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Die Erfolgsgeschichte der "Kotzknolle"

Der VW Passat feiert den 40. Geburtstag. Ein prickelndes Image hat er nicht, dafür gilt er als verlässlich. Das macht ihn zur erfolgreichsten Mittelklasse-Limousine. Ein Rückblick in Bildern.

  Auch nach 40 Jahren besticht der erste Passat durch seine klaren Linien.

Auch nach 40 Jahren besticht der erste Passat durch seine klaren Linien.

Insgesamt sieben Passat-Generationen fahren seit 40 Jahre in jedem Winkel der Welt. Mit über 15 Millionen Fahrzeugen zählt der seit dem Juli 1973 erhältliche Passat hinter dem Golf und dem Käfer zu den meistverkauften Autos des VW-Konzerns. Und wie der Golf ist der Passat ein Wagen ohne Ecken und Kanten. Er polarisiert nicht. Seit 40 Jahren überzeugt er mit großem Nutzwert, guter Qualität und hoher Verlässlichkeit. Auffällige Designexperimente und ein besonderes Image hat der Passat für seinen Erfolg nicht benötigt. Im Gegenteil. Die vierte Generation des Passats wurde seinerzeit in einer Designkritik als "Kotzknolle" beschimpft. Eine wüste Wortwahl, doch dem damaligen Passat der vierten Generation ohne Grill sieht man an: Der Kritiker hat Recht gehabt - der Wagen sieht wie eine überdimensionierte Kartoffel aus. Stern.de zeigt Ihnen, wie sich der Passat im Laufe der Jahre entwickelt haben.

40 Jahre VW Passat: Windiger Verkaufsschlager
  Erste Generation des VW Passat in seinen drei Karosserievarianten.

Erste Generation des VW Passat in seinen drei Karosserievarianten.

Der Volkswagen für die Familie

Häufig wird vergessen, dass der Passat und nicht der Golf bei VW den Bruch mit den Modellen der Nachkriegsära markierte. Der Golf wurde ein Jahr später als der Passat präsentiert.

Der Passat I zählte zu den sichersten und komfortabelsten Fahrzeugen seiner Zeit. Und das, obwohl Sicherheitsgurte bei dem zu Preisen ab 9060 DM angebotenen VW nicht zum Inventar gehörten. Für das Plus an Sicherheit sorgte vor allem sein Fahrwerk in Kombination mit dem im Gegensatz zu seinen Vorgängern vornlängs eingebauten wassergekühlten Reihenmotor und dem damit verbundenen Frontantrieb.

Für die damalige Zeit war das eine Revolution. Erst recht in Wolfsburg, denn vorher setzte VW allzu lange auf den bewährten, aber hoffnungslos veralteten luftgekühlten Boxermotor im Heck. Auch im Design markierte der eckige Passat einen auffälligen Bruch mit den rundlichen Vorgängern. Mit seinem geringen Gewicht und der hohen Nutzlast war er das richtige Fahrzeug für die erste Ölkrise.

Drei Benzinaggregate mit bis zu 85 PS beschleunigten den VW bis knapp 170 Kilometer pro Stunde. 1974 kam die Kombiversion Variant auf den Markt. Die bis Oktober 1980 produzierte erste Generation wurde innerhalb der siebenjährigen Bauzeit um fünf weitere Motorenvarianten erweitert. Der Stärkste im Bunde war mit 110 PS der 1,6 Liter große Benzinmotor aus dem GLI, den er sich mit dem ersten Golf GTI teilte. Einen Passat GTI hat es in Serien bis heute nicht gegeben. Lediglich ein Einzelstück ist ab und zu, wie zuletzt auf der Techno Classica in Essen, zu sehen. Neben den Benzinern startete 1978 der erste Dieselmotor im Passat seinen Erfolgskurs. Der 1,5 Liter große Selbstzünder leistete 50 PS und verbrauchte 7,5 Liter auf 100 Kilometern. Auf Landstraßentempo kam er erst nach schier endlosen 21 Sekunden.

Hier sieht man deutlich, dass es im Motorenbau doch gewaltige Fortschritte gab. Der aktuelle Passat, obwohl wesentlich größer und schwerer, schöpft fast das Dreifache an Leistung aus einem Motor, der mehr als ein Drittel weniger verbraucht.

  Die achtziger Jahre sind am rallyeschwarzen Plastik zu erkennen.

Die achtziger Jahre sind am rallyeschwarzen Plastik zu erkennen.

Zweite Generation 1980

Im November 1980 fuhr eine komplette Neukonstruktion aus den Werken im niedersächsischen Emden. Anders als noch bei der ersten Generation war in der nun 1,69 Meter breiten zweiten Generation von Anfang an neben der 4,44 Meter langen Fließheck- die erfolgreichere und zehn Zentimeter längere Variant-Version verfügbar. Bis heute lässt der Kombi in Deutschland die Limousine bei den Verkäufen weit hinter sich. Teurer wurde der Passat allerdings auch. 12.850 Mark kostete das günstigste Modell.

Zur Wahl standen innerhalb der achtjährigen Produktionsphase Ottomotoren zwischen 55 PS und 140 PS sowie Dieselmotoren mit 55 PS bis 80 PS. Allerdings war der 2,0 Liter große Top-Benziner lediglich für den japanischen Markt gedacht. Hierzulande bildete der 2,2 Liter große Fünfzylindermotor mit 136 PS die Speerspitze. Wesentlich wirtschaftlicher arbeitete der 54 PS starke und 1,6 Liter große Dieselmotor. Im August 1982 stieg die Leistung mit dem ersten Turbodiesel im Passat auf 70 PS. Im Kleid des Passat Variant GT syncro hielt ab 1984 der Allradantrieb Einzug in die Passat-Modellfamilie. Eine vorsichtiger Versuch, einen Kombi-Crossover auf die Räder zu stellen.

  Ein Wagen ohne Küphlergrill - das ging gar nicht.

Ein Wagen ohne Küphlergrill - das ging gar nicht.

Dritte Generation 1988

Vier Jahre später fuhr die dritte Passat-Generation vor. Das kantige Design hatte ausgedient, die Formen wurden weichgespült, obendrein verzichtete der Passat auf einen Frontgrill. Zumindest das Fehlen des Grills war eine Fehlentscheidung, die in der nächsten Generation revidiert wurde. Aus den nun quer eingebauten Motoren sorgten mindestens 72 PS für den Vortrieb. Der im Frühjahr 1991 präsentierte VR6 bildete das Topmodell dieser Generation. 2,8 Liter Hubraum, sechs Zylinder und eine Leistung von 174 PS trieben die Limousine auf bis zu 224 Kilometer pro Stunde. Der Variant schaffte mit gleichem Motor Tempo 218. Auf Grund der neuen Motoren-Einbaulage wurde im Innenraum deutlich mehr Platz geschaffen, was allen fünf Insassen zu Gute kam. Hinter den Vordersitzen befand sich ein Fußraum von 40 Zentimetern. Das ist auch heute noch üppig. Insgesamt sind bis zum Oktober 1993 mehr als sechs Millionen Passats verkauft worden.

  Der VR6 hatte mächtig Dampf, doch das Heck der Limousine sah schrecklich aus.

Der VR6 hatte mächtig Dampf, doch das Heck der Limousine sah schrecklich aus.

Vierte Generation 1993

Die darauf folgende vierte Generation war schon aus der Ferne als solche zu erkennen. Denn anders als die verschlossene Front des Vorgängers verfügte der Neue wieder über einen echten Kühlergrill. Für die Sicherheit stehen serienmäßig Fahrer- und Beifahrer-Airbags, Gurtstraffer und ABS bereit. Nicht minder wichtig ist die Einführung des Turbodiesel-Direkteinspritzers im Jahr 1993. Der TDI leistete 90 PS und verbrauchte 5,3 Liter auf 100 Kilometer. Drei Jahre später kam der 1,9 Liter große Vierzylinder-TDI mit 110 PS hinzu. Insgesamt standen Motoren mit bis zu 184 PS zur Wahl. Diese TDi-Motoren leiteten den Siegeszug des Diesels im Pkw ein.

  In der fünften Generation ähnelt der Passat bereits dem heutigen Modell.

In der fünften Generation ähnelt der Passat bereits dem heutigen Modell.

Fünfte Generation 1996

Im Jahr des letzten internationalen Titelgewinns der Deutschen Fußballnationalmannschaft brachte VW die fünfte Passat-Generation auf den Markt. Die größte Änderung betraf 1996 die Einbaulage des Motors: Im neuen Modell war sie wieder längs. Zudem wurde die Karosserie vollverzinkt, eine Verbesserung, die durch eine elf Jahre andauernde Garantie gegen Durchrostung unterstrichen wurde. Das heute noch so benannte 4Motion-Allradsystem löste den syncro-Antrieb 1998 ab. ESP wurde ab September 1999 serienmäßig verbaut.

Das Verkaufsverhältnis des Variant gegenüber der Limousine lag mittlerweile bei vier zu eins. Im Gegensatz zu vorherigen Modellpflegen brachte die im Oktober 2000 durchgeführte eine Menge Neuerungen mit sich. Die Front- und Heckpartien wurden verändert. Man merkte, wie VW den Passat etwas höher positionieren wollte. Dazu zählten auch die 275 PS starken Achtzylinderversionen mit Allradantrieb. Das Konzept ging auf, und am 13. Mai 2003 lief in Emden der zwölfmillionste Passat vom Band.

  Zwischendurch zierte den Passat ein überdimensionierte Grill.

Zwischendurch zierte den Passat ein überdimensionierte Grill.

Sechste Generation 2005

Die Weltpremiere der Folge-Generation fand am 15. Februar 2005 in Hamburg statt. Mit fünfmonatigem Abstand starteten am 11. März die Limousine und am 19. August der Variant in den Markt. Zwischen 102 PS und 300 PS leistete die sechste Generation. Die Turbodiesel entwickelten zwischen 105 PS und 170 PS. Optional waren erstmals Doppelkupplungsgetriebe im Angebot. Mit dem Ableger CC entwickelte Volkswagen ein edles Großcoupé auf Passat-Basis. Die eigentliche Limousine des Passats wurde über die Jahre hinweg so uninspiriert gestaltet, dass sie in Deutschland als reines Rentnerfahrzeug gilt.

  Kühl und kontrolliert zeigt sich das aktuelle Modell.

Kühl und kontrolliert zeigt sich das aktuelle Modell.

Siebte Generation 2010

Seit dem 2. Oktober 2010 fährt die siebte immer noch aktuelle Generation auf den Straßen. Das Design setzt wieder auf geschärfte Kanten. Der auf 4,77 Meter angewachsene Passat steht derzeit ab einem Einstiegspreis von 25.375 Euro beim Händler.

Noch immer ist aus dem Passat kein Traumwagen geworden, aber das macht seinen Reiz aus. Dienstwagenfahrer und Familien schätzen den großen Variant - der im Vergleich zu einem Minivan immer noch vergleichsweise günstig ist.

Gernot Kramper mit Agenturen

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