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17. November 2008, 21:27 Uhr

Opel hat fast alles richtig gemacht

Die Automobilbranche steckt in der Krise. Das Beispiel Opel belegt aber deutlich, dass der gängige Vorwurf, die Branche habe den technologischen Wandel verschlafen, nicht zieht. Opel hat die vergangenen Jahre zur Sanierung genutzt und wird nun von der Finanzkrise um den Erfolg gebracht. Ein Kommentar von Gernot Kramper

Opel hat die richtigen Modelle: In Eisenach wird ein Corsa montiert© Peter Kasper/DPA

Fast alle Auto-Hersteller stecken in der Krise, also muss in der Branche etwas fundamental falsch gelaufen sein. Gerade der deutschen Autoindustrie werden seit Jahren die Leviten gelesen: Die Wagen seien zu groß, zu schwer und hätten zu viel PS.

Die deutschen Premiumhersteller müssen sich auch die Frage gefallen lassen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, zumindest ein zukunftsfähiges Ökofahrzeug zu entwickeln, als immer neue PS-Ausgeburten auf die Straße zu schicken. Doch auf Sorgenkind Nummer Eins "Opel" treffen diese Vorwürfe nicht zu.

Richtig mag noch sein, dass Opel nicht als der technologische Vorreiter in Sachen Ökologie gelten kann. Einen Erfolg wie Toyota mit dem Hybrid-Antrieb kann man in Rüsselsheim nicht vorweisen. Aber baut Opel riesige Geländewagen? Hat man Acht-, Zehn- oder Zwölfzylinder im Programm? Reibt sich der gemeine Opel an der Schallmauer von 250 km/h? Im Gegenteil: Der Traditionshersteller ist stark bei den Kleinen und Kompakten, bei vernünftigen Minivans und Kombis. Die Krönung der Opelwelt ist der neue Insignia – ein Wagen der Passatklasse. Doch Bescheidenheit schützt nicht vor Schaden.

Einbruch der Kaufkraft

Die Krise der Automobilindustrie ist zunächst keine Folge der Modellpolitik, sondern eine Folge der internationalen Finanzkrise. Weltweit halten die Menschen das Geld zusammen, wenn sie denn noch etwas haben. Diese Zurückhaltung trifft alle Güter, aber am stärksten Anbieter eines sehr teueren Produkts. Und nach dem Hausbau ist ein Auto nun einmal häufig die teuerste Anschaffung im Leben. Ein Vergnügen, dass sich die die meisten privaten Käufer nur zum Preis einer jahrelangen Verschuldung leisten können. Wer sich um den Arbeitsplatz sorgt, in der Angst lebt, sein überschuldetes Haus zu verlieren, den dürfte die Auto-Kauflaune verlassen haben. Einmal angenommen, man wäre selbst in so einer Lage. Wollte man sich dann einen Mittelklassewagen für 40.000 Euro gönnen?

In der Krise verkaufen sich kleinere und billigere Wagen noch am Besten. Ein Beweis für einen ökologischen Mentalitätswandel muss das aber nicht sein. Die Käufer wandern aus finanziellen Gründen ganz simpel von den höheren und teureren Klassen zu den kleineren und billigeren Modellen. Davon können Anbieter kleiner Modelle profitieren, aber am Zusammenbruch des Automarktes ändert sich nichts. Zu Erinnerung: Ein gut ausgestatteter Audi A6 bringt den gleichen Umsatz wie vier (!) Opel Agila. Hier liegt auch eine Chance für Opel. Opel hat die richtigen Modelle im Angebot, die Qualität stimmt auch, ebenso der Preis. Nur das Image hinkt hinterher.

Keine Vorsorge für die Zukunft

In der Industrie sind Fehler gemacht worden. Allzu willig hat man sich dem Boom der vergangenen Jahre hingegeben. Mit einer derartigen Vollbremsung der Autokonjunktur hat in der Branche offenbar niemand gerechnet. Wieso eigentlich nicht? Wer hat da geträumt? Hinzu kommt, dass keine oder zu geringe Rücklagen für schlechte Zeiten gebildet worden. Und völlig zu Recht fragt Porsche-Betriebsrat Uwe Hück jetzt im Deutschlandfunk, wo denn die Gewinne geblieben sind, wenn nach drei Monaten Krise kein Geld mehr da sei. Nur Opel kann man diesen Vorwurf schlecht machen. Zur Erinnerung: erst vor wenigen Jahren wurde bei Opel gestreikt, standen ganze Standorte auf der Kippe. Opel hat die fetten Jahre der Branche genutzt, um einigermaßen wieder auf die Füße zu kommen. Für Milliarden-Polster hat es nicht gereicht. Autogigant Toyota steht nicht wegen des visionären Hybrid-Prius besser in der Krise, sondern wegen der soliden wirtschaftlichen Basis des Konzerns.

Direkt eingreifen kann der Staat beim Problem Kaufzurückhaltung nicht, denn allen Allmachtswünschen zum Trotz: der Staat kann weder alle Bürger reich, noch alle Arbeitsplätze sichern machen. Wichtig ist zu verhindern, dass das Austrocknen der Finanzströme die Autohersteller von der Liquidität abschneidet. Wichtig ist, dass gerade jetzt die Investitionen für die Fahrzeuge von Morgen getätigt werden können. Gefahren gibt es mehr als genug. Etwa, dass deutsche Steuergelder in den Zahlungsströmen der international agierenden Autokonzerne verschwinden. Eine Konzentration allein auf die deutschen Standorte dürfte in der Praxis kaum durchzuhalten sein. Noch problematischer wäre es aber, wenn die Gelder des Staates nicht in die Zukunft investiert werden, sondern in ein "weiter so".

Ein Kommentar von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
Eisenbaer (19.11.2008, 20:34 Uhr)
Übrigens....
Noch eines muss ich loswerden: der in der Presse jetzt so hoch gelobte "Chevrolet Volt" wurde in Rüsselsheim und von einem deutschen Ingineur entwickelt.
Skarrin (19.11.2008, 11:37 Uhr)
@Svjuerg
Selber keine Ahnung aber anderen unterstellen sie würden "Abgasschleudern" fahren... naja das ist wohl das übliche Niveau bei manchen.
Was bitte ist denn an einem Erdgasauto fortschrittlich? Der gleiche ineffiziente Explosionsmotor bekommt einen anderen Treibstoff, mit dem wir uns statt von islamistischen Ölscheichs vom Mörderzaren Putwedjew und seinem Gazprom-Gerhard abhängig machen!
Positiver Fortschritt sieht nun wirklich anders aus.
PS: Ich besitze gar kein Auto.
Svjuerg (19.11.2008, 08:47 Uhr)
@hevosenkuva und @Skarrin
Schade das ihr Beiden einfach keine fundierten Kommentare losgelassen habt oder mit echtem Wissen glänzen könnt. :(
Opel ist DER Vorreiter in Sachen Erdgasauto. Kein anderer Hersteller hat soviele Autos damit in der Palette und auch verkauft wie Opel. In Frankreich, Italien, Belgien, Holland sind sie Marktführer. Warum nicht bei uns? Weil es so Leute wie euch gibt die hier meinen das will keiner, von Ökologie redet und dann mit eurem Abgasschleudern immer drängelnd unterwegs seid!
Die Aussage das keiner Autos von Opel will, wird ja eindeutig widerlegt wenn man sich die Absatzzahlen anschaut. Die Einbrüche sind weniger als bei anderen Herstellern. Und wenn man vom staatlich subventionierten VW-Konzern mal absieht, geht es ALLEN schlecht. Opel leider nicht einmal selbstverschuldet, sondern weil sie den falschen Partner haben. :( Klasse Autos für die Familien und den Markt, aber einen blinden Markt der lieber den xten Golf Kombi kauft für viel Geld, statt mal über Wirtschaftlichkeit nachzudenken.
Eisenbaer (19.11.2008, 08:16 Uhr)
Die "Krise" bei Opel hat andere Gründe
Es gibt im Grunde genommen doch gar keine "Krise" bei Opel; das "Problem" hat ganz andere Ursachen: Der US-Mutterkonzern GM betreibt "kreative Buchführung", die Verluste existieren nur auf dem Papier, nicht aber in der Realität.

Denn passiert ist doch Folgendes: Der Mutterkonzern GM verschiebt die Gewinne von Opel auf sich selbst und transferiert im Gegenzug einen Teil seiner eigenen Verluste sowie das Defizit der schwedischen Saabwerke auf Opel. Simsalabim: Opel steckt tief in der Krise. Dann rechnet man in den USA den Gewinn von Opel gegen die eigenen Verluste, es bleibt trotzdem ein sattes Minus übrig. Ergebnis: In allen Ländern mit einer starken Autolobby (USA und BRD) schreibt GM tiefrote Zahlen und kann nun versuchen, den Konzern auf Steuerzahlerkosten zu sanieren. Während sich in den anderen Ländern ohne starke Autolobby alle Zahlen im schwarzen Bereich befinden...

Wenn wir jetzt damit anfangen solchen Zahlenjongleuren mit Steuergeldern unter die Arme zu greifen, dann sind wir in wenigen Jahren soweit, dass wir auch notleidende Hedgefonds unterstützen werden... ;-))

a2d2 (18.11.2008, 20:01 Uhr)
Kaufspritze an jeden Bürger...
@bundes-klinsi
...durchaus interessante Idee, 5000 statt 10000 würden reichen, aber wohl für Politiker unverständlich, wie vom anderen Stern, da es ja nicht in die eigenen Taschen geht - oder ???
innovationen-kloss (18.11.2008, 12:57 Uhr)
Die Ursachen liegen viel tiefer
Autos werden seit über 100 Jahren gebaut. Die Konzeption ist immer noch die gleiche. Wer in einem internationalen Markt bestehen will, braucht Value Innovations. Das sind Produkte, die durch völlig neue Denkansätze neuen Nutzen schaffen und noch nicht wahrgenommene Kundenbedürfnisse befriedigen. Technischen Einheitsbrei brauchen wir nicht. Merke: Wenn alle das Gleiche tun, kann keiner gewinnen, aber alle verlieren. Dies gilt auch für Produkte. Wenn alle die gleiche Technik nutzen, kann keiner gewinnen, aber alle verlieren, weil diese Technik irgendwann eine Technik von vorgestern ist. Und das
ist unsere Automobiltechnik.
hevosenkuva (18.11.2008, 12:05 Uhr)
Opel hat alles richtig gemacht
außer vielleicht, seit vielen Jahren Autos zu bauen die keiner haben will. Aber das ist nicht so wichtig.
Skarrin (18.11.2008, 11:47 Uhr)
Technologischer Fortschritt Fehlanzeige
Dieses Fahrzeug hat Opel bereits 1993 entwickelt:
Opel Astra "Impuls 3"
Batterien: Ni-Cd oder NaNiCl2 (Hochtemperaturbatterie)
Reichweite: 160 km
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Leistung: 45 kW
Anzahl Sitzplätze: 5
Warum gibt es das, bzw. einen weit besseren Nachfolger, nicht LÄNGST zu kaufen??? Stattdessen werden Millionen für GeldverBrennstoffzellen-Prototypen verheizt und an "effizienten Verbrennungsmotoren" gebastelt, was aber aus physikalischen Gründen ein Oxymoron ist.
mats123 (18.11.2008, 10:57 Uhr)
Das ist ein Problem der USA
Eigentlich ist Deutschland für Opel gar nicht zuständig. Opel ist eine 100%ige Tochter von General Motors, ist seit 80 Jahren ein rein amerikanisches Unternehmen. Es ist unmöglich, zu gewährleisten, dass die Bürgschaft, die jetzt an Opel gehen soll, nicht doch wieder an GM fließt, denn letztlich gibt es konzernintern so viele Möglichkeiten, Gelder zu transferieren, dass man das gar nicht von Deutschland aus unterbinden kann. Der richtige Weg wäre: GM zahlt seine Schulden bei Opel zurück. Es kann nicht sein, dass GM die Gewinne von Opel schluckt und Opel überhöhte Kosten aufdrückt, der deutsche Steuerzahler dann dafür aufkommen soll. Das Problem sollen die Amis schön alleine lösen.
Was das Mindest aber ist: Sollte eine Bürgschaft gewährt werden, muss dafür eine satte Sicherheit hinterlegt werden. So könnte GM z.B. seine Anteile an Opel teilweise an die Bundesrepublik Deutschland verpfänden. Wird Deutschland dann aus der Bürgschaft in Anspruch genommen, gehört Opel dem deutschen Steuerzahler. Dann könnte man Opel an einen anderen Investor verkaufen.
mark_dolby (18.11.2008, 09:51 Uhr)
Es geht um den Binnenmarkt...
Alle, die jetzt fordern Opel sich selbst zu überlassen, denken nicht vorausschauend. Klar ist es ärgerlich, dass der deutsche Staat für die Fehler eines amerikanischen Konzerns bürgen soll, aber es geht bei dieser Bürgschaft in erster Linie um die Stützung des deutschen Binnenmarktes, der in vielen Bereichen von der Automobilbranche mitbestimmt wird (Logistikbranche, chemische Industrie, Zulieferer, etc.). Das leichtfertige Aufgeben eines Unternehmens in der Größenordnung Opels wäre für die deutsche Binnenkonjunktur ein fatales Signal. Von den strukturellen Problemen in den betroffenen Regionen mal ganz abgesehen. Untätiges Zusehen, wie ein Großunternehmen in einer Schlüsselbranche den Bach runtergeht ist in Krisenzeiten volkswirtschaftlich absolut kontraproduktiv.
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