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22. Juli 2009, 10:16 Uhr

Kurzatmige Watt-Läufer

Sind E-Autos nur Übergangslösungen? Ein Gespräch mit Christian Mohrdieck, Leiter der Brennstoffzellen- und Batterie-Antriebsentwicklung bei Daimler. Von Peter Weyer

Elektroauto, Mercedes S 400 Hybrid, Hybridauto, CO2, Daimler

Der Mercedes S 400 Hybrid ist die erste Oberklasse-Limousine mit gekühlter Lithium-Ionen Batterie© mid

Die Frage auf Seite vier der "taz" vom vergangenen Dienstag klang harmlos. Die Antwort ist ein Knaller. Wann, wollte der Interviewer Ingo Arzt wissen, werde es ein Elektroauto geben, das 500 Kilometer weit kommt und nicht das Dreifache eines herkömmlichen Autos kostet. "Nie" antwortete kurz und bündig Christian Mohrdieck. Der Mann muss es wissen, denn der Physiker ist Leiter der Brennstoffzellen- und Batterie-Antriebsentwicklung bei Daimler.

Knackig auch die Begründung. Ein vollwertiges 500-Kilometer-Fahrzeug "sei aufgrund der Naturgesetze ausgeschlossen." Die Speicherung von Elektrizität lasse sich mit allen bekannten physikalischen Prinzipien bestenfalls noch um ein Drittel verbessern. Was ist los im Schwabenland? Sagt ein angesehener Wissenschaftler mit klaren Worten unverblümt die Wahrheit? Oder ist es Futterneid, wie Mitbewerber-Kollegen und Branchenkenner argwöhnen? Denn zu Zeiten der gescheiterten Konzern-Ehe mit Chrysler mussten die Stuttgarter die Forschung und Entwicklung am E-Auto weitgehendst dem Partner in den USA überlassen. Jetzt, nach der Scheidung, darf die Stern-Truppe wieder selber ran, muss aber viel nachholen, weil die Chrysler-Erfolge überschaubar blieben.

Die Zukunft der Brennstoffzelle

Das gilt auch für die Hybrid-Technik, obwohl Mohrdieck und seinem Team gerade eine Weltpremiere hingelegt haben: Der Mercedes S 400 Hybrid ist die erste Oberklasse-Limousine mit gekühlter Lithium-Ionen Batterie. Dennoch bleibt Skepsis beim Zwitter aus Benzin- und Elektromotor: Mohrdieck in der "taz": "Auf langen Strecken ist der Verbrauch sogar höher." Mag sein, dass Mercedes die eigenen Entwicklungsschlappen der Vergangenheit übertünchen will, wenn der allgemeine Trend zum Elektro- und Hybridauto nicht gerade bejubelt wird. Kann aber auch sein, dass Mohrdiecks Trendanalyse ein Signal setzen soll: E-Autos sind Übergangslösungen, Wasserstoff und Stromerzeugung in Brennstoffzelle sind dagegen letztlich der einzig gangbare Weg für Mobilität der Zukunft.

Die machen sogar dann schon ökologisch Sinn, wenn Wasserstoff nicht mit Wind- Wasser- oder Sonnenenergie gewonnen wird. Bereits die vergleichsweise wenig effiziente Wasserstoffproduktion aus Erdgas entlaste die Umwelt gewaltig. "25 bis 30 Prozent weniger CO2 als beim Benziner", rechnet Mohrdieck vor. Besser ist kein E- und H-Auto. Widersprochen hat bislang niemand.

Von Peter Weyer
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
echtschoenhier (24.07.2009, 08:45 Uhr)
und an den Skeptiker...
... habe ich auch noch einen.
Gut, 5000 Stunden sind zwar ungefähr 200 Tage. Aber zeigen Sie mir ein Auto, das gut 200 Tage im Dauerbetrieb fährt. Ein Fahrzeug ist normalerweise ein Stehzeug. Die durchschnittliche Fahrdauer beträgt nur einen Bruchteil eines Tageszeitraumes pro Tag. Wieso sollte dann die BSZ so zügig den Geist aufgeben? Ich stimme mit Ihnen überein, dass da sicherlich noch ein nicht unerhblicher Entwicklungsaufwand reingesteckt werden muss, aber nur aufgrund von ein paar Zahlen das System in Frage zu stellen halte ich für voreilig.
echtschoenhier (24.07.2009, 08:40 Uhr)
Aber Herr Mohrdieck
Sie sind Physiker, da sollten Sie doch wissen, dass nahezu alles möglich ist, was nicht den Naturgesetzen widerspricht. Hier ein solch hartes Wort wie "NIE" in den Raum zu werfen, halte ich schlicht für Ignoranz. Die Geschichte der Technik lehrt uns vieles:
- Ein Mensch kann keine Geschwindigkeiten von mehr als 80 km/h überleben (eine Aussage anlässlich des Baus von Fortbewegungsmitteln) - Der Computer wird sich niemals für Privatpersonen durchsetzen (Eine tragische Einschätzung vor nicht allzu langer Zeit) - Vor ich weiss nicht wieviel Jahren konnte sich noch niemand Lithium-Ionen Batterien vorstellen (da war man noch bei Nickel-Cadmium), warum sollte es nicht möglich sein, mit neuen Entwicklungen weiter zu kommen? Darüber hinaus war die Leistung einer Ni-Cd Batterie weit niedriger und die Kosten weit höher als bei einer LiI Batterie.
Noch ein Beispiel: 1991 (das war erst kürzlich) wurde auf der CeBit in Hannover noch gemutmasst, dass kein Prozessor schneller als 250 MHz getaktet sein könne, weil ansonsten der Computer zu brennen anfinge. Schauen Sie, Herr Mohrdieck mal auf Ihren Computer. Die Leistung des Prozessors hat sich wahrscheinlich auch bei Ihrem Gerät vervielfacht.
So besinnen Sie sich auf Ihren wunderbaren Beruf. Sie als Physiker sollten doch nun wirklich wissen, das Ergebnisse, die nicht gegen Naturgesetze verstossen, eben nicht unmöglich sind.
skeptiker23 (23.07.2009, 01:35 Uhr)
dar problem
bei den Brenstoffzellen ist die kurze Lebensdauer, für mobile Brenstoffzellen sind es etwa laut wikipedia 5000 Stunden also etwa 200 Tage Dauerbetrieb. Viel zu wenig für ein Auto. Aber ich denke mal das wird sich in naher Zukunft ändern.
gmathol (22.07.2009, 23:25 Uhr)
Sie erwaehnen die Brennstoffzelle, Honda bietet diese Loesung bereits fuer Kunden in den USA an.
Fuer 600 Dollar Leasingrate im Monat bekommt man den Honda FCX Clarity: http://automobiles.honda.com/fcx-clarity/ - eine vollwertige Limosine die es mit der Brennstoffzelle angetrieben 420 Km Reichweite hat.
Das ist bereits Realitaet! Auch Mercedes hat ein Brennstoffzellen Fahrzeug und Opel hatte sogar einen Zafira bereits 2003 serienreif. Misterioeserweise verschwanden diese Konzepte.
Uebrigens bietet Honda fuer sein Brennstoffzellenfahrzeug auch gleich die Heim-Tankstelle an.
Die deutsche Autoindustrie kann bald einpacken.
manta (22.07.2009, 20:13 Uhr)
Die Zukunft...
...liegt nunmal bei 8 Zylindern in V-Anordnung mit Straight Pipe
gesox (22.07.2009, 20:10 Uhr)
Kleiner Rat für Autoentwickler
Der Super-TipP des Tages:
-
Man bekommt sofort einen sparsameren Wagen, wenn man ihn leichter baut als einen Zerstörer der Bundesmarine.
-
Komisch, daß Mercedes-Konstrukteure das nicht wissen und unzeitgemäße Schlachtschiffe wie den 400 S mit Hingabe am Markt vorbei basteln...
brainuser (22.07.2009, 19:45 Uhr)
So ein Schwachfug...
Den Gebrüdern Wright sagte man zu ihrer Zeit auch "Unmöglichkeiten" nach. Und heute?
.
Welche Lobby soll denn diesmal bedient werden?
Toreon (22.07.2009, 19:20 Uhr)
Extrem schwach recherchierter Artikel
Mit reisserischen Fragesätzen zu versuchen einen Eindruch zu erwecken, nur weil ein einzelner Verantwortlicher Praktiker etwas behauptet, ist echt arm.
Die folgende Aussage ist an sich schon offensichtlich Blödsinn: "Ein vollwertiges 500-Kilometer-Fahrzeug "sei aufgrund der Naturgesetze ausgeschlossen." Die Speicherung von Elektrizität lasse sich mit allen bekannten physikalischen Prinzipien bestenfalls noch um ein Drittel verbessern."
Mir einer einfachen News Suche findet mal gleich mehrere Entwicklerteams, die die Kapazität von Akkus um den Faktor 5-10 verbessern wollen. Also woher die Arroganz dieses Versager-Entwicklungschefs, die Naturgesetze!! würden dies nicht erlauben?
Quelle:
http://www.heise.de/newsticker/IBM-will-Lithium-Luft-Batterien-fuer-Elektroautos-entwickeln--/meldung/141134
IBM will Lithium-Luft-Batterien für Elektroautos entwickeln
Der US-Konzern IBM entdeckt Elektroautos als aussichtsreiches Geschäftsfeld. Nach einem Bericht der Businessweek will Big Blue seine Kräfte bündeln, um leistungsfähige Batterien für Autos zu entwickeln. An dem Projekt sollen sich fünf Forschungseinrichtungen beteiligen, darunter die Universität von Kalifornien in Berkeley. Ziel von IBM und seinen Partnern ist es demnach, eine Batterietechnik zu entwickeln, die Elektroautos mit einer Ladung 300 bis 500 Meilen weit bringt, das entspricht etwa 500 bis 800 Kilometer.
Laut Bericht bevorzugt IBM eine "radikal andere Batterietechnologie", wie IBM-Forschungschef Chandrasekhar "Spike" Narayan zitiert wird. Das Konsortium setzt demnach auf Lithium-Sauerstoff-Batterien. Die neuen Batterien sollen fünf- bis zehnmal so viel Energie speichern können als Lithium-Ionen-Batterien (Verantwortlich Winfried W. Wilcke) weil der Sauerstoff bei Bedarf der Umgebungluft entzogen werde, anstatt fester Bestandteil der Batterie zu sein.
Ähnliches hatte bereits die schottische Universität von St. Andrews berichtet, deren Forscher ebenfalls ein zehnfache Steigerung der Kapazität von Batterien für möglich halten.
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