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Der Schummel-Aufschwung

Kleinwagen stehen plötzlich spottbillig da, nur weil viele Autohersteller und -händler die staatliche Abwrackprämie von 2500 Euro einfach vom Neupreis abziehen. Das aber sei irreführende Werbung, sagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie mahnte bereits zehn Anbieter ab.

Von Dirk Vincken

Mit Speck fängt man Mäuse, dachten sich wohl Alfa-Romeo, Citroën, Fiat, Kia und andere. Erst recht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Also ließen sich die findigen Autobauer in den letzten Wochen so einiges einfallen und kamen ihren Kunden preislich scheinbar fürstlich entgegen - ganz ohne Feilschen oder mühselige Rabattdiskussion. Fiat beispielsweise stellte seinen Mini namens Panda für verführerisch niedrige 4990 Euro ins Internet. Der koreanische Hersteller Kia holte zum Gegenschlag aus und verramschte seinen Kleinflitzer Picanto für unfassbar billige 5590 Euro im Netz. Vollwertige Neuwagen für unter 5000 Euro? Das gab’s noch nie!

Gibt’s auch weiterhin nicht. Denn diese Kampfpreise sind eine glatte Mogelpackung. Dass die lockenden Tiefpreise bereits um die vom Bund nur unter strengen Auflagen gewährte Umweltprämie reduziert sind, erfährt der Kaufwillige erst mal gar nicht oder äußerst geschickt versteckt im Kleinstgedruckten in einem dunklen Feld am unteren Ende der Website.

Die Verbraucherzentrale NRW mahnt deshalb, so Pressesprecher Thomas Bradler, seit Anfang Februar immer mehr Autohersteller und -händler ab, die in Tageszeitungen und im Internet suggerieren, ihre Neukarossen seien wesentlich günstiger zu bekommen als vergleichbare Konkurrenzfahrzeuge. Für diese Art des Kundenfangs haben die Düsseldorfer nur eine unmissverständliche Bewertung: Irreführung.

Was sagen Sie zur Werbung mit der Abwrackprämie?

Ein schwerer Vorwurf, könnte man meinen, schließlich wird die Umweltprämie seit 27. Januar 2009 tatsächlich gewährt. Warum also diese nicht gleich vom Neupreis abziehen? So weiß der Kunde schließlich, was er unterm Strich zu zahlen hat - und damit sollte man als Unternehmen auch Werbung machen dürfen. Doch die Verbraucherschützer halten dagegen, "dass die Prämie an mehrere Bedingungen geknüpft und vor allem keineswegs garantiert ist". Zwar stecken im Fördertopf 1,5 Milliarden Euro, was exakt 600000 Prämienzahlungen entspricht. Und gerade mal 160000 Anträge wurden bisher gestellt. Doch gehen alle Antragssteller leer aus, wenn der Schrott-Obulus erst einmal vergeben ist. Zudem wird die Prämie nur gewährt, nachdem das neu gekaufte Auto nachweislich zugelassen ist und der Fahrzeugbrief des Schrottautos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle abgegeben wurde.

Im Klartext: Geld gibt’s erst, wenn das neue Auto in der eigenen Garage steht - und nicht bereits bei Vertragsabschluss. Der Kunde muss also zunächst den regulären Neupreis zahlen und darf hoffen, Wochen oder Monate später - je nach Lieferzeit des Neuwagens und Bearbeitungszeit des Antrags - die Prämie rückwirkend erstattet zu bekommen. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch verschwiegen, dass die zum Teil ausufernd hohen Überführungskosten den Umweltzuschuss erheblich schmälern. So verlangt Dacia etwa für sein Einstiegsmodell Logan, der regulär 7300 Euro kostet, 785 Euro für den Transport in den Verkaufsraum des Händlers. Das sind fast elf Prozent des Neupreises. Da verlieren 2500 Euro fürs Verschrotten des Altfahrzeugs schnell ihren Glanz.

Fazit: Die Verbraucherschützer nennen die Vorgehensweise der Abgemahnten zu Recht irreführend. Und geben den Autofahrern die Empfehlung, "sich die Abwrackprämie unbedingt schriftlich garantieren zu lassen". Komme es dann zu Verzögerungen oder sei der Topf des Bundes irgendwann erschöpft, müsse der Händler dafür einstehen. Darüber hinaus solle sich niemand beim Kauf eines neuen Autos davon abhalten lassen, einen ordentlichen Nachlass auszuhandeln. Denn die Umweltprämie schenke allein der Staat, der Händler sei mit keinem Cent daran beteiligt. Auch wenn mancher sich gerne diesen Mantel umhängen würde.

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