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Goldenes Luxusabteil ist nur für Männer reserviert

Beim Bau eines U-Bahn-Zuges für die Saudis musste Siemens vor allem eine Frage klären: Wie können Frauen züchtig unter der Erde transportiert werden? So funktioniert die irre Drei-Klassen-U-Bahn.

  Der Saudi mag es gern gülden.

Der Saudi mag es gern gülden.

In Europa könnte man sich den Irrsinn nicht vorstellen, mit der das mittelalterlich regierte Königreich Saudi Arabien seine U-Bahn konzipiert. Doch die Bahn, die Siemens baut, folgt der Logik eines Landes, das auch heute noch regelmäßig "Hexen" hinrichtet.

Goldene Abteile

Und das heißt zunächst einmal: Die erste Klasse muss natürlich golden sein. Die Lieblingsfarbe der Saudis. Auf dem komfortablen güldenen Gestühl dürfen nur Männer Patz nehmen und zwar nur Saudis und nicht hergelaufene Wanderarbeiter. Für Frauen ist das Männerabteil tabu. Es sei denn, sie sind "hochgestellt" – dann gelten andere Spielregeln und sie dürfen doch hinein.

  Einen Zugführer gibt es nicht mehr.

Einen Zugführer gibt es nicht mehr.

Immerhin müssen die anderen Frauen nicht zu Fuß vier Meter hinter der Bahn herlaufen. Für sie wurde die "Family Class" geschaffen. Hier können Frauen ohne Probleme mitfahren. Zumindest, wenn ihr Mann oder ein männliches Familienmitglied sie begleitet. Die strenge Regel schreibt zum Glück nicht vor, wie alt der Mann sein muss. Eine Frau könnte sich also einen Neffen als Anstands-Mann von ihrer Schwester ausleihen. Im Familienabteil dürfen darüber hinaus männliche Familienmitglieder und Kinder (beiderlei Geschlechts!) mitreisen.

Geschlechtertrennung im Notfall

Zwischen der goldene Klasse und dem Familienabteil gibt es Türen, die von den Passagieren geöffnet werden können. Zur letzten Klasse der "Single Class" führen auch Türen, die aber im normalen Betrieb nicht geöffnet werden können. Sonst könnten alleinstehende Männer ohne hohe Stellung womöglich einen Blick auf die Frauen erhaschen. Die Türen können im Notfall etwa bei einem Brand geöffnet werden. Mit Betonung auf "Können" - angesichts der strikten Geschlechtertrennung bei Notfällen, ist es denkbar, dass man die Tür auch bei einem Brand zulässt, um so Unschicklichkeiten zu  verhindern.

Die dritte Klasse sieht überhaupt nicht mehr prächtig aus. Sie ist vor allem für das Heer der männlichen Gastarbeiter gedacht. Arme Frauen wie die weiblichen Hausangestellten dürfen nicht zusteigen. Sie wurden bei der Planung übersehen. 

Wie man sieht, hat sich Siemens alle Mühe gegeben, die U-Bahn nach den Vorstellungen der Saudis zu gestalten. Man darf gespannt sein, wie man eine Vermischung der drei Gruppen auf dem Bahnsteig und in der Station verhindern will. Eine strikt getrennte Zuwegung könnte das Problem lösen. Die Stationen werden allerdings nicht von Siemens geliefert.

U-Bahn ohne Zugführer 

Für Siemens ist das dennoch ein großer Auftrag. In der Sechs-Millionen-Stadt Riad gibt es bisher keine U-Bahn. Nun sollen sechs Linien mit 175 km Länge gebaut werden. Die notwendigen 74 Züge stammen von Siemens, sie sollen ab Ende 2017 nach Saudi Arabien transportiert werden. Zugführer sind nicht mehr vorgesehen, die Züge fahren vollautomatisch. Das ist der neue Trend im Nahverkehr. 

  In der "Single Class" gibt es im Wesentlichen nur Stehplätze.

In der "Single Class" gibt es im Wesentlichen nur Stehplätze.


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