Wenn der Wagen den Fahrer anschnauzt

28. November 2012, 21:16 Uhr

Rechnen Sie damit, dass Ihr Auto Sie in Zukunft an mault, wenn ihm etwas nicht passt. Die womöglich nächsten Schritte der Elektronik-Entwicklung wurden jetzt auf der Los Angeles Auto Show gezeigt. Von Harald Kaiser, Los Angeles

L.A. Motorshow, Los Angeles, Elektronik, US-Automarkt

Die Zukunft des Autos im Blick: Journalisten während einer Pressekonferenz auf der L.A. Auto Show©

Brauchen wir wirklich das Auto, das seinen Fahrer anspricht? Nicht etwa eines, das "Aua!" ruft, weil sich der Fahrer verschaltet hat und die Zahnräder im Getriebe lauthals vor Schmerz aufschreien. Es soll anders kommen. Das wäre ja sogar noch lustig. Nein, auf der Auto Show in Los Angeles betonte der Verband der US-Autobauer diese Woche, dass Fahrfehler vom Computer kommentiert werden. Etwa, wenn der Fahrer auf der Autobahn die Spur wechseln will, der Rechner aber weiß, dass die besetzt ist und es deshalb gefährlich werden könnte. Es würde ja wie bislang reichen, wenn der sogenannte Totwinkelassistent mal kurz piept und man sogleich den Wechselversuch unterlässt. Aber der Computer soll dem Fahrer nun wohl so etwas wie "Besetzt!" zurufen. "Du Depp!" wäre technisch sicher auch kein Problem. Doch dem elektronischen Besserwisser wird sicher beigebogen, den Spruch zu unterdrücken, weil den keiner gerne hört.

Ähnlich verhält es sich mit einem Angebot der Firma Livio Connect. Sie zeigte auf der Autoshow eine App fürs internetfähige Autoradio, die weltweit Zugang zu 70.000 Online-Radio- oder Musik-Streams bietet. Irgendwie ist es schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass man mitten in der texanischen Pampa NDR 2 hören kann. Störend sind dann allerdings die Verkehrsmeldungen. Etwa der Hinweis, dass die Zufahrt zur Hannover Messe mal wieder genauso verstopft ist wie der Elbtunnel in Hamburg.

Das Smartphone als Auto-Funkschlüssel

Etwas krude erscheint auch der Gedanke, den Intel verfolgt. Die Chip-Firma arbeitet daran, das Smartphone demnächst als Funkschlüssel fürs Auto nutzen zu können. Was, wenn der Akku leer ist oder das Telefon irgendwo vergessen worden ist? Intel präsentierte in Los Angeles den Prototypen eines vernetzten Autos für drei verschiedene Fahrertypen: den Auto-Enthusiasten, die Familie und den Berufspendler. Das System soll den Autobesitzer anhand des Schlüssels erkennen und vor dem Einsteigen bereits ein paar wesentliche Dinge erledigen: Die Spiegel wie den Sitz in die richtige Positur bringen, das Radio auf den Lieblingssender und die Klimaanlage auf die Wunschtemperatur einstellen. Was aber, wenn sich nicht Papa mit dem Schlüssel in der Tasche dem Auto nähert, sondern das Töchterchen, das nicht nur kleiner ist als der Vater, einen ganz anderen Musikgeschmack hat und dem es eigentlich auch immer viel zu kalt ist? Zusätzlich bietet das Computer-Heinzelmännchen eine personalisierte Streckenführung zum Ziel auf Basis der aktuellen Verkehrslage an. Selber schuld, wer sich nicht daran hält und deswegen im Stau steckt.

Sollte währenddessen der Sprit knapp werden, kein Problem. Das Navigationsgerät der Zukunft kennt nicht nur die momentane Position, sondern ist dank einer Internetverbindung auch stets über die aktuellen Spritpreise in der Umgebung informiert. Ein kurzer Fingertip auf den Bildschirm und das Navi leitet den Fahrer zur nächsten Tankstelle mit Niedrigpreisen.

Totalüberwachung durch Anti-Fahrerflucht-App

Und als würde man durch das ständig eingeschaltete Smartphone nicht genug elektronische Spuren hinterlassen, die den jeweiligen Aufenthaltswort wem auch immer verraten, vollends gläsern dürfte der Autofahrer mit einem System werden, das Intel in Vorbereitung hat: die Anti-Fahrerflucht-App. Fahrerflucht ist in Deutschland eine Straftat. Auch dann, wenn es sich um Parkrempler handelt. Intel hat angekündigt, dass man auf dem Wege sei, eine technische Lösung dafür zu finden, dass der abwesende Besitzer des beschädigten Autos automatisch über den Vorfall benachrichtigt wird.

Völlig unklar ist allerdings, wie das funktionieren soll. Müssen die Autos der Zukunft eine Online-Vernetzung zur Zulassungsstelle besitzen und rundum mit Kameras bestückt sein, die den Crash aufzeichnen? Mindestens eine davon müsste das Kennzeichen des Verursachers aufnehmen und das Bild davon dem Rechner der Zulassungsstelle zum Abgleich senden, sonst lässt sich der Besitzer des ramponierten Automobils wohl kaum benachrichtigt.

So nützlich solch System auf den ersten Blick sein kann, weil dadurch Hundertausende Verursacher zur Kasse gebeten werden könnten, die sonst unerkannt abhauen würden. Aber andererseits wäre die Überwachung total und der Begriff Datenschutz hohl. Das kann keiner wollen.

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