Größte Versuchungen

10. Januar 2007, 09:19 Uhr

Die Detroit Motorshow ist ein Fegefeuer der Eitelkeiten. Die Designer aus Europa, Asien und den USA zeigen, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird. Besonders Amerika und Fernost liefern sich einen heißen Kampf um die schönsten Studien. Von Stefan Grundhoff

Zwischen den vielen Neuheiten der Detroit Motor Show präsentierte Volvo den XC60©

Auch wenn die Europäer in der Breite huldvoll Abstand zu den Designeskapaden der anderen Megakontinente halten, so ist der Mercedes Ocean Drive doch die größte Versuchung auf der NAIAS. Ein viertüriges Luxuscabriolet für die Reichen und Schönen dieser Welt – das gibt es auch in Detroit nicht alle Jahre zusehen. Das 5,29 Meter lange Unikat, hat eine sanft dahin fließende Karosserie von graziler Schönheit.

Zu den äußeren Merkmalen des Showcars zählen neben den vier Türen und einem üppig dimensionierten Stoffdach ein aufrecht stehender Kühler sowie Scheinwerfer und Heckleuchten in LED-Technik. Die lange seitliche Scheibenöffnung wird von keiner B-Säule und keinem Scheibenrahmen unterbrochen. Innen haben die Designer in hellem Leder, dreidimensional wirkenden Stoffen und großen Holzflächen in Vogelaugenahorn geschwelgt.

Mazda zeigt auf der North American International Auto Show die Studie des Ryuga und schließt damit nahtlos an den Nagare von der Los Angeles Autoshow an. Auch der Ryuga setzt mit seinen mächtigen Flügeltüren auf fließende Formen, elegante Sportlichkeit und soll für den asiatischen Hersteller ein Signal für die Zukunft setzen. Mit Zoom-Zoom ist es mittelfristig nicht mehr getan. Mazda ist die sportlichste der japanischen Marken - genau das soll mit Studien wie dem Nagare oder dem noch grazileren Ryuga unterstrichen werden. "Das Konzept des Ryuga setzt ähnlich wie der Nagare auf fließende Formen, ist aber deutlich realistischer als das Modell von der Los Angeles Autoshow", so Laurens van den Acker, Design-Maganer von Mazda, "daher ist er für uns besonders wichtig, um die Reaktionen des Publikums auf das Design der Zukunft zu testen."

Ahs und Ohs beim Chevy Volt

Die Ahs und Ohs waren groß als der teils durchsichtige Chevy Volt auf die Bühne gefahren wurde. Chevrolet, in den vergangenen Jahren nicht gerade durch Meilensteine der Designgeschichte aufgefallen, zeigt mit dem Volt Mut und Ideenreichtum. Vier Sitze, vier Türen, eine Coupéform und üppig dimensionierte Glaselemente machen Lust auf mehr.

Zudem ist der Name des Volt Programm - unter dem knackig-drahtigen Blechkleid arbeitet ein Elektroaggregat für den Stadtbetrieb. Der Volt kann über Nacht an jeder Steckdose aufgeladen werden. Sechs Stunden Netzstrom bedeuten eine City-Reichweite von immerhin knapp 70 Kilometern. Ist der Lithium-Ionen-Akku leer, kann man auf ein Dreizylinder-Hilfsaggregat mit einem Liter Hubraum umschalten, der einen sicher bis zur nächsten Steckdose bringt. Die Aussichten auf eine zeitnahe Serienumsetzung sind eher bescheiden.

Ford trommelt bei seinem Heimspiel lauter als die meisten anderen. Der Ford Interceptor als viertürige Coupéversion des aktuellen Mustang hat Suchtpotenzial. Leistung satt, 22-Zoll-Felgen und ein Design, das sich an den Pick Up F-250 Super Duty von der Autoshow 2006 anlehnt, machen den Interceptor unverblümt zu einem der Messestars. Ähnlich kraftvoll, ähnlich USA-tauglich zieht der Lincoln MKR die Blicke der nordamerikanischen Autofans auf sich. Ein maskiertes Stahlgesicht und V6-Turbopower freuen sich bereits auf einen Serieneinsatz. Die Chancen sollten angesichts der aktuellen Lincoln-Palette nicht schlecht stehen.

Dynamischer Viertürer mit Retroformen

Nicht weniger beeindruckt präsentiert sich Jaguars neuestes Baby. S-Type war gestern - der Nachfolger wird ab Anfang 2008 den Familiennamen XF tragen. Bevor die Serienversion auf der Frankfurter IAA im September stehen wird, können die nordamerikanischen Autofans den ungewöhnlich dynamischen Viertürer als Konzeptstudie bereits in Detroit bestaunen.

Und das Interesse der Öffentlichkeit ist mächtig. Ein auffälliger Retrokühlergrill sowie moderne Formen, die man bereits von Jaguar XK und Aston Martin kennt, sollen der britischen Edelmarke unterhalb des XJ neue Kundengruppen erschließen. "Für Jaguar ist der C-XF weit mehr als nur eine weitere Konzept-Studie", sagte Jaguar Design-Direktor Ian Callum: "Seine Bedeutung für das künftige Design und mögliche Zukunfts- Technologien ist immens. Der Jaguar C-XF ist der dynamischste und modernste Viertürer, den Jaguar jemals auf die Räder gestellt hat."

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