. .
Autokauf - Kaufberatung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
10. September 2008, 12:30 Uhr

Mit Fehlentscheidungen in die Krise

Die Autoindustrie hat sich verspekuliert: Die rückläufigen Verkäufe in Westeuropa, den USA und Japan sollten durch die neuen Wachstumsmärkte ausgeglichen werden. Aber auch in China und Indien hinterlassen der Ölpreis und die US-Immobilienkrise ihre Spuren. Es fehlen die sparsamen Autos für weniger kaufkräftige Autofahrer. Von Christoph M. Schwarzer

Strategische Fehler in der Modellpolitik: Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR)© Bernd Thissen/DPA

Die Rechnung der gutbezahlten Strategen in den Autokonzernen geht nicht auf: Der stagnierende Absatz in der so genannten Triade aus Westeuropa, den USA und Kanada sowie Japan sollte durch neue Wachstumsmärkte ausgeglichen und ausgebaut werden. Daraus wird vorerst nichts: "Die hohen Ölpreise, die Auswirkungen der Immobilien- und Bankenkrise und das stotternde Wirtschaftswachstum werden in den nächsten 18 Monaten tiefe Spuren in den Weltautomärkten hinterlassen", sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen. Besonders betroffen davon sei die klassische Triade, auf die immer noch etwa zwei Drittel aller weltweit verkauften Autos entfallen.

Nach der CAR-Prognose werden die Verkäufe 2008 in den Triaden-Märkten Westeuropa, den USA und Kanada sowie Japan so schlecht wie zuletzt vor 15 Jahren ausfallen. Der Rückgang wird auf 6,4 Prozent im Vergleich zu 2007 geschätzt oder "bildlich gesprochen, ein Markt in der Größe Englands fehlt komplett." Kurzarbeit gibt es bereits, nicht nur den Werken deutscher Hersteller in den USA, sondern auch in Frankreich.

Die Chinesen kaufen zu wenig Autos

Bisher konnten Russland, China und Indien als neue Wachstumsmärkte einen Teil des Absatzminus’ ausgleichen. Aber schon drohen auch dort die ersten Wolken am Verkaufshimmel: Im Reich der Mitte fielen die Absatzzahlen im August 11,2 Prozent niedriger aus als im Vorjahresmonat. Und die Brasilianer kaufen nicht so viel, wie sich das die Autoproduzenten angesichts des Wirtschaftsbooms an Rios Stränden erhofft hatten.

Die Hauptursache für die Krise am Weltautomarkt sieht Professor Ferdinand Dudenhöffer aber nicht in der schwächelnden globalen Konjunktur. Vielmehr wären strategische Fehler in der Modellpolitik, also ein strukturelles Defizit, die Ursache für die mangelnde Kauflust der Verbraucher: "Die Hersteller sind alle von der Ölpreisexplosion überrascht worden", so Dudenhöffer. Hochaufgeladene, kleine Motoren kämen erst mit dem nächsten Modellzyklus in den Markt, also innerhalb der nächsten drei Jahre. Für die Bedürfnisse der interessierten Autofahrer, denen die Kaufkraft wegen der hohen Energiepreise schwindet, gibt es trotz eines breiten Modellspektrums eine akute Produktlücke beim Angebot.

Keine Erholung vor 2010

Das Center Automotive Research (CAR) glaubt an eine Erholung der europäischen Märkte erst nach 2010. Dann dürften nicht nur die Folgen der US-Immobilienkrise weniger schlimm als heute sein, von dem besonders der spanische Markt (minus 16,3 Prozent gegenüber 2007) betroffen ist. In der neuen Dekade haben wahrscheinlich auch die Autobauer umgestellt: Von Gas-Guzzlern auf kleine, hochaufgeladene Benzinmotoren und teilhybridisierte Antriebe.

Wenn die Absatzchancen in den Triadenmärkten sinken, hat das auch Konsequenzen für die Produktionsstandorte. Warum nicht neue Werke in Russland bauen, wenn dort die Arbeitskräfte günstig und zugleich die neuen Käuferschichten zu Hause sind? Als Folge einer Abwanderungswelle befürchtet CAR, dass "Werkschließungen nicht auf die USA beschränkt" bleiben.

Dreifacher Druck auf die Gewinnmargen

Den Autoherstellern droht in Gegenwart und Zukunft ein dreifacher Druck auf die Margen: Einerseits müssen die Autos mit neuer Spritspartechnik ausgerüstet werden, was sie laut CAR für einen 20-prozentigen Verbrauchsvorteil bei einem Durchschnittsfahrzeug etwa 1.500 Euro kostet. Zum zweiten werden Stahl und andere Rohstoffe ständig teurer, wofür noch mal rund 500 Euro fällig werden. Und zum dritten brauchen viele Firmen Geld, um in der nahen Zukunft neue Autos zu entwickeln.

Diese drei Probleme treffen auf einen Markt, der tendenziell fällt. Für das Center Automotive Research sind die Konsequenzen klar: "Der notwendige Gang nach Russland wird daher Kapazitätskürzungen in West-Europa bei Herstellern und Zulieferern notwendig machen." Die Zeche für eine verfehlte Modellpolitik zahlen also nicht die klugen Köpfe der strategischen Planung bei den Herstellern, sondern die Arbeiter an den heimischen Produktionslinien.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Eisenbaer (11.09.2008, 19:05 Uhr)
@joey_hh - Toyota Prius
Schon mal einen solchen ernsthaft gefahren? Wohl kaum. Tun Sie es einmal und nehmen Sie die Familie mit. Sie werden erkennen müssen, dass diese technische Sensation den Innenraum eines VW Polos bietet, dabei aber satte 10.000 Euro mindestens mehr kostet.
susiwolf (11.09.2008, 12:40 Uhr)
der Blechorgasmus
....sicherlich haben ALLE Intelligenten dieser Kommentarreihe verstanden, was ich mit 'Luftikus' gemeint habe: Aber für die Schwerfälligen noch einmal:
1. VIELE Fahrten können mit dem Rad ge-
macht werden...
2. Unsere Bequemlichkeit in Europa ist
sprichwörtlich (Übergewicht, Bewegungs
mangel etc.)
3. Meine kleine Welt bewegt sich bis China,
wo (leider) eine gesunde Entwicklung
dieselben Auswüchse annimmt, wie hier.
4. Unser Umfeld in den Städten gleicht
nur noch einem Blechheer.
Abschließend: kleine Denkansätze für solche, die es noch nicht kapiert haben.
Crossbow (11.09.2008, 11:23 Uhr)
Die Spatzen...
pfiffen genau das in den einschlägigen Foren schon seit Jahren von den Dächern. Jetzt tritt das Szenario ein und (fast) alle sind total überrascht. Die deutsche Automobil-Managerkaste und ihre Kunden sind selbst schuld daß sie jetzt ungläubig auf das Ende des Ölzeitalters schauen.
acitapple (11.09.2008, 11:15 Uhr)
@susiwolf
vielleicht sollten sie über ihre eigene kleine welt hinausdenken oder sollen die 40-tonnen-anhänger künftig von einer horde radfahrer gezogen werden ???? bestimmt sind die ganzen autos auf den strassen, weil die leute nur spazieren fahren....jaja
@joey: stimmt im grunde schon, jedoch denke ich, dass selbst die pessimisten unter den wahrsagern nicht erwartet hätten, dass sich der ölpreis in einer solch kurzen zeit derart drastisch nach oben entwickelt...
@rbrunner: die deutschen hersteller könnten ja auch einiges an kosten sparen. wenn sie z.b. in JEDES auto serienmässig el. fensterheber einbauen, bezahlen sie aufgrund der menge einen viel niedrigeren preis. und da jedes auto damit ausgestattet wird, wäre der verwaltungsaufwand in der produktion (el.fh ja oder nein ?) auch um einiges geringer...aber nein, jedes noch so banale extra steht auf der liste und muss fürstlich entlohnt werden.
man beachte nur die realistische argumentation von aquarius: volle zustimmung. rechnet einfach mal die damaligen preise für neuwagen und euere gehälter in dmark um und schaut euch die entwicklung an. klar, dass die umsätze einbrechen. offenbar gehen so einfache und logische schlussfolgerungen verloren nach dem mba...
joey_hh (11.09.2008, 10:43 Uhr)
Ach der Herr Dudenhöffer
Auf einer Veranstaltung eines namhaften Automobilherstellers im Jahre 2004 hat der Herr Dudenhöffer aber ganz andere Prognosen für die weitere Zukunft in die Welt gesetzt. Unabhängig von Wirtschaftskrisen etc sollte es nach Dudenhöffer zu immer mehr und immer besser ausgestatteten KFZs in der Zukunft kommen - auch im Osten nah und fern. Nach seiner Prognose sollte 2008 ein PKW im Durchschnitt € 25.640 in Deutschland kosten... Egal.
In der Vergangenheit sollten die Fahrzeuge in Deutschland immer schneller, größer und sicherer werden, so die Eingebung aus der Industrie und die Meinung der Käufer. Dann wurde der Treibstoff drastisch teurer und so wendete sich das Interesse zu kleineren Autos und Motoren. Wenn vor etwa 2 Jahren ein Hersteller ein Fahrzeug mit 0,6 Liter Hubraum und 35kW bei vier Sitzplätzen (eng) angeboten hätte, wäre der Verriss durch Interessenten und Presse wohöl sehr groß gewesen.
So ähnlich geht es Toyota mit dem Prius, der sich überall nur nicht in Deutschland recht gut verkauft...
susiwolf (11.09.2008, 09:57 Uhr)
Luftikus.....
....ein Luftikus ist auch einer, der gern an der frischen Luft ist. Z.B. so ein Radfahrer, auch eine Radfahrerin. Diese Spezies freut sich über jede Blechkarosse, die weniger hergestellt wird.
Die Schwäche der Autoindustrie ist ...
die Stärke der Fahrradindustrie.
Ein Auto ist zu 95% ein STEH-Fahrzeug.
Ein Bike ist zu 95% ein FAHR-Fahrzeug:
flexibel, leise, umweltschonend, herrlich anstrengend und dauerhaft werterhaltend.
Da gibt es kein strukturelles Defizit, keinen Gas-Guzzler, keinen aufgeladenen Benziner, nichts hybridgetrieben,,,nein...
nur Luftikusse!
acitapple (11.09.2008, 09:25 Uhr)
na sowas !!!
wie soll denn das mit der forschung und entwicklung laufen ? das kostet immerhin geld und drückt somit auf die rendite und damit leider auch direkt auf die vorstandsgehälter ! also da muss doch der staat einschreiten und diese kosten auffangen, bevor noch ein vorstandsmitglied mit seinem grundgehalt heimgehen muss.
Silbador (11.09.2008, 07:41 Uhr)
Ist schon ein Jammer
Der Kunde weiss, was er will - aber Manager vom Schlage eines Piech wollen bauen, was ihnen gefällt (Phaeton), bzw. was sie für´s Image meinen zu brauchen.
Gerade Volkswagen ist ein Paradebeispiel, wie man eine Marke und Autos am Kunden vorbei entwickeln kann.
Und: Ja, die Japaner haben uns erst einmal gezeigt, was Ausstattung sein kann (das lag aber an den Forderungen aus den USA, die einfach an uns übertragen wurden).
Im zweiten Schritt haben sie uns dann auch noch gezeigt, wie man Qualität produziert.
Das Autoland Deutschland, wie überhaupt Deutschland geht seit Jahren den Bach runter, die EU machts möglich.
Eisenbaer (10.09.2008, 22:42 Uhr)
Die gesuchten Autos gibt es doch....
...es gibt aber auch eine Modellvielfalt und es wird auch keiner gezwungen einen Achtzylinder zu kaufen. Die Leute aber werden auch Opfer ihres eigenen Anspruchsdenkens. Denn Hand aufs Herz: einerseits wird sich beklagt, dass die Autos immer grösser und schwerer werden, andererseits aber macht ein jeder am Ende doch mit und kauft sich letzten Endes einen Wagen, der für die eigenen Ansprüche zu groß und/oder zu massig ist.

Voll in die selbst gebaute Falle hereingetappt. Die logische Konsequenz wäre es nämlich gewesen den Konzernen ein Schnippchen zu schlagen, und (mindestens) das nächst kleinere Modell zu kaufen. Aber da wird sich lieber ein Gebrauchtwagen angeschafft, als dass man einen "sozialen Abstieg" wagen würde. Nur, dass mit diesem Gebrauchtwagen keine geringen Unterhaltskosten verbunden sind (vom Wertverlust einmal abgesehen), das wird beim Kauf erfolgreich verdrängt.

War der VW Golf I noch knapp über 3,7 m lang, so wird diese Länge heute bereits von einem VW Polo übertroffen. Ein VW Fox wäre die bessere Alternative. Und ein neuer Opel Corsa oder ein Ford Fiesta sind vollwertige Automodelle, die im Grunde genommen keinen Vergleich mit einem ausgewachsenen Mittelklassewagen scheuen müssen. Denn mal Hand aufs Herz: wer von den Besitzern eines Mondeo, Passat oder Vectra fährt ständig mit 5 Personen und vollem Gepäckraum durch die Lande? Im Grunde genommen wird so ein Wagen nur für die Verwendung an 10, 15 Tagen im Jahr angeschafft und die restlichen 340 Tage im Jahr völlig sinnfrei durch die Landschaft geschaukelt.

Nein, da kann mir keiner etwas vormachen, es ist immer noch so: "Willst Du die Welt verändern, musst Du Dich erst selbst verändern."

"Think big, buy small."
deinemama (10.09.2008, 22:25 Uhr)
Manchmal...
...fällt mir bei der Lektüre eines Artikels einfach nur ein loriotiges "Ach!" ein. Sie wissen schon, so wie Evelyn Hamann das immer machte.
Dass sich die ehrenwerten Herrn Automobilbastler mit dem Festhalten an fetten, prestigeträchtigen Spritschluckern einen Bärendienst erweisen - nun, das wurde immer als Neid und Stammtischgefasel abgetan. Aber manche lernen eben nur auf die harte Tour, dass Ölscheiche doch eher eine seltene Klientel sind, und den Verlust aus der breiten Masse nicht ausgleichen. Schade nur, dass so viele Existenzen daran hängen, die dann als erstes "outgesourct" werden. Die Schafe der "hochbezahlten Experten" hingegen sind trotz ihrer Fehlspekulationen garantiert im Trockenen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Ford Fiesta Das Globalisierungs-Gefährt

Seit 32 Jahren fährt der Ford Fiesta erfolgreich auf Europas Straßen. Mit europäischem Design, effizienten Motoren und variablem Fahrverhalten soll die neue Generation nun auch im Rest der Welt zum Bestseller werden. mehr...

US-Autoindustrie in der Krise (3) Kein Appetit auf deutsche Luxusschlitten

Drei Tiefschläge mussten deutsche Autobauer in den USA einstecken: Gestiegene Benzinpreise, die Krise an den US-Finanzmärkten und Wechselkurse, die den gesamten Absatz bedrohen. Ein Massaker wie bei den Amerikanern ist es noch nicht, aber auch die deutschen Automobilfirmen müssen auf ihrem wichtigsten Exportmarkt bluten. mehr...

US-Autoindustrie in der Krise (2) Opel - plötzlich Hoffnungsträger für GM

Es ist noch gar nicht lange her, da stand Opel auf der Abschussliste des amerikanischen Mutterhaus General Motors. Doch die Krise auf dem US-Automarkt hat die Situation verändert: Plötzlich sind die Opel-Marken Astra und Antara echte Verkaufsschlager in Übersee. mehr...

US-Autoindustrie in der Krise Preisverfall und Aktionismus

Riesige Halden von Ladenhütern, Händler vor dem Ruin - der US-Automobilindustrie geht es so schlecht wie noch nie in ihrer Geschichte. In einer dreiteiligen Serie analysiert stern.de-Autor Helmut Werb die Auswirkungen der Dauerkrise, die auch Deutschland treffen werden. mehr...

 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft