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Putins Panzerflotte rollt über den Roten Platz

Der Kampfpanzer Armata T-14 zeigte sich erstmals unverhüllt in Moskau. Neben ihm waren neue Schützenpanzer und Haubitzen zu sehen. Putins Aufrüstung setzt Armeen weltweit unter Druck.

  Der T-14 wurde für die Parade mit einer Dekorfolie im Stil des St.-Georg-Bandes beklebt.

Der T-14 wurde für die Parade mit einer Dekorfolie im Stil des St.-Georg-Bandes beklebt.

Das offizielle Debut des neuen Kampfpanzers Armata ist die Parade in Moskau zur Feier des Sieges im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai, bei Übungen für das Event wurde der Armata nun erstmals unverhüllt gesichtet.

Der Stapellauf des neuen Panzers wird vom Kreml mit kleinen Indiskretionen akribisch geplant. Zuerst gab es Computeranimationen, dann wurde der Tank "zufällig" bei der Auslieferung gefilmt. Danach wurde er mehrfach in der Nähe von Moskau gesichtet. Doch stets konnte man nur das Fahrgestell sehen, die Turmaufbauten wurden durch Planen verhüllt. Jetzt, wenige Tage von der Parade, zeigten sich der Gigant und seine Geschwister unverhüllt. Denn beim Armata handelt es sich um eine ganze Fahrzeugfamilie. Auf seiner Plattform sollen Kettenfahrzeuge der russischen Armee aufbauen. Zu sehen waren davon der Schützenpanzer (IFV) Kurganets-25, der gepanzerte Manschaftstransporter (APC) Kurganets-25 und die mächtige Panzerhaubitze Koalitsiya-SV. Aber die größten Aufmerksamkeit genießt der T-14.

Ein komplett neuer MTB - Main Battle Tank - kommt nicht so häufig auf die Welt. Der Leopard 2 der Bundeswehr wird seit über 35 Jahren gebaut, auch der amerikanische M1 Abrams kommt auf ein ähnliches Alter. Bei den bestehenden Modellen gab es zwischenzeitlich Verbesserungen, zu Deutsch "Kampfwertsteigerungen", dennoch ist das Grunddesign alt.

  Die Darstellung von US Army’s Foreign Military Studies Office beruht auf russischen Quellen

Die Darstellung von US Army’s Foreign Military Studies Office beruht auf russischen Quellen

Der Armata ist die erste echte Neuentwicklung in Russland seit dem Zerfall der UDSSR. Ins Auge fällt zuerst die flache Gefechtskuppel. Die zerklüftete Form darf nicht täuschen, außerhalb der eigentlichen Panzerkuppel der Hauptwaffe sind weitere Abwehrsysteme untergebracht. Als Hauptwaffe ist eine optimierte 125 mm Glattrohr-Kanone vorgesehen. Der Hersteller verspricht, dass sie die Leistungen der Panzerkanone, die im deutschen Leopard 2 verwandt wird, übertreffen wird. Gerüchteweise soll ein alternativer Turm mit einer Kanone im Kaliber von 152 bzw. 155 mm entwickelt werden, das dürfte dann die stärkste Panzerkanone der Welt sein.

Erwartungsgemäß wurden die seitlich montierten schweren MG aus den Videoanimationen in Wirklichkeit nicht gebaut. Tatsächlich wurde auf dem Hauptturm eine MG-Kanzel mit eigener Zielelektronik montiert.

Schutzraum für die Crew

Die größte Neuerung des Panzers ist, dass kein Crewmitglied im exponierten Turm untergebracht ist. Seine Bedienung geschieht vollautomatisch und per Fernsteuerung. Die Besatzung soll aus drei Personen bestehen, die in einer speziellen Schutzkanzel im Bug des Panzers untergebracht werden. Zum Betrieb des Panzers werden jedoch nur zwei Mann benötigt.

Das zeugt vom Umdenken im russischen Panzerbau, der bislang nur wenig Wert auf Komfort und Sicherheit der Crew gelegt hat. Tatsächlich dürfte die Besatzung im Armata besser geschützt sein als in jedem anderen Panzer der Welt. Die Schutzkapsel verfügt über eine aktive Abwehr, doch selbst wenn ein Treffer durchkommt, soll sie von keiner derzeit verwandten Munition durchdrungen werden können. Sogar mehrstufige Gefechtsköpfe sollen sich an ihr die Zähne ausbeißen.

Die kompletzte Fernsteuerung des Gefechtsturms nährt zudem Vermutungen, dass relativ schnell ferngesteuerte Drohnen- und sogar Roboterpanzer auf Basis des Armata folgen werden. Sicher ist jedenfalls, dass die Munitionszufuhr aus dem Magazin vollautomatisch geschehen muss.

Der Armata folgt den klassischen Tugenden des russischen Panzerbaus. Hochmotorisiert und keine 50 Tonnen schwer, dürfte der Panzer enorm agil sein. Das Fahrwerk ist in der Höhe justierbar, was hohe Marschgeschwindigkeiten und überragende Fähigkeiten im Gelände ermöglichen soll. Die Spitzengeschwindkeit wird auf etwa 90 Km/h geschätzt.

Erste Sichtung beim Hersteller

In Zukunft sollen alle gepanzerten Fahrzeuge Russlands auf Basis des Armata gebaut werden. Bis 2020 soll der Hersteller Uralwagonsawod allein 2300 Panzer an die russische Armee liefern. Das wären fast 500 Exemplare im Jahr. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass finanzielle Engpässe das Programm verzögern könnten.

Die Crew wird den Panzer mittels HD-Kameras steuern, die eine permanente Rundumsicht erlauben. Nur gerüchteweise sind die Fähigkeiten des Armata im elektronischen Kampf bekannt. Unter anderem soll der T-14 Anti-Panzer-Raketen schon im Anflug bekämpfen können. Selbst gegen Kampfhubschrauber soll sich der Panzer aktiv verteidigen können. Diese entscheidenden Fähigkeiten in der aktiven und passiven Abwehr lassen sich anhand einer Parade kaum beurteilen. An Ungenauigkeiten in den Abdeckungen und Ölleckagen am Motor lässt sich jedoch erkennen, dass die Panzer der Auslieferungsgruppe noch Vorserienmodelle für eine Erprobung bei der Truppe sind.

Sollten der T-14 und seine Geschwister die Erwartungen erfüllen, dürften sie allerdings einen enormen Moderniserungsdruck auf die Armeen des Westens ausüben. Zumal Russland diese modernen Waffen nicht lange exklusiv für sich behalten wird. Es ist erklärtes Ziel des Kreml die Rüstungsexporte zu steigern. Das sichert dringend benötigte Deviseneinnahmen und führt zu noch größeren Produktionszahlen, die die Produktion weiter verbilligen. Gerüchteweise soll der Hersteller Uralwagonsawod mit den knapp kalkulierten Preisen des Kreml derzeit nicht glücklich sein.

Ausführliche Informationen in englischer Sprache: PDF von US Armys Foreign Military Studies Office

Endlose Diskussionen und viele Details in englischer Sprache:

www.russiadefence.net

Auch vom Schützenpanzer (IFV) Kurganets-25 wurde bislang nur ein kleine Stückzahl gebaut. Der Schützenpanzer soll mit der Zielerfassung "Epoche" ausgerüstet sein, welche die 30-Millimeter-Kanone autonom als Tötungsautomatik steuert. Auch das ist ein Hinweis, dass der Kreml gewillt ist, bald Roboterpanzer zu bauen.

Die Panzerhaubitze Koalitsiya-SV auf dem roten Platz. Angeblich soll die 152 mm Haubitze ohne Bedienung im Turm arbeiten können. Die maximale Reichweite soll 70 km betragen.

Gernot Kramper
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