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Frischer Atem aus dem Auspuff

Mit den verschiedenen Abgasnormen ist die Verwirrung beim Autokäufer perfekt: Welchen Standard soll er wählen? Der ADAC rät immer zur höchsten Euronorm. Die ist leider auch oft die teuerste, weil der Staat verpennt hat, die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Von Christoph M. Schwarzer

  Wer heute noch ohne Partikelfilter kauft, wird sein Auto wohl nur schwer wieder loswerden

Wer heute noch ohne Partikelfilter kauft, wird sein Auto wohl nur schwer wieder loswerden

"Es gibt Ottomotoren, bei denen 30 Sekunden nach dem Start praktisch keine Abgase mehr zu messen sind", sagt Axel Friedrich und ergänzt, dass die Luft aus dem Auspuff manchmal sauberer ist als die, welche vorne angesaugt wird. Er ist kein Lobbyist, sondern Autokritiker. Und zu Protokoll gegeben hat er das im ökologisch orientierten Greenpeace Magazin. Schafft zusätzlicher Autoverkehr also Luftkurorte? Das nicht, aber moderne Motoren können weniger Abgase produzieren als alte. Mit Betonung auf dem Können: Denn zurzeit tummeln sich mit den Euronormen 4,5 und 6 gleich drei Standards am Markt, die den Kunden verwirren. Für die Umwelt ist die neueste Norm immer die beste. Für den Geldbeutel ist das nicht unbedingt so, weil der Staat vergessen hat, rechtzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen.

ADAC rät zum "Top Runner"

Verpflichtend ist allein die Euro 4-Norm. Und seit ein paar Wochen werden viele Autos auch mit der Euro 5-Norm angeboten, die erst zum 1. September 2009 für neu eingeführte Wagen Gesetz wird. Für alle bereits am Markt befindlichen Wagen gilt sogar eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2011. "Momentan gibt es zwar keinen steuerlichen Vorteil", erklärt Christian Buric vom ADAC. Er rät trotzdem dazu, immer den höchsten möglichen Standard zu wählen. Der Wiederverkaufswert werde dadurch gesteigert. Und man steht auch nicht im Regen, falls die Reform der Kfz-Steuer neben den Kohlendioxidemissionen auch die Abgasnorm berücksichtigt.

Die Daumenschrauben werden in Zukunft vor allem für Dieselmodelle angezogen. Euro 5 ist praktisch nur mit einem Partikelfilter zu schaffen. Und auch Benziner müssen sich bei der neuen Norm eine Messung der Kleinstteile gefallen lassen. Schließlich geht es bei PM ("Partikelmasse"), Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden immer um Schadstoffe, die nicht zuerst das Klima, sondern die Gesundheit des Menschen kaputt machen: Atemwegserkrankungen, Allergien und mehr sind die Folge. Sauber bleibt relativ.

Euro 6 gegen Aufpreis im BMW 330d

Beim Neukauf sollten Dieselinteressenten nicht am falschen Ende sparen. Wer heute noch ohne Partikelfilter kauft, wird sein Auto wohl nur schwer wieder loswerden. Und mit der Abgasnorm Euro 6, die leider erst ab dem 1. September 2014 gilt, wird auch den giftigen Stickoxiden zum großen Teil der Garaus gemacht. In Deutschland werden kleinere Diesel dann einen zusätzlichen Speicherkatalysator haben. Eine Technik, die im neuen BMW 330d für 990 Euro Aufpreis zu haben ist: "Damit wollen wir nicht nur zeigen, was wir können, sondern auch die Reaktion der Kunden testen", erklärt ein BMW-Mann.

Was 2008 schon technisch möglich ist, soll erst 2014 Pflicht werden. So zumindest will es der Gesetzgeber. Denn wo bei kleineren Dieseln ein Speicherkatalysator ausreicht, brauchen dicke Dingern die zusätzliche Einspritzung einer Harnstofflösung ("AdBlue" bei "SCR-Technologie), die in einem Extra-Tank mitgeschleppt werden muss. Bei einem aktuellen Lkw von Mercedes oder M.A.N. ist das alltägliche Realität. Beim Pkw muss darauf gewartet werden. Auch, weil der Staat weiß, dass die neue Saubertechnik den Diesel wegen des Mehrpreises unattraktiver machen wird. Die Hersteller sollen nicht weiter belastet werden.

Tiefschlaf bei der Kfz-Steuer

Überhaupt, der Staat: Seit Jahren kündigt er die Reform der Kfz-Steuer an. Nicht mehr der Hubraum, sondern der CO2-Ausstoß und damit der Verbrauch soll die Bemessungsgrundlage für die jährlichen Zahlungen werden. Das stand auch so im integrierten Klima- und Energieprogramm ("IKEP") von Meseberg aus dem Dezember 2007. Passiert ist nichts, was neben der Finanzkrise ein wichtiger Grund für die allgemeine Kaufzurückhaltung sein könnte. "Die Verbraucher brauchen endlich Klarheit über die künftigen steuerlichen Rahmenbedingungen beim Autokauf", fordert VDA-Präsident Matthias Wissmann. "Das muss jetzt entschieden werden, damit die neuen Regelungen ab Januar 2010 in Kraft treten können." Der Häuptling des Verbandes der Automobilhersteller ahnt: Im Wahljahr wird garantiert nichts mehr entschieden, und die Zeche dafür zahlt der Arbeiter in Rüsselsheim, Wolfsburg und Dingolfing.

Spekulation auf Steuererleichterung

Prinzipiell ist auch bei einer CO2-basierten Kfz-Steuer ein Abgasfaktor denkbar. Zwei Autos mit gleichem Kohlendioxidausstoß und damit gleich hohem Verbrauch könnten unterschiedlich hoch besteuert werden, wenn sie nicht der gleichen Abgasnorm entsprechen. Und weil eine Umschlüsselung von Euro 4 und Euro 5 nicht einfach oder teuer werden wird, rät stern.de schon heute zum Griff nach der Euro 5-Norm: Im Fiat 500. Im Audi A3 2.0 TDI. Im neuen Golf. Und wer 40.450 Euro Grundpreis für eine BMW 330d Limousine übrig hat, sollte auf der Optionsliste in der Rubrik "Komfort/Nutzen" ein Zusatzkreuz für die Euro 6-Norm machen: "Blue Performance" hört sich zwar idiotisch an, ist aber gut für die Luft.

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