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Mach mal Pause

Was dem Bentley Mulsanne mit seinem üppigen V8-Motor recht ist, ist dem Polo billig: Volkswagen schickt sein wuseliges Kompaktmodell nun mit automatischer Zylinderabschaltung auf die Straße, um Sprit zu sparen.

Bei Tempo 120 gönnt sich der Polo einfach mal ein Päuschen. "2-Zyl.-Modus" erscheint als kurze Nachricht auf dem Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Klingt wie: "Bin angeln." Kein kurzes Ruckeln, kein leicht verstärktes Vibrieren, kein knappes Leistungstief - der kleine Wolfsburger läuft weiter, als sei nichts geschehen. Dabei ist das, was sich da gerade im Motorblock des Polo BlueGT abgespielt hat, schon eine kleine Revolution: Unter der Fronthaube werkelt Volkswagens erster Vierzylinder mit Zylinderabschaltung.

Volkswagen Polo BlueGT: Mach mal Pause
  Volkswagen Polo BlueGT: Nur an der Anzeige im Display erkennt man, dass der VW nur noch auf zwei Töpfen läuft

Volkswagen Polo BlueGT: Nur an der Anzeige im Display erkennt man, dass der VW nur noch auf zwei Töpfen läuft

In den Teilzeit-Modus verabschieden sich die beiden mittleren Zylinder temporär und automatisch immer dann, wenn die Lastzustände unter ein bestimmtes Maß sinken. Wird also nicht beschleunigt, geht es gleichmäßig auf ebener Straße geradeaus - dann reichen dafür auch zwei der vier Zylinder. Das "Aktive Zylindermanagement", von VW kurz ACT getauft, sorgt dann dafür, dass der offizielle Normverbrauch um rund 0,4 Liter auf 100 Kilometer sinkt. Bei konstanter Fahrt mit 50 km/h im dritten oder vierten Gang ergebe sich sogar eine Verbrauchseinsparung von bis zu einem Liter, verspricht VW. Bislang gibt es diese Technik eher bei großen Acht- und Zwölfzylindermotoren, etwa im Bentley Mulsanne. Jetzt hat sie VW also in die Kompaktklasse downgesized.

Die Erklärung für das Verfahren haben die Wolfsburger Ingenieure in ein kurzes Video gepackt - der Spot wirkt mit seinen Fachbegriffen wie ein Sketch von Loriot. Aber versuchen wir es mal: Die Zylinderabschaltung funktioniert im Drehzahlspektrum zwischen 1.400 und 4.000 U/min. und bei Drehmomenten zwischen 25 und rund 100 Nm - also bei etwa 70 Prozent aller Fahrzustände. Wird die volle Kraft aller vier Zylinder nicht gebraucht, schalten sich mechanisch die beiden mittleren Zylinder binnen einer halben Umdrehung der Nockenwelle ab - sprich in wenigen Millisekunden. Die Zylinder selbst bewegen sich nach wie vor im Kolben mit, ihre Brennräume werden aber nicht mehr befeuert. Gibt der Fahrer Gas, schalten sich die beiden Zylinder wieder zu.

In der Praxis merkt man kaum, wenn der Motor in den Sparmodus fällt. Der 1,4-Liter-TSI-Ottomotor liefert im normalen Fahrbetrieb 103 kW/140 PS und ein maximales Drehmoment von 250 Nm an die Vorderräder. Damit kann der nur gut 1,2 Tonnen schwere Polo ganz propper unterwegs sein. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft er in 7,9 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit gibt VW 210 km/h an. Dass durchaus noch komfortable Sportfahrwerk ist gegenüber dem normalen Polo um 15 mm abgesenkt. So ist der BlueGT überall flott und wuselig unterwegs - im Stadtverkehr wie auf der Autobahn. Egal ob das knackige manuelle Sechsganggetriebe oder das zu etwas gemütlicherer Fahrweise einladende 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG): Beides passt bestens zu dem Polo. Nervig ist allenfalls, dass die Pedale zu eng beieinanderstehen. Die Ausstattung ist ordentlich bis hin zum unten abgeflachten und griffigen Sportlenkrad - "BlueMotion trifft GTI" hat sich die Marketingabteilung in Wolfsburg als Slogan einfallen lassen.

Mit Schaltgetriebe verbraucht der Teillast-Polo laut offizieller DIN-Messung 4,6 Liter Super auf 100 km, mit DSG sollen es 4,5 Liter sein. In seiner Baureihe schaffen solche Verbrauchswerte nur noch die Diesel - bei den Benzinern ist durchweg eine Fünf vorm Komma. In der Realität ist keiner davon unter sechs Liter unterwegs. Und auch für den Polo BlueGT sind die 4,5 Liter kaum mal zu erreichen. Bei moderater Fahrweise rund um Amsterdam mit viel Landstraße, etwas Autobahn und kaum Stadtverkehr pegelte sich der Bordcomputer bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern ein - auch das kein schlechter Wert für einen Benziner.

Billig ist der in Pamplona produzierte Spar-Polo allerdings nicht gerade. 19.650 Euro Basispreis ruft VW für ihn auf, wenn er im vierten Quartal diesen Jahres zu den Händlern kommt. Damit wäre er - abgesehen vom 180 PS starken GTI der teuerste Polo in der aktuellen Modellpalette.

Press-Inform/pressinform

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