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7. August 2009, 17:42 Uhr

Das ideale Verbrechen

Betrug mit der Abwrackprämie: Bis zu 50.000 Autos sollen gar nicht abgewrackt worden sein. Stattdessen seien Sie illegal ins Ausland gelangt. Das behauptet Wilfried Albishausen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. stern.de erklärt er, warum die Abwrackmasche das ideale Verbrechen ist.

Abwrackbetrug, Abwrackprämie, Bund Deutscher Kriminalbeamter

Niemand kontrolliert, ob auf dem Platz ein Wagen fehlt© Theo Heimann/DDP

Mit der Schätzung, dass bis zu 50.000 Autos nach Osteuropa oder Afrika exportiert worden seien und nicht in der Schrottpresse gelandet sind, hat Wilfried Albishausen, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter die Republik aufgeschreckt. Ganz so, als hätte niemand einen großangelegten Betrug je für möglich gehalten. Dabei kann die Nachricht kaum überraschen. Seit beginn der Prämienzahlung wurde der ökonomische Irrsinn der Maßnahme angeprangert. In Einzelfällen waren die Autos sogar deutlich mehr wert als die ausgelobte Prämie. Wenn so viel werthaltiges Gut einfach in den Müll wandert, liegt der Gedanke an Schummel nicht fern. Denn bei den Prämienwagen handelt es sich um quasi herrenloses Gut; es gibt keinen Besitzer, der das "Verschwinden" der Wagen bemerken würde. Und wie der Volksmund sagt: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Es ist eben "nur" der Steuerzahler geneppt worden. Damit erklärt Albighausen die enorme Differenz, zwischen seiner Schätzung und den wenigen offiziell bekanntgewordenen Zahlen. Die Schätzung stütze sich auf die "kriminalistischen Erfahrungen, die unsere Ermittler über viele Jahre in der Bearbeitung von Vorgängen rund um die organisierte Kriminalität sammeln konnten", sagt Albighausen. Schon die wenigen Fälle, die nur zufällig ans Licht kamen, würden deutlich machen, dass es sich nicht um Einzeltäter handelt. "Allein die Fälle im Hamburger Hafen verbieten die Annahme, dass es sich hier um Einzeltäter handelt. Sie lassen den berechtigten Schluss zu, dass es sich um über die notwendige Logistik verfügende Banden handelt."

Die Grundzutaten für ein erfolgreiches Schiebergeschäft sind im Abwrack-Biotop vorhanden. In vielen Erdteilen besteht eine große und kontinuierliche Nachfrage nach Altfahrzeugen. In Deutschland haben Recyclinghöfe und Teileverwerter kaum noch Interesse am Wirtschaftsgut "Autoschrott", die Abwrackwelle hat die Höfe quasi überflutet. Ganz legal werden zudem große Mengen an Altautos und Autoteilen exportiert. In diesen Strom lassen sich die Abwrackmodelle leicht einschleusen.

Das Beste aber am Abwrackexport: Die Beteiligten gehen kein juristisches Risiko ein. Nicht nur, dass nicht nach ihnen gefahndet wird, sie müssen auch keine strafbare Handlung ausüben. Als erstes wäre der ehemalige Halter zu nennen. Er hat vom Schrottplatz das vorgeschriebene Verwendungsnachweisformular bekommen. Ohne dieses Papier hätte er die Abwrackprämie nicht beanspruchen können. Hier bescheinigt der Entsorger, dass das Altfahrzeug den Regeln entsprechend verschrottet wurde. "Wer so eine Bescheinigung hat, ist rechtlich aus dem Schneider", beruhigt Wolfgang Tings, vom ACE Auto Club Europa, die Altbesitzer.

Auch Albishausen geht davon aus, dass man weder von Urkundenfälschung noch von Subventionsbetrug sprechen könne. "Der Bürger gibt sein Fahrzeug in gutem Glauben zur Verschrottung und ist für weitere Handlungen mit seinem Kraftfahrzeug nicht verantwortlich. Diejenigen, die die Fahrzeuge veräußern, begehen keinen Subventionsbetrug, da sie die Abwrackprämie nicht in Anspruch nehmen." Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte im Schnellschuss gefordert: "Wenn der Missbrauch belegbar ist, dann müssen gewährte Vorteile wieder eingeholt werden - so wie bei allen anderen Missbrauchstatbeständen auch." Doch auch in Zukunft werden deutsche Polizisten in Afrika nicht auf die Jagd nach Abwrackwagen gehen. Aber selbst, wenn man ein Abwrackauto im Ausland fände, müsste der Empfänger der Prämie nicht zurückzahlen.

Die Schätzung Bundes Deutscher Kriminalbeamter bezieht sich ohnehin nur auf komplette Fahrzeuge, die nicht verschrottet wurden. Politisch ist auch der Export von Fahrzeugteilen abgewrackter Fahrzeuge nicht gern gesehen, ist aber nicht verboten. Hier ergeben sich weitere Möglichkeiten. Um Einfuhrzölle für Gebrauchtwagen im Empfängerland zu umgehen, gibt es seit Jahren die Praxis, Gebrauchtwagen zu zerlegen oder absichtlich zu beschädigen. Die Einzelteile werden dann als Schrott importiert und vor Ort wieder zusammengesetzt.

Der Bereich der Urkundenfälschung würde allenfalls beim Nachmachen von Fahrzeugpapieren greifen. Sollte nur das Schreiben des deutschen Entsorgers über die Verschrottung nicht den Tatsachen entsprechen, sei die ist "eine schriftliche Lüge, die juristisch nicht strafbar ist", fasst Wilfried Albishausen die unbefriedigende Rechtslage zusammen.

Der Schaden für den Fiskus ist also da, ob es auch ein Schaden für die Umwelt ist, ist zweifelhaft. Experten hatten seit Beginn der Prämiendiskussion zu Recht darauf hingewiesen, dass der plötzliche Autotod durch Abwrackprämie für die Umwelt wenig Sinn mache. Die mögliche Spritsersparnis des Neuwagens werde durch den kürzeren Lebensweg des Altautos aufgezehrt.

 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Jerk (08.08.2009, 15:47 Uhr)
War abzusehen
Allein die zig Fahrzeuge die nun bei den Schrottis auf den abstellplätzen warten kann doch keiner kontrollieren
guenni22 (08.08.2009, 08:06 Uhr)
Suche
Also noch suche ich den Verbrechenstatbestand.
Wenn ich mich richtig erinneren sind in § 12 StGB
Verbrechen und Vergehen geregelt:
(1) Verbrechen sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind.
(2) Vergehen sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder die mit Geldstrafe bedroht sind.
So, und wo ist nun der Straftatbestand geregelt, der das Nichtverschrotten von Fahrzeugen, für die aber eine Bescheinigung über die erfolgte Verschrottung ausgestellt wurde, unter Strafe stellt?
Benkku (08.08.2009, 07:48 Uhr)
Richtig soo !!!
Meiner Meinung nach ist der Abwrackprämien-Erlaß nichts anderes als von oben verordneter Konsumterror und darf durch zivilen Ungehorsam bekämpft werden. Verstehe erstens die Aufregung darüber überhaupt nicht, daß einträgliche Wege genutzt werden, Wertgegenstände vor dem Vernichten zu retten. Zweitens ist meiner Meinung nach die Aufforderung zur Massenvernichtung von Volksgütern ein Strafbestand.
arniston (08.08.2009, 07:40 Uhr)
das ideale verbrechen , ? 2.

in leiharbeit und mehr,
fällt hier zu verstehen,
dem leiharbeiter schwer.
er kann nicht glauben, ohne zu schrauben , an seinem glauben.
da, wo schröder noch sozial,(umfasst die gesamte psychologische Eigenart eines Individuums)
war er der ehe versprechend , war, er,..genial... (charkter).
und so ging man in diesem land nach 5. ehe, abgewackt durchs ganze land.
wo soviel sozial, ist abwackprämie
wunderbar.
und fischer , dieser held ist nicht besser gestellt.
zusammen in der beiden topf , mit 10 mal frauen in dem topf. eheversprechen ?
des bürgers zeit, in dummheit und zu mehr bereit..
gute nacht freunde...
TeZetteM (08.08.2009, 06:17 Uhr)
@skeptiker23
genau...
Viel Wind, oder besser heisse Luft, um nichts.
Fachgerecht entsorgen. Das wars.
Die Autoindustie verkauft Autos, Hans Meier bekommt seine 2500 Eu's, der Schrotthändler die "alte" Karre.
Wieso interessiert sich jemand überhaupt dafür was der damit macht, solange er sie nicht im Baggersee versenkt? Was natürlich umweltpolitisch und kaufmännisch eine Katastrophe wäre.
Neid? Wegen entgangenem Gewinn?
Dann muss Hans Meier seine Karre selber in Afrika verkaufen.
Wovon da wohl schon wieder abgelenkt werden soll?
skeptiker23 (08.08.2009, 05:26 Uhr)
ich sehe den Schaden nicht
Der Sinn der Maßnahme ist doch das neue Autos verkauft werden. Ob die alten nun auf dem Schrott landen oder nicht, die Abwrackprämie und das Geld das dafür ausgegeben wird ist identisch. Es machen halt nur ein paar findige Händler noch etwas Geld damit.
arniston (08.08.2009, 02:50 Uhr)
das ideale verbrechen , ?
in leiharbeit und mehr,
fällt hier zu verstehen
dem leiharbeiter schwer.
er kann nicht glauben, ohne zu schrauben , an seinem glauben.
da, wo schröder noch sozial,(umfasst die gesamte psychologische Eigenart eines Individuums)
war er in der ehe versprechent, war, er,..genial... (charkter).
und so ging man in diesem land nach 5. ehe, abgewackt durchs ganze land.
wo soviel sozial, ist abwackprämie
wunderbar.
und fischer , dieser held ist nicht besser gestellt.
zusdammen in der beiden topf , mit 10 mal frauen in diesem topf. eheversprechen ?
des bürgers zeit, in dummheit und zu mehr bereit..
gute nacht freunde...
Henning100 (08.08.2009, 02:42 Uhr)
Was, nur 50.000 ? ? ?
Das glaube ich im Leben nicht. Das muessen bi dato mindestens 100.000 gewesen sein ! ! !
diarroeohneh (08.08.2009, 02:13 Uhr)
Ach wie schön
sich doch die Leute verstehen wenn es darum geht gegen den Staat zu stänkern ;) Hätte er nichts gemacht wärs auch nicht recht gewesen. Man darf aber nicht vergessen, dass ja keiner dazu gezwungen wurd seine alte Karre zu verschrotten und wenn die, deren Auto noch mehr wert ist als die 2500 Euro das machen ist das ja Ihr eigenes Problem, könnten es auch alternativ verkaufen. Und ich glaube auch nicht dass es nur darum geht die Autobauer ruhig zu stellen, wird schon noch die ein oder andere makroökonomische Überlegung dahinter stehen.. z.B Ausgabenmultipikator etc!?!? Was sich der Kriminaltyp einmischt ist mir allerding auch ein Rätsel, wobei die Gesetzeslage wohl da ist wie meistens: Auslegungssache
AST61 (08.08.2009, 02:08 Uhr)
Afrika
sollen da doch ruhig 50000 "neue" Autos rumrollen, 20000 alte Stinker Bj.65 werden dann vielleicht in die Presse wandern.
Tut der Umwelt doch auch gut, oder?
Und wenn der Schrotthändler daran verdient, gut so, der wird das verdiente Geld eh in den Binnenmarkt pumpen oder aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens Leute einstellen.
Zu den Kosten für den Staat:
Die 2500.-€ sind eh ein Selbstläufer durch MwSt und diverse Gebühren+zus. Einkommensteuerschuld der Autohäuser.
Am besten schickt man jetzt die GSG9 nach Afrika, um Fahrgestellnummern abzugleichen.
Denn...der deutsche Fiskus wird auch in Afrika verteidigt, koste es was es wolle.
Und...das Finanzamt in seinem Lauf...
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