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Die Jugend pfeift auf den Führerschein

Immer mehr junge Menschen verzichten auf den Führerschein. Denn das Auto verliert seinen Wert als Statussymbol. Dieser Trend gilt aber nur für die Städte, auf dem Land herrschen noch andere Gesetze.

Von Jens Tartler

  Weniger Führerscheine - das bedeutet auch weniger junge Neuwagenkäufer

Weniger Führerscheine - das bedeutet auch weniger junge Neuwagenkäufer

Der Autoführerschein verliert für junge Leute in Deutschland an Bedeutung. Der Trend ist eindeutig: Von 2007 bis 2010 machten elf Prozent weniger Männer bis 24 Jahre die Pkw-Fahrerlaubnis. Bei den Frauen dieser Altersklasse lag der Rückgang nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes bei zehn Prozent. Die Zahl der Motorradführerscheine sank noch deutlich stärker.

Diese Zahlen lassen sich nicht mit dem demografischen Wandel erklären. Die Verkehrswissenschaftler Weert Canzler und Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin schreiben, dass 2008 nur noch 75,5 Prozent der unter 26-Jährigen den Autoführerschein machten. Im Jahr 2000 waren es noch 90,6 Prozent gewesen.

Das schlägt sich nicht nur in den Fahrschulen, sondern auch in den Autohäusern nieder: 2009 waren nur noch sieben Prozent der Neuwagenkäufer unter 30 Jahre alt. 1999 waren es noch 17 Prozent gewesen.

Smartphone schlägt Smart

Diese Zahlen spiegeln einen gesellschaftlichen Trend wider: Die Abkehr der jungen Leute von Führerschein und eigenem Pkw hat nicht nur Kostengründe. Das Auto ist - zumindest in den Städten - kein Statussymbol mehr. Teure Smartphones und Tablet-Computer sind vielen Menschen wichtiger als Pferdestärken. Das hat Auswirkungen auf die Autohersteller, aber auch auf die Verkehrspolitik. Die Vernetzung von verschiedenen Verkehrsträgern wird noch wichtiger werden.

Wissenschaftler Canzler unterscheidet allerdings stark zwischen Stadt und Land: "Auf dem Land ist der Führerschein immer noch die Eintrittskarte in die Freiheit." In der Stadt dagegen gebe es einen entgegengesetzten Trend. Hier sei es auch noch teurer als auf dem Land, den Führerschein zu machen. Diese Kosten konkurrierten mit denen für Mobiltelefon und Internetnutzung. "Da haben sich die Prioritäten verschoben", sagt Canzler. "Für die jungen Leute hat sich das Auto als Statussymbol stark relativiert - außer für Männer mit Migrationshintergrund."

Fahrradfahren ist in Mode

Bei allen anderen jungen Menschen, so Canzler, sei auch Fahrradfahren sehr in Mode. Der Radanteil an den zurückgelegten Strecken habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das kann auch Martin Kagerbauer bestätigen. Er macht seit 1994 das deutsche Mobilitätspanel, eine Befragung unter 1000 Haushalten. Dabei stellte der Karlsruher Wissenschaftler fest, dass die 20- bis 30-Jährigen innerhalb von zehn Jahren ihre Kilometerleistung im Auto pro Woche von 300 auf 250 Kilometer reduziert haben.

Parallel stieg die Nutzung von Rad und öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV). "Das Verkehrsverhalten wird multimodaler, das Auto dominiert nicht mehr so wie vor 20 Jahren", sagt Kagerbauer. Claus Tully vom Deutschen Jugendinstitut in München sieht auch einen Zusammenhang zwischen dem starken Körperbewusstsein der jungen Menschen und der Nutzung des Rades, das auch gern teuer sein darf. Junge Leute hätten auch keine Lust mehr, hinter dem Lenkrad festgeklemmt zu sein und nichts anderes nebenbei machen zu können. Sie wollten lieber im Zug im Internet surfen oder Filme schauen.

Dass die Deutsche Bahn und ÖPNV-Unternehmen immer stärker Apps zur Information ihrer Fahrgäste einsetzen, kommt gerade jungen Leuten entgegen. Sie laden die Apps in großer Zahl herunter. "Die wollen die Verbindungen in Echtzeit", sagt der Berliner Forscher Canzler.

FTD
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