
Orlando Terranova auf der neunten Etappe© Martin Bernetti
Es hat geklappt. Unser Einspruch war erfolgreich. Beim Auslesen des Sentinel in Robbys Auto sind mehr als 100 Einträge von Guerlain gefunden worden, das sollte reichen. Robby wird eine Strafzeit bekommen. Heute Abend werden wir sehen, wie hoch die Strafe ausfällt. Zur Erklärung, wenn man ein Auto überholen will, kann man den Sentinel Knopf drücken und das Gerät sendet ein Signal in jedes Fahrzeug welches sich im Umkreis von 300 Metern befindet. Das soll gewährleisten, dass man nicht blockiert wird.
Der Morgen war relativ ruhig. Die meisten unserer LKWs sind früh gestartet und als ich um 7.00Uhr aus meinem LKW stieg, war unser Platz schon halbleer. Die BMW X3CC standen geputzt und gecheckt wunderschön in einer Reihe. Orly war nach dem Vorfall von gestern nicht gut drauf und kam deutlich zu spät vom Hotel zurück. Aber es reichte noch für den Start.
Rene ging es heute früh nicht so gut. Der Tag gestern hatte Ihn ziemlich erschöpft. Ich sprach kurz mit Ihm, um Ihn wieder etwas aufzubauen. Felipe sollte heute den ersten Teil der Verbindungsetappe fahren, dann kann sich Rene noch etwas schonen. Die zweite Woche der Dakar geht an die Konstitution und natürlich wird der Druck immer größer, wenn man weiter vorne ist. Wir können heute nur warten und hoffen, dass er es schafft, damit wir uns heute Nacht um ihn kümmern können. Rene fährt seine erste Dakar im Auto und dafür hat er eine super Platzierung.
Wie immer steigen wir nach kurzem Warten in den kleinen Flieger und freuen uns wieder Sonne zu sehen. Heute wird es wieder heiß, denn sobald die Sonne rauskommt ist es fast unerträglich warm. Die Landschaft hat so oft gewechselt in den letzten Tagen und nach etwas grün wird es jetzt wieder etwas schroffer mit felsigen Bergen und sandigen Tälern. Die Wolkendecke reißt auf und schon ist es 10 Grad wärmer. Rechts aus dem Flieger sieht man die leicht schneebedeckten Anden und links den Pazifik. Unter uns wechseln sich Berge mit breiten Tälern mit ausgetrockneten Flüssen ab. Es ist fantastisch.
Im Camp angekommen geht es gleich wieder an den Laptop. Katrin, meine Sportrechtlerin, und ich versuchen herauszubekommen, wo unsere Autos stecken. Guerlain war bis jetzt super, aber auf einmal fällt er weit zurück. Was ist passiert? Dank Satellitentelefon bekommen wir schnell raus, dass sie sich nicht nur verfahren haben, sondern auch noch eine Antriebswelle gewechselt werden musste und ein Sensor am Motor in der Stage gewechselt wurde. Jetzt läuft er wieder. Er ist von fünf auf den Platz 70 zurück gefallen. Orly, Rene und besonders Leonid fahren heute richtig gut. Orly ist zeitweise auf zwei bzw. drei und Leonid auf vier bzw. fünf. Die letzten Kilometer Dünen machen ihnen aber zu schaffen. So endet Orly auf Platz vier, Leonid auf sechs und Rene auf 11. Ein top Ergebnis. Guerlain pflügt nach seinen Problemen sozusagen durchs Feld und überholt in den ersten 35 Minuten nach der Reparatur sage und schreibe 12 andere Fahrzeuge. Am Ende ist er auf Platz 28 und das ist für über eine Stunde Reparatur sehr gut.
Im Camp in Copiapo bleiben wir zwei Tage. Glücklicherweise hat Scott, mein Logistik Manager, einen guten Platz gefunden und es staubt nicht so sehr. Heute müssen die BMW X3 CC gut durchgesehen werden, denn morgen ist eine lange und harte Etappe. Viel, viel Sand und hohe Dünen. Die Strecke wurde wieder einmal gekürzt, aber im leichteren Teil, damit mehr Zeit für die Dünen bleibt. Zu guter letzt kommt die Nachricht, dass Robby Gordon keine Zeitstrafe bekommen soll. Also gehen Marco, Katrin und ich daraufhin um 22.30 noch zu den Kommissaren und fragen nach dem Grund der Entscheidung. Robby hat sich wieder einmal rausreden können, aber wir lassen nicht locker. Jetzt muss Guerlain morgen zu den Sportkommissaren und eine Aussage machen. 126 Signale sind unserer Meinung nach zu viel und wir könne diese Entscheidung so nicht akzeptieren. Wir werden also bis morgen Abend abwarten müssen. Morgen bleiben wir hier. Da es eine Loop Stage ist, dürfen wir sogar an einem Punkt unseren Autos zusehen.