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Blitzschlag in der Mittelklasse

Der neue Opel Insignia macht eine gute Figur. Ob die Technik hält, was das Aussehen verspricht, hat der stern in einem Vergleich mit einem Ford Mondeo und einem Audi A6 getestet.

Von Peter Weyer

Fahrer von süddeutschen Prestige-Limousinen blicken verdutzt der neuen Karosse hinterher. Europas führende Motorjournalisten kürten sie zum "Auto des Jahres 2009". Wegen lawinenartiger Bestelleingänge müssen die Arbeiter am Produktionsband etliche Sonderschichten fahren, damit die Lieferzeiten zumutbar bleiben. Nicht ungewöhnlich für ein neues Auto der beliebten Mittelklasse. Aber diesmal ist es ein Opel. Und deshalb eine Sensation.

Die heißt Insignia. Mit dem Viertürer meldet sich der von der tiefen Krise der amerikanischen Mutter GM bedrohte Rüsselsheimer Autobauer in der Bundesliga zurück. Mit einem Paukenschlag, der sogar längst enteilt geglaubte Konkurrenten aufschreckt. So etwas gelang Opel zuletzt vor rund 20 Jahren mit dem Calibra, einem Coupé. Was also ist dran an dem Neuling unter den Familienlimousinen? Der stern vergleicht ihn in einem Praxistest mit zwei seiner wichtigen Konkurrenten, den Zwei-Liter-Dieselversionen des Audi A6 und des Ford Mondeo (siehe Tabelle).

Schon bei der Karosserieform gibt es deutliche Unterschiede. Der Opel wirkt frisch, kantig und kompakt. Das tropfenförmige Dach fällt über den Rücksitzen in einem Bogen stark nach hinten ab und soll die Illusion eines Coupés herbeizaubern. Andererseits ist der Insignia trotz der aufgeblasenen Backen vorn stilistisch nicht so überzogen, dass die Gefahr besteht, er könnte schon bald altmodisch aussehen. Frisch und modern ja, aber nicht gewagt.

Reine Formsache

Anders der Ford Mondeo. Die Motorhaube ist durch kleine Längsstufen markant herausmodelliert und V-förmig abgesetzt, die Seitenlinien sind mit scharfen Knicken betont und optisch bis zur Heckkante gestreckt - so macht der Kölner einen fast repräsentativen Eindruck. Aber er ist eben auch weniger keck als der Opel, sondern steht eher für zeitlose Klassik. Allerdings stört dabei der wuchtige, wie ein aufgerissenes Haifischmaul wirkende Lufteinlass unterhalb des Stoßfängers.

Dagegen setzt Audi auf geschwungenes Blech und runde Linien. Nirgendwo ein scharfer Grat, alle Ecken eingeweicht. Dennoch kein Auto mit barocken Schnörkeln, sondern von Eleganz, mit Anklängen gutbürgerlicher Vorzeigesymbolik. Mit ihrer Formensprache haben die Ingolstädter inzwischen einen Designstil von Weltgeltung durchgesetzt, der auch bei den Kulturbeuteln des Zubehör-Shops zu finden ist.

Unterm Blech dagegen gibt es Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel rollen alle Vergleichskandidaten auf sehr spurstabilen und kultivierten Fahrwerken. Die wenigen feinen Unterschiede sind eher Geschmackssache und der jeweiligen Firmenphilosophie geschuldet als technisch bedingt. Opel will mit einer betont knackig-sportlichen Federung punkten, die im Extremfall aber den Bandscheiben zu schaffen macht. Umgekehrt bei Audi. Beim A6 wird auf sportliche Härte zugunsten eines spürbar sanfteren Abrollkomforts verzichtet. Ford geht den Weg des goldenen Kompromisses. Das Ergebnis ist nahezu perfekt. Die sportliche Gangart muss nicht mit Stößen im Kreuz erkauft werden, und der Komfort geht nicht zulasten von Sicherheit und Fahrbahnkontakt. Wer bei Fahrwerksqualität und Lenkpräzision unter den gehobenen Familienlimousinen vorn sein will, der muss den Mondeo schlagen.

Wer fährt auf Sparflamme?

Beim Spritkonsum jedoch ist der Ford zu packen, obwohl ein Praxisverbrauch von 7,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer schon ein Wert ist, für den sich kein Hersteller in dieser Klasse schämen muss. Zumal die 140 PS den Mondeo in weniger als zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und über 200 km/h Spitze möglich machen. Wer als Ford-Fan noch weniger an der Zapfsäule berappen will, kann die Geizversion ordern, die Econetic heißt. Die schluckt nach EU-Norm nur 5,2 Liter Diesel, ist allerdings mit 115 PS deutlich schwächer und weniger spritzig.

Die Konkurrenten des ungedrosselten Mondeo erreichen zwar nicht dessen Fahrleistungen, verbrennen dafür aber auch weniger Sprit. Der Insignia konsumiert 7,5 Liter Diesel, spart mit 0,2 Litern allerdings nicht mehr, als in ein Weinglas passt. Deutlich knauseriger dieselt der Audi A6 TDIe. Von ihm gibt es keine Sparversion, er ist schon eine. Das e steht für Eco, also verbrauchsoptimierte Technik unter der Haube. Der TDIe bietet fast identische Fahrleistungen wie der etwas kräftigere Mondeo - verbraucht aber im Alltag mit durchschnittlich 6,8 Litern auf 100 Kilometer fast einen Liter weniger.

In der Kostenbilanz geht dieser Vorteil leider unter, denn trotz der günstigen Spritrechnung ist der genügsame Audi pro Monat und Kilometer teurer als seine beiden Konkurrenten. Grund ist der happige Neuwagenpreis. Der liegt 7600 Euro (rund 25 Prozent) über dem des Mondeo. Für diese Differenz bietet Dacia eine nagelneue Fünf-Personen-Limousine.

Andererseits führt das Öko-Konzept des Audi nicht zu Entzugserscheinungen beim Fahrspaß. Die Leistung (136 PS) reicht in der Praxis völlig aus. Zudem glänzt der Ingolstädter mit einer hohen Verarbeitungsqualität und einem überaus komfortablen Innenraum.

Das Innenraumdesign

Der könnte bei den Konkurrenten noch Feinschliff vertragen. Zwar verdienen Sitzqualität, Instrumentengestaltung und Bedienlogik im Insignia und im Mondeo ebenfalls Bestnoten, nicht aber die Kunststoffbeplankung. Anmutung nennen Designer das, was durch edel wirkende Materialien Wertigkeit ausstrahlen soll. Davon ist bei den Cockpitverkleidungen von Ford und Opel nichts zu spüren. Doch derlei Schnitzer schmälern kaum die überzeugenden Qualitäten der drei Limousinen. Einerseits liegen sie - außer im Preis - eng beisammen. Andererseits bleibt genug Spielraum für unterschiedliche Vorlieben:
•Der Opel Insignia ist erste Wahl für Kunden, die zeitgeistiges Design und frisches Blech suchen, dafür relativ knappen Kopf- und Knieraum für Hinterbänkler und ein rustikal-knorriges Motorgeräusch hinnehmen.
•Der Audi A6 spricht Fahrer an, die auf Vorzeigestatus und gediegene Behaglichkeit setzen, den hohen Kaufpreis verschmerzen können und mit Sportlichkeit wenig am Hut haben.
•Der Ford Mondeo ist maßgeschneidert für kostenbewusste Vernunfttypen, denen harmonischer Fahrkomfort wichtiger ist als modische Trends und lange Listen mit luxuriöser Sonderausstattung.

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