
Knapp 10 Prozent der Fahrer fallen nach bestandener MPU wieder erheblich im Verkehr auf© Sascha Schuermann/DDP
Ich gehe jeweils auf die persönliche Lebenssituation ein und natürlich auf die Umstände der Auffälligkeiten und ihren Hintergrund. Das wichtigste ist dabei Offenheit und Ehrlichkeit.
Nein, wenn jemand dreimal mit 0,7 Promille gefahren ist habe ich andere Fragen als einmal mit 2,3 Promille. Die Leute sehen oft nicht den Zusammenhang zwischen Alkohol-Konsum und Trunkenheitsfahrt. Es geht um die Ursachen und die Frage: Hat der Mensch etwas in der Zeit ohne Führerschein verändert. Oder sind es nur wieder mal gute Vorsätze?
Oft, weil die Menschen Gewohnheiten haben, mit denen sie brechen müssen, wenn sie wieder am Straßenverkehr teilnehmen wollen. Den guten Vorsatz etwa, nie wieder betrunken zu fahren, den haben alle. Und natürlich sind diese Vorsätze ehrlich gemeint. Aber die Alkohol- und Drogenkonsumenten und Punktesammler, die zu uns kommen, haben Verhaltensgewohnheiten, mit denen sie brechen müssen. Und unser Auftrag ist, zu überprüfen, ob jemand das auch in die Tat umsetzt hat.
Die häufigsten Antworten, selbst bei einer 1,8 Promille Fahrt, sind: "Ich habe mich noch fit gefühlt" und "Ich bin das erste Mal angetrunken gefahren".
Bei 600 Trunkenheitsfahrten wird eine Person statistisch einmal erwischt - die Dunkelziffer ist enorm hoch. Es gibt diese Fälle natürlich, aber nicht jeder mit Alkohol im Blut muss zur MPU. Menschen mit extrem hohen Blutalkoholwerten haben sicher ein korrekturbedürftiges Trinkverhalten, denn 1,6 Promille erreicht man nicht ohne ein gewisses Trink-Training - wer MPU muss, ist nicht der Otto-Normal-Trinker.
Zum Beispiel die Frage, wie es mit dem Restalkohol aussah, wenn es morgens wieder zur Arbeit ging. Auch das sind Trunkenheitsfahrten.
Ein geschulter Verkehrspsychologe findet in einem 60 Minuten Gespräch heraus, ob sich jemand über seine eigenen Verhaltensweisen im Klaren ist und sich offen dazu äußern kann.
So bezeichnen wir uns nicht, aber richtig ist: Wir wünschen uns klar einen früheren Zeitpunkt, an dem wir Zugang zu den Leuten bekommen. Viele kommen erst zwei Wochen, bevor die MPU ansteht. Früher könnten wir umfangreichere Hilfe anbieten, denn es geht ja um die Verhaltensveränderung.
Nein, das ist mir noch nie vorgekommen. Wenn, dann würde ich es selbstverständlich ablehnen und auch eine weitere Begutachtung ablehnen. Aber: Mir ist nicht mal bekannt, ob es jemals jemand anderem angeboten wurde.
Das ist ähnlich wie bei Sportlern, wie bei einem Doping-Test. Die Person bekommt mehrmals ganz kurzfristig eine Einladung zur Urinabgabe und kann dadurch nachweisen. Das ganze wird selbstverständlich von einem Arzt aufgenommen.
Knapp 10 Prozent fallen wieder erheblich im Verkehr auf.
Man kann theoretisch so oft wiederkommen, wie an will. Aber das ist natürlich nicht sinnvoll. Im negativen Fall sollte man sich intensiv mit den festgestellten Defiziten auseinander setzen, damit es beim zweiten klappt. Außerdem kostet natürlich jede Teilnahme.
Die staatlich festgelegte Gebühr beträgt 363 Euro bei Punkten, 418 Euro bei Alkohol- und 570 Euro bei Drogen-Sündern. Die unterschiedlichen Summen liegen vor allem an den verschiedenen medizinischen Untersuchungen. Aber das sind nur die Kosten für die MPU an sich: Nach unseren Erfahrungen belaufen sich die Kosten durch Geldstrafen, Verdienstausfall und Gebühren auf rund 7000 Euro.
Im Gespräch ist Offenheit die beste Taktik. Und nicht erst zwei Wochen vorher das erste Mal vorbeischauen. Wer seinen Führerschein wiederhaben möchte, der sollte früher anfangen, seine Gewohnheiten zu ändern und sich helfen lassen.