Streichelzoo

24. Dezember 2012, 07:09 Uhr

Die nächste Mustang-Generation soll zum Weltauto werden. Viele Ponyfans befürchten daher bereits jetzt ein zukünftiges Sportcoupé, dem Ecken und Kanten fehlen. Doch gerade die machen den aktuellen Mustang so einzigartig. Einmal träumen im Mustang Shelby GT 500?

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Die Sportwagenlegenden sind in der Automobilwelt rar gesät. Neben der Corvette als charismatischem 911er-Konkurrenten aus den USA ist der Ford Mustang das spektakulärste, was seit Jahrzehnten auf den Straßen unterwegs ist. Und der beste Ford Mustang aller Zeiten, einer der allem Sinne raubt, die Konkurrenz düpiert und sich mit einem Schlüsseldreh ins eigene Herz fährt, ist der Ford Mustang Shelby GT 500. Wer einmal das kompressorbeatmete V8-Geschoss fuhr, weiß, dass alle anderen Motorisierungen nur Vertreter des lokalen Streichelzoos sein können.

Das Aussehen des Ford Mustang Shelby GT 500 ist gigantisch. Kraftvoll, gefährlich, hungrig und unersättlich. Dieser Blick mit den kleinen LED-Augen macht den Einsatz von Lichthupe oder Blinker beim Durchsetzen des Überholwunsches überflüssig. Die Autos vor dem GT 500 springen nicht nur auf der Autobahn verschrocken zur Seite. Die durchaus elegante Seitenlinie mit ihren stark konturierten Radläufen läuft im düsteren Heck aus, das einem nicht nur mit den dunklen Leuchtelementen, mächtigen Endrohren und dem Spoilerwerk Angst macht. Doch wer das GT-500-Heck einmal auf der Straße sieht, kann durchatmen. Dann ist die US-Rakete aus Flat Roch / Michigan bereits vorbei ohne größeren Schaden angerichtet zu haben.

Die Leistungsdaten des Ford Mustang Shelby GT 500 katapultieren ihn in eine Liga mit Porsche 911 Turbo S, Lamborghini Aventador oder Mercedes SLS. Der US-Amerikaner fährt unter den Besten der Besten. Der 5,8 Liter große Achtzylinder leistet Dank Kompressoraufladung 478 kW / 650 PS und ein gigantisches Drehmoment von 800 Nm, das bei 4.000 U/min zur Verfügung steht. Per Overboost lässt sich die Maximaldrehzahl kurzzeitig von 6.250 auf bis zu 7.000 Touren steigern. Dieser Klang: Ohren betäubend. Was in diesem Bereich mit dem 1,8 Tonnen schweren Mustang passiert, ist kaum zu beschreiben. Man sollte seine geschulten Hände in jedem Fall frühzeitig dazu überredet haben, das griffige Wildlederlenkrad fest zu umschließen. Denn wenn 800 Nm und 650 PS anfangen, an der hinteren Starrachse zu trampeln, sind die anderen Verkehrsteilnehmer nur Statisten. Gigantisch für einen Mustang ist auch seine Höchstgeschwindigkeit: über 320 km/h. Sein Verbrauch ist kaum weniger beeindruckend: unter 17 Litern geht nichts.

So spektakulär sich der Ford Mustang Shelby GT 500 von außen präsentiert, so wenig beeindruckt er im Innenraum. Armaturenbrett, Schalter, Bedienelemente und Verkleidungen sind lieblose Massenware aus dem Ford-Regal. Kein Hauch edler Noblesse und selbst kühle Sportlichkeit sucht man im Interieur des Ford Mustang Shelby GT 500 vergeblich. Immerhin bieten die Ledersitze guten Seitenhalt und trotz ihrer eingeschränkten Verstellmöglichkeiten einen guten Reisekomfort. Im Fond kann ernsthaft niemand sitzen.

Der Shelby GT 500 ist alles andere als ein ganz normaler Mustang. So fährt er sich auch. Obwohl Fahrwerk, Lenkung, Bremsen und Schaltung an das gewaltige Triebwerk angepasst wurden, wirkt der Amerikaner wenig filigran, eher ungelenk und unbeholfen; besonders, wenn man mit mäßigem Tempo unterwegs ist. Klasse ist die präzise Lenkung und überraschend gut schlägt sich die straffe Fahrwerksabstimmung. Die Kupplung erspart einem den Ausflug ins Fitnesscenter und die Tremec-Sechsgang-Handschaltung verlangt nach einer harten Hand. Doch die Fahrt durch die immervollen Straßen von Los Angeles wird zu einer nervenden Geduldsprobe. Erst nördlich der Millionenmetropole an der Westküste bekommt der Mustang den Auslauf, nach dem er schon seit einer halben Stunde giert. So richtig zu Hause fühlt sich der 650-PS-Bolide in lang gezogenen Kurven oder auf der Rennstrecke, wenn er seine gigantische Motorleistung immer wieder eindrucksvoll auf den Asphalt brennt und die Reifenindustrie glücklich macht.

Ungemütlicher wird es allerdings bei höheren Geschwindigkeiten. Hier zuckt schon einmal die Vorderachse mit ihren McPherson-Federbeinen, die Hinterachse mit Panhard-Unterstützung trampelt bei Wellen nervös und die Windgeräusche sind gigantisch. So wie das Fahrgefühl selbst: ebenfalls schlicht gigantisch. Kein Sportcoupé ist derzeit mehr Pony- ist mehr Muscle Car. In den USA ist der Ford Mustang Shelby GT 500 ab 54.500 Dollar zu bekommen. Das sind kaum mehr als 41.000 Euro. Wer sich den Eigenimport sparen will: in Deutschland geht es für das Coupé bei US-Importeuren für rund 66.000 Euro los.

Ford Mustang Shelby GT 500
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