BMW fährt ins Ungewisse

29. Juli 2013, 15:50 Uhr

Sichtlich nervös präsentiert BMW sein Elektroauto i3. Kein Wunder: Der Autohersteller wagt sich so weit vor wie kein deutscher Hersteller. Doch das Risiko für Marke und Bilanz ist immens. Von Lutz Meier

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Nicht eine, sondern drei Shows haben sie am Montag bei BMW organisiert. Und auch dieses Getöse, das parallel in New York, London und Peking stattfand, ist nur eine weitere Stufe in einer langen Reihe von Auftritten, mit denen der Münchner Autokonzern sich und der Welt versichern will, dass er mit seinem neuen Auto i3 die Zukunft erfunden hat - und zwar nicht nur die Zukunft des Autos, sondern die Zukunft des Fahrens, der Mobilität und der Stadt gleichzeitig, wie es bei BMW heißt.

"Eine neue Ära beginnt", deklamierte Konzernchef Norbert Reithofer. "So fühlt es sich an, wenn Geschichte gemacht wird", salutierte sein Vorstandskollege Peter Schwarzenbauer. Zwar lassen sich Autofirmen inzwischen bei jeder Neuvorstellung viele Übertreibungen einfallen und jede Menge Gelegenheiten, Lärm zu machen. Aber was BMW seit Monaten rund um den i3 veranstaltet, das erste Serien-Elektroauto aus München, sprengt den Rahmen. Und es lässt nur einen Schluss zu: Sie sind sich ihrer Sache nicht sicher bei BMW. Überhaupt nicht sicher, wie Christoph Stürmer festgestellt hat, Autoexperte beim Prognosehaus IHS.

Das futuristische Design hat eine Botschaft

Für die Nervosität gibt es einen Grund. Natürlich wissen sie bei BMW auch nicht genau, ob der i3 wirklich die Zukunft ist. Das Kompaktauto, das jetzt zum ersten Mal ohne irritierende Tarn-Aufkleber auf die Bühne gerollt wurde, bekam extra ein futuristisches Design verpasst. Gerade so eben ist es noch als BMW zu erkennen, mit seinen nach hinten wegklappenden Stummeltüren, seinem Schwung in den Fenstern und seiner gedrungenen Bauform, in der die Motorhaube in die Frontscheibe fast übergeht, und die so dem Gestaltungssatz folgt, mit dem einst der Renault Twingo das Fahrzeugdesign revolutioniert hat. Man soll sofort sagen "Da fährt die Zukunft", so haben sie dieses Design bei BMW begründet. Nun aber sind sie nervös. Nun muss der Konzern zittern, ob die Welt tatsächlich in die neue Ära eintreten möchte, von der er redet.

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Der i3 bietet einen großzügigen Innenraum mit ökologischen Materialien.©

BMW ist zu klein, um einen Milliardenflop wegzustecken

BMW hat in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro investiert in die Hoffnung, dass der Kunde schon jetzt bereit für die Zukunft ist. Viel Geld floss in die Leichtbautechnik mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, in den völlig neuen Elektroantrieb und in neue Produktionsstätten für all das in Amerika, Bayern und Leipzig. Wenn der i3 sich nicht verkauft, dann hat nicht nur die Zukunft ein Problem, sondern auch BMW. BMW beteuert, das neue Auto müsse Geld verdienen, was bedeutet, dass sich wohl mehrere zehntausend Exemplare verkaufen müssten.

Konzernvertreter relativieren zwar, das Auto müsse auch nicht alle Entwicklungsausgaben zurückverdienen. Fest steht aber, dass BMW nicht groß genug ist, um einen Milliardenflop einfach so wegzustecken. Und tatsächlich kann man nicht völlig ausschließen, dass der Konzern ein bisschen übermütig geworden ist, nachdem er Audi und Mercedes, seinen beiden Konkurrenten im Luxusautosektor, in den vergangenen Jahren weit davongeeilt ist. Man muss sich auch mit der Idee auseinandersetzen, dass die neue Ära auf sich warten lässt und im Autobau noch ganz lange die alte Welt regiert: Jene, in der BMW mit riesigen Geländeautos gutes Geld verdient, nicht mit einem Edelstromer für ökologisch bewusste Großstadtakademiker, welche BMW als Zielgruppe für den i3 ausgemacht hat.

Aber Konzernchef Norbert Reithofer will zeigen, dass er weiter denkt. Seiner Firma solle es nicht gehen "wie den Herstellern von Schreibmaschinen, als der Computer kam". Es ist das erste Serien-E-Auto aus Deutschland, es ist eines der wenigen Stromfahrzeuge, das tatsächlich von Grund auf für den Elektrobetrieb entwickelt wurde. Und es ist ein Auto, für das BMW eigens eine Untermarke gegründet hat: Sie heißt i, als Gegenpol zu M, dem Label von BMW für besonders hochgezüchtete Sportwagen. M für die Heißsporne, i für die Bedächtigen, so versuchen die Münchner, das ganze Spektrum abzudecken. Aber manche im Konzern fragen, ob der Hersteller damit nicht die Marke BMW zu sehr strapaziert.

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