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22. Mai 2007, 09:24 Uhr

Rasende Kaffeefahrt der Millionäre

In Zukunft wird es noch mehr Grinse-Promis geben© Michael Specht

Auch für diesen ergrauten Paul-Newmann-Verschnitt mit seiner locker hängenden Zigarre im Mundwinkel nicht. Fünf, vielleicht sechs Ferrari stehen daheim, so genau weiß er das im Augenblick nicht. Seinen Maserati, Wert mehrere Millionen Euro, hat er einfliegen lassen – für "lumpige 10 000 Dollar." Geld verdienen sei für ihn keine Herausforderung mehr. Viel interessanter ist es, die Dollars auf stilvolle Weise wieder loszuwerden. Und da ist die Mille Miglia doch ein wunderbarer Anlass.

Die größte Oldtimershow der Welt

"Was hier in drei Tagen auf dich einstürmt, erlebst du in hundert anderen Oldtimer-Rennen nicht", erzählt auch Hernandez aus Puerto Rico, der seinen seltenen Ferrari 225 S von 1952 weiter zur Abnahme schiebt. "Es ist das größte überhaupt. Mit Zuschauermassen, nach denen sich die Veranstalter der meisten klassischen Rennen die Finger lecken würden."

Klar, dass auch die Autohersteller die Werbewirksamkeit der Mille Miglia erkannt haben. Mercedes ist seit Jahren offizieller Sponsor und sichert sich dadurch natürlich so einige nette Startplätze, die unter anderem mit Promis besetzt werden können. Die Stuttgarter warten mit einer ganzen Armada an historischen Fahrzeugen auf, von denen besonders die monströsen Kompressor-Ungetüme aus der Nazi-Zeit für Aufsehen sorgen. Wesentlich eleganter sind da die zahlreichen Flügeltürer der Fünfziger Jahre. Eine offene Rennversion dieses Typs steuert Ex-Formel-1-Pilot Jochen Mass, der, wie er sagt, zum 16. Mal dabei ist.

Auch Audi kann das

Prominenz hat auch BMW zu bieten, die zumeist mit eleganten Vorkriegsmodellen der Serien 327 und 328 an den Start gehen, unter anderem pilotiert von Prinz Leopold von Bayern. Was die können, können wir schon lange, sagte sich ein dritter deutscher Premium-Hersteller: Audi. Schließlich haben auch die Ingolstädter Autobauer eine Renntradition und berühmte Namen wie zum Beispiel Bernd Rosemeyer (starb 1938) vorzuweisen. Einen von ihm gefahrener Auto-Union-16-Zylinder ließ Audi im VIP-Zelt von Chopard ausstellen. Fürs Rennen holte die "Audi Tradition" unter anderem einige wunderschöne Wanderer WK 25 aus dem Museum – und "verpflichtete" neben der belgischen Rennlegende Jacky Ickx auch Wetten-dass-Mann Thomas Gottschalk, einen dieser eleganten, offenen Zweisitzer (Baujahr 1938) 1000 Meilen durch Italien zu steuern. Gottschalk, bekennender Oldtimer-Fan ("Neue Autos haben für mich keine Erotik mehr") ließ sich das nicht zweimal sagen und erschien in verwaschenen Jeans, weißem T-Shirt und Strandmütze. "Ob er nicht Angst hätte, seinen Hut zu verlieren", fragte eine Zuschauerin. "Gegenwind ist mein Leben", antwortete der Entertainer und harrte geduldig der vielen Fotografen, die ihn umlagerten.

Wann kommt Paris?

Vielen Teilnehmern ist der Promifaktor bei der Mille Miglia mittlerweile schon zu hoch geworden. Ihnen geht es schlicht um ihr Hobby, nicht um Show-Business. Kommendes Jahr könnte es noch schlimmer kommen. Die Gerüchteküche brodelt. So war zu hören, dass ab 2008 eine Event-Agentur die komplette Organisation der Mille Miglia übernehmen wolle. Bislang lief das historische Rennen stets über den Automobilclub Brescia. Die Agentur soll im Minimum den doppelten Umsatz versprochen haben. Und sie will für noch mehr Prominenz sorgen. Die Mille Miglia könnte dadurch schnell ihren ursprünglichen Charakter verlieren – spätestens dann, wenn Paris Hilton am Start in Brescia auftauchen wird.

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