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4. November 2008, 11:02 Uhr

Cash für Sparer, Strafe für Schlucker

Ab 2009 werden in Deutschland alle Neuwagen von der Kfz-Steuer befreit. Autos mit viel Hubraum werden belohnt. Dass es auch anders geht, zeigen die Franzosen: Bargeld gibt es unabhängig von der Motorgröße nur für Sparsame. Von Christoph M. Schwarzer

Auch in Frankreich bricht der Automarkt weg© Eric Gaillard/Reuters

Die Dicksten kriegen am meisten. Das ist das Prinzip bei der Aussetzung der Kfz-Steuer, die von der Bundesregierung "Konjunkturprogramm" genannt wird. Weil der Fiskus immer noch den Hubraum als Bemessungsgrundlage wählt, bekommen Käufer von Autos mit großen Motoren ab 2009 auch den höchsten Zuschuss. Wenn es dann noch ein Diesel ist, für den statt 6,75 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum 15,44 Euro fällig werden, gibt es beim Spitzenreiter Audi Q7 V12 TDI immerhin 926 Euro vom Staat. In Frankreich müsste der Käufer dafür eine Strafe von 2.600 Euro abdrücken.

Unsere Nachbarn aus dem Land von Renault, Citroen und Peugeot haben nämlich auch ein Verkaufsprogramm für Autos aufgelegt. Der entscheidende Unterschied besteht in der Definition dessen, was als umweltfreundlich gilt: Während Bundeskanzlerin Merkel schlicht den gesetzmäßigen Mindeststandard, also die Abgasnormen Euro 4 und Euro 5, für förderungswürdig hält, geht Freund Sarkozy ein Stück weiter. Der will nicht nur Stickoxide und Russpartikel begrenzen, sondern auch das Klimagas Kohlendioxid. Und weil Verhaltensänderungen oft nur über den Geldbeutel gehen, hat er ein Bonus-Malus-System etabliert. Autos mit schlechten CO2-Werten und damit hohem Verbrauch müssen Strafen von bis zu 2.600 Euro zahlen. Besonders CO2-arme und damit spritsparende Autos spülen dem Käufer bis zu 5.000 Euro in die Tasche.

Kritik: Industrieprotektionismus

Kritiker werfen der gallischen Autonation vor, mit dieser Regelung ihre eigenen Hersteller einseitig zu bevorzugen. stern.de liegt allerdings die aktuelle Bonus-Malus-Tabelle von Renault vor, die eindeutig belegt, dass alle Hersteller ihr Fett wegkriegen. Im Vergleich zu Volkswagen, sind Clio, Mégane und Espace sogar schwach aufgestellt. Kein Auto bekommt mehr als 700 Euro aus dem Fördertopf. Der markeninterne Bestwert von 111 g CO2/km wird vom alten Clio Campus Diesel erreicht. Ein Polo BlueMotion unterschreitet die magische 100 Gramm-Marke dagegen genau so wie der im Sommer kommenden Golf aus der Sparreihe.

Ob Neuwageninteressenten sich wegen der einen oder der anderen Regelung zum Kauf bewegen lassen, ist ungewiss. Wer 15.000, 30.000 oder 60.000 Euro auf den Tisch legt, wird seine Entscheidung nicht von ein paar Hundertern abhängig machen. Vielleicht spielen emotionale Gründe, also die Belohnung an sich, aber auch eine Rolle. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen eindeutig sind, und das werden sie hierzulande erst mit Einführung der CO2-basierten Steuer, also frühestens 2011 sein. Bis dahin muss der Kunde raten, ob ein Wert von 138 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer gut, mittelmäßig oder schlecht ist. Vorerst sind Tankstellenpreis, Hubraum und Euronorm die Parameter. Für den Diesel weht der Wind plötzlich wieder ein bisschen von hinten.

Verzerrung zu Gunsten der Säufer

Wie schräg der deutsche Ansatz ist, zeigt der direkte Vergleich. Ein smart fortwo mit Start-Stopp-Automatik und einen Normverbrauch von 4,3 Litern sowie einem CO2-Ausstoß von 103 Gramm pro Kilometer wird vom deutschen Staat mit 67,50 bezuschusst. Das entspricht einem Jahr Steuerbefreiung, denn der smart schafft erst Euro 4 und nicht die ab 1. September 2009 vorgeschriebene Euro 5-Norm. Für die hätte er sich zwei Jahressteuern gespart. In Frankreich gibt es für den fortwo 1.000 Euro, weil er weniger als 105 g CO2/km emittiert. Genau so viel wie für einen Toyota Prius (104 g CO2/km), der in Deutschland nur mit einem Zehntel dieser Summe, nämlich mit 101 Euro, gefördert wird.

Geld gibt es in Frankreich für Autos mit weniger als 130 g CO2/km, und zwar 200 Euro. Für weniger als 120 g CO2/km bekommt ein Käufer 700 und für weniger als 105 g CO2/km sogar 1.000 Euro. Den Höchstsatz von 5.000 Euro gibt es für weniger als 60 g CO2/km, was zurzeit keiner schafft und mindestens einen Hybridantrieb nötig macht. In einem Mittelfeld von 130 bis 160 g CO2/km wird weder bestraft noch belohnt. Ab 161 g CO2/km gibt es den ebenfalls gestaffelten Malus, zuerst von 200 Euro. Ab 166 g CO2/km werden 750 Euro fällig, ab einem Wert von 201 steigt der Satz auf 1.600 Euro und in der Spitze bei über 250 g CO2/km auf 2.600 Euro. Diese Höchststrafe trifft etwa ein Prozent aller Neuzulassungen. Und damit die Entwicklungsabteilungen nicht einschlafen, werden die Daumenschrauben jährlich angezogen.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
brainuser (06.11.2008, 06:43 Uhr)
Was für ein Unfug?
Wer von Unfug spricht, sollte bessere, oder überhaupt Argumente haben.
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Was hat das mit Neid zu tun? Ist das langsam zu einem Polemik-Reflex Besserverdienender geworden? Wer "besser" verdient (wie ist das eigentlich zu definieren?), wird in 1000 Euro Steuerersparnis in zwei Jahren wohl keinen Kaufanreiz sehen können. Geht mir zumindest so.
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Das der Kurs ökologischer Unfug ist, steht nicht in Frage.
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Nö, also wirklich. Kaufanreize sehen anders aus. Wobei wir wieder bei der Frage sind, weshalb man sich zum Sklaven der Wirtschaft machen lassen sollte.
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Die Automobilbranche hat die Zeit verpennt. Sind erst einmal wieder zukunftsfähige Konzepte (Hybrid, Elektro etc.) in großer Stückzahl zu angemessenen Preisen verfügbar, wird sich der Absatz auch wieder verbessern. Vorausgesetzt, es wird potentiellen Käufern nicht noch weiter in die Taschen gegriffen bzw. deren Löhne und Gehälter weiter vermindert.
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Eine Volkswirtschaft kann nicht auf Dauern nur von einem elitären Kreis Besserverdienender leben.
the_Nick (05.11.2008, 22:35 Uhr)
Was für ein Unfug wird hier geschreiben?
Natürlich muss es einen Anreiz für große Autos geben. Es geht um ein Konjunktur Programm...
Es sollten Anreize gegeben werden dass Besserverdienende ihr Geld ausgeben...
Wer wenig hat, kann auch nur wenig ausgeben.
Dass sollte auch den ganzen Neidern klar sein...
Abgesehen davon halte ich das Konjunktur Programm in Europa für falsch. Niedrige MwSt ist der richtige Weg...
Niedrige Steuern. Das hat selbst Ronald damals verstanden...
Almunecar (05.11.2008, 17:05 Uhr)
Der Schritt in die richtige Richtung.
Der französiche Schritt zeigt, wenn auch noch zu schwach, wie man für den Käufer, aber auch für die Autoindustrie Kauf- bzw. Herstelleranreize schaffen kann.
Die deutsche Regelung schafft keinerlei Anreize für Käufer oder Hersteller. Kein Mensch wir für ein bzw. zwei Jahre Steuerbefreiung, die lediglich einen minimalen Prozentsatz des Kaufpreises darstellt, ein Neufahrzeug zu einem Preis, der im Mittel zwischen 15.000 und 20.000 € liegt, kaufen. Wer kein Geld für einen Neuwagen hat, dem hilft das "Trinkgeld" Steuerbefreiung auch nicht. Der einzige Weg ist Anreize zu schaffen, daß die Industrie Abschied von den Dickschiffen nimmt und Fahrzeuge, die von der Masse gekauft werden können und den verschärften Umweltauflagen entsprechen. Hoffen wir das Beste.
Kauz01 (05.11.2008, 16:59 Uhr)
@brainuser
Welche Maßnahmen meinst du?
Gruß vom Kauz01
Malt (05.11.2008, 16:38 Uhr)
@SethusCalvisius
Ja, warum werden unsere Volksverarscher das wohl so gemacht haben? Hmmm, lasst uns mal überlegen: Der Verkauf von geringverbrauchenden Kleinwagen (die zumeist ja von ausländischen Herstellern ala Peugeot etc. fabriziert werden)hat ja nicht nachgelassen, sondern nur der von spritfressenden Super-Limousinen wie sie der deutsche Autohersteller baut, um sie in den USA verscherbeln zu können. Dumm nur, dass die jetzt wegen der Finanzkrise und hoher (für deren Verhältnisse) Spritpreise ebenfalls auf die kleinen Umschwenken. Hmmm, was soll man denn tun, um die ganzen sündteuren Straßenkreuzer, die jetzt bei Audi & Co. wegen derer verfehlter Modellpolitik auf Halde stehen, an den Mann zu bringen? Richtig, man schafft den großen, deutschen Autos einen Vorteil. Und nebenbei sichert man auch noch seinen lukrativen Posten im Aufsichtsrat für die Zukunft. Einen typische win-win Situation... naja, bis auf den Bürger, aber der ist ja auch nur störendes Beiwerk.
Molch66 (05.11.2008, 16:37 Uhr)
Rechnen wir doch mal:
Neuwagen (Golfgröße, Mazda-Kombi o.ä.): 25.000.- Euro - 300.- Euro Steuerbefreiung = 24.700.- Euro.
Halbjahreswagen: 17.000.- Euro + 300.- Euro Steuern = 17.300.- Euro.

Weniger als 40% der Neuwägen gehen an Privatmenschen - mehr als 60% sind also Firmen- und Mietwägen, die dadurch ebenfalls vom Steuerzahler mitfinanziert werden.

Und: Können 300.- Euro Steuerbefreiung WIRKLICH ein Anreiz sein, sich ein 25.000.- Euro Auto zu kaufen? Siehe Rechnung oben - aber scheinbar haben unsere Volksvertreter bereits einfachste Grundschulmathematik verlernt.
brainuser (05.11.2008, 16:20 Uhr)
Familien werden...
bereits über andere Maßnahmen und Entlastungen gefördert. Eine weitere Förderung beim Autokauf halte ich zumindest für fragwürdig.
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Viel interessanter ist die Frage, wie dieser Blödsinn bzgl. der Steuerbefreiung von Neufahrzeugen in Berlin dauerhaft gelöst wird.
Kauz01 (05.11.2008, 15:29 Uhr)
Und wie löst man das?
Einer Familie mit vier Kindern wird kaum ein Kleinwagen genügen. Soll noch ein Kinderwagen und etwas Gepäck Platz haben, ist kaum was unter 180g/km CO2 zu machen. Ist hier eine "Strafsteuer" gerechtfertigt?
Grüße vom Kauz01
Salzsteuer (05.11.2008, 10:52 Uhr)
Es ist höchste Zeit
in Deutschland die Bestechung von Abgeordneten wieder unter Strafe zu stellen.
Leider waren bisher ALLE (außer damals der PSD) im Bundestag vertretenen Parteien dagegen.
rvoelsch (05.11.2008, 10:26 Uhr)
@107Summer

Es ist als Konjunkturprogramm gedacht. nur die Reichen haben das nötige Kleingeld um die Konjunktur wieder zubeleben.
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