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24. Januar 2009, 08:40 Uhr

Run auf die Automeilen

Die Aussicht auf 2500 Euro aus der Staatskasse treibt die Deutschen am Wochenende auf die Automeilen. Nach neuen Berechungen sind mehr als eine Million Bürger aufgrund der Abwrackprämie an einem neuen Wagen interessiert. Welche Marken sind jetzt besonders günstig zu haben? Von Gernot Kramper

Abwrackprämie

Zauberrezept für die Autobranche: Aus Schrott werden 2500 Euro Prämie© Jochen Lübke/DPA

Volkswagen profitiert am stärksten von der Abwrackprämie. Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Puls beabsichtigen 17,2 Prozent der Verschrottungswilligen den Kauf eines Pkw des Wolfsburger Autobauers. Dicht verfolgt wird VW von einem Exoten: 11,5 Prozent liebäugeln mit einem Auto der Renault-Tochter Dacia. Je acht Prozent planen den Kauf eines Fiat- oder Ford-Modells. Laut Stefan Reiser von Puls gibt es hochgerechnet etwa 1,2 Millionen Interessenten.

Um von der Maßnahme zu profitieren, müssen die Hersteller stark im Kleinwagensegment sein. Reiser: "In dieser Zielgruppe ist das Budget für ein Neufahrzeug begrenzt, da passen die Modelle von Dacia wie die Faust aufs Auge. Die Kunden können sich überlegen, ob sie einen Gebrauchtwagen kaufen - oder eben Dacia. Ähnliches gilt für Fiat. Die Prämie gibt jetzt den entscheidenden Anstoß." Auch wenn es nicht zu 1,2 Millionen zusätzlichen Autoverkäufen kommen wird, an dem Ergebnis der Umfrage zeigt sich, wie heiß das Thema Autokauf diskutiert wird.

Attraktive Angebote

Auch die Autohändler kommen den Preisvorstellungen der Fahrer betagter Wagen weit entgegen. Richtige Preisschnäppchen kann der Kunde machen, der bei der Wahl des neuen Wagens flexibel und bereit ist, seine Entscheidung von den höchsten Rabatten abhängig zu machen.

Zu den absoluten Preiskrachern gehört der Straßenfloh Chevrolet Matiz. Rabatt und Prämie abgerechnet, bekommt man den Kleinwagen für 5000 Euro. Bei einem Skoda Fabia zum Listenpreis von etwa 13.000 dürfte ein Rabatt von 1000 Euro realistisch sein, mit der Prämie sinkt der Kaufpreis dann auf etwa 10.000 Euro. Zum gleichen Preis geht es auch eine Nummer größer. Richtig sparen kann der Kunde bei Marken und Produkten, die es schwer im Markt haben. Der Opel Astra muss sich etwa gegen den brandneuen Golf VI behaupten, das geht nur mit massiven Rabatten. 3.500 Euro Rabatt plus Prämie verbilligen einen 16.5000 Euro Astra auf runde 10.000 Euro. Wenn es etwas teuerer und gewagter sein darf, lockt der futuristisch gestylte Honda Civic. Ihn machen etwa 3500 Euro zusätzlicher Rabatt bezahlbar. Auch Fiat ist mit einer eigenen Kampagne auf den Abwrackzug aufgesprungen, bei einzelnen Fiatmodellen lassen sich bis zu 45 Prozent Rabatt heraushandeln. In der Summe der Anstrengungen bewegt sich der ganze Markt.

Billigautos liegen im Trend

Reinhard Zirpel, Deutschland-Vorstand für Kommunikation bei Dacia und Renault, sagte stern.de, dass er im Gesamtmarkt mit 200.000 bis 300.000 zusätzlich verkauften Fahrzeugen rechnet. Bei den Billigautos von Dacia sieht es mit Sonderrabatten zwar eher schlecht aus. Dafür sind die Wagen von Haus aus scharf kalkuliert. Der Sandero - ein Wagen der Kompaktklasse – kostet abzüglich der Prämie nur 5000 Euro, einen Logan gibt es ab etwa 6000 Euro. Zirpel: "Seitdem es die Prämie gibt, macht sich das in den Verkaufsräumen von Dacia und Renault bemerkbar. Das sind nicht ein, zwei Interessenten mehr, die Häuser sind voll."

Der größte Anbieter Volkswagen gehört nicht zu den ganz Billigen im Land. Aber für viele Kunden gilt der Slogan "Volkswagen, das Auto" – sie suchen zunächst eine Filiale der Wolfsburger auf. Christina Merzbach, von der Konzernkommunikation für Vertrieb und Marketing, sagt, dass die neue Stimmungslage zusätzliche Kunden in die VW-Häuser bringe. "In Berlin sind es zehn bis 15 Prozent zusätzlich." Kein Wunder, dass Volkswagen die Initiative der Regierung begrüßt. Mit dem "Fox" bietet selbst Volkswagen ein Billigmodell an. Daneben lassen sich weitere Schnäppchen entdecken. 2009 wird der Polo abgelöst, das aktuelle Modell schwächelt entsprechend. Das gleiche gilt für den Golf Plus. Die höchsten Nachlässe kann man bei Restbeständen des Golf V erwarten.

Abwrackprämie

Hersteller wie Fiat gehen offensiv mit der Prämie um© Fiat

Wie hoch ist die Belastung wirklich?

Eine wichtige Frage ist, mit welchen Kosten ein Käufer rechnen muss, der außer seinem Altwagen keine Eigenmittel mitbringt. Die monatlichen Belastungen eines Autokaufs sind wegen der guten Bedingungen bei Kundenkrediten relativ gering. Mit einem guten Kredit zum attraktiven Satz von 5 Prozent effektiver Verzinsung sind 10.000 Euro mit einer Monatsrate von etwa 230 Euro in vier Jahren abgetragen (6 Prozent führen zu einer Rate von 235 Euro). Ein Betrag von 5.000 Euro (5 Prozent Verzinsung) führt zu einer Belastung von 115 Euro im gleichen Zeitraum. Gegenzurechnen wären die Ersparnisse gegenüber dem Altwagen bei Steuer, Verbrauch und Reparaturen.

Besonders sparsame Kunden können von der Großzügigkeit der Bundesregierung profitieren, die bereit ist, die Prämie auch beim Kauf von Jahreswagen und Tageszulassungen auszuzahlen. Auch ein Jahreswagen mit einer Fahrleistung von 6000 Kilometer ist praktisch neu und verbilligt sich noch einmal massiv. Und eines spart man hier noch mal obendrein: Die Überführungskosten von etwa 500 Euro fallen bei Jahreswagen und Tageszulassungen nicht an.

Stichwort Abwrackprämie Seit dem 14. Januar 2009 gilt die Abwrackprämie. Lässt man sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten und kauft im Gegenzug einen Euro4-Abgsasnorm tauglichen Neu- oder Jahreswagen, bekommt man 2500 Euro Prämie vom Fiskus ausbezahlt.

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
cortijo (24.01.2009, 20:53 Uhr)
Ich kann mich immer
wieder nur wiederholen: diese Einmischung bzw. Subvention des Staats geht mir ziemlich auf den Hut, kann ja wohl nicht sein das "Papa Staat" der Automobilindustrie sooo unter die Arme greift, die sollen mal lieber Autos produzieren die sich jedermann leisten kann!!!
Gewissen (24.01.2009, 20:47 Uhr)
Dacia und Renault...
...sind die Gewinner wird oben geschrieben!
Und unsere Kinder müssen die Schulden zurückzahlen, deren Werte jetzt nach Frankreich und Rumänien transportiert werden, damit da die Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Unsere Politiker sind eine Schande für Deutschland!
Eisenbaer (24.01.2009, 19:45 Uhr)
Ich bitte zu Bedenken...
...dass diese alten Autos nicht einfach beim Verschrotter abgegeben werden und dann schnurstracks in der Presse landen. Sondern die alten Wagen werden beim Autoverwerter abgegeben, der diese Wagen zuerst "ausschlachtet" und dann den Rest erst der Presse zuführt.

Gewonnen haben daher zwei Leute: Erstens der Altautoabgebende, zweitens aber auch alle diejenigen, die, aus welchen Gründen auch immer, ihr altes Auto weiter fahren (möchten). Denn für letztere dürfte die Ersatzteilversorgung auf lange Zeit sicher gestellt sein.
watchtower (24.01.2009, 18:37 Uhr)
Abwrackprämie = Schwachfug hoch 2
Es reicht ja nicht, den Absatz von Autos mit sonst angeblich nie vorhandenen Geldern zu fördern.
Nein, wir werden mit Steuergeldern auch noch zu Sachwertevernichtung angestiftet.
Den potenziellen Verschrottungsmöhrchen unterstelle ich mal einem Verkaufswert von durchschnittlich 1.500 Euro. Diese 1.500 Euro werden - unsere Banker haben drin einschlägige Erfahrung - schlicht und ergreifend letztendlich verbrannt, da verschrottet (die Schrottpreise sind ja bekanntlich ins Bodenlose abgestürzt).
Bei einer geplanten "Förderung" von 600.000 Fällen macht das schlappe 900.000.000 Euro, auf die wir von unseren GesetzesmacherInnen zusätzlich zu pfeifen angestiftet werden.
-
Sehr geehrte Damen- und Herrenschaften,
pro neu angeschafftem Fahrzeug macht das in der Summe 4.000 Euro "Förderaufwand" aus.
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Nächster Punkt: Jedes einzelne Kfz, welches aufgrund der Abwrackprämie in den nächsten Monaten einen Käufer findet, fehlt in den Verkaufsstatistiken von übermorgen. Es wird alles nur verschoben und das in doppeltem Sinne.
Oder ist irgendjemand ernsthaft der Auffassung, dass mehr als ein Viertel der mit dieser Aktion geförderten Fahrzeuge "echte" ZUSÄTZLICHE Verkäufe sein werden?
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Unter Berücksichtigung obiger Aspekte hätte unsere Regierung besser gleich eine Lotterie veranstaltet und 150.000 deutsche Autos zum durchschnittlichen Wert von 16.000 Euro unter allen InhaberInnen eines deutsche Führerscheins verlost.
.
Schönen Gruß nach Berlin
Watchtower
alty (24.01.2009, 13:39 Uhr)
Prioritäten
Aus diesem tollen Konjunkturpaket bekommt ein Kind 100 €. Für eine Schrottkarre werden 2.500 € gezahlt. Da sieht man wieder eindeutig, wo in D die Prioritäten liegen. Kinder sind dem Staat einen Dreck wert. Sie haben später gefälligst diesen Schuldenberg abzuzahlen, der von den Versagern der Politik für die Versager in der Wirtschaft angehäuft wurde, damit deren Pfründe gesichert bleiben. Zum kotzen!
PeterM99 (24.01.2009, 13:21 Uhr)
"Ohh schau...
der LCD ist im Angebot bei M...M.. in dem tollen roten Prospekt und man bekommt ihn mit ner 0% Finanzierung... kaufen wir!"
Das nennt man Marketing, Umwelt ist dabei nur ein Vorwand, sozusagen das USP... Situationsbedingt gibt es sicher ein paar Neuwagenkäufer... aber das bedeutet eigentlich nur, dass manche ihren Kauf vorziehen, der bspw. zum Ende des Jahres geplant war (sicher sogar klüger)... Aber an dem eigentlichen Absatzproblem wird das meines Erachtens nichts ändern...
verdad (24.01.2009, 13:19 Uhr)
teuer
das auto die seit 6 Woche ich mich verkaufen wollte ist jetzt von 9570 auf 11780 gestiegen als ich fragte warum sagte mir das andere auto wehre aber ich habe genau gesehen war dasselbe auto
Gerhard45 (24.01.2009, 12:44 Uhr)
Ja, ja,
die Deutschen sind für jeden wirtschaftlichen und politischen Blödsinn zu haben.
hannes_schinder (24.01.2009, 12:34 Uhr)
Erst baut die Automobilindustrie
geführt von einem sich selbst auf teilweise verbrecherische Art und Weise berreicherndes Management fröhlich Autos, die völlig an der Zeit vorbei und völlig ohne Rücksicht auf die Natur konstruiert in den Markt gepumpt werden und jetzt sollen Steuergelder dafür afgewendet werden, dass wieder der Verbraucher (hier fällt es mir richtig schwer Wertrfrei zu bleiben) Autos kauft, die immer noch nicht nach ökologischen Gesichtspunketen gebaut sind. Ein Auto welches mehr wie 6 l verbraucht ist ungesehen von vornherein ein Verbrechen, weil es die momentanen Möglichkeiten die Umwelt zu schonen weit überschreitet! Wenn das so weiter geht werde ich mich weigern auch nur einen Cent Steuern an diesen Staat zu bezahlen!
Hans-Helge-Hansen (24.01.2009, 11:55 Uhr)
Rabatt vergessen
In Ihren bebilderten Preisbeispielen
berücksichtigen Sie nur die 2500 Euro
Abwrackprämien.
Diese 2500 Euro belasten nicht den
Händler, sodaß ein Barkauf stattfindet, für den doch Rabatte
gewährt werden. Auch bei einem Wert
von unter 10000 Euro.
Der Käufer darf die 2500 Euro so
sehen wie einen Privatverkauf und kann daher ohne Inzahlungnahme eines
Gebrauchten kräftig handeln!
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