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9. Dezember 2008, 10:11 Uhr

Lohnt sich Autogas jetzt noch?

Wie Pilze schießen die Autogas-Säulen an den Tankstellen aus dem Boden. Besitzer von Alt- und Neuwagen stehen Schlange bei den Umrüstern. Aber jetzt bricht der Benzinpreis ein und könnte dem Boom ein Ende machen, bevor er richtig begonnen hat. Von Christoph M. Schwarzer

Autogas, LPG, Benzin, Diesel, Amortisation, Nachrüstung

Der neue Golf BiFuel: Das Kompaktklasse-Modell fährt wahlweise mit Benzin oder Autogas© Press-Inform

Hamburg, Stadtteil Hammerbrook: Hier, wo die Autobahn endet, werden die leeren Tanks gefüllt. Dabei stoppen die Fahrer älterer Benziner immer häufiger an der Autogassäule, halten den Förderknopf gedrückt und bekommen nicht nur wegen des Winters kalte Füße. Der Spritpreis verfällt rasant, während der für Flüssiggas fast konstant bleibt. Benzin: 1,12 Euro. Autogas: 69 Cent. Die schwarze Null im Amortisationsrechner für den Einbau der Zusatzeinspritzung rückt in immer weitere Ferne.

Amortisation frühestens nach 155.000 km

Zum Beispiel beim Golf BiFuel. Gerade hat Volkswagen den variablen Trinker in Bologna vorgestellt. Der Normverbrauch im Benzinmodus von 7,1 Litern summiert sich zu 7,95 Euro auf 100 Kilometer. Im Gasbetrieb sind es laut VW knapp 30 Prozent mehr oder 9,2 Liter, die auf der gleichen Strecke 6,35 Euro kosten. Alles in Butter? Nein. Der BiFuel steht zwar noch nicht in der Preisliste. Legt man aber den gleichen Aufpreis wie beim Sharan-LPG zu Grunde, kommen die 2488 Euro erst nach 155.000 Kilometern rein.

Immer vorausgesetzt, dass die Tankdisziplin stimmt. Denn obwohl über 4500 Autogastankstellen eindeutig ein dichtes Netz sind, hat nicht jeder immer Lust, bei Regen und Kälte permanent auf den Knopf zu drücken, der das Flüssiggas ins Auto bringt. Da wird dann schon mal zum Benzinhahn gegriffen. Der ist sowieso notwendig, weil der Standardsprit kurzzeitig zum Warmfahren gebraucht wird. Und schon rückt der Zeitpunkt wieder ein Stück nach hinten, an dem sich die Umbaukosten rechnen.

Autogas, LPG, Benzin, Diesel, Amortisation, Nachrüstung

Benzin über 1,50 Euro und Autogas bei 72 Cent: Im Sommer 2008 lohnte sich Autogas noch wesentlich mehr© Frank May/ dpa

Keine Ölpreisbindung bei Autogas

Ja, ist doch klar, sagt der Stammtisch, wegen der Ölpreisbindung läuft der Gaspreis eben um ein paar Monate hinterher, immer ruhig bleiben, Ostern sieht’s wieder anders aus! Das stimmt bei der Heizung für Haus und Wohnung, nicht aber beim Autogas. Der Deutsche Verband Flüssiggas e.V. (DVFG) bestätigt auf Anfrage von stern.de, dass es keine Preisbindung gibt. "Selbstverständlich gibt es keine festgelegten Preisverhältnisse", sagt Robert Schneiderbanger, Hauptgeschäftsführer des DVFG. Er betont, dass die Gaspreise von den Beschaffungskosten an den internationalen Energiemärkten abhängig seien und verweist auf Zusatzfaktoren zu Gunsten von Autogas wie den gestiegenen Wiederverkaufswert.

Der ist aber gerade für Altbenziner oft kein Thema mehr. Da geht es entweder knallhart darum, preisgünstig ans Ziel zu kommen. Oder darum, sich den schicken, dicken Wagen vom Schlag eines Opel Omega Kombi oder den Mercedes S300 aus der W126-Baureihe weiterhin leisten zu können. Da der Preis für die Umrüstung unabhängig von der Fahrzeuggröße bei 2000 bis 3000 Euro liegt, kommen Schluckspechte und Vielfahrer am schnellsten in den grünen Bereich. Wer aber etwa einen gebrauchten Golf IV umbauen will, sollte sich den Golf VI als warnendes Rechenvorbild nehmen: Nach 155.000 zusätzlichen Kilometern sind viele Gebrauchte auf dem Schrottplatz angekommen.

Diesel als lachender Dritter

Das zukünftige Verhältnis von Autogas- zu Benzinpreis vorauszusagen, wäre Kaffeesatzleserei. Wie auslegungsfähig der vom DVFG genannte Begriff des Beschaffungs- oder Marktpreises ist, wissen Autofahrer aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit den Mineralölkonzernen aber genau. Als Folge könnte ein Totgesagter wiederauferstehen: Der Diesel. Beim Neuwagen-Golf mit einem Normverbrauch von 4,5 Litern kosten 100 Kilometer nämlich nicht 6,35 Euro (Autogas) oder 7,65 Euro (Benzin), sondern nur 4,86 Euro. Sogar der Gebrauchtdiesel kann wieder eine Option werden, auch wenn 700 Euro für Partikelfilter und grünes Ampellicht in der Feinstaubzone investiert werden müssen.

Autogas, LPG, Benzin, Diesel, Amortisation, Nachrüstung

Montage eines Einfüllstutzens für Autogas: Der Boom könnte vorbei sein, bevor er richtig angefangen hat© Jens-Ulrich Koch/ ddp

Fazit: Planungssicherheit und ökonomische Garantien bei Umbau auf oder Neukauf von Autogasantrieben gibt es nicht. Die Wahl des Energieträgers – Benzin, Diesel oder Gas – bleibt wie gehabt immer auch eine Spekulation auf die zukünftige Entwicklung bei Tankstellenpreisen, Versicherungstarifen sowie Steuer- und Umweltgesetzen.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
flyingfree (11.12.2008, 07:20 Uhr)
Bleibt mal locker
Der Spritpreis wird wieder steigen. Mit Sicherheit.
Außerdem stellt sich viel mehr die Frage: Was ist ökologisch, was zukunftsicher, womit erhalte ich am besten den Wiederverkaufswert?
minihami86 (10.12.2008, 16:34 Uhr)
Ich glaube...
selbst zu Fuß muss man hierzulande noch aufpassen, nicht abgezockt zu werden ;)
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Der Gaspreis jedenfalls ist bei mir schon länger als nur wenige Tage gefallen. Momentan liegt er bei 62 Cent, womit man dem Slogan "Tanken für die Hälfte" wieder verdächtig nah kommt (rein preislich gesehen, ohne den Verbrauch einzubeziehen). Als Benzin das letzte mal so "billig" war, war Autogas nur vielleicht 2 oder 3 Cent günstiger, insofern sehe ich das nicht als allzu problematisch an.
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Wegen der Steuervergünstigung: Klar, darum geht es ja. Alternative und sauberere Antriebsmethoden sollen vom Staat gefördert werden. Daher die gesetzliche (!) Regelung dazu. Auf irgendwas muss man sich ja nun irgendwie halbwegs stützen, da eignen sich Gesetze recht gut für ^^
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Bezüglich Dieselfahrzeugen hatte ich mal ne recht ausführliche Diskussion inkl. Betrachtung der Steuern, der Anschaffung, des unterschiedlichen Verbrauches sowie des Preisunterschiedes von Diesel und Gas. Dies resultierte darin, dass man das Gasauto entsprechend länger fahren muss, damit man auch hier günstiger als mit Diesel fährt. Insofern ist Diesel definitiv eine Alternative - unter entsprechender Berücksichtigung aller Aspekte. Deshalb aber gleich Dieselfahrzeuge als "Allheilmittel" darzustellen, ist nun nicht so ganz mein Ding ;)
ks1301 (10.12.2008, 10:08 Uhr)
einseitige Sichtweise
Ich fahre nun 8 Monate mit Autogas. Als der Preis für Super bei 1,50.-€ lag war es ein schönes Gefühl für 70 Cent zu tanken. Im Gegensatz zum Benzinpreis hat sich der von LPG jedoch nicht nach unten bewegt. Das zeigte wieder mal wie die Multis versuchen das Maximum aus dem Markt herauszuholen und das für ein Produkt welches nachezu umsonst sein müsste da es ja nur ein Abfallprodukt aus der Benzinraffnierung ist welches bis vor Kurzem einfach abgefackelt wurde. Vor ein paar Tagen fiel dann der Preis an meiner Tanke plötzlich um ganze 8 Cent, was immer noch zu hoch ist. Dennoch denke ich, dass der Benzinpreis wieder steigen wird, sodass es sich wieder rentiert mit LPG zu fahren. Irgendwie wird man immer abgezockt ausser man geht zu Fuß.
tri.star (10.12.2008, 08:06 Uhr)
Diesel bleibt auf Dauer Sieger
Da rechnen sich einige Gasfahrer wohl den Verbrauch schön, zum Glück nicht alle. Beim Neuwagenkauf ist unter Abwägung aller möglichen Preisentwicklungen ein sparsamer Commonrail Dieselmotor immer noch die günstigste und sinnvollste Lösung. Diesel gibt es schon überall, der Mehrpreis eines Dieselmotors ist niedriger als der einer zusätzlichen Gasanlage und vor allem ist Gas ja nur deshalb günstiger, weil es vom Staat bis 2020 so weit ich weiß steuerlich bevorzugt wird. Wie sicher solche Vorteile sind, hat man 2008 am Biodiesel gemerkt, es wurde einfach mal höher versteuert, was praktisch zeitweise zum gleichen oder gar höheren Preis als beim Normaldiesel führte. In der Leistung vergleichbare Fahrzeuge haben mit Dieselmotor nun mal einen geringeren Verbrauch als mit Benzinmotor, die Unterschiede schwanken aber geschätzt sind es 20-25%. Solange also Diesel nicht sehr deutlich teurer wird als Benzin, wird man dabei immer günstiger fahren. Das einzige Problem bei den Kosten sind die manipulierten Steuern. Im Herbst hat man im Ausland bei gleichen Steuern auf Benzin und Diesel sehen können, daß in Deutschland der Dieselpreis überhöht war, denn die Abstände Super zu Diesel waren fast die gleichen, zumindest aber weit weg vom deutschen Steuervorteil bei Dieselkraftstoff. Wenn man also diese ganzen Manipulationen außer acht lässt und eine auf die Laufzeit des Autos bezogene Kostenrechnung aufmacht, dann ist der Diesel bei entsprechenden Fahrleistungen einfach immer das Günstigste. Wer nur wenig (unter 10.000km im Jahr) fährt, der sollte sowieso darüber nachdenken, ob er überhaupt ein eigenes Auto braucht, es gibt Alternativen wié Carsharing die einem Wenigfahrer ermöglichen die Autokosten mit anderen Fahrern zu teilen und ansonsten den ÖPNV oder das fahrrad zu nutzen.
picatd95 (10.12.2008, 07:59 Uhr)
Diesel als lachender 3.?
Nicht wirklich. Biodiesel lohnt sich nicht mehr, eine Umrüstung auf Pflanzenöl auch nicht. Wer einen zuverlässigen Benziner fährt kann nach wie vor bedenkenlos auf LPG umrüsten. Beim Diesel muss man auch die viel teureren Reparaturen miteinrechnen (Turbo, Ladeluftkühler, Einspritzpumpe, Einspritzdüsen; richtig teure Sachen). Ein einfacher gebrauchter Benziner (z.V. VW Golf3/4 1.6l Motor) mit LPG wäre nach Stand der Dinge mein nächstes Auto.
odrt69 (09.12.2008, 22:48 Uhr)
recherche?
ich muss meinen "vorschreibern" rechtgeben, zum thema recherche muß der autor noch einiges dazulernen. und so zu tun, als würde der derzeitige spritpreis in marmor gemeißelt und darauf die argumentationskette aufbauen: setzen 6!!
in einem halben jahr schreibt der autor dann wahrscheinlich das gegenteil, weil der spritpreis mal wieder bei 1,40 liegt.
bin mit meinem fiat idea mittlerweile 110.000km in 3,5 jahren mit gas gefahren und tanke derzeit für 63,9cent, verbrauche knappe 7l, noch fragen?? mal abgesehen davon, daß man die entfernungspauschale der spritfresser bekommt!!!
gmathol (09.12.2008, 22:46 Uhr)
Wer an der Grenze wohnt...
...das sollten alle vernuenftigen Deutschen tun der kann meistens billiger Autogas tanken als in Deutschland.
Nur Dummkoepfe lassen sich vom deutschen Fiskus auspluendern.
Uebrigens eine Auswirkung der Lichtensteinaffaere ist das die Betroffenen nun ihren Wohnsitz und ihr Kapital endgueltig dorthin verlegt haben.
Das Volk stimmt ab!
Andre25524 (09.12.2008, 19:48 Uhr)
An Herrn Schwarzer
So kann ich diesen Artikel nicht stehen lassen.
Mir kommt es so vor, als wenn dieser Artikel gegen die Autogasumrüstung geschrieben wurde. Mit einem sehr gefährlichem Halbwissen wird gegen eine kostengünstige Variante der Umrüstung auf einen bivalenten Antrieb geschrieben. Die Umrüstung auf Autogas (LPG)liegt derzeit zwischen 1.450,-- €uro für ein Venturisystem und ca. 2.250,-- €uro für eine sequentielle Autogasanlage für einen 4 Zylinder Motor.
In diesem Artikel wird lediglich ein Produkt aus Wolfsburg angesprochen, welches in keinem Verhältnis zu einem Gebrauchtwagen steht, egal von welchem Hersteller wir hier sprechen.
Viele Autos werden von Pendlern eingesetzt, die eine Fahrgemeinschaft betreiben. Also werden auch hier für alle die Kosten gesenkt.
Diesen Artikel sollte man vielleicht mal überarbeiten, nachdem man sich mit einem Umrüstbetrieb unterhalten hat, sich wirklich Fachwissen angeeignet hat um dann dem Bürger Informationen zur Verfügung stellt.
Um sich über Autogasumrüstungen zu informieren, stelle ich gern eine Verbindung her, entweder telefonisch oder auch per Mail, ein persönliches Gespräch ist jederzeit möglich.
Mit freundlichen Grüßen
Andre
minihami86 (09.12.2008, 17:00 Uhr)
Tut mir Leid...
aber ich kann dem ganzen hier Geschriebenen nicht so ganz glauben. Im Artikel wird mit KEINEM Wort die garantierte Steuervergünstigung bis 2018 erwähnt. Des Weiteren ist die Recherche alles andere als gut, denn momentan kostet das Autogas höchstens 65 oder 66 Cent, mittlerweile habe ich sogar schon wieder Tankstellen mit knapp unter 60Cent gesichtet!!! Das sind also im Vergleich zu den im Artikel angesprochenen Preisen bis zu 10Cent Unterschied!
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Des Weiteren ist ein Mehrverbrauch von 30% im Vergleich zum Benzin extrem heftig kalkuliert. Als mein Auto umgerüstet wurde, war von ca. 10% die Rede, ich komme definitiv nicht auf ca. 1/3 Mehrverbrauch. Auch die umweltfreundlichere Verbrennung wird mit keinem Wort erwähnt (wie von jueharry schon gesagt wurde). Die Warmfahrphase bei meinem Auto liegt im Sommer bei nicht mal einer Minute! Und selbstverständlich wird der Benzinpreis über kurz oder lang wieder einen neuen Preisschub erhalten! Sorry, aber diese Rechnungen aus dem Artikel sind einfach daneben!
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Als es um die Umrüstung meines Autos ging, hieß es, dass nach ca. 60.000km der Preis eingefahren ist! Dabei wurde noch mit einem Benzinpreis von UNTER 1,10Euro sowie einem Gaspreis von knapp 60Cent gerechnet.
qualtinger (09.12.2008, 16:15 Uhr)
Milchmädchenrechnung oder echtes Sparen?
Ich habe vor 4 1/2 Jahren mein Fahrzeug (Mercedes 220 T) auf Autogas umrüsten lassen, bei einer Jahreskilometerleistung von 20.000 km. Der Preis im Jahr 2004 lag bei 0,49 €. Durch den Einbau eines 80 (72) Liter Tank, habe ich eine Reichweite von über 600 km, da ich immer eine Gastankstelle erreiche, was den Benzinverbrauch auf die Warmfahrphase beschränkt! Die hat es aber in sich! Durch den extrem hohen Verbrauch in der Warmfahrphase komme ich im Sommer auf zusätzlich 1,5 - 2 Liter Super, im Winter auf 2,5 - 3,5 Liter Super auf 100 km! Dazu kommen 11,5 Liter Autogas. Da kann sich jeder ausrechnen, wie die Kosten aussehen! Der so gern benutzte Werbeslogan "Autofahren für die Hälfte" hat schon bei den hohen Benzinpreisen nicht gestimmt! Und jetzt noch viel weniger! Trotzdem hat sich die Sache amortisiert, allerdings über einen wesentlich längeren Zeitraum! Eine Umrüstung lohnt sich nur dann, wenn das Fahrzeug wenigstens noch 6 - 10 Jahre gefahren wird. Völlig uninteressant ist die Umrüstung bei Fahrzeugen deren Verbrauch bei 5 - 7 Litern liegt. Da braucht man 12 Jahre bis sich das rechnet!
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