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19. September 2008, 09:25 Uhr

"German Sauber-Diesel" sollen US-Markt retten

Sauber, zuverlässig und sparsam. Die deutsche Diesel-Offensive in den USA kommt gerade zur rechten Zeit. Volkswagens neuer "Clean Diesel", der Jetta TDI, steht ab sofort in amerikanischen Verkaufsräumen. Ein Importwagen für jedermann und nicht nur für die PS-selige Elite. Von Helmut Werb

Trotzt der Krise: der Volkswagens Jetta TDI© Helmut Werb

Als Erster der Wettbewerber schaffte es Volkswagen über die Ziellinie. Während amerikanische Auto-Hersteller bis Unterkante Oberlippe in der Krise stecken, steht Volkswagens Jetta TDI ab sofort und vielversprechend in den Startlöchern amerikanischer VW-Händler, der erste "saubere" Diesel, der in allen 50 US-Bundesstaaten verkauft werden darf - also auch in Vermont, Maine, Massachussetts, New York und ganz besonders Kalifornien.

Staaten, die die Abgas-Messlatte bislang unerreichbar hoch gelegt hatten. Zwar stellte Mercedes den eigenen Bluetec-Saubermann schon im Frühjahr im malerischen Vermont vor, aber wer bislang in den absatzstärksten Mercedes-Verkaufsräumen in Los Angeles oder Boston rumdieseln wollte, dem wurde vom wackeren Verkaufspersonal erstmal Geduld auferlegt.

Die vornehme VW-Schwester Audi wird in diesem Jahr mit einem Diesel in Kalifornien nachziehen, nur BMW mag sich auf einen Verkaufsstart seiner "Clean Diesel"-Version noch nicht so ganz festlegen. "Good Clean Fun" verkaufen hingegen die Wolfsburger und reichen jedem Amerikaner, der runde 25.000 US-Dollar hinlegt, den Schlüssel zum ökologisch korrekten Selbstzünder.

Dazu kommen - George W. sei mal gelobt - noch ein satter 1300 Dollar Steuerabschreibungsvorteil für besonders abgasfreundliche Automobile hinzu, was den amerikanischen Steuerzahler in diesen harten Zeiten vielleicht doch in die Verkaufsräume lockt. Über die grüne Schwelle hat es Volkswagen mit einer 140-Pferde-Version ihres Zweiliter-Common Rail-Diesels geschafft. Der liefert keinen Vortrieb, der John oder Mary die Frisur zerzaust, dafür schluckt das grüne Sparmobil aber selbst bei heftigster Fahrweise nur wenig über sieben Liter, wenn man sie denn bekommt, doch davon später.

Lang ersehntes Diesel-Aggregat

Das Aufschlagen jenes Diesel-Aggregats, das unbeschränkt im ganzen Ami-Land verkauft wird, dürfte trotz leichter Verspätung mit einem tiefen Durchatmen in der nordamerikanischen VW-Zentrale im US-Bundesstaat Virginia aufgenommen worden sein. Zwar will es keiner der deutschen Diesel-Importeure öffentlich eingestehen, aber die Testreihen, die die Umweltbehörden jener fünf Selbstzünder-unfreundlichen Staaten den Autoherstellern betreffs Abgasen auferlegt hatten, waren offensichtlich doch schwerer zu überwinden als ursprünglich erwartet. Eigentlich hätten die ersten Clean Diesels, Bluetecs oder wie die deutschen Selbstzünder sonst noch genannt werden, schon seit einem guten halben Jahr im Handel sein sollen. "Leider, leider", so philosophierte ein amerikanischer Volkswagen-Sprecher, "mussten wir einfach auch Kapazitätsengpässe in Deutschland überwinden." Eine Aussage, die ein wenig verwundern mag, betrachtet man die heimatlich schwächelnden Diesel-Verkäufe, die eigentlich genügend Produktionsstätten für US-getrimmte Ölbrenner freimachen könnten.

Doch die teutonische Diesel-Offensive käme trotz zauderndem Beginn immer noch zur rechten Zeit. Der Toyota Prius, bislang die Galleonsfigur automobilistischer Umwelt-Amerikaner, ist in die Jahre gekommen. Und langsam machen sich bei altgedienten Hybrid-Veteranen leise Zweifel breit, ob der bald mal fällige Satz Batterien nicht einen grösseren Anschaffungskredit notwendig mache, und das ausgerechnet in Zeiten, wo an Geld fast nicht zu denken ist! US-Hybride wie der erfolgreiche Ford Escape Hybrid oder der - man höre und staune! - Cadillac Escalade Hybrid werden zwar hoch gelobt (hauptsächlich, weil es sie endlich gibt), sind aber verbrauchstechnisch gesehen eher ein grünes Feigenblatt. Hondas lange erwarteter "Prius Killer", der nagelneü Hybrid Civic, leidet vor allem daran, dass er doch sehr, sehr, sehr lange erwartet worden war.

Aroma-stark und Brust-schwach

Dazu kam, dass sowohl Audis Siegesserie in der American LeMans-Rennserie, als auch die in dieser Saison gestarteten Jetta TDI-Rennen zum Abbau des bei amerikanischen Konsumenten lange gehegtem Vorurteil beitrugen, Diesel seien Aroma-stark und Brust-schwach. Immerhin hatte sich der Markt in jenen US-Staaten, in denen deutsche Diesel bisher schon verkauft werden durften, ausgesprochen positiv entwickelt, was sich selbst auf dem amerikanischen Gebrauchtwagenmarkt niederschlug. "Ein 2006 Jetta Diesel", so behauptet jedenfalls Jim Gill, Pressesprecher von Volkswagen of America, "ist heute mehr wert als sein damaliger Neupreis."

Da passt das Timing der Einführung von Volkswagens "Clean Diesel" also recht gut: die Wolfsburger Virginia-Dependance erwartet, dass fünfundzwanzig Prozent der Jetta Modelle als Diesel erstanden werden, was sich in die durchaus gesunde Zahl von knapp 30.000 Einheiten pro Jahr übersetzen und darob grosse Freude auslösen dürfte. Wäre da nicht der grosse Preisunterschied zwischen Diesel und Benzin, der in den USA heute bei guten 50 bis 70 Cents zugunsten von Normalsprit liegt (und vor nicht allzu langer Zeit gar die Ein-Dollar-Marke weit hinter sich liess). Allen Schäffer vom US-Diesel Technology Forum führt das sowohl auf die erst kürzlich vorgenommene Einführung von schwefelarmen Diesel in den USA zurück, als auch auf die langsame Umstellung der Raffinerien auf das aufwendigere Verfahren. Heftiger dürfte es den US-Konsumenten treffen, dass die passende Zapfsäule nicht überall zu finden ist: "Nur 42 Prozent aller Tankstellen in den USA verkaufen den neuen Dieselkraftstoff", erläutert Mr Schäffer und hofft auf (noch) bessere Zeiten.

Von Helmut Werb
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Eisenbaer (21.09.2008, 13:04 Uhr)
VW und Qualität? - Aber ja doch!
VW ist nicht umsonst unangefochtener Marktführer in Deutschland und braucht sich daher einen Sch..ß um die miesmachenden Kommentare in BLÖD-Zeitung & Konsorten zu scheren. Diese Blätter sind alles andere als seriös und versuchen ein ganz anderes Süppchen zu kochen: Möchte ich mehr Werbeeinnahmen von Dir, dann bekommst Du so lange schlechte Kritiken, bis ich mit Dir zufrieden bin.

Mag ja sein, dass Opel und Ford hier den Schwanz einziehen (passt somit auch gut zur Kundschaft :) aber Volkswagen hat das nicht nötig: die Kunden wissen sehr wohl um die Qualität der Produkte. Nicht umsonst sind auch die Gebrauchtfahrzeugpreise auf herausragend hohem Niveau. Die Käufer wissen sehr gute Qualität eben zu schätzen.

Und auch die Statistiken der Automobilclubs, der Fachzeitschriften (richtige Zeitungen mit Redakteuren vom Fach), der Überwachungsvereine sowie unabhängigen Marktforschungsinstitute (wem gleich gehört noch einmal "J.D.Powers" :) bescheinigen der Marke Volkswagen gleichbleibend eine sehr hohe Qualität auf dem Niveau der europäischen Spitzemmarken.

Und nicht zuletzt hilft auch ein Blick auf die deutschen Strassen: alte Volkswagen sieht man an jeder Straßenecke, aber gleichaltrige Konkurrenten muss man lange suchen. Die VW-Modelle sind einfach so vertraut in unserem Straßenbild, dass man manchmal in der Erinnerung kramen muss, um sich gewahr zu werden, dass beispielsweise der täglich präsente Golf III seit über 11 Jahren nicht mehr gebaut wird. Sucht mal einen Escort oder einen Astra aus dieser Zeit :) Beide zusammen müssten den Verkaufszahlen nach gleich häufig aufzufinden sein, wie der Golf III. Viel Spaß beim Nachzählen!!

Eisenbaer (20.09.2008, 15:02 Uhr)
@strangeland
Der Jetta wird in Mexiko hergestellt und in die USA exportiert. Das was den europäischen Wagen so teuer macht, sind zu einem nicht geringen Teil die Einfuhrabgaben. Die Amis sind da viel liberaler und haben mit mit Mexiko ein paar sehr günstige Wirtschaftsabkommen geschlossen, von denen wir in der EU noch sehr weit entfernt sind.
strangeland (20.09.2008, 09:03 Uhr)
Jaja, die Preise bei VW...
sind schon interessant: In Amiland kostet die Kiste also 25.000,-$, umgerechnet 17.272,- €!!!
Bei uns will VW für den nackten Jetta tdi mit 140Ps und z.B. als Comfortline satte 26.125,-Teuros haben = 37.815,-$!!!
Ich weiss, nix neues, aber immer wieder Lustig!!!
intersurfa (20.09.2008, 02:12 Uhr)
Hillarious
Leider braucht man ein Abi um den Artikel voll zu geniessen. Trotzdem, eine stark ueberarbeitete Spassarbeit ueber der neuen (?) Dieselofferte aus Europa. Wusste der Autor nicht das der neue Trent a la mode von Windelektrizitaet aufgeladenen Batteriemobilien besteht? Europa und seine Diesels kommt Amerika wie die alte Welt vor. Indeed.
burri (19.09.2008, 21:14 Uhr)
VW und Qualität?
Da muß der Autor irgendwie etwas verwechseln. Denn mir ist vollkommen unklar, wie er VW und Qualität in einem Atemzug nennt. Nach m.M. liegen die Fahrzeuge aus der Wolfsburger Bastelbude qualitativ doch wohl nicht gerade an der Spitze. Unteres Mittelfeld würde ich mal schätzen. Zu diesem Thema lohnt ein Blick in die heutige Ausgabe von "AutoBild". Titel: "Der ewige Patient" Im Fazit: "Nach Polo und Touran ein Dauertest-Debakel für VW."
Na dann Mahlzeit. Solche Gurken kommen mir nicht ins Haus!
Eisenbaer (19.09.2008, 20:13 Uhr)
Mit ruhigem Fuß...
...und konstanter Geschwindigkeit im mäßigen Bereich, so wie in den USA üblich, sollten sich Verbrauchswerte um die 5 Liter je 100km realisieren lassen. Dazu sind die neuen Commonraildiesel sehr leise und äußerst vibrationsarm, dafür sehr durchzugskräftig und last but not least sehr harmonisch mit Automatik zu fahren. Letzteres dürften viele US-Bürger goutieren, zumal dabei auch noch der Verbrauch nicht ansteigt. Summa sumarum genau das richtige Automobil für den Markt und mit 25000.- US-Dollar auch noch bezahlbar. Und außerdem handelt es sich bei dem Jetta TDI um ein putzmunteres Bürschchen mit Platz für vier bis fünf Erwachsene und einem relativ großen Kofferraum. Ich denke, er wird seinen Weg schon machen.
bernie-abg (19.09.2008, 19:59 Uhr)
Tja, da hamse nun...
...die dollen Karren, bloß die Amerikaner können sie nicht bezahlen. Erst müssen Banken gerettet werden und Kredit gibt denen auch keiner mehr.
jockel_us (19.09.2008, 18:13 Uhr)
Krebs-Karre
PS: "die Amerikaner verbinden Diesel mit Laut und Stinkig"
Falsch, mit Krebs - weil's dazu stichhaltige Studien gibt, und viele Bundesstaaten gezwungen waren, wegen sehr teurer Zivilklagen, der Realität ins Gesicht zu sehen.
Diese Studien haben es in Deutschland (wg. Autoindustrie, Gewerkschaften) nicht in die Öffentlichkeit geschafft.
Dafür sind die betreffenden Krebsraten eindeutig größer als in den USA.
Als Exportschlager: ungeeignet.
jockel_us (19.09.2008, 18:05 Uhr)
PR-Gesülze
Na, mal wieder'n Testwagen vor die Tür gekriegt?
Dieses Stück hätte, vielleicht, seine Berechtigung, mit ein paar großen Fragezeichen, wenn die entscheidenden Fakten - Diesel in den USA teurer als ohnehin zu teurer Normalsprit, kaum Tankstellen dafür - nicht im letzten (!) Absatz begraben worden wären.
So aber: Stern Online hechelt einem peinlichen PR-Furz hinterher, der mit der Automarkt-Realität in den USA nichts zu tun hat.
Knuffiman (19.09.2008, 16:53 Uhr)
XFire + chb74
na, wer ist denn nun der schlauere ??
ihr beiden liegt doch nach feierabend mit dem kissen im fenster - lol
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