
Die zwölfte Etappe war nach Meinung einiger Teilnehmer viel zu schwer© X-Raid
Es kam so wie es kommen musste. Der Tag stellte sich als ein besonders harter für alle Teams dar. Morgens fing es schon sehr ungewöhnlich an. Es regnete in einer Gegend, in der das im Sommer nicht so häufig vorkommt. An den Bergen gab es sogar ein Gewitter. Nachdem ich um 6.45 Uhr die Fahrer mit unserem schönen X6 in zwei Rotationen zum Camp gebracht habe, ging es zum Flieger.
Heute durften wir nicht einmal Handgepäck mitnehmen, aber ohne meinen Computer und die Telefone war ich nicht bereit, in den Flieger zu steigen. Vor allem weil die Luft kühl war und ein kräftiger Wind wehte, so dass es keine Probleme mit dem Start geben sollte. Die Landebahn war nicht gerade lang. Normalerweise sollte sie es bei 1600 Meter Höhe schon sein, aber es war dann doch überhaupt kein Problem und wir sind gut gestartet. Meinen Laptop und die Telefone hatte ich natürlich trotzdem mitgenommen. Wir waren ja sowieso nur die Hälfte an Personen im Flieger.
In Rioja angekommen ging es leider nicht sofort ins Camp. Der Busfahrer brauchte noch ein Ladekabel und so bekamen wir unfreiwillig noch eine Stadtrundfahrt. Natürliche waren wir, die Teammanager, nicht sehr erfreut, denn wir wollten so schnell wie möglich an die Computer. Das Camp lag auf einer Rennstrecke, dadurch war zumindest ein wenig Asphalt da. Auch wenn wir darauf nicht campen durften, gab es wenigstens nicht so viel Staub. Hier kamen dann sofort die ersten Nachrichten. Carlos hat sich überschlagen und ist raus. Kurz darauf: Mitsubishi hat Probleme und Miller liegt vorne. Das ganze Klassement hat sich verschoben und jetzt, kurz vor Ende der Rallye, soll es noch einmal so richtig losgehen. Guerlain ist ganz gut unterwegs, aber am Ziel ist er noch nicht angekommen. Was ist passiert?
Auch bei VW gab es schon wieder eine Verschiebung. Giniel De Villiers hat auf den letzten 130 Kilometern richtig Gas gegeben und gut navigiert. Jetzt liegt er im Gesamtklassement vorn. Von unseren Autos kommt Leonid noch mit einer ganz guten Platzierung ins Ziel, aber was ist mit Guerlain und Rene? Das bedeutet wieder warten. Endlich, Guerlain ist im Ziel, aber mit über zwei Stunden Rückstand auf den Führenden. Rene steckt fest bei Kilometer 170. Wir hoffen, dass er da rauskommt. Glücklicherweise ist es hier im Camp zwar warm aber nicht so heiß wie gestern, wo es um 17.00 Uhr noch über 40 Grad waren. Marco, mein Teammanager, geht alle halbe Stunde zur Racecontroll und fragt nach Rene. Unser Racetruck ist auch ganz in der Nähe. Jetzt können wir nur hoffen, dass er ihn findet und rausziehen kann.
Dann nach vier Stunden der Anruf von Filipe, Renes Beifahrer, sie sind aus den Dünen raus, bei Kilometer 174 und gerade ist ihnen gesagt worden, dass das Rennen für heute abgebrochen wird und sie sich jetzt einen Weg zur Teerstraße suchen sollen. Auch der T4 ruft kurz danach an und meldet, dass er aus den Dünen ist. Auf Klaus und seine Mannschaft im T4 Renntruck ist immer Verlass. Klaus ist schon über 15 Jahre bei mir im Team und wir haben schon viel gemeinsam erlebt.
Als die Autos dann so langsam gegen 17.00 Uhr im Camp ankommen sehen alle mehr als nur mitgenommen aus. Die Fahrer steigen erschöpft aus den Fahrzeugen und Guerlain sagt zu mir, dass wäre der schwerste Tag in seinem Leben gewesen. Sein Free-Ski-Riding, indem er vierfacher Weltmeister ist, sei dagegen ein Kinderspiel. Na dann war es wohl wirklich schlimm. Nur schade für Rene der dadurch leider seine gute Platzierung verliert. Jetzt sind Leonid und Guerlain auf acht und neun. Rene hat bisher eine so gute Dakar gefahren, dass er mir dann richtig leid tut. Natürlich sind wir im Team noch happy mit dem Ergebnis, aber erst einmal müssen wir jetzt sehen, wo wir am Ende stehen. Zu erwähnen für heute wäre noch, dass Leonid geholfen hat, den VW von Carlos Saniz auf die Räder zu stellen, der dann aber nicht mehr weiterfahren konnte, da sein Beifahrer sich verletzt hatte.
Wir haben heute schon angefangen, die LKW für den Rücktransport fertig zu machen. Die BMW X3 CC haben heute eine sehr große Überholung nötig gehabt.
Wie immer geht es spät ins Bett und langsam freue ich mich darauf, einmal richtig auszuschlafen. Die Etappe heute war viel zu schwer und der Veranstalter hat nicht nur meiner Meinung nach völlig das Maß verloren. In so einer Situation ist dann eben weniger mehr.