Zum Erfolg gezwungen

9. November 2012, 07:07 Uhr

Die BMW M GmbH steht nicht nur für und leistungsstarke Autos, sondern auch für sportliche Erfolge. Dabei musste der BMW-Vorstand zu seinem Glück überredet werden. Mehrfach.

Anfang der 70er Jahre hatte der Automobilbau noch etwas Urtümliches. Langatmige Controller-Meetings waren nicht an der Tagesordnung und Entscheidungen wurden per Handschlag besiegelt. Allerdings wurde der Motorsport bei BMW recht stiefmütterlich behandelt. Das Budget war mehr als überschaubar. "Wir haben unsere Mechaniker immer losgeschickt, um Motoren bei den Serien-Modellen zu \'organisieren\'", erzählt der Vater des Formel-1-Weltmeistermotors und ehemalige Leiter der M Gmbh "Nocken-Paul" Rosche.

Als Bob Lutz in den Vorstand der BMW AG unter Eberhard von Kuenheim einstieg, überzeugte der Marketing-Spezialist das Gremium, dass eine starke, eigenständige Motorsportabteilung dem bayerischen Unternehmen gut zu Gesicht stünde. Gesagt getan. In einer Nacht-und-Nebelaktion lockte der amerikanische Manager mit schweizerischen Wurzeln im Herbst 1971 den erfolgreichen Ford-Rennleiter Jochen Neerpasch an die Isar. Am 1. Mai 1972 folgte dann die Gründung BMW Motorsport GmbH. Neerpasch war nicht gewillt hinterherzufahren. Mit dem 3.0 CSL holten die Truppe aus dem Münchner Norden in den zwischen 1973 und 1979 sechs Tourenwagen-Europameisterschaftstitel.

Außerdem entwickelten die Rennsport-Tüftler einen Formel-2-Motor, dessen Grundprinzip heute noch für die Triebwerke der M GmbH gültig sind: Hochdrehzahlkonzept, eine Ölversorgung, die auch bei hoher Querbeschleunigung funktioniert, Einzeldrosselklappen-Regelung (bei dem Renn-Aggregaten waren es Schieber) und bereits Vierventiltechnik. Damit reüssierte BMW in der Formel 2 und holte in den 70er und 80er Jahren mehrere Europameisterschaften.

Nicht immer lief alles glatt. Als man auf der Suche nach einem neuen Konstrukteursbüro im Münchener Norden war, stießen die Verantwortlichen auf eine geeignete Immobilie in der Daimlerstraße in Garching. Vormieter war eine Firma, die angeblich Raketen in Belgisch-Kongo starten lassen wollten. Für Thomas Ammerschläger, schien damit die geeignete technische Infrastruktur gegeben zu sein. Als sie das Objekt besichtigten, fielen die M-Männer aus allen Wolken. Statt Schreibtischen fanden sie einen roten Raum, in dem sich ein einziges großes Bett mit roter Satin-Bettwäsche und einem Deckenspiegel befand. Die Manager beschlossen, den Raum dennoch zu mieten und Stillschweigen zu bewahren.

Erfolge im Motorsport sind schön und gut, aber, um wirtschaftlich überleben zu können, mussten sportliche Serien-Autos her. Der ehemalige M-Chef Karlheinz Kalbfell erinnert sich an die klare Ansage des BMW-Vorstands: "Wenn ihr Motorsport machen wollt, dann finanziert ihr ihn selber". Also stellte sich M breiter auf: 1984 erblickte der M 635 CSi die Welt und im selben Jahr der erste M5 mit dem internen Bezeichnung E 28S. Zwei Jahre später sollte der M3 folgen. Auch hier hatte Paul Rosche seine Finger im Spiel. "Wenn wir einen M 3 machen, muss der auf der Straße und auf der Rennstrecke gut sein", bestimmte der technische Geschäftsführer. Seit 20 Jahre lang sind M3 und M5 mit ihren Derivaten das Herz der Straßenversionen der M GmbH. Mit dem zweiten Formel-1-Einstieg gab es auch einen Zehnzylinder im M5 und M6.

Die Geschichte wiederholte sich. Nach dem Ende des Formel-1-Engagements musste der Vorstand erneut zu seinem Glück, sprich einem Engagement in einer der Top-Motorsport-Serien überredet werden -diesmal vom scheidenden BMW-Sportchef Mario Theisen. "Ok, wir steigen in die DTM ein, aber nur unter der Prämisse: sofort siegfähig", bestimmte Vorstandschef Norbert Reithofer. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Bruno Spengler holte den Fahrertitel und BMW gleich in der ersten Saison die Konstrukteursmeisterschaft. Passend zum großen Erfolg in DTM bringt die M GmbH eine mattschwarze M3 DTM Championship Edition heraus. Die Sonderserie ist auf die Anzahl der DTM-Siege begrenzt, nämlich 54. Auch da schaffte BMW mit Volker Strycek mit einem M635 CSi den Titelgewinn.

In den nächsten Jahren wird sich die BMW-Tuning- und Sportabteilung breiter aufstellen. In Detroit feiert das M6 Gran Coupé seine Premiere, in dem es auch den dreifach aufgeladenen Dieselmotor geben wird. Die Anzahl der M-Performance Modelle wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls vergrößern: Bei der M GmbH denkt man über einen solchen X3 und X1 scharf nach. Allerdings erst in der nächsten Generation. Diese M Performance Allrad-Modelle werden dann einen starken Diesel haben.

40 Jahre BMW M GmbH
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