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3. Juni 2008, 12:59 Uhr

Brüsseler Reklame-Schere

Geht es nach dem Europäischen Parlament ist demnächst Schluss mit dem Spaß in der Autowerbung. Fahrfreude zu suggerieren, will man verbieten, dafür sollen 20 Prozent der Autowerbung für Verbrauch und CO2-Emmissionen reserviert werden. Den Medien droht der Rückzug der Branche aus der klassischen Werbung. Von Christoph M. Schwarzer

Heisse Reifen und Spaß am Fahren? Geht es nach dem Europäischen Parlament, ist in der Autowerbung bald Schluß mit lustig© Audi

Ist Autofahren so gefährlich wie Rauchen? Sollten die Forderungen des Europäischen Parlaments umgesetzt werden, kann man diesen Eindruck gewinnen. Dann würden nämlich 20 Prozent jeder Werbefläche oder –zeit in Zeitschriften, Internet, Radio und TV für gesetzliche Warnhinweise reserviert: Achtung, das Fahren dieses Autos trägt mit 163 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zum Klimawandel bei! Beim Konsum dieses Fahrvergnügens werden 6,8 Liter Benzin pro 100 Kilometer verbraucht!

Das sei eine Quasi-Enteignung, sagt Volker Nickel vom Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW). Seine Begründung: Die "Zwangsangaben" würden mit dem Geld der Unternehmen bezahlt, die Werbung in den Medien schalten. Auf diese Weise missbrauche das Europäische Parlament die Werbung, um ihre ureigenen politischen und erzieherischen Botschaften unters Volk zu bringen. "Es gibt bereits Drohungen der Autohersteller, sich ganz aus der klassischen Werbung zurückzuziehen und sie durch andere Maßnahmen zu ersetzen."

Werbe- und Pressefreiheit bedroht

Und weil Autowerbung nach den Prospekten mit den aktuellen Lebensmittelangeboten das zweitgrößte Kuchenstück bei den Einnahmen ausmachen, sei nicht nur die Werbe-, sondern auch die Pressefreiheit bedroht, so Nickel: "Die Vielfalt in den deutschen Medien wird durch das Geld aus der Werbung gesichert." Der Chef des ZAW, Michael Kern, geht noch ein Stück weiter. Er nennt die Forderungen aus Brüssel eine "neosozialistische Versuchsanordnung" aus dem "EU-Babylon", gegen das sich die Werbewirtschaft mit besserem Lobbying verteidigen müsse. Die zurückhaltende "Appeasement-Politik" großer Unternehmen fände er problematisch, berichtet die Fachzeitschrift "Werben & Verkaufen".

Freiwilliger Gefühlsverzicht

Neben der genannten 20-Prozent-Verpflichtung hat das Europäische Parlament noch eine zweite Idee. Die Kreativen in den Agenturen sollen einen freiwilligen Verhaltenskodex einhalten. Aggressive und dynamische Gefühle in Wort und Bild sollen verschwinden. Anzeigen, wie sie BMW zurzeit schaltet ("Adrnln"), könnten dann tabu sein. Zu viel Action, zu viel Spaß. "Solche Einschränkungen in der Werbeaussage würden die Agenturen zu besonders kreativen Ansätzen anregen", sagt Frank Zimmer, Chef vom Dienst bei der Fachzeitschrift "Werben & Verkaufen". Übersetzt: Etwaige Verbote lassen sich durch geschickt und schlau gemachte Werbung umgehen. An den Erfolg solcher Beschneidungen glaubt Zimmer darum nicht.

Wohlverhalten im Sinne Brüssels

Überhaupt, fragt Volker Nickel vom ZAW, "was bringt das alles?" Ein so aufwändiges Verbrauchsgut wie ein Auto werde nicht nur über Werbung verkauft. Da wären viel mehr Faktoren entscheidend, vom Gespräch im Showroom bis zum Small-Talk mit dem Nachbarn am Gartenzaun. Nickel sieht in den Forderungen des Europäischen Parlaments vor allem eins: Einen neuen Versuch, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie leben sollen. "Verhaltet Euch so, wie wir das wollen und für richtig halten", das sei die versteckte, aber eindeutige Botschaft.

"Groß und deutlich"

Allem Protest aus der Werbewirtschaft zum Trotz gibt es Befürworter der geplanten Regelung. Rebecca Harms sitzt für die Grünen im Europäischen Parlament und kann die ganze Aufregung nicht verstehen: Ob es nun unbedingt 20 Prozent sein müssen, darüber ließe sich streiten, aber sie "legt Wert darauf, dass die Verbrauchsinformationen groß und deutlich sichtbar sind." Der Kraftstoffkonsum sei eben nicht nur eine Frage des Klimaschutzes. Er werde auch aus sozialer Sicht immer relevanter. Für immer mehr Menschen sei ein sparsames Auto die Voraussetzung zur Sicherung ihrer Mobilität und des Arbeitsplatzes. Darum sei eine Kennzeichnung des Spritverbrauchs, die wesentlich größer sei als das aktuelle Kleingedruckte, dringend notwendig: "Das als Angriff auf die Werbefreiheit zu bezeichnen, halte ich für absurd", so Harms.

Für grundsätzlich richtig hält auch Otmar Lell, Referent für Nachhaltigkeit und Verkehr beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, die Vergrößerung der Verbrauchszahlen und CO2-Emmissionen. "So groß und prominent wie beim Tabak muss das aber nicht sein." Er warnt davor zu "suggerieren, dass man mit Werbemaßnahmen das Problem in den Griff bekommt." Und für viele ist "das" Problem ohnehin der steigende Ölpreis.

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Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
dutchinmex (05.06.2008, 16:03 Uhr)
Man kann sich nur wundern,
was für Stuß da aus Brüssel kommt als Gegenleistung für die Hunderte von Millionen, die das da kostet, mal abgesehen von den Beträgen, die durch Korruption dort verloren gehen. Höchste Zeit daß sich die 6 alte EG-Länder daraus zurückziehen.
Übrigens: die Grünen waren immer schon mehr oder weniger weltfremd.
Für feingold habe ich doch noch eine bessere Idee womit man seine Mitbürger noch mehr bevormunden und versauern kann, ganz in seinem extremistischen Sinne: Es ist ja so, daß jeder Mensch seiner bloßen Existenz wegen eine Umweltverschmutzung darstellt. Deswegen: eine Existenzsteuer die bei der Geburt 100E im Jahr ist und jedes Lebensjahr um 10% erhöht wird. Dann sind wir doch gleich da wo er hin will: Menschen bestrafen einfach weil sie leben.
Eisenbaer (04.06.2008, 19:01 Uhr)
Was soll die ganze Aufregung?
Die Empörung der Automobilindustrie ist doch nichts als heiße Luft. Als wenn jemand seine Kaufentscheidung von den bunten Anzeigenbildchen und den krampfhaft lockeren Texten abhängig machen würde. Wenn das so wäre, dann wäre der Jiangling Landwind ein gut verkauftes Modell auf unserem Markt. Es ist es nicht, also ist wer daran Schuld?

Ich kann von meiner Seite aus behaupten, dass mich die ganze Automobilwerbung recht kalt lässt; und bestimmt nicht zu meiner Kaufentscheidung beiträgt. Es ist sogar eher so, dass ich dieser Werbung ganz und gar nicht vertraue. Ich sage nur mal so ein Stichwort: Wie viel verbrauchen die BMW-Modelle laut Werbung und wie viel Mehrverbrauch wird dann unisono bei allen Automobiltests ermittelt?

Ne, Leute, ne: die da jetzt meckern haben allenfalls guten Grund um ihre Pfründe zu zittern. Schafft diese dämliche Werbung ab, die Kosten dafür (und die haben es in sich!!) werden dann doch nur wieder auf den Autokäufer umgelegt. Und dann darf "ich" am Ende noch dafür bezahlen, dass mich die Werbeindustrie so schamlos anlügt?

Ja hallo, wo leben wir denn???
mister-mister (04.06.2008, 14:38 Uhr)
@feingold
Im Grunde hat Ihr Gedanke mit dem Konto schon was - er läuft aber ins Leere.
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Diejenigen , die auch jetzt nicht allzusehr aufs Geld schauen müssen, können sich dann umgehend mit "Fahrrechten" eindecken - ist wie Nachtanken.
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Übrigens - ich hab zwar selbst keinen, aber es soll mal in die Diskussion - kann man auch einen normal motorisierten SUV locker mit normalen Verbrauchs- und Ausstoßwerten bewegen. Immer nur draufschlagen (das Motiv ist m.E. meist die Erkenntnis, sich selber so ein Teil nicht leisten zu können und dann heißt's "gib ihm" - typisch deutsch eben) ist zwar zur Zeit schick, geht an der Realität vorbei. Und Neid war schon immer die einzig ehrliche Form der Anerkennung.
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Ein durchgerittener 10 jahre alter Wagen (gleich welchen Fabrikats) mit Dieselwolke und Ölfahne hinten raus ist für mich ein weitaus größeres Ärgernis im Alltag. Alles eine Sache des Standpunkts halt.
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Trotzdem uns allen weiterhin eine gute Fahrt........... :-))
wanderer60 (04.06.2008, 08:46 Uhr)
@ feingold
Jau, das wäre die richtige Lösung: Ein Energieverbrauchskonto für jeden. Das müsste dann natürlich auch und besonders und zuallererst für unsere Vorbilder gelten. Ich meine die, die sich von der Fahrbereitschaft des Bundestags zu ihrem nächsten Date fliegen lassen.
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Schonmal ausgerechnet, wieviele Otto Normalverbrauchers mit ihrem tollen SUVs fahren können bis sie den Spritverbrauch von einem Politiker erreichen, der sich eben mal (spaßeshalber?) irgendwo hinfliegen lässt?
Jedenfalls wäre die Sache so am schnellsten vom Tisch!
stirngerunzelt (04.06.2008, 07:48 Uhr)
der finger auf den einzelnen
warum muss man sich als verbraucher eigentlich ständig ein schlechtes gewissen machen lassen?
die großen automobilkonzerne haben selbst ein interesse daran in zukunft auf dem markt wettberwerbsfähig zu sein. aus diesem grund wird bereits mit hochdruck an alternativen zu fossilen kraftstoffen geforscht. natürlich nicht zuletzt auch durch den druck der eu.
eine werbung nach brüsseler vorstellung hält doch keinen menschen davon ab sich das auto anzuschaffen, dass er haben will.
es gibt genug andere stellschrauben an denen jetzt gedreht werden kann.....natürlich sind die viel weniger medienwirksam!
mister-mister (04.06.2008, 06:59 Uhr)
Wer sich durch die Bürokraten........
.....den Spass am Fahren nehmen läßt, verdient es nicht anders.
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Am Ende ist und bleibt es die Entscheidung eines jeden einzelnen, für welches Fahrzeug er sich entscheidet, um von A nach B zu kommen.
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Der Artikel ist Informationsmüll.
feingold (04.06.2008, 01:53 Uhr)
Aufregung
Tut mir leid, ihr lieben Aufgeregten: Die Initiative aus Brüssel ist schon lange überfällig und man hätte sie von "einheimischen" Politikern schon lange erwarten müssen. Jegliche Art von Energieverbrauch des Bürgers und der Wirtschft ist ein Politikum und geht A l l e etwas an. (wozu eigentlich Effezienzmessungen bei Ölheizungen? und dann soll ein 70 kg-Arsch mit 20 Liter Diesel im SUV 100 km weit befördert werden? Spaßeshalber?)
M.E. gibt es nur eine (für viele schmerzhafte) Lösung: Ein persönliches Energieguthaben, das Fahren, Fliegen, Strom, Heizung etc. beinhaltet. Alles was spasseshalber zusätzlich verbraucht wird muss zugekauft werden, von Leuten die ihren Spaß aus anderen Dingen beziehen.
Ist Alles nur eine Frage der Zeit. Machen Sie sich schon einmal mit dem Gedanken vertraut,die persönliche Energieabrechnung wird kommen.
Gruß Feingold
Lamda (04.06.2008, 00:07 Uhr)
bürger werden für dumm erklärt und entmündigt
Die Pläne des EU-Parlaments sind mal wieder ein unschönes Beispiel dafür, dass sich unsere Politiker dazu erheben, zu wissen, was gut für uns sei. Der Bürger wisse garnicht, welchen "schaden" er durch seine mobile Selbstbestimmung anrichtet. Ihm fehle die Bildung. Deshalb müsse die EU handeln und die dummen Leute über die werbung informieren.
Sorry, aber an dieser Stelle muss ich mal Dampf ab lassen: Mal ehrlich, was hat uns die EU bisher gebracht???
OK, ein sehr gewichtiges Argument existiert:
Frieden, seit 60 Jahren
Das muss man schätzen, das ist viel wert, aber so langsam übertreiben es die EU Politiker mit den ganzen Verordnugen.
S-achte (04.06.2008, 00:03 Uhr)
Nun denn,
was erwarten wir, wenn wir alle abgehalfterten, unfähigen Politikversager in die EU Gremien verschieben?
Da kann nichts bei rauskommen!
Extrasupergut (04.06.2008, 00:02 Uhr)
Hat es ....
...diese Diskusion auch bei den "Warnhinweisen" auf den Zigarettenschachteln gegeben?
Die Kippen ziehe ich mir, hauptsächlich, nur in meinem eigenen Körper.
Die Gifte die aus den Auspufftöpfen der überdimensionierten "Stadt SUVs" kommen, (was ein bescheuertes Wort....) blasen mir Andere ins Gesicht.
Komisch wie eine Diskusion aussehen kann nur wenn es um ein anderes Produkt geht.....
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