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Der Wunderfirma geht der Saft aus

Autobauer Tesla und Gründer Elon Musk haben einen fantastischen Start hingelegt. Doch ins Alltagsgeschäft wollen wichtige Investoren nicht folgen. Sie trauen den Visionen nicht und machen Kasse.

Ein Kommentar von Frank Janßen

  Das Model S von Tesla ist ein faszinierender Wagen, aber mit deutlichen Qualitätsproblemen, so lautet das Fazit des US-Portals Edmunds.com.

Das Model S von Tesla ist ein faszinierender Wagen, aber mit deutlichen Qualitätsproblemen, so lautet das Fazit des US-Portals Edmunds.com.

Der Elektroautohersteller Tesla hat zweifellos eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Dabei klingt sie so einfach: Nachdem man mit einem umgestrickten Lotus-Sportwagen, dem Tesla Roadster, eine Weile das Bauen von Elektroautos geübt hatte, brachte man das Model S zur letzten Ölkrise auf den Markt, eine große Limousine mit Ökoanstrich. Außergewöhnlich. Hip.

Visionen zur Kapitalbeschaffung

Der Gründer von Tesla, der charismatische Milliardär Elon Musk, der mit dem Online-Bezahldienst Paypal seinen ersten großen Coup hingelegt hatte, versteht es bestens, sich und seine Projekte zu verkaufen. Das muss er, um Investoren anzulocken und so an frisches Kapital zu kommen. Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, Musk brauche bloß einen schlauen Tweet in die Welt zu setzen, und schon hat er wieder eine Million Dollar eingesammelt. Ob Weltraumprojekt oder die sogenannte Gigafactory, eine Batteriefertigung der Superlative – überall auf der Welt gibt es Leute, die Musks Pläne bewundern, flüssig sind und an seine Versprechungen glauben. Ihm kann man es gar nicht verübeln, wenn die nur eine halbwegs plausible Geschichte hören wollen, um ihre Kohle bei ihm anzulegen. Sogar für die Freigabe der Tesla-Patente wurde Elon Musk gefeiert – aber es gab es auch gar nicht wirklich etwas Weltbewegendes, was geschützt werden musste.

Enttäuschende Premiere des "D"

Doch nun scheint der Wunderfirma so langsam der Saft auszugehen. Erst gab es Probleme mit der ungeschützt im Wagenboden liegenden Batterie. Auf der Fahrbahn liegende Trümmer waren eingedrungen und hatten Brände ausgelöst. Das angekündigte Model D enttäuscht die Erwartungen ebenfalls, denn es handelt sich dabei nicht um eine Neuentwicklung, sondern bloß um ein Model S mit Allradantrieb. Zu allem Überfluss stellte das amerikanische Verbraucherportal Edmunds.com in einem Dauertest der Limousine zahlreiche Mängel fest. Ergebnis: faszinierend, aber nur bedingt empfehlenswert.

Ein Viertwagen für Reiche

Das scheinen auch die Kunden zu realisieren. Die Batterien reichen in der Regel eben nicht für die versprochene Distanz von "bis zu 500 Kilometern", sondern im normalen Betrieb allenfalls für die Hälfte. Das Fahrerlebnis im rasant und lautlos beschleunigenden Tesla S ist zwar faszinierend. Aber kann man allen Ernstes von einem umweltfreundlichen Automobil sprechen, das mehr als zwei Tonnen wiegt und allein rund 500 Kilogramm an Batterien mit sich herumschleppt? Nein, der Tesla S ist ein Viertwagen für Reiche, die noch eine S-Klasse, einen Lamborghini und einen Porsche Cayenne in der Garage haben. Der Tesla S ist ein Spielzeug und ein Image-Booster. Gut für die Außenwirkung.

Nun haben Daimler und Toyota ihre Anteile an Tesla verkauft. Ihr Einstieg galt seinerzeit als Ritterschlag für Musk. Doch vielleicht war es auch etwas ganz anderes, ein Investment, ein gutes sogar. Daimler hat 50 Millionen Dollar eingezahlt und fünf Jahre später 780 Millionen Dollar kassiert. Die Karawane zieht weiter. Ganz sicher: Der Elektroautohersteller Tesla hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Aber vielleicht nur eine ziemlich kurze.

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