrzeugen aus Turin, ist dieser Fehler nur i.d. ersten Serie aufgetreten, danach nicht mehr.
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Aber so wie sie hier posten werden sie auch draußen auftreten und dann übersieht man schon mal was, gelle.
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MfG nach Diktat verreist
Eisenbaer (22.03.2009, 15:58 Uhr)
@Silbador - Pannenhelfer -
Eigentlich müsste es Sie stutzig machen, dass die ADAC-Pannenhelfer in den meisten Fällen mit einem Opel Zafira daherkommen. Warum das wohl so ist?

Ich denke Ihr Motto ist einfach:
"Weil nicht sein kann, was nicht sein darf."
Silbador (22.03.2009, 15:58 Uhr)
Brille - Fielmann Herr JvH
es heisst Silbador - oder sollte das ein Scherz sein - dann natürlich Sorry!!!
Also ich weiss ja nicht, wie Sie Auto fahren, bei meinen musste ich bisher immer Gas geben, wenn sie fahren sollten. Das und nichts anderes haben ich Hunderte andere Vectrafahrer auch getan - und am Ende die Fehlkonstruktion am Motor selbst zahlen dürfen. Es ist nämlich so, dass der Bügel, welcher die 3 Drallklappen mitnimmt, die nicht mit einem Motor angesteuert werden, mit Kunststoffbuchsen ausgestattet sind und dann auch noch leicht schief sitzen. Jetzt muss man kein Genie wie Sie sein, um sich denken zu können: Diesel - Motor - Warm - Schief - Vibrationen - da könnte im Lauf der Zeit was kaputt gehen. Geht´s auch und wenn die Drallklappen nicht mehr angesteuert werden, geht das AGR kaputt. Ist ja aber gar nicht Opels Schuld - Nö - der Motor stammt von Fiat.
Opel kaufen und Fiat fahren - wenn ich das gewusst hätte ...
Hab´ ich aber nicht, deshalb habe ich ja den Sch...opel.
Also, wenn man, wie Sie keine Ahnung hat, einfach mal keinen Kommentar schreiben - Gell!
Eisenbaer (22.03.2009, 15:51 Uhr)
Nach welchem Maßstab wurden die Wagen ausgesucht?
Auf Grund der äußeren Wagenlänge? Der Audi passt hier genauso wenig hinein, wie die Mercedes E-Klasse und der 5´er BMW oder ein Jaguar X-Type. Was sollte mit diesem Test bewiesen werden? Hat der Autor auch mal auf den Rücksitzen Platz genommen? Ist ihm im Insignia das gleiche aufgefallen, wie mir: Fahrersitz für mich bequem eingestellt und dann ab nach hinten und Platz genommen. Für die Knie ging es gerade noch so, aber warum nur muss ich meinen Kopf wegen der unklugen Dachlinie nach vorne beugen, will ich nicht an den Wagenhimmel stoßen? Der Wagen ist ein reiner 2+2-Sitzer: zwei Erwachsene vorne, hinten ein paar Kinder bis in die ersten Jahre der Pubertät. Danach wäre ein Mondeo die bessere Wahl.

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