Die grellste Autoshow der Welt

14. April 2013, 07:29 Uhr

Zurückhaltung, Ruhe und Geschmack zählen in China nicht. Die Shanghai Autoshow wirkt wie eine gigantische Tuner-Party. Überfüllt, brüllend laut und unglaublich lebendig.

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Shanghai Auto Show

Zurückhaltung ist in Shanghai nicht gefragt, auf der Messe wird jedes Auto inszeniert. Das Foto zeigt eine Geely auf der letzten Shanghai Auto Show.©

Seit 1985 lädt Shanghai die Autowelt im zweijährigen Turnus zur Messe in die boomende Hafenmetropole mit aktuell rund 23 Millionen Einwohnern. Für die 15. Ausgabe stehen den 1.700 Ausstellern 250.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Die Bedeutung, die die Schau in jüngster Zeit gewonnen hat, unterstreichen einige Zahlen. Im laufenden Jahr erwartet die Branche 20,65 Millionen Neuwagenkunden. Mit 19,6 Millionen Fahrzeugen aus heimischer Produktion hat China 2012 die gesamte europäische Branche mit ihren 18,3 Millionen gebauten Neuwagen abgehängt. Für deutsche Hersteller, und besonders die Premium-Marken, ist China längst das gelobte Autoland hinter dem heimischen Markt und den USA. Die Marke VW verkauft etwa jedes dritte seiner rund 4,5 Millionen produzierten Autos in China. Die Premium-Anbieter Mercedes, Audi und BMW steigerten ihren Absatz von 104.000 Einheiten in 2004 auf 959.000 Einheiten in 2012. Sie pilgern nun mit der Zuversicht an die Mündung des Huangpu-Flusses, 2013 die Marke von einer Million neuer Autos für China deutlich zu knacken. Mit 33.590 Autos exportierte Porsche 2012 praktisch jedes fünfte neu gebaute Fahrzeug - bei einer Gesamtproduktion von 151.999 Einheiten - ins Reich der Mitte. In Deutschland entschieden sich im selben Zeitraum 16.090 Kunden für einen neuen Porsche.

SUV legen auch in China zu

Der stetig überproportional wachsende weltweite Trend zu SUVs aller Größen hat auch die chinesischen Neuwagenkunden voll erfasst. Diesem Käuferverhalten widmen vor allem Mercedes und BMW ihre Neuheiten für Shanghai. Die Münchner stellen eine seriennahe Studie für den kommenden X4 vor. Nachdem BMW 2008 mit dem X6 als Mischung aus X5 und Coupé quasi eine neue Unterspezies der Geländewagen kreiert hatte, die unerwartet erfolgreich einschlug, folgt als logischer Schritt nun die Adaption des Konzepts auf die darunterliegende Klasse des X3. Dessen Version mit coupéhafter Dachlinie kommt folgerichtig als X4. Die Serienversion bringt BMW 2014 auf den Markt. Die viertürige Coupé-Studie ist mit einer Länge von 4,65 Meter genauso lang wie der X3. Zu den konkreten Antriebsvarianten hält sich BMW noch bedeckt. Aus den Regalen der 3er- und 4er-Reihen stehen Benzin- und Dieselmotoren als Vier- und Sechszylinder zwischen 184 PS und 313 PS bereit. Wie X5 und X6 wird auch der X4 im amerikanischen Spartanburg vom Band laufen und ab 40.000 Euro in Deutschland auf den Markt kommen.

Shanghai Auto Show

Das SUV-Kleid steht der neuen A-Klasse von Mercedes auf dieser Simulation ausgezeichnet.©

Kompakter SUV von Mercedes

Mercedes ist mit bislang vier Baureihen von Allradlern (G-Modell, M-Klasse, GL-Klasse, GLK-Klasse) im SUV-Bereich breit aufgestellt und sieht noch Raum für eine weitere Linie, die das SUV-Portfolio nach unten abrundet. Der GLA ist quasi der kleine Bruder des GLK. Als dritte Modellvariante der A-Klasse feiert der GLA in Shanghai seine Premiere. Mit dem GLA reagieren die Schwaben auf aktuelle Wettbewerber wie den BMW X1, den Audi Q3 oder den Mini "Countryman". Mit einer langen Haube und coupéartiger Dachlinie setzt Mercedes beim GLA auf den kommenden Trend der kleinen SUV, die weniger über Stock und Stein kraxeln als sich dem diskreten Chic des Lifestyles zu unterwerfen.

BMW arbeitet an einem entsprechenden Projekt in Form des X2, und Audi an einem Q2, der den A1 als Basis nutzt. In der Klasse der kleinen SUV reicht für die Basis-Modelle Frontantrieb. Auch der GLA folgt diesem Konzept. Allradantrieb spendieren die Schwaben den leistungsstärkeren Varianten. Anders lässt sich ein Einstiegspreis knapp unter 30 000 Euro nicht realisieren. Die Details zum GLA und seiner Einführung noch in diesem Jahr will Mercedes auf der Messe in Shanghai zeigen.

Limousinen sind gefragt

Chinesische Autokunden sind auch Trendsetter bei Limousinen in Form des klassischen Stufenhecks. Dieser Trend zieht sich durch alle Klassen. Audi begegnet der Vorliebe mit der Stufenheckvariante des A3, die in Shanghai Weltpremiere feiert. Nach Dreitürer und Kombi "Sportback" folgt im Spätsommer die Limousine. Den Ingolstädter Designern ist ein knackiger Viertürer mit harmonischem Stummelheck gelungen, in das dennoch Gepäck mit maximal 425 Liter Volumen passen. "Wir schlagen die Brücke zwischen klassischem Three-Box-Design und Coupé", erklärt Chefdesigner Wolfgang Egger. Die Überhänge sind kurz. Bei 2,64 Meter Radstand ist die A3-Limousine lediglich 4,46 Meter lang, acht Zentimeter kürzer als ein VW Jetta. Schließlich soll die A3-Limousine dem A4 nicht allzu dicht auf den Pelz rücken

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