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26. März 2009, 16:37 Uhr

Die Droge Abwrackprämie

Neuwagen sind billig wie noch nie, der Kunde kann sich über Schnäppchen ohne Ende freuen. "Autos für die Hälfte", lautet das Motto. Die Automobilbranche wird von der Abwrackprämie in eine Rabattschlacht gezwungen. Kopfschmerzen und Kater nach der Prämienpartie sind vorprogrammiert. Von Gernot Kramper

Auto-Rabatte, Billigwagen, Abwrackprämie ist

Die Abwrackprämie heizt die Rabattschlacht an© Jens Kalaene/DPA

Wirtschaftskrise und Abwrackprämie haben im deutschen Automarkt eine Rabattschlacht entfesselt, wie man sie nie zuvor gekannt hat. Das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen hat im März 2009 einen starken Anstieg der Rabattaktionen der Automobilhersteller festgestellt. Gegenüber dem Vormonat ist die Anzahl der Aktionen um 35 gestiegen. Insgesamt wurden 324 offene Aktionen in Form von Barrabatten, Gebrauchtwagenüberzahlungen, Sonderfinanzierungen und Sondermodellen ermittelt. Das sei der höchste Stand, den sie jemals ermittelt hätten, sagte Ferdinand Dudenhöffer zu stern.de. "Die Abwrackprämie ist wie Heroin und die Regierung hat jetzt die Dosis erhöht", sagte der Autoexperte.

Durchgesetzt hat sich eine zusätzliche Gebrauchtwagenprämie in Kombination mit dem staatlichen Zuschuss. Motto: "Wir verdoppeln die Abwrackprämie!" Die Autofirmen setzen in der Werbung auf die staatliche Abwrackprämie. Das Angebot der Regierung besitzt die notwendige Glaubwürdigkeit, eine attraktive Höhe und ist in aller Munde. Die allgemeine Diskussion hat der Prämie eine Bekanntheit verliehen, die ein einzelner Hersteller mit seiner Rabattaktion nie erreichen könnte. Ergebnis: Mitten in der Krise schießen die Zulassungszahlen in die Höhe, doch das allein ist kein Grund zum Jubeln. "Im Moment geht es vielen nur darum zu verkaufen, um irgendwie durch die Krise zu kommen. Aber am Ende wird man schauen, was für Geschäfte man tatsächlich gemacht hat, und dann wird es lange Gesichter geben", sagt der Autoexperte.

Ein Beispiel: Der Fiat Panda wird im Moment in der Kombination von Herstellerrabatt und Prämie zu einem Preis von 4999 Euro angeboten. Auch ohne Berücksichtigung der staatlichen Prämie gibt es 86 Aktionen, die dem Kunden Preisvorteile zwischen 15 und 30 Prozent einräumen. Autokäufer, die die Abwrackprämie in Anspruch nehmen, können zwischen 14 Aktionen und Autos auswählen, die ihnen Nachlässe von über 40 Prozent bieten. Salopp könnte man sagen, für diese Wagen zahlt man jetzt nur die Hälfte.

Den Kunden kann das Rabatt-Feuerwerk nur freuen. Die Datenbank von CAR-Center Automotive Research und stern.de bietet einen Überblick über die Preisschnäppchen. Für die Branche prognostiziert Dudenhöffer allerdings Probleme. "Geiz macht geil. Leider hört das Geizen nicht bei Kleinstwagen wie dem Aveo auf. Ab Golfklasse muss jetzt beim Preis nachgebessert werden. Die größeren Fahrzeuge kommen massiv unter Druck", sagt der Autoexperte. Auf den Markt würden neben der Prämie auch andere Faktoren einwirken, doch Prämie und Rabatt weckten eine Erwartungshaltung beim Kunden. "Ein Kleinwagen kostet inzwischen nur noch etwa die Hälfte. Da erwarten auch die Käufer teurerer Fahrzeuge ein entsprechendes Entgegenkommen."

Selbst der Golf VI muss rabattiert werden

Neu im Markt ist, dass immer mehr Fahrzeuge und Hersteller vom Rabattgeschehen erfasst werden. Größere Wagen und Wagen, die noch ganz frisch im Modellzyklus sind, müssen verbilligt werden. Bislang haben alle Hersteller ihre Fahrzeuge, die vor einem Modellwechsel stehen, in der einen oder anderen Weise gestützt. Das war normal, aber heutzutage muss Volkswagen selbst für den nagelneuen Golf VI einen Rabatt gewähren. So etwas hat es noch nie gegeben. Diese Nachlässe sind für die Hersteller besonders schmerzhaft. Opel zum Beispiel bietet für Meriva (3200 Euro) und Zafira (4000 Euro jeweils ohne Abwrackprämie) massive Verkaufshilfen an. Eine Marke wie Skoda rechnet schon bei den Listenpreisen mit dem spitzen Bleistift. Trotzdem gibt es für den Octavia einen Nachlass von fast 4000 Euro und für die riesige Limousine Superb sogar von 4500 Euro (jeweils ohne Abwrackprämie). In der Kompaktklasse muss der C4 von Citroen mit fast 25 Prozent Nachlass locken. Das sind runde 4000 Euro bei einem Grundpreis von 16.350 Euro, etwas weniger gibt es beim Ford Focus oder dem Fiat Bravo.

Und selbst die Premiumanbieter, die sich in den letzten Jahren aus den Rabattschlachten heraushalten konnten, müssen reagieren. "Diese Prämie ist eine Droge, da muss man noch Jahre dran knabbern", sagt Dudenhöffer. Unbestritten bleibt, dass insbesondere die Autohändler jetzt vom künstlichen Boom profitieren und über das Krisenjahr gerettet werden. "Aber in der Zeit nach der Prämie kommt das Erwachen mit Kopfschmerzen und Katerfrühstück." Im Kern handelt es sich bei dem Boom um vorgezogenen Konsum, je höher der Berg jetzt, umso tiefer das Tal danach.

Was kommt nach der Staatsbeihilfe?

Zusätzlich zerstört die Prämie auf Dauer das Vertrauen in den Wert des Produktes Auto. Auch bei den Kleinwagen. Wie jede Droge verlangt die Rabattitis eine Steigerung der Dosis. Im Jahr 2010 werde es kaum gelingen, dem Kunden zu erklären, warum er für ein Fahrzeug, dass er ein Jahr lang für 6000 Euro kaufen konnte, plötzlich 11.000 Euro bezahlen solle. Der "kalte Entzug" ohne Rabatte würde zum Erliegen des Verkaufs führen, eine weitere Rabattspirale der Hersteller nach dem Ende der staatlichen Förderung sei damit vorprogrammiert. so Dudenhöffer

Zudem zeigen Rabattdaten nur die "offizielle" Seite des Geschäfts. "Die ausgewiesenen Rabatte haben Sie sicher, noch bevor Sie beim Händler in den Verkaufsraum kommen", erinnert Dudenhöffer. Und dort wird dann weiterverhandelt. Während beim Fiat Panda kaum mehr zu erreichen sein wird als die 4999 Euro, wird man bei anderen Modellen erfolgreicher sein. Offiziell gewährt BMW für 5er und 7er-Reihe keinerlei Nachlässe. Die Realität im Showroom ist das nicht.

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
danov (27.03.2009, 15:04 Uhr)
@ chrissss
Wenn Sie aus dem Grossraum München sind, würde ich Sie gerne kennen lernen. Hängen Sie einfach ein ATgmx.de an meine Unterschrift, wenn Sie per Mail Kontakt mit mir aufnehmen möchten.
Zum Thema: Ich denke, es gibt auch Ausnahmen, die schlau genug sind, sich Ihre Höfe nicht mit Tageszulassungen vollzustellen. Aber die Regel ist das bestimmt nicht. Und das wissen mindestens wir beide.
@ TracerCGN: Momentan stehe ich in dierektem Kontakt zu etlichen Zulieferern der Automobilindustrie, und alle haben eines gemeinsam: Sie stehen kurz vor der Insolvenz. Komisch, aber die spüren von Ihrem Boom herzlich wenig... Vielleicht sollten SIE mal mit diesen Firmen telefonieren, und Ihnen sagen, dass der Markt tobt...
Sie geben hier leider falsche Tatsachen von sich.
Ich möchte nicht behaupten, dass die Branche tot ist, ich behaupte, sie ist auf dem besten Wege dahin. Und weiterhin sage ich auch nicht, dass es nicht Händler gibt, die letztlich davon profitieren. Es wird so sein, dass sich das Absatznetz auf ca. 20% der bisherigen Grösse gesundschrumpfen wird. Weitere 20% werden Herstellerniederlassungen sein. Der Rest ist Geschichte. Sowas nennt sich Vertriebswegeoptimierung.
Oder platt ausgedrückt: Nur die harten, kommen in´n Garten...
Gruss, danov
unglaeubiger (27.03.2009, 14:26 Uhr)
prima idee
Was würden wir wohl ohne die Experten machen?
Bei 47 millionen zugelassener Kfz in Deutschland machen 1million, durch die Abwrackprämie
Vorgezogenen Neukäufe, den Markt für nächstes Jahr kaputt.
46 millionen fahren ihren Wagen dann bis zum Sankt Nimmerleins Tag.
Durch die Abwrackprämie wird gebunkertes Geld freigesetzt, prima Idee!
chrissss (27.03.2009, 12:36 Uhr)
@ danov
Ein Händler der jetzt noch Tageszulassungen auf dem Hof hat, hat wohl irgendetwas falsch gemacht! Von Oktober bis Januar `09 stimmt Ihre Darstellung absolut und wird wahrscheinlich nach dem Ende der Prämie auch wieder stimmen, aber jetzt? Jedes verkaufte Fahrzeug muß mittlerweile bestellt werden (bei mir ist das seit Anfang Februar der Fall)
TracerCGN (27.03.2009, 12:27 Uhr)
Nicht nachhaltiges Geschäftsmodell
Natürlich löst die Abwrackprämie nicht auf einen Schlag ALLE Probleme des Autohandels und im speziellen nicht die der Verträge zwischen den Herstellern und Händlern und den daraus resultierendem nicht nachhaltigen Geschäftsmodellen. Da kann sich der Staat ja nicht auch noch einmischen. Das war auch nie der Zweck. Die Prämie belebt aber unbestreitbar die Nachfrage nach im Bereich der verbrauchsarmen Klein- und Kompaktwagen, im Jahreswagensektor sogar bis in die Mittelklasse hinein und sichert so Beschäftigung in der Autoindustrie, mich allen angeschlossenen Brachen. Nicht umsonst jubilieren die Vertreter der Hersteller und Händler mittlerweile öffentlich über ausverkaufte Lager und Sonderschichten. Aufgrund des Erfolges wird das Modell übrigens mittlerweile von Spanien und England kopiert. Wer vor der Prämie nur schwerverkäufliche "Schüsseln" im Angebot hatte wird es sicher auch jetzt schwer haben.
danov (27.03.2009, 11:46 Uhr)
@ TracerCGN
Ihr Beitrag zeugt von absoluter Ahnungslosigkeit!
De Facto hat es keinen Run auf neue autos gegeben! Die Zunahme der Zulassungszahlen beruht ausschliesslich auf den gestiegenen Tageszulassungen der Händler, die - durch den Abnahmedruck der Hersteller gezwungen sind, Fahrzeuge abzunehmen. Damit diese nun auch über den Stichtag hinaus verkaufbar bleiben, werden die Fahrzeuge durch die Händler zugelassen. In diesem Moment ist die Grundlage geschaffen, die Prämie abgreifen zu können, und letztlich Wettbewerbsfähig zu bleiben. Hinzu kommt die Margenregelung der Hersteller, die bestimmte Nachlässe an Händler nur gewähren, wenn diese Ihre Zulassungsziele erreichen. Die Grundmarge im KfZ-Handel von Hersteller zu händler liegt im Schnitt bei 11%. Der Rest sind Stückzahlenabhängige Nachlässe und Nachläse, wenn bestimmte Voraussetzungen von Händlerseite (Grösse der Ausstellungshalle, Einhaltung der CI, Anzahl ausgebildeter Mitarbeiter) erfüllt sind. Diese können aber nur erfüllt werden, wenn Einnahmen vorhanden sind. Ein Rattenschwanz! Und jetzt mache ich Ihnen eine einfache Rechnung auf: Ein Kleinwagen, der neu € 10.000,- kostet, wird mit 2.500,- vom Statt subventioniert, und für 5.000,- verkauft. Dies entspricht einem Herstellerseitigen Nachlass von 25%. Dazu kommt, wenn der Kunde schlau verhandelt nochmal ein Nachlass von 10-15% von Händlerseite (die Höfe stehen voll, wer jetzt nicht verhandelt, ist selber schuld - die Händler haben extremen Druck, da ein Fahrzeug im Regelfall maximal 180 Tage zinsfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt wird. Danach wird das Auto bezahlt, der Händler muss eine sog. Einkaufsfinanzierung machen, die ihn im Schnitt 100,- pro Standtag an Zinsen kostet. Jeder Tag ist also bares Geld, das die notwenige Marge schmälert, die gebraucht wird, um die Liquidität des Händlers zu sichern. Achten Sie mal drauf, Ein Auto, dass länger als ein halbes Jahr beim Händler steht, wird auf einmal drastisch billiger, und das nicht nur einmal, sondern im Wochentakt...). Dies macht dann nochmal ca. 1.500,- aus. Somit ergibt sich aus Kundensicht ein Verkaufspreis von ca. 3.500,- €. ABER: Der Händler verdient im besten Fall 500,- an einem Fahrzeug, und das auch nur, wenn er die Leistungsbezogenen Margen abgreifen kann, die von Herstellerseite gerne mit der Subvention verrechnet werden. Erfahrungsgemäss legt der Händler in so einem Fall im Schnitt € 800,- ab. Warum verkauft er dann? Weil er froh ist, diese Schüssel ENDLICH vom Hof zu bekommen. 80% aller Autohändler arbeiten derzeit nach dem Prinzip: "Liquidität geht vor Rentabilität"! Der Einbruch in den Zulassungsstatistiken wird kommen, sobald die Prämie ausläuft. Denn dann stehen die Halden der Händler voll mit Kurzzulassungen, die erstmal verkauft werden müssen.
Sie sagen es doch selber: Es ist Ihnen schleierhaft! Wenn sie sich also nicht auskennen, sollten Sie verbal etwas kürzer treten, meinen Sie nicht auch?
Aber vielleicht können Sie sich jetzt Ihre Frage beantworten, "wo die ruinösen Rabattschlachten stattfinden sollen."
Gruss, danov
TracerCGN (27.03.2009, 10:55 Uhr)
Rabattschlacht ??
Mir ist z. B. schleierhaft wo die ruinösen Rabattschlachten stattfinden sollen. In einem Markt der von überwältigendem Nachfrageanstieg bei relativ konstantem Angebot geprägt ist entspräche nicht den Gesetzten der Markwirtschaft. Nachfragen nach schnell lieferbaren Kleinwagen gepaart mit Rabattwunsch lösen bei den Autohändlern, zum jetzigen Zeitpunkt, eher Heiterkeit denn emsige Betriebsamkeit aus. Die Abwrackprämie hat den sei langem bestehenden Nachfrageknoten im Automobilgeschäft endlich gelöst. Bisher fuhren die Deutschen im europäischen Vergleich die ältesten Autos und hatten das meiste Geld auf der hohen Kante. Laut den Zulassungsstatistiken sind die Profiteure eindeutig die deutschen und europäischen Hersteller, die jetzt Sonderschichten statt (staatlich subventionierte) Kurzarbeit fahren. Die 2500 € nimmt der Staat bei einem Verkaufspreis von ca. 13.000 € allein schon durch die Mehrwertsteuer wieder ein. Andere Steuern (z.B. Gewerbesteuer, etc.) fallen natürlich ebenfalls an. Das die Altwagen jetzt überwiegend durch sparsame Kleinwagen ersetzt werden ist ein weiter positiver Nebeneffekt.
danov (27.03.2009, 10:09 Uhr)
@ susanne_bonn
*lol* ein toller vorschlag! aber wie bekommen wir die geheimadresse raus?
man könnte doch auch die ganze branche stützen, in dem man konsumscheine - sog. fuckets verteilt. 10,- Euro pro Nummer vom Staat - oder so...
Malt (27.03.2009, 08:51 Uhr)
@serigala
Sowas hab' ich mir auch gedacht... wenn's brennt sollte man eh am besten immer genau in die entgegengesetzte Richtung der Masse rennen, dann hat man immer die besten Chancen zu überleben ;-)
insLot (27.03.2009, 08:47 Uhr)
Autopreise
Wie kann es sein, dass ein Mittelklassewagen im Schnitt das doppelte bis dreifache eines Kleinwagens kostet.
Weder ist in der Regel doppelt so viel Material verbaut, noch großartig andere Technik.
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Ganz ehrlich bei den Preisen stimmt doch eh was nicht. Und wenn wir nun endlich beim Europäischen Niveau ankommen um so besser.
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Fahrzeuge bekommen endlich den Stellenwert der ihnen gebührt. Gebrauchsgegenstand!
susanne_bonn (27.03.2009, 08:10 Uhr)
Ab-Fuck-Prämie
Habe unlängst gelesen, dass es dem horizontalen Gewerbe aufgrund der Weltwirtschaftskrise schlecht geht.
Hier ein Vorschlag.
-Wenn man alte Pornovideos zurückbringt, beteiligt sich der der Finanzminister mit 15 Euros an einen neunen (nach neusten Hygienischen Standards gedrehten) Pornofilm. Bedingung ist, er bekommt als Beleg eine Kopie des Films an seine Geheimadresse geschickt.
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