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Ex-Pleitekandidat Peugeot will durch Opel-Übernahme "europäischer Champion" werden

Der französische Peugeot-Konzern PSA verfolgt ehrgeizige Ziele. Experten sind ob der bisherigen Strategie skeptisch, ob die Franzosen mit Opel wirklich zur Nummer eins in Europa werden können.

Logos von Opel und Peugeot

Opel-Übernahme durch den Peugeot-Konzern PSA ist beschlossene Sache

Carlos Tavares, Chef des Peugeot-Konzerns , hat ein klares Ziel vor Augen: Er will einen "europäischen Champion" schmieden, die Übernahme des deutschen Konkurrenten Opel soll den Weg dahin verkürzen. Doch bevor Erfolgsgeschichte geschrieben werden kann, sind harte Sanierungsschritte nötig, da sind sich die Experten einig. Vor allem in den Opel-Werken ist die Sorge mit den Händen zu greifen, dass nach einer Trennung von der bisherigen Konzern-Mutter General Motors (GM) tausende Jobs auf der Strecke bleiben könnten. PSA wiederum stand selbst vor einigen Jahren noch kurz vor der Pleite

Die Chance auf zusätzliche Märkte oder erhebliche Mehrverkäufe bestehe mit der Übernahme nicht, sagt Branchenspezialist Ferdinand Dudenhöffer. PSA und seien mit ähnlichen Modellpaletten beide zu stark auf Europa konzentriert und hätten in den vergangenen Jahren beständig Marktanteile verloren. Tavares habe PSA in den vergangenen Jahren allein mit drastischen Sparmaßnahmen auf Gewinnkurs gebracht - ein Konzept, das er nun bei Opel wiederholen könnte.

Gewerkschaften halten sich mit Kritik zurück

"Am Ende macht ein Käufer doch, was er will", sagte der Berater Marc Staudenmayer dem "Manager Magazin". könne bei Opel "locker" 10.000 Arbeitsplätze streichen, wenn er die Produktion straffe und zentrale Funktionen künftig von Paris aus erledigen lasse. Zusagen zur Eigenständigkeit des Unternehmens Opel und Jobgarantien für die gut 38.000 Opelaner bis Ende 2018 scheinen wenig wert zu sein, denn nach den Maßstäben solcher Großübernahmen ist das bereits übermorgen.

Die Gewerkschaften wissen, dass sie auch mit GM neu hätten verhandeln müssen und sind stark daran interessiert, in die Planung der neuen Mutter eingebunden zu werden. Daher verzichtet die IG Metall auf öffentliche Kritik und Machtdemonstrationen. 

Peugeot durch harten Sparkurs zurück in der Gewinnzone

Die PSA-Seite hat bereits eine harte Sanierung hinter sich, seit 2011 sind dort fast 30.000 Jobs gestrichen worden.  Im April 2014 billigten die Aktionäre den Einstieg des französischen Staates und der chinesischen Investmentgesellschaft Dongfeng zu jeweils rund 14 Prozent. Das verschaffte dem Konzern auf einen Schlag Kapital in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und bannte die Gefahr eines Bankrotts. Kurz vor der Übernahme hatte Tavares seinen Posten als Konzernchef angetreten und dem Unternehmen in der Folge einen drastischen verordnet. Das Sparprogramm trägt Früchte: Im vergangenen Jahr konnte PSA seinen Gewinn um 80 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro gesteigert. Der Absatz stieg um 5,8 Prozent auf gut 3,1 Millionen Wagen. Der Zuwachs bei den Verkäufen ist vor allem dem wiederbelebten Iran-Geschäft zu verdanken.

Nach der Opel-Übernahme geht in den einzelnen Standorten das Bangen los: Die beiden Vauxhall-Werke in Großbritannien könnten in abgespeckter Form gesetzt sein, um nach einem Brexit auf der Insel für den dortigen Bedarf zu produzieren. Damit konkurrieren Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach mit anderen Opel-Werken in Polen, Spanien und Österreich. 

Wohin die Reise im neuen Konzern gehen wird, ist schon an aktuellen Modellen zu besichtigen, die aus einer 2012 gestarteten Kooperation zwischen GM und PSA entstanden sind. In weiten Teilen baugleich rollen gerade der Opel Crossland X, der Citroen C3 Picasso und der Peugeot 2008 auf die Straßen, allesamt im Opel-Werk Saragossa gefertigt. "Alles was man sehen und berühren kann, stammt von Opel", sagt Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Das Übrige kommt weitgehend aus dem PSA-Baukasten und steht auf einer Plattform der Franzosen.

Folgende Marken gehören nach der Opel-Übernahme zu PSA:

  • Peugeot
  • Citroën
  • DS (ein Citroën-Spin-Off)
  • Opel
  • Vauxhall, das bislang vor allem die Opel-Modelle führte und den Markt in Großbritannien bediente
rös/DPA/AFP

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