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13. Januar 2009, 20:20 Uhr

Mit Merkel zum Neuwagen

Wer seinen mindestens neun Jahre alten Gebrauchten verschrotten lässt und sich dafür einen umweltfreundlichen Neu- oder Jahreswagen kauft, soll künftig eine Prämie von 2500 Euro erhalten. Mit dem Regierungsbonus werden Neuwagen auch für weniger Betuchte erschwinglich, aber die deutschen Premiumhersteller könnten in die Röhre gucken. Von Finn Rütten

Abwrackprämie, Ferdinand Dudenhöffer, Kfz-Steuer,

Die alten Gebrauchten sollen von Deutschlands Straßen verschwinden, dafür sollen umweltfreundliche Neuwagen gekauft werden© AP Photo/Fabian Bimmer

Vor dem Hintergrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sitzt das Geld bei den Autokunden nicht mehr so locker wie früher. Einzig das preiswerte Mini-Segment konnte sich bei den Neuzulassungen in Deutschland im Krisenjahr 2008 deutlich steigern. Die Klasse der sparsamen und meist günstigen Autos, wie Smart, Fiat 500 und Co. schaffte einen Zuwachs von satten 18 Prozent. Trotzdem mussten viele Hersteller 2008 ihre Absatzprognosen deutlich senken, kaum ein Autobauer erreichte das angepeilte Ziel. Die Neuzulassungen von fabrikneuen Fahrzeugen ließen in Deutschland im vergangenen Jahr um fast zwei Prozent nach. Die übergreifende Zulassungsstatistik verzeichnete ein Minus von 1,5 Prozent.

Die Große Koalition will dem gebeutelten Industriezweig mit einer Abwrackprämie unter die Arme greifen. Union und SPD haben sich dazu auf eine entsprechende Prämienzahlung für die Verschrottung alter Fahrzeuge geeinigt. Wer sein mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrotten lässt und dafür einen umweltfreundlichen Neu- oder Jahreswagen kauft, soll dafür eine 2500 Euro hohe Prämie erhalten. Das neue Auto muss noch in diesem Jahr zugelassen werden und mindestens die Euro4-Abgasnorm erfüllen. Die Regelung gilt nur für Privatkunden, die das Auto mindestens ein Jahr besessen haben. Der Fuhrpark von Firmen wird ebenso wenig subventioniert wie der Dienstwagen des Freiberuflers.

Abwrackprämie, Ferdinand Dudenhöffer, Kfz-Steuer,

Ein Gebrauchtwagenkunde könnte durch die Prämie zum Neuwagenkauf motiviert werden© AP Photo/Michael Probst

Die Fahrer von Altfahrzeugen sind auch mit Subventionierung nicht in der Lage, sich einen neuen Mittelklasse BMW zu leisten. Von der neuen Prämienregelung könnten speziell die Kleinstwagen und andere billige Fahrzeuge profitieren. Der Preis der „Minis“ ist oft niedrig und so würde ein Anreiz von 2500 Euro bereits einen beachtlichen Teil der gesamten Kaufsumme darstellen. Damit wäre eine echte Motivationshilfe gegeben, zum leichten sowie verbrauchs- und emissionsarmen Modell zu greifen. Auch Billiganbieter wie Dacia, dessen Modell Logan mit 7300 Euro Neupreis bereits jetzt ein wirkliches Schnäppchen ist, könnten durch die Neuregelung gestärkt werden. Wo sonst bekommt man für 5000 Euro ein fabrikneues Auto? Ein echter Anreiz vom alten Gebrauchten auf den billigen Neuen umzusteigen.

Importeure könnten profitieren

Ob die deutsche Autoindustrie, die in der Vergangenheit weniger auf das Kleinwagensegment gesetzt hat, davon profitiert, ist jedoch fraglich. Die Premiumhersteller, Audi, BMW und Mercedes erzielen den Großteil ihres Absatzes mit ihren Limousinen der oberen Mittelklasse. Die 2500 Euro Abwrackprämie werden für einen Autokäufer, der mit einer neuen S-Klasse oder einem Siebener BMW liebäugelt, kein maßgebliches Kaufargument darstellen. Fast 90 Prozent der Kleinstwagen kommen von Importeuren. Lediglich der Mercedes-Mutterkonzern Daimler schickt mit Smart einen ernst zu nehmenden Vertreter ins Minisegment. Fragwürdig ist daher, ob diese Stütze wirklich den deutschen Autobauern zu Gute kommt - schließlich sollen alle in Deutschland verkauften Autos subventioniert werden. Importeure wie Fiat oder Renault könnten davon stärker profitieren, haben sie doch besonders viele kleine und günstige Modelle im Programm.

Aber auch unter den deutschen Autohersteller gibt es Potenzial für eine Verbesserung des Absatzes durch die neue Regelung. Europas größter Autobauer Volkswagen ist in der Kompaktklasse stark. Den neuen Golf, seit Jahren Marktführer und absolutes Volumenmodell der Wolfsburger, gibt es zu Preisen ab 16.500 Euro. Bei 2500 Euro Ersparnis und einem möglichen Rabatt vom Händler könnte der Absatzbringer aus der Autostadt auch bei Interessenten, die normalerweise in den unteren Preissegmenten Ausschau halten, auf den Wunschzettel geraten. Die preisliche Lücke zwischen einem neuen Golf VI und einem gebrauchten Modell der fünften Generation wird dadurch geringer. So könnte die Abwrackprämie einem unentschlossenen Kunden den letzten Ruck geben, sich doch für den Neuwagen zu entscheiden.

Autoexperten geteilter Meinung

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigt sich sehr skeptisch. „Die Fahrer von neun Jahre und älteren Fahrzeugen kaufen überwiegend Gebrauchtwagen oder preisgünstige Kleinwagen. Und die kommen aus Osteuropa, Italien oder Frankreich. Etwas profitieren könnte allenfalls Ford mit dem Fiesta und Focus und VW mit Polo oder Golf und Opel mit Corsa und Astra. Aber die richtigen Gewinner sind die Dacias, Hyundais, Chevrolets, Suzukis und Fiats“, sagte Dudenhöffer der DPA. Auch Wolfgang Lohbeck von Greenpeace steht der Abwrackprämie kritisch gegenüber. Der Verkehrsexperte des Umweltschutzvereins ist skeptisch, ob die Subventionierung des Privatkaufs der Autoindustrie wirklich helfen könnte. Der Löwenanteil des Pkw-Absatzes werde durch den Export und den Dienstwagenverkauf gestellt, hieß es im Statement der Naturschützer. Anliegen der Umweltorganisation ist es, nicht gleichmäßig den Kauf aller neuen Autos zu fördern, sondern ökologische Gesichtspunkte viel stärker zu betonen.

Positive Resonanz auf die Einigungen gab es vom Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann. Die Kombination aus Bürgschaftsprogramm, Kfz-Steuerreform und Umweltprämie könne dem Inlandsmarkt „starken Rückenwind geben und den Unternehmen helfen, die schwierige konjunkturelle Situation zu meistern“. Wissmann ermunterte die Verbraucher zum Neukauf.

Dem Autokäufer können alle Einwände letztlich egal sein. Für viele, die sich bisher ein neues und verbrauchsarmes Fahrzeug nicht leisten konnten, rückt der Traumwagen in greifbare Nähe. Zu der Subvention durch den Bund kommen schließlich noch die zahlreichen Rabatte und Verkaufshilfen der Hersteller und des Handels. Außerdem greift die Regelung auch für Jahreswagen. Das ist praxisgerecht. Rechnet man alle Faktoren zusammen, kommen viele Wagen der Kompaktklasse in einen Preisbereich von etwa 10.000 Euro und können so als Alternative zum Gebrauchten gelten. Hat die Koalition mit der Steuerbefreiung für neue Wagen bislang nur gekleckert, so wird jetzt geklotzt.

Von Finn Rütten
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
H.P. (15.01.2009, 08:50 Uhr)
Auf Pump zu leben ist kein Wohlstand
@Konjunkturpaket und Finanzkrise treiben den Bund in eine riesige Neuverschuldung - jetzt will Finanzminister Steinbrück sicherstellen, dass die Kredite in besseren Zeiten zwingend zurückgezahlt werden. Ein strenges Gesetz soll die Regierung künftig verpflichten, nicht weiter Politik auf Pump zu machen.
Auf Pump zu leben ist kein Wohlstand, es ist ein geliehener Wohlstand, jeder einzelne sollte einmal darüber nachdenken wie er persönlich lebt, auch unsere gewählten Volksvertreter. Ich bin 1951 geboren, da hatte nicht jeder ein Auto und den Luxus den wir heute haben und trotzdem waren wir glücklich und zufrieden, sind wir das heute auch noch???
Heute haben wir mehr Probleme als damals!
Wer soll eigentlich all die Schulden zurückzahlen?
Und wie wollen wir weiterleben, weiter auf Pump Autos und Luxusartikel kaufen??
Unsere Lebens- und Denkweise zu ändern kommt uns nicht in den Sinn.Muss man alles haben um glücklich zu sein?
Ulli1958 (14.01.2009, 19:19 Uhr)
EU-Neuwagen für 4800 Euro
Wenn man vom Kaufpreis die Abwrackprämie abzieht, bekommt man einen neuen Dacia Logan schon für 4800 Euro, vorausgesetzt man verschrottet sein altes Auto. Das sollte sich dann aber wirklich jeder leisten können!
Eisenbaer (14.01.2009, 14:01 Uhr)
@berlingopapa - Fotostrecke -
Es ist doch ganz einfach. Die Fotostrecke besagt folgendes: Wenn Sie mit Ihrem Berlingo zum Neuwagenhändler fahren und dieser Ihnen dann die Verschrottungsprämie auf den Neuwagenpreis gut schreibt, dann kostet Sie der Neuwagenkauf maximal nur noch den Listenpreis minus die 2500.- Euro Prämie.

Wo also liegt das Problem?
AchazIII. (14.01.2009, 09:38 Uhr)
DACIA und Co. werden sich freuen
...über soviel Unterstützung aus dem deutschen Steuersäckel.
Im STERN-Text ist davon die Rede, dass mit dieser Prämie nun auch Geringbetuchte sich ihren "Traumwagen" kaufen könnten. Brav geschrieben, lieber STERN. Das ist ja schon bald Merkelsche Regierungsverlautbarung.
Unter einem Traumwagen sind wohl kaum
diese Kleinwagen zu verstehen, und richtige Traumwägen können sich die bisher schon mit Gebrauchten vorlieb nehmenden Fahrer kaum leisten. DACIA, Polos und Twingos und Co- dürften kaum darunter zu verstehen sein.
Und selbst wenn die Geringverdiener durch wessen Geld auch immer sich einen Porsche oder andere Premiumwägen etc. aufschwatzen ließen:
Mit dem Kauf ist es nämlich nicht getan, sondern die Unterhaltung ist ebenso wichtig. Oder zahlt Merkel hier zukünftig auch Zuschüsse?
Man kommt nicht umhin zu der Erkenntnis, dass die deutsche Politik immer noch nicht verstanden hat, dass für die Automobilwirtschaft längst das Todesglöckchen geläutet hat. Man versucht es krampfhaft nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Und ökologisch ist es reiner Unsinn, Neuwägen und Verschrottung zu fördern. Die meisten dieser Fahrzeuge werden sich in der Dritten Welt oder in Osteuropa wiederfinden und werden dort weiterfahren. Die Produktion neuer Fahrzeuge ist zudem die größte Dreckschleuder. Es wäre aber auch zuviel verlangt, dass Berliner Politiker soviel Weitsicht haben, wenn es doch darum geht, dem eigentlich arbeitslosen Autobandarbeiter noch bis zum nächsten Wahltermin eine Illusion zu bescheren.
berlingopapa (14.01.2009, 09:14 Uhr)
Fotostrecke hinkt gewaltig
Für fast alle dargestellten Modelle wie z.B. DACIA,FIAT 500, Golf VI etc. hinkt die Fotostrecke doch gewaltig, diese Modell gibt es nicht in der Variante 9 Jahre und älter. Also, was soll der Quatsch.
Joe67 (14.01.2009, 08:46 Uhr)
von wegen umweltfreundlicher Neuwagen
Die meisten Neuwagen verbrauchen maximal geringfüg weniger als ihre 10 Jahre älteren Vorgänger. Dagegen ist der CO2-Ausstoss für die Produktion eines Autos erheblich - er entspricht der Fahrleistung von mehreren Jahren. Eine Begrenzung auf weniger umweltschädliche Fahrzeuge ist auch nicht geplant.
Daher schadet diese Subvention der Umwelt.
Als Zielgruppe stelle ich mir Familien vor - Sohn oder Tochter fahren das alte Auto. Dieses wird verschrottet, das 5 Jahre alte Auto der Eltern geht an Sohn oder Tochter und diese kaufen sich einen Neuwagen.
Einzelpersonen, die sich einen Neuwagen leisten können, fahren meist keine so alten Autos.
Neben der umweltpolitischen Unsinnigkeit dieser Maßnahme profitiert langfristig nicht einmal die Autoindustrie von dieser Maßnahme: Ein Strukturwandel ist dort überfällig und solche Subventionen bremsen diesen.
Vor wenigen Jahren forderten alle Parteien einen rigorosen Subventionsabbau - allenfalls mit Ausnahmen um einen Strukturwandel zu fördern. Damals ging es allerdings um Subventionen für den ÖPNV.
h-p-t (14.01.2009, 08:26 Uhr)
@Clibanarius
ich glaube gelesen zu haben:
das auto muss mindestens ein jahr auf den besitzer angemeldet sein, um diesem missbrauch vorzubeugen.
so einfach wirds wohl nicht werden ^^
h-p-t (14.01.2009, 08:24 Uhr)
@weltverbesserrer
vollkommen richtig,....
es gibt nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht das es einem schon zu denken geben sollte, das unserer regierung die autos mehr wert sind, als die kinderarmut zu bekämpfen, indem man die gelder für ausbau der schulen etc. nutzen könnte.
egal,...wird schon irgendwie weitergehen....
wenn heut wieder einmal starke mann kommt und verspricht, wird er abermals viele anhänger finden.
jeder bekommt das was er verdient ^^
Clibanarius (14.01.2009, 08:21 Uhr)
Wahre Profiteure...
...könnten eh nur jene, die es sich ohnehin leisten und - Betrüger, werden!
.
Wie man das machen könnte? Man kauft sich eine eigentlich schrottreife Gurke mit noch min. ein Monat TÜV - mit guten Kontakten und krimineller Energie auch abgelaufen kein Problem - für 50-150€ (Mobile und Autoscout24 platzen da aus allen Bits+Bytes).
Benkku (14.01.2009, 08:11 Uhr)
Wegwerfgesellschafts-Maßnahme
Für wen halten unsere Regierungsbonzen uns eigentlich? Mit 2.500.- EURO zu dieser Art Neuwagenkauf fördert der Scheißverein nur die Umweltverschmutzung.
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