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VW-Chef Müller macht Dieselgate noch viel schlimmer

Die Charmeoffensive des VW-Chefs Müller in den USA scheitert am ersten Tag. In einem Interview spielte er Dieselgate als technisches Missverständnis herunter und will von einem ethischen Fehlverhalten nichts wissen.

  VW-Chef Matthias Müller: Nach dem Imageschaden für den Autobauer ist guter Rat teuer.

VW-Chef Matthias Müller: Nach dem Imageschaden für den Autobauer ist guter Rat teuer.

VW-Chef Matthias Müller muss in den USA Vertrauen wieder herstellen. Beim Kunden und bei Behörden, die über milliardenschwere Strafen zu entscheiden haben. Und gleich bei einem seiner ersten Interviews mit dem Radiosender "NPR" patzte Müller gewaltig. So sehr, dass ein Pressemann von VW darum bat, das Interview zu wiederholen, damit Müller die richtigen Antworten geben könne, so berichtet das Handelsblatt.

Keine Einsicht beim VW-Boss

Der Vorfall ereignete sich nach der ersten Rede des neuen VW-Bosses in den USA. Auf der Bühne gab sich Müller zerknirscht, sprach davon wie VW die Behörden und die Kunden getäuscht habe. Wenige Minuten später bekam der Journalist von NPR eine ganz andere Deutung zu hören. Müller bekannte: "Ehrlich gesagt, war es ein technisches Problem." Und fuhr fort, VW habe einfach "nicht die richtige Interpretation der amerikanischen Gesetze" gehabt. Daher hätten die Techniker "Lösungen gefunden, die mit den amerikanischen Gesetzen nicht kompatibel" gewesen seien.

Eine sehr eigenwillige Interpretation. Schließlich geht es darum, dass die Wagen von Volkswagen die Schadstoffe nur auf dem Prüfstand filtern. Sobald sie auf der Straße bewegt werden, wird die Abgasreinigung einfach abgeschaltet. Das ist nicht nur ausgefuchst, sondern ausdrücklich verboten.

Der Journalist Sonari Glinton war entsprechend überrascht, als er das Statement hörte. Glinton entgegnete, dass die meisten Amerikaner Dieselgate für ein ethisches und nicht für ein technisches Problem hielten. Doch Müller beharrte: "Ein ethisches Problem? Ich kann nicht verstehen, warum Sie das sagen." Damit forderte er NPR-Reporter Glinton nur heraus: "Weil Volkswagen in den USA die EPA absichtlich angelogen hat, als sie VW nach dem Problem fragte, bevor alles ans Licht gekommen ist."  Müllers Antwort setzte noch einen drauf: "Wir haben nicht gelogen. Wir haben zunächst die Frage nicht verstanden", so der VW-Chef.

Alarm bei der Presseabteilung von VW

Als die Presseabteilung das Interview im Radio hörte, kam es zu dem Wunsch nach Wiederholung, um das Desaster wenigstens etwas zu entschärfen. Im zweiten Anlauf gab sich Matthias Müller dann entsprechend geläutert und äußerte sich sehr viel diplomatischer.

Ändern kann er das Geschehene nicht. Die Behörden, die die Anklagen gegen VW vorantreiben, beobachten seine Äußerungen genau. Sollten sie glauben, in dem ersten Interview habe Müller seine wirkliche Meinung geäußert, und danach sei Müller nur weichgespült worden, dann hat VW nun noch ein Problem mehr. Tatsächlich lehnt die US-Umweltbehörde EPA den VW- Rückrufplan kurz nach dem Interview ab.

Die Passage im Wortlaut 

Müller : We are - I am - truly sorry for that. And I would like to apologize once again for what went wrong at Volkswagen.

Glington: That isn't the first time that Muller apologized. And it likely won't be the last. Though it's interesting, when you talk to Muller, he seems to say that the whole thing is a misunderstanding.

Müller: Frankly spoken, it was a technical problem. We made a default. We had not the right interpretation of the American law. And the other question you mentioned - it was an ethical problem? I cannot understand whether you say that.

Glington: Because Volkswagen in the U.S. intentionally lied to EPA regulators when they asked them about the problem before it came to light.

Müller: We didn't lie. We didn't understand the question first. And then we worked since 2014 to solve the problem. And it was a default of VW that it needed such a long time.

Glington: What do you say to those people who are investigating and who feel personally like that the company lied to them?

Müller:  First of al, I have to apologize on behalf of Volkswagen. And second, I have to promise - and we will do the pledge - that we deliver appropriate solutions for our customers as soon as possible.

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