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Golf zum halben Preis

Der "Volkswagen" von heute heißt Sandero. Für knapp 7000 Euro bietet Dacia einen soliden Kompaktwagen, der in der Golfklasse fleißig auf Kundenfang gehen dürfte.

Der europäische Automarkt schrumpft von Jahr zu Jahr, doch Dacia wächst. Die Billigmarke von Renault fährt auf der Erfolgsspur. Rabatte? Fehlanzeige. Auch das ruinöse Geschäft mit spottbilligen Tageszulassungen bleibt den Dacia-Händlern erspart. Die Preise sind von Haus aus konkurrenzlos günstig. Der neue Sandero - ein Wagen der Golfklasse - kostet 6990 Euro.

Möglich ist das, weil die Wagen nicht in Westeuropa sondern im rumänischen Pitesti vom Band laufen. Aber es gehört auch mehr dazu. Der Mini-SUV Opel Mokka wird auch nicht hierzulande produziert sondern in Korea, tritt aber keineswegs als Preisbrecher an. Auch die reduzierte Ausstattung der Dacia-Modelle ermöglicht den günstigen Preis, technische Revolutionen bekommt der Kunde nicht geboten. Doch Dacia fährt man inzwischen nicht mehr, weil man sich nichts anderes leisten kann. Wer Dacia fährt, entscheidet sich bewusst dafür. Zwei Drittel aller Fahrzeuge werden laut Dacia bar bezahlt. Einfach aber bezahlt lautet das Motto.

Der günstigste Wagen in Deutschland

Beim neuen Sandero wird der alte Preis von 6990 Euro gehalten. Aber dafür hat die Einstiegsversion nun ein ESP, eine Servolenkung und Seitenairbags. Für einen so günstigen Wagen der Golfklasse ist das schon eine ganze Menge. Zumal der Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 320 beziehungsweise 1200 Liter immer serienmäßig ist. Dass nach dem Umlegen der Rückbank eine Stufe bleibt, stört wohl die Wenigsten. Für die Käufer wichtiger ist, dass die hinteren Türen ohne Aufpreis geliefert werden.

Zum Vergleich: Ein Audi A3-Sportback bringt es auf 380 und 1220 Liter und kostet knapp das Vierfache. Für den doppelten Preis des Sandero gibt es nicht einmal den einfachsten Golf - ohne hintere Türen.

Natürlich ist die Qualitätsanmutung bei Audi und Volksagen eine andere. Doch der Sandero hat gegenüber dem Vorgänger auch da einen Sprung nach vorne gemacht. Klar, an manchen Stellen ist die Verkleidung etwas karg, die Kanten nicht überall ordentlich entgratet, aber die Verarbeitung ist durchaus solide.

Wenn man den aus dem Renault Clio bekannten 90-PS-Dreizylinder haben möchte, muss man mindestens 10.990 Euro berappen. Für 4000 Euro Aufpreis gibt es aber nicht nur das Spartriebwerk, sondern auch Annehmlichkeiten, wie elektrische Fensterheber, 16-Zoll-Aluräder, beheizbare Außenspiegel, und ein MP3-CD-Radio mit USB- und Aux-Anschluss. Legt man noch 180 Euro drauf, bekommt man ein Navigationssystem inklusive sieben Zoll Touchscreen.

Mehr Qualität als beim Vorgänger

Die weitere Aufpreisliste ist erfreulich kurz. Unter anderem kosten die Lederpolsterung (500 Euro), die manuelle Klimaanlage (590 Euro) und Parkpiepser hinten (200 Euro) extra. Auf besonderen Kundenwunsch hievten die Franzosen auch einen Tempomaten für 230 Euro (inklusive Lederlenkrad) in die Kauf-Optionen.

Im Cockpit wird der Fortschritt sicht- und fühlbar. Zwar regiert nach wie vor Hartplastik, aber die Oberflächen mit den verschiedenen Narbungen und feine Details wie chromglänzende Ringe um die Rundinstrumente machen das Interieur hochwertiger als beim Vorgänger. Auch äußerlich hat man die Optik des Kleinwagens aufgefrischt. Die eckigeren Frontscheinwerfer, die größeren Lufteinlässe und die kantigeren Formen sind deutlich moderner als das etwas rundliche Design des Vorgängers. Doch ein Dacia wird nach wie vor von praxisorientierten Autofahrern gekauft. Der Sandero hat in der Länge 3,8 Zentimeter zugelegt und knackt so die Vier-Meter-Marke. Das gibt genug Platz in der ersten und zweiten Reihe. Obwohl der Sandero 16 Millimeter flacher ist als sein Vorgänger, fällt keinem Passagier der Himmel auf den Kopf.

Keine nennenswerten Mängel

Die Vordersitze sind zwar bequem, haben aber eine zu kurze Sitzfläche, und auch der Seitenhalt ist nicht überragend. Doch wer Sandero fährt, ist in der Regel nicht auf Bestzeitenjagd und mit dem 90-PS-Dreizylinder und einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h mutiert man sicher nicht zum Verkehrshindernis. Das Drehmoment von 135 Newtonmetern und der Sprint auf 100 km/h in 11,1 Sekunden lassen durchaus Überholvorgänge zu, ohne dass die Passagiere Schweißausbrüche bekommen. Der fünfte Gang ist einen Schuss zu lang übersetzt. Wenn man ihn einlegen will, stört das hakelige Getriebe. Die Lenkung ist kein Muster an Direktheit, aber durchaus präzise genug. In schnell durchfahrenen Kurven neigt der Sandero zum Wanken und das Fahrwerk ist durchaus komfortabel, aber einen Schuss zu weich.

Im Gegensatz zu dem Clio-Aggregat fehlt dem Dacia das Start-Stopp-System. Irgendwo muss es ja einen Unterschied geben. Der Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter kann sich trotzdem sehen lassen. Die verbesserte Dämmung des Motorrraums zeigt zwar Wirkung, kann aber gegen die Windgeräusche an den Außenspiegeln nichts machen. Doch angesichts des fairen Preis-Leistungs-Verhältnis', sind alles nur kleinere Mängel.

Fazit: Billig fühlt sich definitiv anders an, der neue Sandero ist preiswert.

Press-Inform/pressinform

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