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Verwandeln Liefer-Drohnen den Bürgersteig in eine Roboterspur?

Bald wird per Roboter geliefert. Tausende von Maschinen werden dann über die Bürgersteige rollen - für den Menschen wird es eng.

Eine Roboter ist kein Problem, aber wie sieht es aus wenn dutzende von Maschinen ihren Weg suchen?

Eine Roboter ist kein Problem, aber wie sieht es aus wenn dutzende von Maschinen ihren Weg suchen?

Noch sieht man sie in Deutschland nur als Versuchsobjekt, die USA sind allerdings schon weiter. Ob Paketdienste, Pizzalieferanten oder der Edeka-Markt an der Ecke: Sie alle werden eher früher als später Lieferroboter einsetzen. aller Art werden in Zukunft zu einem großen Teil von Robotern ausgeführt werden. In diesem Punkt sind sich alle Experten einig. 

Keine neuen Wege

Weniger klar ist, wo eigentlich der Platz für eine Armada von wuseligen kleinen herkommen soll. Sicher ist nur, dass sie nicht auf der Straße fahren werden, sie werden sich auf dem Fußweg und eventuell auf dem Radweg ausbreiten.

In San Francisco haben Roboterhersteller Marble und der Lieferdienst Yelp Eat24 damit begonnen, Lebensmittel mit kleinen Robotern auszufahren. Für Deutschland hat Domino's angekündigt, Pizzen in Zukunft per Roboter ausliefern zu lassen. Derzeit werden die Maschinen immer noch von einem Menschen begleitet, aber das ist nur ein Übergangstadium. 

Mehr Roboter als Fußgänger

Bislang ist es mit wenigen Dutzenden Fahrzeugen im Betrieb nicht zu Problemen gekommen. Roboter-Hersteller Starship ist sich aber sicher, dass das Geschäftsmodell explodieren wird und Tausende von Robotern in Zukunft die Bürgersteige der Städte überrollen werden. Zwischen den Lieferdrohnen der Firmen werden sich dann die Roboter von Haushalten mischen, die ihre Besorgungen von einer Maschine erledigen lassen wollen. Ebenfalls in der Diskussion ist der Einsatz als Gassi-Maschine. So kann man seinem Hund zu mehrstündigen Ausflügen verhelfen.

Während eine Armee von Robotern auf den Großeinsatz wartet, bemüht sich niemand ernsthaft, für sie auch mehr Raum zu schaffen. Die Folge ist ganz einfach: Die Maschinen werden den Menschen den Platz streitig machen. Im Vergleich zu einem Auto sind die autonomen Lieferanten klein, aber auf dem Bürgersteig nehmen sie in etwa den Platz einer Kinderkarre ein.

Umwidmung der Bürgersteigs

Renia Ehrenfeucht, Professor an der University of New Mexico und Expertin für öffentliche Flächen, sagte dem "Guardian": "Wenn tatsächlich Hunderte von kleinen Robotern auf dem Gehweg fahren, dann fungieren diese Räume nicht mehr als Gehweg, sondern als eine Art Radweg für Roboter. Das sind dann keine öffentlichen Räume mehr, auf denen man sitzen oder spielen kann." Nicole Ferrara, von "Walk San Francisco" - einer Fußgänger-Aktivisten-Gruppe - möchte die Roboter gleich ganz vom Gehweg verbannen. Denn sonst würde das allgemeine Gut "Gehweg" in eine Betriebsfläche von Amazon und Co verwandelt.

Die Entwicklung in den USA gibt jedenfalls Anlass zur Sorge. Dort ist es Starship bereits gelungen, in mehreren Städten und Bundesstaaten Regeln durchzusetzen, die vor allem die Bedürfnisse der Lieferbranche wiederspiegeln. Renia Ehrenfeucht vermutet, es werde eine ähnliche Entwicklung wie bei Uber und Airbnb geben. Zuerst werde sich das neue Businessmodell rücksichtslos durchsetzen, dann werde es Jahre dauern, den öffentlichen Raum zumindest teilweise zurückzuerobern.

Den Fußgängern stehen also schlechte Zeiten bevor. Allerdings werden auch alle anderen, die den Fußweg einfach als Lagerraum oder Parkplatz nutzen, umdenken müssen. Das Zuparken des Lieferweges wird Amazon sicher nicht so achselzuckend hinnehmen wie die meisten Fußgänger.

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