Startseite

Eine verfahrene Sache

Sie ist wieder da, die Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen. Doch was ist dran an den Argumenten? Würden so tatsächlich Abgase vermieden oder Leben gerettet? Ein Faktencheck.

Von Harald Kaiser

  In schöner Regelmäßigkeit wird gefordert, das Tempo auf Autobahnen auf 120 zu begrenzen.

In schöner Regelmäßigkeit wird gefordert, das Tempo auf Autobahnen auf 120 zu begrenzen.

  • Harald Kaiser

Man konnte die Uhr danach stellen. Die Diskussion um ein Tempolimit auf den Autobahnen ist wieder aufgeflammt. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich in einem Interview für Tempo 120 stark gemacht. Weil, wie er ausführte, alle Statistiken eine Reduzierung der schweren Unfälle verheißen, sofern die Tempobremse kommt.

Wer sich mit dem Thema genauer befasst, kommt zu der Frage: Welche Statistiken liest der Herr oder lässt er lesen? Denn das sehr sensible Thema ist keineswegs so einfach, wie der vermeintlich SPD-Lebensretter glauben machen will. Fangen wir mit dem Hinweis an, dass es auf Seiten der Befürworter wie Gegner eines Limits schon lange nicht mehr um Wahrheiten geht, sondern um die Interpretation von Fakten. Also: um die Weltanschauung.

Am Ende gibt es oftmals ein Glaubensbekenntnis, das der eine besser vortragen kann als der andere. Oft reicht es deshalb in Talkshows, mit besorgter Miene und Betroffenheit im Ton von Abgas-Einsparungen zu reden und natürlich eine deutlich niedrigere Todesrate auf Autobahnen in Aussicht zu stellen. Das macht sich beim Talkshowpublikum zumeist gut und stellt Kritiker eines Tempolimits mit Vollgas in die Ecke der Zyniker. Im Handumdrehen hat man sich so das Etikett eingehandelt, der Rettung von Leben gleichgültig gegenüberzustehen.

Der Teufel steckt im Detail

Bevor man solch populistischen Käse wie Sigmar Gabriel von sich gibt, sollte man sich intensiv mit den Details befassen. Und die sind ziemlich vertrackt. Zum Beispiel die Zahl des "freien" Teils des gesamten Straßennetzes. Die Gegner sagen, das sind ja nur noch etwa 1,5 Prozent. Diese limitlose Zone müsse man erhalten. Genau umgekehrt argumentieren die Befürworter. Sie führen ins Feld, wenn es nur noch so wenige Streckenteile sind, dann könne man die ja schließlich auch eine Tempobremse einführen.

Oder der Punkt Durchschnittsgeschwindigkeit. Angeblich beträgt die 130 km/h. Genau weiß das keiner, weil sie schon seit Jahren nicht mehr erhoben worden ist. Die Gegner des Limits sagen, wir brauchen keine starre Begrenzung, die Leute fahren ja ohnehin nicht schneller. Die Befürworter meinen dagegen: Klasse, dann sind die Autofahrer ja daran gewöhnt, es spricht also nichts dagegen, eine Höchstgeschwindigkeit zu verordnen.

Ein weiteres Beispiel ist Kohlendioxid (Co2). Die Antifraktion führt ins Feld, dass die zwei bis drei Millionen Tonnen Co2, die durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung angeblich gespart werden könnten, in der Co2-Bilanz insgesamt keinen Fingerhut füllen würden. Das weiß auch die andere Seite. Sie sagt aber, dass man überall dort Treibhausgas sparen müsse, wo man es sparen könne.

Ganz heikel ist Sache mit den Todesopfern. Beide Lager wissen, dass der geringste Teils des Straßen-Blutzolls auf den Autobahnen zu beklagen ist. Dabei ist schon die Verwendung des Wörtchens "nur" kritisch. Machen wir es ganz sachlich: 2012 gab es in Deutschland 3606 Verkehrstote, davon nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes weniger als 400 auf der Autobahn. Weil es noch keine exakten Zahlen zur Unfallverteilung auf den verschiedenen Straßen für das Jahr 2012 gibt, hier zudem die Zahlen für 2011: Es gab 4006 Verkehrstote, davon 2441 auf Landstraßen, 1115 innerorts und 453 auf Autobahnen.

Die Landstraßen sind das Problem

Spricht die relativ geringe Zahl der Autobahntoten nun gegen ein Tempolimit? Oder sticht das andere As, das jedes gerettete Leben zählt? Emotional ist die Antwort klar. Aber sachlich? Unschwer ist an den Zahlen das eigentliche Problem zu erkennen: Die Landstraßen sind das Problem, und die sind mit 80 beziehungsweise mit 100 km/h limitiert. Dabei, das ist wohl weder den SPD-Experten noch Herrn Gabriel klar, ist nicht so sehr das Tempo entscheidend. Es sind vielmehr zwei Dinge, die auf der Autobahn keine oder nur selten eine Rolle spielen: der Gegenverkehr und Bäume.

Keinesfalls darf aber verschwiegen werden, dass etwa die Hälfte der Autobahntoten als Folge nicht "angepasster Geschwindigkeit" gelten. So sagt es das Statistische Bundesamt. Jedoch Zahlen oder Fakten, bei welchem Tempo die Menschen verunglückten, gibt es nicht. Die Statistik-Behörde betont dazu ausdrücklich, dass "die Unfallursachen von den aufnehmenden Polizeibeamten entsprechend ihrer Einschätzung in das Erhebungspapier eingetragen werden". Doch auf dem standardisierten Unfallmeldebogen gibt es kein Feld mit einer Tempo-Einschätzung, das der Beamte ankreuzen könnte. So bleibt nur eine Erklärung: Ist der Unfall mit tödlichem Ausgang auf einem freien Streckenteil passiert, wird wohl "nicht angepasste Geschwindigkeit" als Ursache vermutet.

Fakten und Ansichten

Es stellt sich also die Frage: Ist ein Raser, wer in der Stadt 70 statt 50 km/h und wer auf der Landstraße 100 statt 80 fährt? Oder nur jener, der mit 200 über die Autobahn brettert? Obwohl die Antworten auf der Hand liegen, ist es in der Wahrnehmung vieler so, dass die Autobahn automatisch gleichbedeutend ist mit hohem Tempo und damit einer hohen Gefährdung.

Da mischen sich also Fakten mit Wahrnehmungen und Ängsten, verdichtet zu Glaubensbekenntnissen. Zum Beispiel zu jenem, dass ein Tempolimit das Fahren angenehmer mache. Keine Drängler mehr, keine Raser, alles relativ entspannt. Ein womöglich naiver Glaube. Denn wer sagt denn, dass die Einheitsgeschwindigkeit nicht irgendwann einschläfernd wirkt oder die Fahrer dazu veranlasst, dichter aufzufahren? Was am Ende womöglich die erhoffte Senkung des Unfallrisikos ins Gegenteil verkehrt.

Kann aber auch sein, dass es bei dem Hickhack um etwas ganz anderes geht. Etwa um Sozialneid auf mehr PS? Um Trabi-Ideologie, dass jedermann auch auf den Straßen gleich sei? Gut möglich, dass die Limit-Befürworter im Mantel der Co2-Reduktion agieren und eigentlich die Gleichmacherei wollen. Wahrheiten gibt es zwar ein paar, aber die nutzt jeder nach Gusto. Zumal im sich anbahnenden Wahlkampf. Auch die Autoindustrie, die mit dem Hammer der Arbeitsplätze droht, wenn das Limit kommen sollte. Denn dann, so die Argumentation, brauche man keine technisch aufwendigen Autos mehr zu konstruieren, was wiederum zwangsläufig dazu führe, dass die hoch spezialisierten Ingenieure arbeitslos würden. Ob das wirklich so kommen würde, weiß auch keiner.

Ergo: Die Lage ist verfahren. Längst hat die Diskussion religiösen Charakter mit Eiferern auf beiden Seiten. Einen Königsweg aus dem Glaubensdilemma gibt es nicht.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools