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Arktischer Zehnkampf

Schnee, Eis, arktische Temperaturen - schon zum 13. Mal hat Fulda im hohen Norden Kanadas seine Challenge veranstaltet. 14 Sportler kämpften um den Sieg - und gegen den ziemlich verschnupften inneren Schweinehund.

Zugegeben: Zu wissen, wer wie schnell ein Loch ins Eis bohrt oder ein ausgewachsenes Sportflugzeug durch den Schnee zieht, beantwortet nicht gerade die Frage nach dem Sinn des Lebens. Aber das tut es auch nicht, wenn 22 Rennwagen 65 Mal im Kreis herum rasen.

Die eigenen Grenzen unter extremen Bedingungen auszuloten, Spaß dabei zu haben und sich wohl zu fühlen in einem Team - das ist doch auch schon was. Und wenn eine Reifenfirma auf arktischen Straßen durchaus eindrucksvoll zeigen kann, was ihre Winterreifen können, dann lohnt sich der Aufwand auch für die Controller daheim. Willkommen also im polaren Norden Kanadas bei der Fulda Challenge, die in diesem Jahr zum 13. Mal ausgetragen wurde. Was für eine auch wirtschaftliche Bedeutung der Event des zu Goodyear Dunlop gehörenden Reifenherstellers mittlerweile für die Region an Yukon und Klondike hat, zeigt allein schon, dass Yukons Minister für Tourismus und Justiz, Mike Nixon, den kleinen Tross der 14 Athleten und rund 50 Offiziellen und Journalisten in Empfang nahm. Rund eine Million Kanadische Dollar, so seine Rechnung, bleiben durch die "Red Army", wie die Einheimischen die Truppe wegen ihrer roten Jacken mittlerweile nennen, jedes Jahr in Yukon hängen: Übernachtungen, Verpflegung, Mieten für Fahrzeuge und Ausrüstung - was eben so anfällt. Außerdem sei die Zahl der deutschsprachigen Touristen in den vergangenen 13 Jahren dank der Challenge stark gestiegen.

Auch in diesem Jahr war die Gruppe der Teilnehmer gut durchmischt. Da sind zum einen Hochleistungssportler wie die Österreicherin Renate Reingruber, den französischen Skater Taig Khris oder die Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss, die schon zum zweiten Mal dabei war. Aber da quälen sich bei bis zu -32 Grad auch Prominente ab wie die Moderatoren von RTL, Wolfram Kons, oder SAT 1, Matthias Killing. Oder wie Franzy Balfaz, nicht nur Sportlehrerin, sondern auch Jubiläums-Playmate im Juli 2012. Vergangenes Jahr mussten sich die Athleten noch mit Temperaturen um die 40 Grad Minus herumschlagen - in diesem Jahr waren es eher die Temperaturunterschiede entlang der rund 2000 Kilometer gefahrener Strecke zwischen Yukons Hauptstadt Whitehorse, der Goldgräberstadt Dawson City und dem Polarkreis. Allein in Whitehorse wurden die Teams am zweiten Wettkampftag beim Hundeschlittenrennen mit -32 Grad auf dem Takhini River empfangen - als sie drei Tage später nach Whitehorse zurück kamen, zeigte das Thermometer geradezu frühlingshafte zwei Grad Plus an.

Entsprechend schwierig waren auch die langen Fahretappen zwischen den Wettbewerben: rund 2000 Kilometer auf zugeschneiten, vereisten oder matschigen Straßen. Manche lieben das: Nirgendwo sonst könne man solch lange Strecken unter ähnlich winterlichen Bedingungen zurück legen, freute sich Hans Joachim Stuck, der als Sportchef der Challenge fungiert. Insgesamt zehn Wettkämpfe warteten auf die Sportler. Den Anfang machte ein Kletterparcours am Mount Sima, bei dem schon die ersten Teilnehmer schnell in den Seilen hingen. Vergleichsweise gemächlich ging es weiter: Auf dem meterdicken Eis des Schwatka Sees hatte Stuck einen Slalom-Parcours abstecken lassen, den es im Auto so schnell wie möglich zu absolvieren galt. Schon da deutete sich an, wer am Ende der Challenge als Sieger dastehen könnte: Die Österreicher Renate Reingruber und ihr Teamkollege Andreas Leitner, im Hauptberuf Polizist, gingen als Schnellste durchs Ziel. Die größte Herausforderung dürfte allerdings eine andere gewesen sein: Bei -30 Grad Außentemperatur übernachteten die Athleten in Zelten.

Am nächsten Tag stand einer der Höhepunkte an: Hundeschlittenrennen. Frank Turner, am Yukon ein legendärer Hundeschlittenführer, hatte sieben Sechsergespanne zusammengestellt, mit denen teamweise ein Rundkurs von sieben Kilometern absolviert werden musste. So ganz klar war dabei nicht immer, wer mehr Spaß und Ehrgeiz hatte: die Hunde oder ihre Lenker. Nicht immer allerdings ging es dabei ohne Blessuren ab. Das französische Team stieß nach einer Geisterfahrt frontal mit dem RTL-Team aus Gunda Slomka und Wolfram Kons zusammen. Und das deutsche Team aus Claudia Beitsch und Christian Schmid vergab seine Chancen auf eine ordentliche Platzierung, weil es unterwegs dem Playboy-Team geholfen hatte. Dessen Hunde hatten sich verheddert und waren erst einmal aufeinander los gegangen.

"Flugzeug ziehen" lautete die nächste Aufgabe. Auf dem Fish Lake wartete bereits eine gut eine Tonne schwere Cessna 180. Sie musste von den Teams auf Kufen über den gepressten Schnee gezogen werden. Lohn der Plackerei: eiskalte abendliche Lagerfeuerromantik auf der SIR-Ranch mit Karibu-Steaks und Country-Songs. Und Tags darauf die nächste Plackerei. Nicht nur die über 400 Kilometer lange Fahrt über den tückisch rutschigen Dempster Highway hinauf in die Nähe des Polarkreises zur urigen Eagle Plain Lodge, dem nördlichsten Rasthaus auf dem amerikanischen Kontinent, geriet zum puren Stress. Es war vor allem der Arctic Circle-Lauf, bei dem die Sportler die letzten zehn Kilometer bis zum Polarkreis rennend zurücklegen mussten.

Auf dem Rückweg nach Dawson City kämpfte sich der Tross am nächsten Morgen mit seinen 32 Fahrzeugen über einen frisch verschneiten Highway. Erste Zwischenstation: die Tombstone Mountains. Dort ging es auf Schneeschuhen vier Kilometer querfeldein - 200 Höhenmeter galt es dabei mit dem sperrigen Geflecht unter der Sohle zu bewältigen. Kurz vor Dawson City die vorletzte Prüfung der Challenge: Die Athleten mussten auf Zeit eine Skipiste hinauf laufen und dann die Abfahrtspiste in einem Kajak mit rasanter Fahrt wieder herunter schlittern - nur mit dem Paddel als Lenkhilfe. Die Steaks, die Dawson Citys Feuerwehr abends in der Down Town Bar grillte, waren redlich verdient. Auf dem Rückweg nach Whitehorse war die letzte der zehn Prüfungen nur noch eine reine Formsache: Einen am Bungee-Seil festgemachten Reifen auf dem zugefrorenen Yukon River so weit wie möglich zu schleppen. Die Sieger standen zu diesem Zeitpunkt schon längst fest: das Team Österreich mit Renate Reingruber und Andreas Leiter in der Mannschafts- und in der Einzelwertung. Auf Platz zwei folgte das deutsche Team vor dem aus der Schweiz.

Und noch ein Sieger stand fest: Wolfram Kons hatte von Fulda schon am Polarkreis einen Scheck über 50.000 Euro für die RTL-Stiftung "Wir helfen Kindern" entgegengenommen.

Press-Inform/pressinform

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