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Genau hingeschaut

Chinesische Autohersteller nehmen gerne Anleihen bei den Designs etablierter Marken. Auch wenn die China-Marken eigenständiger werden, abgekupfert wird noch immer.

Die Delinquenten heißen Hawtai, JAC, Dongfeng oder Zotye. Auch wenn sich das chinesische Design so peu a peu etabliert, rufen die Messestände einiger heimischer Automobilhersteller auf der Auto China 2013 in jedem Kenner der Automobil-Szene ein Deja-vu der besonderen Art hervor. Die Blechkarossen, die dort im gleißenden Scheinwerferlicht um Aufmerksamkeit heischen, kommen dem Betrachter seltsam vertraut vor. Das, was in Deutschland die Gesetzeshüter auf den Plan rufen würde, ist in China nach wie vor Gang und Gebe.

Plagiate auf der Auto China 2013: Genau hingeschaut
  Zotye T600

Zotye T600

Sei es die dreiste gelblackierte erneute Dongfeng-Kopie eines Hummer-SUVs oder der Zotye T600, der dem Besucher ganz ungeniert die Nase eines VW-Golfs und das Heck eines Audi Q5 entgegen reckt. Nur, dass unter der Motorhaube des China-Crossovers ein 140 PS Vierzylinder seinen Dienst. Das Golf-Gesicht scheint es den Zotye-Designern angetan zu haben. Denn auch der kleiner T200 trägt die unverkennbaren Züge des Wolfsburger.

Der Mercedes-Sprinter ist nach wie vor ein beliebtes Objekt der Blaupausen-Künstler , wie man am JAC-Stand ohne Probleme erkennen kann. Die Kollegen von Landwind machen sich nicht einmal die Mühe, ihr SUV großartig umzunennen. X5 lässt wenig Zweifel offen, wer für den Geländewagen Pate stand. Die Formensprache der zweiten Generation nimmt aber auch Anleihen bei Hyundai und vor allem Toyota. Selbst bei den Studien sind die Urheber gelungener Blechkleider nicht vor den gewitzten Kopierern sicher, wie man am SAIC-Stand an dem Renault-Clio-Antlitz sieht, das einem von einer Drehbühne entgegenlächelt. Dass es sich dabei, um die langerwartete Studie MG CS Concept handelt, macht die Sache nur unzureichend besser.

Als der unbestrittene Plagiats-Meister zeigt sich auf der Messe einmal mehr Hawtai-Motors, der neben dem bekannten Cayenne der ersten Generation, mit dem E70 auch einen einen neuen Coup präsentierte. Die Front der 4,78 Meter langen Limousine ähnelt doch sehr einem Jaguar XJ. Nur wird der 2.0-Liter-Motor mit seinem 136 PS und 180 km/h Spitze nicht mit dem Original aus dem Königreich mithalten können. Vom Innenraum, mit seinem hohen Plastik-Anteil ganz zu schweigen.

Ändert bei aller Abkupferei aber nichts daran, dass auch die chinesischen Automarken immer erwachsener werden. Hier und da werden bei den Präsentationen Designer europäischer Firmen vorgestellt und an immer mehr Messeständen gibt es Eigenkreationen zu bestaunen. Die sind weder die schönsten noch die visionärsten, doch unterstreichen die real gewordenen Designerträume nur, dass man sich im Reich der Mitte zunehmend frei schwimmt und mehr denn je auf eigenen Reifen steht. Die Zeiten des blinden Kopierens um jeden Preis scheinen langsam abzulaufen.

Press-Inform/pressinform

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