Optimismus im Yangtse-Delta

22. April 2013, 00:37 Uhr

Die Auto-China ist eine der wichtigsten Messen für deutsche Automobilhersteller. Dennoch sparen sich einige Marken ihre Munition für die IAA, die im Frühherbst dieses Jahres stattfindet. Bemerkenswert, dass Opel, die in China bislang nur ein Schattendasein führen, in Shanghai ein Comeback feierte.

Fünf Jahre dauerte die Abstinenz. Jetzt feiert Opel ein Comeback auf der Auto China. Im Vergleich zur deutschen Konkurrenz backt man im Reich der Mitte mit 22 Händlern und gerade Mal 4.500 verkauften Fahrzeuge deutlich kleinere Brötchen. Das soll sich in Zukunft ändern. Mit dem Trio bestehend aus Insignia ST, Astra GTC und Zafira Tourer wollen die Rüsselsheimer vor allem die jungen Chinesen ansprechen. "Mit diesen vielfach ausgezeichneten Produkten machen wir den Kunden attraktive Angebote", sagt Jürgen Keller Director International Operations der Adam Opel AG. Angesichts der nicht gerade berauschenden Absatzzahlen, dürfte ein Aufschwund für Opel in China realistisch sein.

Da schaut es bei BMW schon ganz anders aus. China ist neben den USA der wichtigste Markt weltweit. Im vergangenen Jahr verkauften die Münchner (ohne Rolls-Royce und Motorrad) 326.444 Modelle. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits 86.070 Autos (plus 7,6 Prozent). Geht das Absatz in diesem Stil weiter, werden es am Ende des Jahres etwa 344.280 Modelle sein. Kommt das in Shanghai präsentierte BMW Concept X4 auf den Markt, dürfte es den Absatz der Bayern alles andere als abträglich sein. Die Serienversion hebt man sich aber für die IAA oder eventuell den Genfer Autosalon nächstes Jahr im Frühjahr auf. Eiliger haben es die Bayern mit dem ersten Auto aus dem Joint Venture mit Brilliance. Die Marke "Zinoro" wird schon in November ein erstes Elektroauto präsentieren. Doch Zinoro-Chef Olaf Kastner versichert angesichts einer möglichen Konkurrenzsituation gegenüber BMWs i3 und i8 ab: "Wir kreieren nichts, was BMW weh tut."

Dass SUVs im statusbewussten China angesagt sind und Absätze versprechen, hat sich auch bis nach Stuttgart-Untertürkheim herumgesprochen. Deswegen lanciert Mercedes mit dem Concept GLA einen Konkurrenten für den BMW X1. Der dürfte aber auch in Europa für Furore sorgen. Dagegen dürfte die Langversion der E-Klasse vor allem im Reich der Mitte Abnehmer finden. Angesichts der schwindenden Verkaufszahlen in China im ersten Quartal 2013 käme ein Erfolg von Mercedes\' Brot-und Butter-Auto gerade zur rechten Zeit. Daimler-Chef Dieter Zetsche ist dennoch zuversichtlich, dass Mercedes in China weiterhin dicke Zahlen schreibt: "Wir haben hier Powerplay."

Doch der Puck flitzt nicht mehr ganz so schnell durch die Reihen der Autoverkäufer. Denn auch das asiatische Boom-Land ist nicht frei von den Gesetzen der Marktwirtschaft. Die Wirtschaft kühlt sich ab und die Zahl der satten zweistelligen Wachstumsraten dürfte zunächst einmal vorbei sein. ""Das ist für einen Markt, der in den letzten Jahren ein solches Wachstum hingelegt hat, ganz normal", sagt BMWs Vertriebsvorstand Ian Robertson, der seine Marke auf einem guten, weil stabilen Weg sieht. Der führt zunehmend nach Westen. Nicht zuletzt auf Drängen der neuen chinesischen Regierung, die das Landesinnere wirtschaftlich aufrüsten will. Die Pläne der Potentaten aus Peking sind nicht immer ganz klar. Eine entscheidende Regulierung könnt die Karten neu mischen. Auch wenn BMWs vor kurzem ernannter China-Chef Karsten Engel abwiegelt: "Wir arbeiten eng mit der chinesischen Regierung zusammen."

Dieser Informationsaustausch ist gerade in Sachen E-Mobilität wichtig. Porsche wählte nicht ohne Grund die Auto China als Ort für die Premiere der überarbeiteten Limousine Panamera, die neben dem SUV Cayenne weit mehr gefragt ist, als die Zuffenhausener Ikone Porsche 911. Angesichts der Tatsache, dass die chinesische Regierung zunehmend die E-Mobilität forciert, kommt das deutlich stärkere Hybridmodul gerade recht. Jetzt schafft der Panamera Plug-in-Hybrid bis zu 36 Kilometer rein elektrisch schafft und mit 420 PS im statusbewussten München gewiss nicht untermotorisiert ist. Für den Verkaufserfolg im Reich der Mitte dürfte vor allem wichtig sein, dass es den Panamera nun endlich als Langversion mit rund 15 Zentimeter längeren Radstand gibt. Dass Porsche in China eine sehr gefragte Marke ist, zeigte das Gedränge auf dem Messestand.

Und VW? Nun, die Konzernmutter feierte sich am Vorabend des Messeauftaktes erst einmal selbst. Zumindest teilweise aus gutem Grund: 2012 haben sich 2,8 Chinesen für einen Wagen aus dem VW-Konzern entschieden. Dieses Jahr soll dann die Drei-Millionen-Grenze geknackt werden. Aber auch VW-Chef Winterkorn weiß, dass ohne dem Placet des neuen chinesischen Regierungschef Li Keqiang nichts geht. Deswegen präsentierten die Wolfsburger die mit einem Plug-in-Hybridmodul ausgestattete SUV-Studie VW CrossBlue. Die Zusammenführung des Beetles mit dem iPhone als iBeetle dürfte in den technikbewussten Metropolen der chinesischen Ostküste gut ankommen. VWs Premium-Tochter Audi setzt viel Hoffnung auf die Stufenheck-Version des A3. Schließlich sollen die neuen Käufer aus der ständig wachsenden chinesischen Mittelschicht kommen, die sich kein Luxus-Fahrzeug leisten können, aber dennoch hipp sein und den wirtschaftlichen Wohlstand nach außen zeigen wollen. Audi-Chef Rupert Stadler ist vom Produkt seiner Mannschaft begeistert: "Ich bin überzeugt davon, dass dieses echt coole Auto bei den Kunden in China ankommen wird - vor allem bei den jungen Kunden." Na dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Deutsche Hersteller auf der Auto China
Deutsche Hersteller auf der Auto China
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