. .
Autokauf - Kaufberatung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. April 2008, 18:51 Uhr

Verwirrspiel für Otto Normalverbraucher

Seitdem die Bundesregierung plant, die Bioethanolquote im Benzin von aktuell fünf auf zehn Prozent zu verdoppeln, kommen ständig neue Zahlen auf den Tisch: Wie viele Autos vertragen den E10 genannten Saft nicht? stern.de ordnet die Zahlen und erklärt, welche Interessen dahinter stecken. Von Christoph M. Schwarzer

schon heute besteht Sprit nicht nur aus Erdoel. Zu dem Benzin wird etwas gemischt, das aus Pflanzen gemacht wird - Biosprit eben© Nigel Treblin/DDP

Mehr als 35 Millionen Autos in Deutschland tanken Benzin statt Diesel. Schon jetzt sind in jedem Liter Normal, Super und Super Plus fünf Volumenprozent Bioethanol enthalten. E5 nennt sich dieser Sprit, und keiner hat je darüber gemeckert. Erst, seit die Bundesregierung eine Verdoppelung dieser Pflichtbeimischung in die "Roadmap Biokraftstoffe" aufnahm, ist das Geschrei da: Im Dezember meldete der ADAC, dass "Millionen" Autos das viele Ethanol nicht vertragen würden. Und in der Tat, Ethanol, also Trinkalkohol, ist in rauen Mengen nicht nur für den Menschen schädlich. Er kann die Kraftstoffleitungen angreifen, Ventilsitze schädigen und über falsche Zündungen sogar dem Katalysator den Garaus machen.

Das wäre alles kein Problem, schließlich sah der Plan der Bundesregierung vor, Super Plus als so genannte Bestandsschutzsorte auf lange Sicht weiter wie gehabt mit nur fünf Prozent Beimischung anzubieten. Was den Zorn der Massen erregt: Super Plus kann bis zu 15 Cent pro Liter mehr kosten. Eine Kröte, die nach den ersten Zahlen des Verbands der deutschen Autohersteller VDA "höchstens 375.000" Fahrzeuge und deren Halter schlucken müssten. Dieses gute eine Prozent des Bestands der Benziner müsse man hinnehmen, hieß es aus Berlin, schließlich gehe es nicht nur darum, Kohlendioxid einzusparen, sondern zusätzlich mehr Unabhängigkeit vom Rohöl zu erreichen. Die Vision: Deutschland fährt mit dem Sprit vom eigenen Acker.

Die Realität hat sich inzwischen verschoben. Nicht nur, dass der VDA die Zahl auf 190.000 Autos nach unten korrigiert hat. Umweltminister Gabriel hat auch erkannt, dass der VDA eben nur für die deutsche Autoindustrie gesprochen hat, und nicht für die Importeure von Renault über Toyota bis Fiat. Wie hoch die Zahlen genau sind, scheint keiner so genau zu wissen. Der ADAC, dem anfangs keine genauen Zahlen vorlagen, hat selbst recherchiert. Er verglich die Freigabelisten der Hersteller mit den Zulassungszahlen und kam auf über drei Millionen Autos, die das neue E10 nicht vertragen. Den 190.000 Autos aus deutscher Produktion nach Angaben des VDA stehen also mehr als drei Millionen auf Basis der Nachforschungen des ADAC gegenüber. Und Sigmar Gabriel hat sich festgelegt: Wenn die Zahl der Autofahrer, die auf Super Plus umsteigen müssten, mehr als eine Million betrüge, könne man die Anhebung der Quote vergessen.

Sechs Cent mehr pro Liter

Wer hat falsch recherchiert - der VDA, der ADAC, der Minister oder gar keiner, weil jeder von seinem Standpunkt aus Recht hat? Fest steht, dass es für alle Fahrer kostenschonend wäre, wenn die Hürde von einer Million Autos gerissen und die Verordnung am Ende gekippt würde: Wer sich arrogant ins Fäustchen lacht, da sein modernes Auto E10 locker verträgt, bekäme mit dessen Einführung ebenfalls sein Fett weg. Weil Ethanol im Einkauf etwas teurer ist als Benzin und in absoluten Zahlen 19 Prozent Mehrwertsteuer von 55 Cent eben mehr sind als von 41 Cent, würde sich der Preis für das aussterbende Normalbenzin und das Super in der E10-Version um vom Mineralölwirtschaftsverband geschätzte sechs Cent pro Liter erhöhen.

Hinter jeder Zahl stecken auch Interessen. Sowohl der VDA als auch der Verband der Importeure VDIK wollen vor allem eins: Neue Autos verkaufen. Gleichzeitig kann ihnen nicht daran gelegen sein, hohe Zahlen von E10-unverträglichen Autos zu verkünden. Das wäre ein Imageschaden. Das rechtliche Risiko für die Hersteller, von Klagen motorgeschädigter Halter überhäuft zu werden, ist gering: Laut ADAC liegt die Beweislast beim Fahrer, und der kann sie faktisch nicht erbringen.

Kauf' Dir mal ein neues Auto!

Auch für Umweltminister Sigmar Gabriel sind niedrige Zahlen besser. Nach dem Desaster mit Partikelfiltern bei Dieselmotoren, bei denen man ihm zumindest zu Gute halten kann, von Kriminellen hinters Licht geführt worden zu sein, kann er keine weitere PR-Katastrophe gebrauchen. Bringt er die Verordnung zur Erhöhung der Ethanol-Beimischung auf zehn Prozent doch noch durch, wäre das ein politischer Erfolg für ihn. Dann müsste er nur noch sicherstellen, dass das Ethanol weder auf ehemaligem Regenwaldgebiet gewonnen würde noch den Brotpreis in fernen Ländern in die Höhe getrieben hätte.

Umgekehrt sieht es beim ADAC aus. Der will die Autofahrer schützen. Vor hohen Spritpreisen und vor Schäden am Auto, für die niemand aufkommt. Auch er ist eine Lobbyorganisation, hatte aber bei der "Roadmap Biokraftstoffe" alle gegen sich: Die Autohersteller, die neue Autos verkaufen wollen. Die Bundesregierung, die Biosprit als Lösung fürs Ressourcenproblem sieht. Die chemische Großindustrie, die landwirtschaftlichen Produzenten, Importeure und Verkäufer des Biosprits. Am "Runden Tisch" bei der "Roadmap Biokraftstoffe" war kein Platz für den ADAC.

Zeit für eine Denkpause

Mit der Präzisierung des VDA, der jetzt 190.000 Autos angibt, die E10-untauglich sind, fehlen jetzt nur noch die Zahlen des VDIK. Sollten die ähnlich niedrig sein, können die Autofahrer schon mal den Geldbeutel zücken. Denn dass den Zahlen des ADAC in den Hauptstadtbehörden mehr geglaubt wird als denen der Hersteller, ist unwahrscheinlich.

Der sprichwörtliche Otto Normalverbraucher ist nicht der einzige Verlierer, wenn der Biospritanteil erhöht wird. Auch der Umweltnutzen ist höchst zweifelhaft: Noch ist nicht klar, wie viel Kohlendioxid durch Biokraftstoffe eingespart wird. Kritiker sagen, dass bei bestimmten Arten durch intensive Bewirtschaftung mehr Energie hinein gesteckt wird, als herauskommt. Ganz zu schweigen von den Pestiziden und Düngemitteln. Und wenn nur ein Mensch hungern muss, weil er sich sein Essen wegen der Konkurrenz von Nahrungsmitteln und Biokraftstoffen nicht mehr leisten kann, ist es Zeit, ein großes STOP-Schild zu setzen, eine Pause zu machen und die Mobilitätspolitik in Deutschland zu überdenken.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
sonne68 (04.04.2008, 08:10 Uhr)
von wegen "alte Fahrzeuge"
ich zitieren aus der Liste des ADAC,
keine Freigabe für:
Audi A2 BJ 2002-2005
Audi A3 BJ 2004
Audi A4 BJ 2003-2004
Audi A4 Avant BJ 2001-2008
usw........
als Politiker, egal welcher Couleur, braucht man sich keine Gedanken darüber machen... Ein neues Auto ist schnell gekauft. Kleiner Tipp: Wenns Geld nicht reicht, einfach die Bezüge erhöhen ;-)
DIE SIND DOCH ALLE BESCHEUERT!!!
Countryjoe (04.04.2008, 08:07 Uhr)
Übliche Abzocke
Also nichts weiter als die übliche Anzocke auf die in diesem lobbyistenregierten Staatsgebilde alles hinauszulaufen scheint.
Kyrandia123 (04.04.2008, 03:01 Uhr)
Das ist schon sehr seltsam
in USA, Brasilien , etc. werden solche Beimischungen bereits seit Jahren eingesetzt, z.T über 20%. Es sind bisher auch keine Autos liegen geblieben ( aus diesem Grund). Wer hat eigentlich das Interesse daran solche Horrormeldungen zu verbreiten ?? - ölindustrie ???.
An alle, die sich auch informieren wollen : http://de.wikipedia.org/wiki/Ethanol-Kraftstoff. Ansonsten es wird moentan soviel Unsinn erzäht - es tut ja fast weh - liebe Leute , bitte informieren und nicht irgendwelche seltsame Infos nachplappern
starmax (04.04.2008, 01:11 Uhr)
Recht hat michaelwinkler:
"Einige Millionen Autos in Deutschland können das Zeug nicht vertragen, müssen also das hochpreisigere Super-Plus tanken, wodurch der Staat mehr Mehrwertsteuer einnimmt. Um das Bio-Äthanol zu erzeugen, müssen Agrarflächen umgewidmet werden. Das führt zu steigenden Lebensmittelpreisen, außerdem werden ökologisch wertvolle Brachen wieder intensiv landwirtschaftlich genutzt. Landwirtschaftliche Nutzung bedeutet Einsatz von Treibstoff für Landmaschinen, außerdem Dünger und was sonst so anfällt. Unterm Strich wird für die Erzeugung von Bio-Sprit soviel Mineralöl aufgewendet, wie dieser anschließend einsparen soll.
Das sind doch wirklich gute Argumente dafür, diesen wunderbaren Kraftstoff so schnell wie möglich einzuführen?"
schrollibi (03.04.2008, 23:53 Uhr)
Biokraftstoff, es ist alles noch viel schlimmer.
Es ist alles noch viel schlimmer. Wenn man dem Politmagazin Report glauben kann, dann ist es auch noch ein ausgemachter, ökologischer Irrsin. Die benötigten Mengen an Bioöl können allein in Europa nicht hergestellt werden. Das was bereits erzeugt wird, steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung und verteuert unsere Lebensmittel. Also importieren. Indonesien rodet Regenwälder, legt sie dann trocken um darauf Ölpalmen zu pflanzen und das in riesigem Maßstab. Folge: Im Sumpfboden gebundenes CO2 und Methan wird frei und zwar in solch riesigen Mengen, dass dieses Land bereits jetzt zu dem 4. größtem Erzeuger dieser Treibhausgase gehört. Bis das die Ölpalmen wieder eingefangen haben ist uns längst die Luft ausgegangen. Abertausende, überbezahlte Ministerialbeamte in Brüssel und Berlin kommen natürlich nicht auf solche Zusammenhänge, das muß erst die gute Recherche einer Fernsehanstalt zu Tage fördern. Der wichtige, übergewichtige Umweltminister ist jetzt also von seinen Schranzen geweckt worden. Ob er schon alles verstanden hat?
susanne_bonn (03.04.2008, 23:48 Uhr)
ÖKOFASCHISTEN!!Die Warheit ist..........
E10 würde durchgeboxt, wenn 90% der Fahrzeuge es nicht vertragen.
Der wahre Grund: WIR KÖNNEN GAR NICHT SOVIEL BIOMASSE ANBAZEN UM E10 ZU Produzieren.
Wie müssten in Afrika zukaufen dass heisst für ein paar liter E10 kann ein somalisches Kind ein Jahr Leben. Schuld ist Rot und im Vorfeld die grüne Pest, ie den Boden bereitet hat
gherhard3 (03.04.2008, 22:44 Uhr)
Es ist unglaublich unausgegohren
...alles was ich aus dieser Ökosprit-Debatte heraushöre, ist ein Chaos von Interessengebäuden, oder besser Spinnennetzen der verschiedensten Lobbyvertreter, zwischen denen Minister Gabriel inkompetent und hilflos herumflattert. Jeder Lobbyist erzählt ihm was anderes und jeder will für sich und seinen Brötchengeber den meisten Profit herausholen. Die Abhängigkeit unserer Regierung von den "Fachleuten" der Industrie ist schlimm, aber eine Katastrophe wird das ganze erst durch die Inkompetenz unserer Regierungsvertreter, die offensichtlich nicht in der Lage sind, die eingeflüsterten Fakten zu ordnen und zu beurteilen, sonst gäbe es nicht so viele Widersprüche.
Schandmaul (03.04.2008, 22:05 Uhr)
Irrsinn
Sprit wird wieder mal zum Jahreswechsel um 6 Cent teurer, wie schön! Gnade uns Gott wenn der Euro wieder nachgibt und die Ölpreise ungefiltert durchschlagen. Ich wünsche dem politischen Schmarotzerpack Spritpreise von 1,80 im Wahljahr 2009 und eine schallende Ohrfeige seitens der Wähler.
Die grüne Ideologie in D, bar jeder Vernunft, nimmt immer absurdere Züge an und wirkt akut selbstzerstörerisch. Man scheint wohl allen Ernstes zu glauben, die Privathaushalte in D bis über alle erträgliche Masse hinaus und nach belieben belasten zu können. Langsam überkommt einen wirklich das Gefühl, die oberen Herren haben den Verstand verloren. Bald kassieren die BV-Richter im Wochentakt dilletantisch und stümperhaft ausgearbeitete Gesetzesentwürfe die seitens der Politiker jeden Sachverstand vermissen lassen. Analog jagt mittlerweile ein Desaster das nächste in der Umweltpolitik, wann werden die Herrschaften endlich dazu übergehen ihre Hausaufgaben anständig zu machen ?
acenes (03.04.2008, 21:38 Uhr)
Dumm, Dümmer, Fett-Gabriel
Endlagerschacht auf, Fett-Gabriel rein, Deckel zu, Problem gelöst!!!
Silbador (03.04.2008, 21:34 Uhr)
Der einstige Hoffnungsträger der SPD
verkommt also auch zur Industriemarionette!
MEHR ZUM ARTIKEL
Schädliche Beimischung Diese Modelle vertragen Biosprit

Bundesumweltminister Gabriel hat seine Pläne für das Benzin "E-10" erstmal auf Eis gelegt: Zu viele Autos in Deutschland vertragen den neuen Biokraftstoff nicht. stern.de veröffentlicht die deutschen Marken, die laut VDA davon betroffen wären. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft