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Ungeeignet für das E-Mobil

Das neue Elektroauto ZOE von Renault darf man nur nach bestandener Prüfung kaufen. Wer durchfällt, muss einen Verbrenner fahren.

  Mit dem Test will Renault den Kunden eine Enttäuschung ersparen

Mit dem Test will Renault den Kunden eine Enttäuschung ersparen

Das Auto ist chic, klein, fährt nur 135 km/h und es ist politisch korrekt. Nur: Nicht jeder, der es kaufen will, wird es auch kaufen dürfen. Die Rede ist vom neuen Elektroauto Renault ZOE. Nach Angaben einer Renault-Managerin auf der Vorstellung des Stromers in Lissabon wird es so sein, dass sich Kaufinteressierte beim Renault-Händler eine Befragung durch den Verkäufer gefallen lassen müssen, die Prüfungscharakter hat.

Passt nämlich der mögliche Käufer nicht zu dem Elektroauto, dann verweigert Renault den Kaufvertrag. Grund dafür kann zum Beispiel sein, dass der Interessent voraussichtlich zu viele Kilometer fahren könnte, für die das Auto nicht geeignet sei. Oder, vor allem, wenn der mögliche Kunde keine Garage besitzt, in der die mitgelieferte Ladestation von RWE montiert werden kann. Die kann weder abbestellt noch gegen die Möglichkeit getauscht werden, das Akkupaket an einer üblichen Haushaltssteckdose aufzuladen. Der neue Wagen muss mit der sogenannten "Wall Box" genommen werden. Wer also in seiner Garage einen elektrischen Anschluss hat und die Ladebox nicht will, wird weiter von dem Auto träumen. Diese Verkaufspolitik ist genau so neu wie absurd. Bisher suchte man sich das passende Auto. Jetzt sucht sich das Auto den passenden Kunden.

Alternative ist der Verbrennungsmotor

Auf die Frage, was Renault mit dieser eigenartigen Strategie verfolgt, gab es eine sicherheitstechnische Begründung. Man wolle verhindern, dass ein normales Haushaltskabel und damit auch die gesamte Verkabelung einer Wohnung Schaden nehme. Der Aspekt ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, weil sich übliche Verlängerungskabel wegen ihres geringen Querschnitts und des stundenlangen Ladenvorgangs erhitzen können. Dass es jedoch soweit kommt, ist nicht unbedingt realistisch. Denn schon vor dem ab Juni kaufbaren ZOE werden manche Hybrid-Autos mit der Ladetechnik Plug-in genau auf diesem Weg mit Strom "aufgetankt", ohne dass bisher bekannt geworden ist, dass diese Kabel durchgeschmort oder gar die Elektroautos abgefackelt sind.

Diese Verkaufspolitik von Renault ist umso unverständlicher, als der ZOE, etwa so groß wie ein VW Polo, ein geglückter Wurf ist. Nicht nur das Design innen und außen ist ansprechend. Wer damit fährt vergisst sofort, welcher Motor unter der Haube steckt, weil nicht im Entferntesten der Eindruck eines Verzichtsmobils aufkommt. Und die Reichweite von realistisch 120 Kilometern ist geradezu ideal für Städter. Renault jedoch will Stadtbewohner offenbar nicht, sondern setzt nach Firmenangaben auf Pendler, die ein Häuschen im Grünen mit Garage und einen Stromanschluss darin haben. Der umweltbewusste Städter hingegen, der sein Auto mit Verbrennungsmotor abschaffen und sich einen ZOE für mindestens 21.700 Euro zulegen will und überdies den Akku dazu für mindestens 79 Euro im Monat mieten muss, der wird sich bei anderen Herstellern bedienen müssen.

Obwohl keines der Konkurrenzprodukte auch nur annähernd soviel Pfiff hat wie der ZOE. Auf die Frage, was man dem Interessenten sagen werde, wenn Renault den Verkauf verweigert, antwortete das Renault-Management selbstherrlich: "Wir werden dem Kunden dann einen Renault mit Verbrennungsmotor anbieten, diese Modelle sind ja auch sehr sparsam." Besser lassen sich die Chancen auf einen Markterfolg eines neuen und gelungenen Autos wohl nicht zerstören.

Von Harald Kaiser

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